Summa Legum [um 1500]




Die Summa legum brevis levis et utilis des sogenannten Doctor Raymundus von Wiener-Neustadt :: Elektronische Ausgabe 2013

Editorial

Druckausgabe: Gál, Alexander [Hrsg.], Die Summa legum brevis levis et utilis des sogenannten Doctor Raymundus von Wiener-Neustadt / ; 731 S. : Weimar (1926).
Elektronische Edition des deutschen Textes 2011/2013 durch Heino Speer auf Grund der Transkription innerhalb des Teilprojekts A 7 des SFB 226 [= Wissensorganisierende und wissensvermittelnde Literatur im Mittelalter — Würzburg-Eichstätt] durch Bettina Brendel, Regina Frisch, Stephan Moser.

[B.1]

[Summa legum brevis et levis atque utilis]

[Seite: 123]
Durch die väterliche lieb, welche ich zu meinen sunen hab gehebt, hab angefangen aus klaynikait meiner vernunft mit vil wachen vnd nit klaine arbeten ein klaine sum der gesatzt, ein kurtze vnd leichte, auch nutzliche mit schlechten sitten zesamen brengen, das sie ueben so lang, byß sie komen zu grossern dingen. Byn anruefende die gnad des hayligen gaystes, das
[Seite: 124] sie mich behelf vnd mache erfullen, on welchen kain anfang ordenlich wirt gegrundt vnd mangelt des nutz vnd eer alles endes.

[Cap.1.1]

Cap. I. Zum ersten von den regirer vnd gubernator der stat.

Es ist not einem jedlichen regirer vnd gubernator einer stat zwm mynsten in im haben das recht, als die kunst der gesetz vnd die fursichtikait der waffen, das er durch das gesetz zu zeit des [f]rides die poßhait der menschen vertreib vnd durch die waffen zu zeit des vnfrids den anfechtungen der feindt widderstee. Darumb ist zw sagen am ersten von den gesetzen vnd darnach von den waffen. [Seite: 125]

[Cap.1.2]

Cap. II. Von der gerechtikait vnd den rechten.

Die gerechtikait ist ein steter vnd ewiger will zw gebend einen jedlichen seine recht. Das recht nach dem Tullium ist ein kunsth oder ein wissen des gerechten vnd gueten, nach welcher wir genandt werden priester, das ist lerendt des heyligen gesetz. Fursichtikait des rechtes ist der götlichen vnd menschlichen sachen kundtschaft, des gerechten vnd vngerechten weyshait. Vnd wie wol die drei fur eines genummen werent, doch ist eine drifeldickliche vnderschaid. Die gerechtikait ist ein tugend sitlich, das recht verstregbarlich der tugend, hegung des rechtens ist ein kunst des selbigen rechtens. Die gerechtikait ist vnder den tugenden das obers gut, das [Seite: 126] recht ist myttel, hegung des rechtes ist das niderst. Die gerechtikait gibt einen jedlichen das sein ist, das recht vereindt, hegung des rechtes lernt, wie das geschech. Aber die gerechtikait ist zwifeltickh, als naturlich vnd gesatzlich. Die naturliche ist ein steter ewiger will, seine recht einem yedem gebend. Vnd on die mag kainer besitzen das reich gotes. Aber die gesatzlich gerechtikait ist das gesatz an ihm selbest, welcher oft verwandelt wirt, an welche wider das volg noch die reich mugent bleyben.

[Cap.1.3]

Cap. III. Die teylung des rechtes.

Das recht ist zwifeltich: wann eins ist das offen recht, das ander ist ein besunders. Das offen ist, welchs erstlich gehört zw dem kaysertumb. [Seite: 127] Das besunder recht ist ein besunders recht, welches gehort zw der nutzbarkait besunderer menschen. Vnd das selb besunder ist drifeltickh, als das naturlich vnd das burgerlich recht, ein recht des volks. Das naturlich recht ist, welchs von natur alle ding lert vnd hat hat gelert. Wen das recht ist nit aigen des menschlichen geschlechtes sunder auch alle tier, welche auf der erd vnd in den wassern vnd im luft leben vnd gefutert werden. Darvon ist herkumen verfuegung des mannes vnd der frawen, die wir nennen die ee. Darvon ist komen der kindere machung vnd aufzieung. Wan wir sehen alle tier des rechtens gelert geacht werden. Auch dar von ist herkumen des gelihen gelts vnd erlegten widdergebung, [Seite: 128] der freuel seines nechsten vnd seinselbs abtreibung vnd der gleichen. Aber das recht der leute [ist], mit welchem alle menschen gleichlich brauchen. Wen es ist das selbig recht allem menschlichen geschlecht vergunet. Wan von dem rechten von notturft der menschen erhayschung sein erstanden streit, krieg vnd sein darnach volget fengnusse, welche naturlichen rechten widderwertig. Wann von naturlichem recht vom anfang sein alle kinder vnd menschen frey geborn vnd waren in alle ding gemain vnd hetten ein freyhait, sie habent auch vndereinander kein krieg gehabt. Auch aus dem rechten der leute sein eingefuert naheth alle hendel, als kaufung verkaufung, verleihung bestellung, verwechselung, erlegt guet, wechsel, geselschaft [Seite: 129] vnd ander vil hendel. Item aus dem rechte der leute sein erfunden der stuel oder der geseeß benemung, bawung, verwandlung, der gelubd des frids vnd der teg anstellung des vnfrids vnd der gleichen. Item das burgerlich recht ist, welches ein jedliche statt ir selbs durch die gotlichen vnd menschlichen wrsach hat gesetzt. Vnd wirt gnent ein burgerliches recht als ein eygens recht einer statt. Vnd merckt, das alle völker, welche der gesatzten vnd gewonheiten brauchen, eins teils ires rechtens, eins tails des gemainen rechten aller menschen geniessent. Aber die drei recht sein vnderschidlich, wan das naturlich recht wirt bey allen menschen gleichlich gehalten, von dem eynigen gott gesetzt, fest vnd vnverwechslich [Seite: 130] bleibt. Aber die andern recht werden oft verendert mit widderwertiger gewonheit oder mit einem andern bessern gesatz darnach gesprochen vnd eingefuert.

[Cap.1.4]

Cap. IV. Vom wrsprung des rechtes.

Von anfang der welt sein wening menschen gewesen durch das erdreich hin vnd herender gestreut notturftig vnd elendlichen wonend in höllern des erdreichs. Die selben haben nit bedurft der gesatzten, wan sie nit beyeinander wonten, es belaidigt auch einer den andern nit. Darnach als sie gemert sein wurden, haben sie in gemacht hutten vnd heuslen, [Seite: 131] darnach gassen vnd geslen, in welchen beyainand bliben. Und dan sein erstanden zwischen in krieg vnd gezenck vnd widderwertikait. Wen alsdan der weyser vnd der merer an der geburd, der berufet das volgk vnd hat in gesagt: Ir secht, das durch die wais wir hard beladen sein, was gefelt euch … Vnd ist gemacht wurden ein statut, welches sie darnach gehalten haben fur ein gesatzt. Zw jungst mit geslen vnd die wonungen gemert macht vnd geweytert haben sie gemacht ein statt, in welch meer gemert das volgk vnd miteinander vereint haben sie gemacht vil stete; aber das volgk zw machen die gesatzt mocht nit zw samen beruft werden. Haben sie erwelt aus inen die weysern vnd die bessern vnd haben in geben wollen gewaldt ein gesatzt zwmachen, welches sie [Seite: 132] habent verhaissen zw halten. Als die erwelt sein wurden nach etlicher zeit vnd die leut einhellig nit mochten werden, haben sie erwelt einen aus inen vnd haben dem geben vollen gewaldt, zw machen alle gesatzt. Der selbige erwelte man, weyse, reich vnd guets geschlechts vnd starck gewesen ist, welcher mit suesen reden hot an sich zogen alles volgk vnd gewunen mechtikait vnd ist wurden ir aller her vnd hot geregire(r)t, als er wolt. Und lauterlich ist kund, wie das volgk im selbs zwm ersten statut vnd gesatzt hot gemacht, zwm andern einen ratenden, zwm dritten aus fursten des volgks. Aber yetz beschicht vngerochen dar widder, wan zwm ersten machen die fursten gesatzt, zwm andern ratgeben, zwm dritten volgklich. Auch nit wellen die [Seite: 133] fursten auch nit die ratgeben, sunder alle ding nach gefallen, nit fur recht, sunder entweder von lieb, von hass oder gunst.

[Cap.1.5]

Cap. V. Von taylung des rechtes.

Es ist wissend, das vnser recht, welches wir brauchen, aus geschribnem oder nit aus geschribnem ist. Das geschriben recht ist das gesatzt, das ist das gesatztlich recht, das gaystliche recht. Das recht der gesatzt ist das … gevolgklich gesatzt, senatus consultum, den wolgefallen der fuerst. Das gesatzt ist ein heyligs setzung, gebitend ersame ding vnd verbietend vnersame vnd widerwertige ding. Das gesatzt ist rechter vernunft von der pillikait gezogen, gebietend ersame ding vnd verbietend vnersame. [Seite: 134] Wann alle gesatzt eintweder sein gotlich oder menschlich; die gotliche sein aus gott vnd der natur bestendig, aber die menschliche sein aus sitten vnd aus gewonheiten. Aber das gesatz wirt genant von dem wort ‚lego, legis, legere‘ oder vom ‚ligo, ligas, ligare‘, wenn es bindt vnd streng alle menschen in aine monat nach seiner setzung zw seiner behaltung.

[Cap.1.6]

Cap. VI. Warumb die gesatz sein erfunden.

Aber es sein gemachte gesatz, das aus furcht der selbigen die vnfrum menschlich kechhait gestraft werde vnd sicher sei vnder den bösen der gueten vnschuldikait; [Seite: 135] darumb sein gemacht die gesatz, das den bösen aus furcht der pein die mechtikait zw schaden gezemth werde; es sein gemacht gesatz, das sie schedlich begierd vnder der regel des rechten geendt wirt, durch welche das menschliche geschlecht ersamlichen lebe vnd den andern nit belaidige, seine recht einem jedlichen gebe, vnderweyse. Das gesatz aber macht fier ding vnde versus:Das gesatz verheng, straft, gepeut vnd verpeut.

[Cap.1.7]

Cap. VII. Wie das gesatz sey.

Es wirt das gesatz ersam, gerecht, schlecht, möglich, notturftig, [Seite: 136] nutzlich vnd offenbar, nach der natur vnd gewonheit des vaterlands, der stat vnd der zeit verziment, fur alle nutzparkeit der burger geschriben.

[Cap.1.8]

Cap. VIII. Wen die gesatz gemacht werden.

Aber die gesatz werdent gemacht und gesetzt, wen sie gesprochen werden. Bestetiget entweders mit den sitten der brauchenden bewerd. Also herwidervmb sein vil abgetaner gesatz, wan sie den sitten der brauchenden nit tawgten.

[Cap.1.9]

Cap. IX. Wen nach dem gesatz gericht sol werden.

Wen die gesatz gesetzt sein, sint nit die zw wrteilen, sunder man wirt mussen nach inen wrteilen. [Seite: 137]

[Cap.1.10]

Cap. X. Wer hot am ersten die gesatz gemacht.

Moyses ist gewesen der erst, der den Hebreyschen die gotliche gesatz … vnd die gericht hat gesetzt. Mercurius den Egiptern, Ligurius den Lacedemoniern, Numa Pompilius den Römern hot gemacht die gesatz, Karolus den Schwaben, Julius allen vnderworfen dem Romischen reich.

[Cap.1.11]

Cap. XI. Welche mugen machen die gesatz bey vnser zeit.

Die fursten vnser zeit mugen am ersten die gesatz machen, zwm andern die radgeben, zwm dritten die gemainen leut. [Seite: 138]

[Cap.1.12]

Cap. XII. Wen sein erfunden die burgerlich recht.

Die burgerliche gesatz sein erfunden zwm ersten, wen die stett gesetzt vnd die burgermaister geschepft sein wurden vnd die gesatz geschriben werden haben angefangen. Wan das naturlich gesatz den hot angefangen zw sein, wen got die natur aller dinger vnd das menschlich geschlecht zwm ersten hot geschaffen. Aber die geschriben gesatz habend angefangen zw Athenis, die nit geschriben in Lacedemonio.

[Cap.1.13]

Cap. XIII. Was sey das [nit] geschriben recht.

Aber das nit geschriben recht ist der sitt vnd der gewonheit. [Seite: 139] Der sitt ist die lang gewonheit des vaterlands, von den sitten der menschen allein gezogen.Die gewonheit ist das recht aus den sitten gesetzt, welche fur ein gesatz wirt genommen, wen das gesatz gebruch hot gehebt. Es wirt aber die gewonheit zw latein genandt ‚consuetudo quasi communis suetudo‘ vnd ein brauch der menschen. Es ist aber zwifeltige gewonheit, als ein gute vnd ein böse. Die guet ist, welche von sitten aller brauchenden bewert wirt vnd die nutzlich ist vnd wirt genent ein löbliche gewonheit. Aber die böß gewonheit ist die, welche den sitten der brauchenden schadet vnd welche vnnutzlich ist. Die erst wirt gehalten fuer ein gesatz, die ander nit; wan die ander, wie lang die zeit hot gewert, [Seite: 140] sol sie albeg abgetilget vnd abgetailt werden vnd fur nichte sal sie gehalten werden.

[Cap.1.14]

Cap. XIV. Von den kreften oder tugenden gueter gewonheit.

Die guet gewonheit hat drei tugent: zwm ersten wan sie nachvolget dem gesatz, … zwm andern wen sie legt das gesatz wen es zweyfelhaftig wirt, zwm dritten wen sie straft das gesatz. Wen aber es gemain ist in der gantzen welt, den so vberwind sie das gesatz. Wen sie aber ist ein besondere, den so wirt sie allein gehalten an der statt, do die gewonheit ist, von den andern nit, sunder so ein anders gesatz hernach kumbt, wirt vberwunden vnd abgethan solche gewonheit.[Seite: 141]

[Cap.1.15]

Cap. XV. Von den geschriben freyheiten.

Sintmal die freyheiten fur die gesatz gehabt werden, als geschriben ist in decritis, ist zw sehen von den freyheiten. Vnd am ersten was do sei ein freyheit, [zwm andern wan wirt genant ein freyheit], zwm dritten wie vil sein gestalt der freyheiten zwm fierden wer muge machen freyheten, zwm funften wie lang zeit were ein freyhet, zwm sechsten wie vil maß werd aufgehebt ein freyheit. Von dem ersten, die freyhet ist ein hulf wider das gemain recht gegeben, wan nit ist ayniche freyhet, nun sie verheng etwas besunders. Es wirt genant ein freyhet als ein beraubend das gemain gesatz. Auch werden gnand die [Seite: 142] freyheit gesatz der besundern, von einen gemainen gesatz ausgenommen. Die gestalt der freyheiten sein zwo, ayns ist gemain, das ander besunder. Das gemain, ist welchs verligen wirt einer gemein … Das besunder ist, das verlihen wirt einer person, vnd das wirt ausgelescht mit der person, nur es werd begriffen in der freyheit, das es sulle geen auf die erbe. Es mags aber verleyhen vnser her Pabst vnd vnser her der Kayser die freyheit, wen die sein vber das recht vnd werden mit den gesatzen nit verbunden. Aber es weret ein freyheit so lang zeit, wie lang es verlihen ist. Aber auch wirt aufgehebt zwm ersten die freyheit … durch die [Seite: 143] nachgeenden, ob in der nachgeenden meldung geschicht von der vorigen. Item sie wirt aufgehebt durch die misbrauchung. Auch wirt sie aufgehebt durch die willige ausgedruckte aufgebung. Item durch der oberen widerrufung vnd durch geding.

[Cap.1.16]

Cap. XVI. Von den offen instrumenten.

Wie wol von den offen notarien vnd iren instrumenten in vnsern burgerlichen grichten nit ist die gewonheit noch die sorg, doch so durch andere gericht ich hab mut, von in ein wenig zw vermerken. Zwm ersten was do sei ein instrument, zwm andern wie vil sein seine gestalt, zwm dritten welchen bewisen sol werden der glaub. [Seite: 144] Von dem ersten ein offen Instrument ist ein geschrift von einem offen notario beschriben zw zeugnuß der sachen vor im angelegt. Es sein aber zwo gstalt der instrument, als das offen vnd das besunder. Das offen instrument ist, welches durch die hand des offen notarii ist geschriben vnd mit seinem gewonlichen zeichen verzeichnet. Das besunder ist zwifeltig, als ein glaubhaftigs vnd nit ein glaubhaftigs. Das glaubhaftig ist, welchem angehenck ist ein glaubhaftigs zeichen, als ein sigel eins fursten oder einer statt oder eines richters in sachen vor im oder dem gericht gehandelt. Aber es ist ein glaubhaftigs instrument ein besunder brief mit der hant geschriben [Seite: 145] habent die vnderschreibung dreyer taugenlicher lebendiger, ob der zwen werden sterben, so wird es kein glauben machen. Das nit glaubhaftig instrument ist, welches mangelt eines sigils vnd der vnderschreibungen vnd dem selbigen ist kain glaub zw beweisen. Aber dem offen instrument gleicherweis dem glaubhaftigen besigelten instrument sol gentzlich glaub bewisen werden, nur es werd beweisen solches instrument falsch zw sein.

[Cap.1.17]

Cap. XVII. Welcher masz werd entzogen den instrumenten.

Aber es wirt entzogen dem instrument in vil massen. Zwm ersten die abschabung, das ist wen die aigen namen der personen oder gueter oder stett abgetilgt [Seite: 146] werden vnd geschriben werden andere namen. Aber die abschabung der schlechten brief, sillaben vnd fuernamen oder zwnamen schadet nit, auch ob ander geschriben werden oder vnderwegen gelassen. Auch so schendt nit das laster der gramatica das instrument. Zwm andern die erschneidung oder erscherung. Zwm dritten die verkerung der hant. Zwm fierden ob widerwertige instrument von der selbigen sach werdent eingelegt. Zwm funften ob das instrument ist ein transsumbt vnd nit das haupt instrument oder originale. Zwm sechsten ob es nit in helt alle tail, welche den instrument sollen inehalten werden, als: in dem namen des hern amen; darnach sullen gnant werden die jar, indicion pabstumb, die jar des reichs, des kayser. [Seite: 147]

[Cap.1.18]

Cap. XVIII. Von der kraft der sigil.

Wan es gesagt ist von den freiheiten vnd instrumenten, wen aber die sigil besterkend die freyheit vnd alle brief die instrument vnd darumb ist von inen zw sehen. Zwm ersten was sei ein sigil, zwm andern wie vil sein seine gestalt, zwm dritten wie in mug entzogen werden. Von dem ersten ein sigil ist ein kuntpar zeichen in golt oder bley oder dem wachß eingedruck sterken alles geschicht. Aber es sein zwifeltige sigil, als glaubhaftige vnd nit glaubhaftige. Die glaubhaftige sigil sein der fursten, der stett vnd richter in sachen vor inen oder in gerichte geubten. Und die glaubhaftige sigil durch sich allein den briefen angehengt oder aufgedruckt [Seite: 148] bestetigent alles geschicht. Die nit warhaftige sigil sein sigil besunder personen vnd die selbigen durch sich allein mugen niks ewiglich bestetigen. Des ein exempel, ob einer [gibt] einem ein brief von schuld wegen oder andern beweglichen guetern allein mit seinem sigil … [vnd] von zwaien oder [dreyen] frumen mannen in den brief geschriben sigil nit habend zw zeugnuß genommen, wirt stet vnd vest, die weil die zewg leben sein … auch so der selbige schulder gestorben ist, geet zw den erben. Ob aber einer gibt eynichen ein brief vber farende gueter mit [Seite: 149] zwayer ersame mannen sigiln besigelt, wan er kein sigil hot voron, aber so verbindt er sich stets zw halten, was in dem brief begriffen wirt, das bleybt vest vnd geet zw den erben oder nachkomen. Ob aber einer gibt eynichen ein brief vber ligender guter, den so wirt erfordert sein eyen sigil, ob er das hot vnd des grunthern sigil vnd eins andern frumen mannes zwm minsten. Ob er aber nit sigil hot eigen, den so wirt erfordert des grunthern sigil vnd zwayr ersamen mannen zwm minsten, vnder welcher sigiln sol er sich verbinden bey seiner treu, sich stet zw halten [Seite: 150] alles, was oben in dem brief ist ausgedruckt vnd den so wirt der brief haben vestikait. Ob aber einer eynichem versetzt ein vnbeweglich guet allein in der hant des gruntherren vnd ob er in dem buech des gruntherren ist eingemerkt wurden, so ist es des selbigen rechtes, als wen es mit anhangenden sigiln bevestiget wer gewesen.

[Cap.1.19]

Cap. XIX. Welcher masz werd entzogen den sigeln.

Es mag aber einem sigil benommen werden drifeltiglich. Zwm ersten ob des vnderschreibung ist gentzlich abgetilgt. Zwm andern ob des sigil ist verschniten [Seite: 151] oder mercklichen erbrochen. Zwm dritten ob des zeichen des sigils ist vnerkant.

[Cap.1.20]

Cap. XX. Das recht der personen vnd der gueter vnd der klagen.

Eyn yedes recht, das wir brauchen, gehort eintweders zw den personen oder zw den guetern oder zw den klagen. Wan aber ein klein ding ist das recht der person zw erkennen, ob die personen nit wissend sint, von welcher wrsach es gesetzt wirt … [Seite: 152] Wan es sein zwifeltige personen, als vnder fierzehen jarn vnd fierzehen jerig, impuberes vnd puberes gnant. Die impuberes sein knaben vom tag irer gepuert byß zw dem fierzehenden jar erfult vnd darvnder … Die puberes aber sein zwifeltig, als halbpuberes vnd volkomenpuberes. Das kint, impubes gnant, ist vnder den jarn der beschaydenheit, welchs nit mag so groß verschulden, das in dem leib oder dem teil des leibs soll gestraft werden. Aber sein pfleger, ob der in der schuld wirt sein, der sol von seinen guetern dem richter vnd dem verletzten genug thuen. [Seite: 153] Ob aber nit, dan von den guetern des kindes, ob er von der missetat vberwunden wurt, sol gnug thuen vnd bussen. Impubes mag kein widerwertig ding thuen durch sich auch nit durch seiner pfleger, es schade im. Ob aber eine rechtliche notturft wurd, den so mag er etwas verandern mit seinem pfleger von wissen vnd willen der radgeben, so er gnad darzw erlang hot.

[Cap.1.21]

Cap. XXI. Das gemein wesen oder stat der menschen.

Allen menschen sein entweders man oder frawen oder ermofrodite, (verstee ains teils man, eins tails weib.) Die man wirkend vnd geberend. [Seite: 154] Die weible leident, sie entpfaen vnd geberen. Die hermofrodite in irem geschlecht, in welchen sie mer taugent (oder vermugent), nach dem wirt er geacht. Item der personen etliche sein geborn, etliche werden geborn. Die gebornen aber etlich abortiui, (das ist gestorbene in muterleib), etlich posthumi, (das sein) geborene nach dem tode irer veter. Vnd also ein yeder mensch entweder sei ein man frey oder ein leibeigner khnecht. Der frey aus freyem vater vnd muter geporn, welche kint nachuolgend [Seite: 155] den mutern der purden halben, des vaters der ern halben. Als ob der kunig nem ein pewrin, wurden sein sun gnent konige. Ob aber ein kunigin nem ein pawrn, so wurden gnant ire sun pawern. Ein leibeigner khnecht ist, welcher aus einer diern geborn wirt oder kauft oder verkauft. Der freyen sein etlich frey geborn, etlich frey gemacht. Die freyen von geburt sein die freyen, die man heyst liberi. Die libertini sein die gemachten freyen, die liberi sein die frey gesagten. Item der personen etlich sein ires rechtes, die andern eins fremden. [Seite: 156] Ires rechtes sein die ledig gesagten von veterlichem gewalt. Eins fremden rechtes sein die haussun, leibeigen khnecht vnd diern. Der sun sein etlich eelich vnd naturlich … die andern vneelich, als die bankarten vnd bastarden. Item der kinder etlich sein genugsams alters, etlich nit. Das genugsam alter (oder gesatzlich alter) ist von zwentzigfunf jar vnd darob vnd die werden gnant gnug alt, (das ist maiores.) Das nit gesetzlich alter ist vnder halb zwentzigfunf jar, die werden gnant minores, (das [Seite: 157] ist vngenugsams alters.) Der selbigen ze jungen sein etlich fierzehen jerig, die andern darvnder. Der vnder fierzehen jerigen sein etlich nit redende kinder, aber die andern nahet bey den fierzehen jarn, die andern fierzehen jerige. Item der fierzehen jeriger sein etlich halb fierzehen jerig, die andern volkomlich fierzehen jerig, die andern volkomlichst fierzehen jerige. Die halb fierzehen jerige sein tochterle der zwelf jarn, die knaben fierzehen jar. Die volkomen fierzehen jerige sein die frawen vnd die man achtzehen jarn. Die aller volkomlichsten fierzehen jerige sein man vnd weyber vber zwentzigfunf jar. In achtzehen jarn sein halb fierzehen jerigen noch vnder der pfleg irer pfleger vnd mit iren [Seite: 158] gutern mugen sie niks geordnen oder geschicken. Nach den achtzehen jarn sein sie volkomen fierzehen jerige oder puberes vnd den so thuen sie, was sie wellen mit iren guetern vnd person. Wen die pfleg ist den vollendt. Aber die narren vnd die tobsuchtigen sein alweg vnder den jarn der beschaidenhait. Aber in einem kint, [wan] die boshait erfult das alter, es wirt geschlagen mit den gerten vnd nit anders gestraft werden. Wen es [ist] die kintheit von lugen vol vnd mit den vnrechten vnd darumb wirt es vnder weilen gestraft. [Seite: 159] Aber die nit fierzehen jerigen, so gestorben sein vater vnd muter an geschefte, sein sie bald vnder pfleg der radgeben, welche mugent orden die pfleg der kinder vnd vestigen mit der stat sigil.

[Cap.1.22]

Cap. XXII. Von dem veterlichem gewalt.

In veterlichem gewalt sein alle vnser kinder, die fierzehen jerigen vnd darvnder, die nit ledig sein gesagt, welche wir von gerechten een gebern.

[Cap.1.23]

Cap. XXIII. Der gewalt des vaters wider die sun.

Die veter habent siben gewalt wider ir sun: Zwm ersten das [Seite: 160] sie [sie] mugen verbinden. Zwm andern das sie mugent ire gueter die narunglichen vnd kauflichen nach irem wol gefallen verandern, so die sun wnwillig sein. Zwm dritten das die nit ledig gesagten sun, was die gewynnen, das ist der vetere. Zwm firden das kainer sol sie behalten an des vaters willen. Zwm funften das die sun nit sollen weder burglich noch peinlich klagen wider den vater. Zwm sechsten das die veter mugen ir sun in eins andern zwwunschung geben. Zwm sibenden das sie mugent ir sun zw teylung der erbschaft nöten, wen sie wellen vnd nit herwidervmb, den nur in sechs vellen: zwm ersten wen der vater die gueter seiner kinder durch vntrewen vnd nit aus notturft wil verandern; zwm andern wen der vater ist ein vnnutzlicher [Seite: 161] verzerer der gueter; zwm dritten wen die erbgueter der vater nit redlich aufhebt oder zesammen haldt, sonder verhengt zerstört zw werden; zwm fierden wen der vater sein sun vnveterlich vnd hertglichen straft on wrsach vnd on schuld; zwm funften wen er die sun vnd die töchter nach volkommen zeit der fierzehen vnd zwelf jarn nit verhewret; zwm sechsten wen er in die notturft nit gibt nach seinem vermugen vnd irer notturft.

[Cap.1.24]

Cap. XXIV. Wie aufgehebt werde der veterliche gewalt.

Aber es wirt aufgehebt der veterliche gewalt in funferley maß. Zwm ersten durch den tod des vaters on geschefte sterbende. Zwm andern male durch veterliche [Seite: 162] ledigsagung. Zwm dritten wen der naturlich vater gib seinen sun in ain zwwunschung. Zwm fierden wen der sun seines rechtes sich gibt in zwwunschung oder in eine kintliche annemung einem andern. Zwm funften wen dem sun oder dem vater die stat ist ewiglich verpoten durch eine große missetat.

[Cap.1.25]

Cap. XXV. Wie vil masz ein statt verboten werd.

Die stat wirt in vil maß verboten. Underweilen auf eine zeit vmb vngemach vnd vnzucht, vnd der verleurt nit wider das guet vnd nit die eer, sunder allein den brauch seiner gueter in verschickung ein zeit. Underweilen durch ein verleumbt, villeicht er ist mayneydig [Seite: 163] vnd ein vbelreder der eren einer statt oder das er sich verkauft hot von galgen oder wan er ist ein nachlaufer ersamer frawen. Vnd der verleurt nit wider das guet noch die statt, sunder allein die eer, also das er wirt rechtlos vnd eerlos, das ist das er fuerbaß nymmer kombt zw aynicher wirdikayt. Underweile wirt auch verboten die statt vmb ein malefitz, als vmb ein todschlag, vnd der wirt sein guet verliern aber nit die eer. Ob aber es wer gewesen ein klaine missetat, als ein klaine diebstal, der verleurt die gueter. Aber vnderweil wirt aynichem [Seite: 164] verboten die statt ewigklich vmb eine grosse missetat oder darvmb, das er gsunt hat wider den fursten oder gemainen nutz mit verreterey oder mit obergebung oder trewbrechung, der wirt verlieren die guetern, die eer vnd den leib vnd die freyheit. Wan wo er begriffen, so hot er kaine zwflucht auch nit behaltung noch sicherhait. Vnd welcher in halt wissentlich oder beschützt, der wirt mit gleicher pein gestraft. Und ist zw merken, das alle die vmb ein veronleumbte missetat verwrtailt werden zw tode, auch ob sie nachlassung der pen durch gnad wurden behalten, doch die eer werden sie nymmer behalten, sunder also albeg als des rechtens erfarn gnant. [Seite: 165]

[Cap.1.26]

Cap. XXVI. Von dem verheyschen der ee vnd den hewreten.

Wan oben meldung geschehen ist von den gerechten hewreten, darvmb ist yetz von den vorgeheyschen von der ee zw sagen. Und zwm ersten von den vorgeheyschen, sponsalia gnant, wan die habend gewond die ee fuerkommen. Was sein die sponsalia, wan sie gnant werden, wen sie gehandelt werdn, in welchem alter, was sei der vorgeheysch wirkung, ob die verheyschen bezwungen werden zw machen ein ee, in welchen vellen die sponsalia aufgelost werden. Und zwm ersten sein die sponsalia der kunftigen ee verheyschung. Und werden gnant von dem wort spondendo, das ist verheyschen; [Seite: 166] es ist aber sitt das eeweib verheyschen, mit gelübd annemen. Aber stipulatio ist ein verheyschung, so ein frag vorgeend vnd antwurt nachuolgent ist, sag also: du verheischt mir das, der ander spricht: ich verheysch. Aber die sponsalia zw kunftiger zeit werden in funferley maß gemacht. Zwm ersten durch die wort darzw geschickt: ich wirt dich nemen zw einem eeweib. Zwm andern mal wen die ausdrucken den willen in gegenwurtiger zeit. Zwm dritten durch gebung der heftpfening, als eins fingerrings oder gelts oder ander gueter. Zwm fierden durch eynige verheftung, als durch ansteckung des fingerrings. Zwm funften durch den ayd. Es werden auch sponsalia gemacht zwischen den sibenjerigen, aber zwischen den jungern sein [Seite: 167] nit sponsalia vnd darvmb wirt nit ersteen aus in die offen ersamkayt. Vnd wirt erfodert da, das ir yedes sey zw jung, nur oder were nahet dem alter vnd die beschayt erfult das alter vnd allermayst, wen er versucht hett leiblich vermischt zw werden. Die kraft der vorgeheysch ist, das die einfuert die gerechtikait offner ersamkayt, die do verhindern ist die ee. Auch werden genöt die versprochen zw machen die ee, ob sie sein alt genug vnd haben geschworn, nur es wer ein ergers geforcht, wan den werden sie slechtigk nit bezwungen. Verstee das, so es bleiben ist in dem selbigen stant. Wan ob einer machte durch wort von gegenwertiger zeit mit eyner andern, wirt er nit genöt. Ob aber der, welcher geschworn hot zw [Seite: 168] vereinen, will eingeen in einen bewerten orden, so wirt im geben ein rat, das er sie neme, aber vor leiblich vereynung eingee in den orden. Ob sie aber bayde sein zw jung als vnder fierzehen jar, doch elter dan siben jar, so mag ir kains nemen ein andern. Wen aber das ein wer alt gnug vnd das ander zw jung, den so kommen wirt das grosser, welches erkumbt zw gnugsamlichen alter, ist schuldig zw erwarten des myndern. Vnd wenn das junger kommen ist zw gnugsam alter, so wirt es die ee bewern oder verschlahen, nur die leibliche vermischung wer entzwischen kommen. Ob aber das elter, so das junger nit erwartet ist, durch wort von gegenwurtiger zeit mit einem andern hett gemacht, so haft die ee, die albeg hot zerbrechen die sponsalia, die do sein zwkunftiger zeit.[Seite: 169]

[Cap.1.27]

Cap. XXVII. Die sponsalia zukunftiger zeit werden erlediget von dreyzehen wrsachen wegen.

Es werden aber erlediget die sponsalia von kunftiger zeit von dreyzehen wrsachen: Zwm ersten durch eingang eines gaystlichen bewerten ordens, das do haft auch in den gehayssen von gegenwurtiger zeit. Zwm andern durch entpfahung der hayligen weyhen, welchs hot statt in den gehayssen in gegenwurtiger zeit. Zwm dritten wan sie bayde einander laydig sagen. Zwm fierden wen das ein hinweg geet in ein verres lant vor leiblicher vermischung. Zwm funften wen einer velt in die aussetzigkayt oder in eine andre grosse krankheit oder vnformikeyt des leibs; doch die vnformikayt in der aussetzikayt nit auflöst die ee oder [Seite: 170] den gehayssen von gegenwurtiger zeit, auch der gsunt ist schuldig dem kranken die schuld zw raychen. Zwm sechsten ob herfuer kumbt ein schwagerschaft oder freuntschaft. Zwm sibenden ob der vnverleumbt hot verhindrung, als ein schwagerschaft herfuer (oder an tag) kummen sei gewesen. Zwm achten wen das ein der zwayer hot vnkeusch triben leiblich. Zwm newnden wen einer vnkeusch treibt gaystlich. Zwm zehenden wen gemacht werden die andern gelubd von gegenwertiger zeit; durch die andern vorgehayß von kunftiger zeit … das verstee ob er die ander nit leiblich erkent hot, wan den so ist es ein ee. Zwm aylften wen das junger komend ist zw gnugsamen alter nit vil steet halten, das es gethan hat. Zwm zwelften wem eins verhayssen hot nemen in einer bestymten [Seite: 171] zeit vnd ist nit gestanden durch in, das es nit hot genommen in der selbigen zeit. Zwm dreyzehenden wen herfuer kommen ist ein gaystliche freuntschaft, als eine gevaterschaft, oder eine gesatzliche freuntschaft, also ist zwwunschung.

[Cap.1.28]

Cap. XXVIII. Von der ee.

Bei der ee sein zwelf ding zw merken: Zwm ersten was sei die ee, zwm andern von wannen sie gnant werden, zwm dritten von welchem es sei aufgesetzt, zwm fierden wen sie sei aufgesetzt, zwm funften wo sie sei aufgesetzt, zwm sechsten mit welchn worten sie sei aufgesetz, zwm sibenden welche sei wrsach gewesen der aufsetzung, zwm achten in welchem alter vnd wie sie gemacht werde, zwm newnden welche vnd wie vil sein ir verhindern, [Seite: 172] zwm zehenden welche zwgelassen werden zw verhindern ein ee, zwm aylften wie vil vnd welche sein gueter ee, zwm zwelften welche mugen verklagen ein ee. Von dem ersten die ee ist des mannes vnd des weibs eeliche zwsamen fugung, ein vnzertaylberliche des lebens gewonheit haltend. Es wirt aber gnant matrimonium ‚quasi matris munium‘, als der muter ambt. Aber sie ist aufgesetzt wurden von got fur der sund im paradiso. Aber sie ist eingesetzt worden mit den worten: Nun kumbt das bayn aus meinen baynen vnd das flaysch aus meinem flaysch, vnd das wirt der mensch verlassen vater vnd muter vnd wirt anhangen seiner hausfrawen vnd werdend zway in ainem leib. [Seite: 173] Aber die wrsach der aufsetzung der ee vor der sund ist gewesen entpfengnuß des kinds, aber nach der sund die vermeidung der vnkeusch. Machen ein ee durch willen der puberi (verstee des mannes in fierzehen jarn, des weibs in zwelf jarn) der die zwsamen werden gefuegt, … Sein die loblichkayt nit von dem wesen der ee. Aber die wort sein notturftig der kirchen halben in den, welche durch sich selber mugen reden. Und ob die wort von den einander nemenden sein finster oder tunkel geredt, so wirt gelaufen zw gemainer irer verstentnuß. Es sullen gemacht werden die ee offenlich nit haymlich. Aber die ee wirt gemacht durch ein wort darzw geschickt, als ich nym dich zw meinem weib oder ich nym dich zw meinem man. [Seite: 174]

[Cap.1.29]

Cap. XXIX. DIE Verhinderung der ee.

Die verhinderung der ee, welche habend zw erbrechen vnd zw verhindern, sein zwelf, welche gemerkt werden in diesen versen: Von der yeden sol wir hie sehen. Vnd zwm ersten von der irrung. Bey dem ist das zewissen, das fierfeltig ist die irrung, als der wil, der person, der condicion vnd des gelucks. Die irrung der will ist, so gebruch hot der wil ir eins der, die do handlen. Die irrung der person, also wen ich glaub mich zw machen mit A, wirt mir gegeben B. Die irrung des stats, wen mier wirt [Seite: 175] gehayssen eyn freyn vnd wirt mir geben ein leibeigne diern. Die drey wrsach verhindern vnd zerbrechen die ee, nur es werd mit nachgeenden geschicht verwilliget, mit worten oder mit werken oder mit leiblich vermischung. Die fierd wrsach, als des gelucks oder grösse ist, wen ich glaub mich zw heureten mit ainer jungfrawen oder mit einer reichen vnd handle mit einer erstärten oder armen. Und die fierd wrsach erbricht nit die gemachten ee.[Seite: 176] Condicio, ob sie zymlich zw gelegt sey wurden dem eelichen nemen, nur er sei schuldig, so ist es nit ein ee, nur es werd dar von geschaiden durch seiner vater vnd muter verwilligung von kegenwurtiger zeit hernach geuolgt oder durch leibliche verfuegung. Aber die vnmugliche condicio (da gnant vnderschaid) ader vnzymliche ader wider guet sitten darzw gelegt sol nit vor zwgelegte gehabt werden. Das loblich gelubd zerbricht die ee, aber das schlecht gelubd bricht nit, sunder es verhindert. Aber das loblich gelubd wirt gnent durch entpfaung der heyligen weych oder durch bekennung ausdrucklich gethan eynichem von den gaystlichen örden bewerten. Cognacio, das ist die freuntschaft, [Seite: 177] ist drifeltig, als gaystlich, leiblich, gesatzlich. Die gaystlich freuntschaft … Die leiblich freuntschaft ist ein zwgehörung koment aus der freuntschaft vom blut oder schwagerschaft vom hewreten. Und die zerbricht die ee biß zw der fierden sip. An der funften sip oder weyter wirt die ee zymlich gemacht. Wen gnug ist, das einer der machenden vbergee den fierden sip, wie wol der ander ist in der fierden oder nehene kommen. Die gesatzlich freuntschaft durch die zwwunschung, … die hot drey verbietung, ein zeitliche, zwo ebig. Die zeitliche, das der leibliche bruder nit mag … mit der schwester die zwgewunscht ist, dieweil stet die zwwunschung, so aber geendt ist, [Seite: 178] als durch die veterliche ledigsagung, so wirt sie wol gemacht. Die ander ist ebig zwischen den zwwunschenden vnd zwgewunschten vnd zwischen dem eeweib des zwwunsch[end]en vnd dem zwgewunschten, auch so erledigt ist die zwwunschung. Die dritt ebig zwischen dem zwwunschenden vnd eeweib des zwgewunschten. Die missetat, als vnkeusch mit freunden, verhindert die ee, aber sie bricht sie nit. Item arbet in den tot des eemans oder des eeweibs nit hernach geuolgt die wirkung. Das selb ist in andern missetaten. Die leyblich manschlachtung verhindert nit die ee. Die missetat hat nymmer zw erbrechen die ee nur in dreyen vellen, als wan ein eebrecher gibt sein trew der eebrecherin, dieweil lebt sein erste hausfraw, [Seite: 179] zwm andern wen er von geschicht hot gehewret mit einer andern, die weil die erst lebendig ist, zwm dritten wen der der ander arbet mit kraft zw dem tod des andern … Ungleiche der götlichen eer ist, ab ein kristen hewret mit der judin oder heidin vnd die willig nit bekert werden zw kristen glauben, den so wirt zerbrochen die ee. Aber anders ist es von den glaubigen eeleuten, wen ir einer geet in die ketzerey, wan die der glaubigen ist war vnd stet, aber der vnglaubigen ist war aber nit stet vnd in dem vall wird aufgelöst die ee vnd doch der, welcher bliben ist im glauben, mag nit hewreten mit einer andern, wan oft gleisnet der ander tail der eeleuten die ketzerey, das geschiden wurd die ee. [Seite: 180] Und du solt wissen das die heyden, welche nach irem sitten mit vil hausfrawen heureten vnd doch, ob sie all bekert werden zw dem glauben, doch so wirt er haben die ersten hausfraw. Item hab gesagt vis, ist freuel, welche aus irer natur hat zerbrechen die ee, wan sintemal gehewret wirt mit dem eynigen willen, aber wo macht ist vnd freuel, da ist kein will vnd darvmb nit ein ee. Desselb wrsach ist von dem tobsuchtigen, der nit verwilligen mag, wen er arbet aus tobsuchtikait, darvmb so mag er nit ein ee machen. Doch [Seite: 181] soltu vnderschaiden zwischen gewalt vnd gewalt. Wan ob der gewalt vnd die forcht ist ein solche, welcher (nit) fallen mag in einen steten man, er sei alt genug oder jung, der welchem gewalt beschicht, ist nit ein ee, nur er verwillige darnach stilliglich oder ausdrucklich. Aber ob nit ist ein solcher gewalt oder freuel, welcher mag vallen in einen steten man, der bricht nit die ee. Auch die heilig weyhung erbricht die ee, auch die heylige weyhe verhindert, die mynder weich verhindert nit noch erbricht die ee. Die verbindung, verstee von kegenwertiger zeit, wen er ist verbunden einer hausfrawen, wen er hewret mit einer andern, so haft nit [die] ee. Wen es ist zwifeltig das bant der vorgelubten, [Seite: 182] eins durch wort von gegenwurtiger zeit, das ander durch wort von zwkunftiger zeit. Das erst zerbricht die nachuolgende ee, aber das ander bricht nit. Item die ersamkeyt, das ist ersamkeyt offner gerechtikait, welche ist eine zwgehörung aus vorgehayssen her koment, zihent die sterk von setzung der kirchen durch die ersamkeit vnd beschicht, wen einer nymbt ein weib durch die wort von gegenwurtiger zeit, so die gestorben auch so kein vermischung der leib hernach geuolgt, mag keine von dem bluet der selbigen nemen merer zwm eeweib. Affinitas, das ist die schwagerschaft, welche ist ein nechene der person aus leiblichem werch herkomend aus vnkewscheit vnd eelichem [Seite: 183] werk mangelt aller veterlichkait, die hot heut verbietend in dem ersten geschlecht allein. Aber verzeiten war sie ausgestregt byß zw der fierden sip. Und ist zw wissen, das die freunt vom blut des mannes sein nit affines den freunt vom bluet des weibs oder herwidervmb, auch nit sunder der eynig eeman ist ein schwager den freunden des bluets seines weibs vnd herwidervmb. Wen mein vater vnd die andern meine geborne freunt mugen wol hewreten mit den gebornen freunden meines weibs vnd herwidervmb. Abproch sal haben allein der man von den gebornen seines weibs sip biß zw dem fierden grad oder vnd salt verstan das von der schwagerschaft, welche vorgeet der ee. Ob aber sie hernach volgt, so zerbricht sie nit die ee, oder die gelubd von der gegenwertigen [Seite: 184] sunder von der kunftigen zeit. Item die vnmuglichait leiblicher werk zw verbrengen verhindert die ee. Du solt wissen, das die ebig kelte im man oder die schneidung der menlicher gelider in man vnd in naturlichen artikeln vnd vngesunt machberlich engung des freulichen (oder weiblichen) gelids vnd ebigs malefitz (oder zauberey), ob die vorgeend der ee, so erbrechen sie die ee, ob sie bewisen mugen werden. Aber an die vall oben vermerkt, mit welchen wirt verhindert die ee vnd wirt erbrochen, sein noch etlich andere, welche verhindern aber nit erbrechen die ee, als da ist die zeit der feyertage vnd dem contract der ee wider das verbot der kirchen. Und du salt wissen, das vmb [Seite: 185]
kaine missetat der man mag verlassen das weib noch das weib den man. Doch mugen besundert werden des beyligens halben vmb gaystliche vnd
leybliche vnkeusch, doch bleybend die eeleut besundert. Aber die leybliche vnkeusch ist, wen einer der eeleut bricht sein trew im eebrechen; die gaystlich vnkeusch ist, wen eins der eeleut geet hin zw der ketzerey. Psalmista: Du wirst verliren alle die, die vnkeusch weyben an dich, das ist welche weichen von dem glauben. Und du solt merken, ob bayde eemenschen wellen gaystlichen orden, den so wirt geschieden die ee, wan ytz sein sie der welt gestorben. Ob aber einer der eemenschen an des andern willen geet in einen gaystliche(n) orden, so mag der ander den widerruefen. [Seite: 186] Darvmb die ee ordenlich gemacht schaidt ni[h]t[s] nur der eingang des gaystlichen orden vor leiblicher vermischung vnd darvmb, als die leybliche ee wirt erledigt durch leyblichen tod, also die gaystliche ee durch gaystlichen tod. Wen es ist ein zwifeltiger will der gemut, einer gaystlich vnd der wirt erledigt durch gaystlichen tod, wen der mensch stirbt der welt durch bekennung des ordens strengikait. Der ander will ist leyblich, welcher geschicht durch zwsamenfuegung der zwaer geschlecht des mannes vnd des weibs vnd der wirt erledigt durch den leyblichen tod. Wan da ist die ee, solcher tod erledigt in. Underweilen geschicht besunderung zu der wanung durch die aussetzikayt, das der gesund nit werde vergift von dem sundersiech; doch ist der gsund teil [Seite: 187] schuldig dem vngesunden zw geben sein schuld, ob er nit mag (anderst) das ander abweysen mit gueten worten. Auch durch forcht des todes werden sie vnderweilen bayde gesundert, als wen dem tobsüchtigen man oder von dem giftgebenden weib den tod dem man zwrichtend ist. Auch mit dem sundigen man, als mit einem dieb … doch haymlich sald ein tail dem andern die schuld leyblicher werk raychen, doch sol es von dem gstolen oder geraubten guetern nit leben.

[Cap.1.30]

Cap. XXX. Von den guetern der ee.

Es sein dreu gueter der ee, das ist die treue oder der glaub, [Seite: 188] das sacrament vnd das kint. Der glaub, das kain eebruch geschech. Das sacrament, das kain schiedung der ee geschech. Das kint, durch [das] gemacht wirt die ee, welches durch die eeleut sol nit vermyden werden. Ob gebrochen wurd die treu durch den eebroch des weybes vnd wirt geschehen ein schidung, sie verleurt das hewret guet. Ob durch den eebruch des mannes, der verleurt sein donacion, nur sie werden versuent mit einander. Und ob ir yedes wurd sein ee brechen, den so werden aufgehebt gleuch sund mit gleicher vergleichung vnd das ist warer nach gaystlichen rechten. Aber nach den gesatzten ob das weib wirt ergriffen in dem eebroch, so wirt sie in ainen sack gestossen vnd ertrenck oder wirt lebendig vergraben. Ob aber geschicht schiedung [Seite: 189] der ee durch leybliche freuntschaft oder schwagerschaft welche vnwissenlich der irrung haben zw der ee griffen, so wider erlangt das weib ir hewretguet auch die ire heuretgueter vnd der man sein guet von der ee oder sein donacion durch die ee, ob sie nit kinder haben. Ob sie aber haben kinder, den so bleibt die eygenschaft des heuretguets vnd der donacion bey inen, den kindern, aber der fruchtbrauch bey vater vnd mueter. Und kaines der eeleut mag sunst ein anders nemen zw der ee. Ob sie aber wissenlich haben zw der ee griffen, den der, welch das gewist hot, verleurt alles, das er dem andern tail hot geben vnd dern ander, welcher es nit gewist hot, behalt das zw seinen lebtagen, aber darnach so wirt es geben der furstlichen schatzkamer, nur von gutat des frids [Seite: 190] wer es anders gesetzt, als das der man widerbreng sein hewretguet, ob sie kinder beyeinander nit haben, ob sie aber kinder beyeinander haben, den so wirt bleyben hewretguet vnd die donacion bey inen. Und die selbigen kinder werden gnand eeliche kinder, wen warvmb die vnwissenheyt erfult die ee. Und ist gnug, ob eeliche kinder sein. Ob sie aber bayde haben gewust die freuntschaft, den auch so wirt der vneelich vnd nichten erb er den vater vnd der mueter, aber das hewretguet vnd vbergabung vaters vnd der muter wirt bald verfallen der furstlichen schatzkamer nach gaystlichen rechten; aber nach den gesatzten ist ein ander peen an die. Und merk, das dieweil die ee werend ist, weder das hewretguet noch die donacion wirt [Seite: 191] mugen verendert werden, nur eine rechtliche wrsach werden zwischen kommen. Aber so sie aufgelöst ist, der noch bleybend man thut mit dem hewretguet, was er wil vnd wirt behalten die donacion nit geergert zw seinen leybtagen. Und herwidervmb von dem eeweib. Aber das ist gantz war, ob sie kinder nit habend oder ob ein anders von gewonheit oder geding gewrtailt wurd. Und ist zw wissen, das die ee so gros ist gunstlich, das sie auch eelich macht dem sun oder ein kint, welches die eeleut haben geboren vor der ee. Und das ist war, ob in zeit der entpfengung ir jedes was ledig, sunst nit. Und sulche kinder werden eelich gemacht durch die nachuolgenden ee, als die vneelichen kinder durch vnsern hern den Babst oder den Kayser sie eelich gemacht werden. [Seite: 192]

[Cap.1.31]

Cap. XXXI. Von verklagung der ee.

Wen von den obgenanten irrungen verklagt wirt, die eelichen vnd vater vnd muter sullen sein verklagen. Darvmb wirt abgetriben der, welcher durch ein schnödes guet oder gewin verklagt ein ee. Auch ein abwesender mag nit verklagt durch brief noch zeug sein. Und merk das zw weysen die freuntschaft oder schwagerschaft zwgelassen werden vater vnd muter vnd geborne freunt besser den ander, wan sie werden verwendt baß zw wissen ir geschlecht dan ander leut. Aber nit von vater vnd muter die verklager sein, sunder so das gemain wort aufbrengt die irrung, so mag der [Seite: 193] bischof erforschen vnd ob er die verhinderung war erfind, mag er die ee schaiden. Zw jungst an gericht der kirchen mag ein eemensch nit verlassen sein gemahel, auch ob die eltern (als vater vnd muter) weren offenbaren. Und ob es verließ, sol bald gescheen widergebung. Und merk das in eeliche sachen, so der krieg nit bestätigt ist, wirt wider den vngehorsamen gehandelt mit aufnemung der zeugen vnd zw den entlichen vrteil.

[Cap.1.32]

Cap. XXXII. Von der kinds pfleg.

Die pfleg ist ein kraft oder ein gewalt in einem freyen menschen in zw beschutzen, welch durch das alter sich nit mag beschutzen, aus burgerlichen recht gegeben oder verheng. [Seite: 194] Aber ein pfleger ist, welcher von burgerlichem recht hat den macht vnd den gewald zu beschutzen einen freyen menschen, welcher durch das alter nit weis sich zw beschutzen. Und wirt gnent tutor quasi tu[i]tor, das ist beschutzer, wan er sal beschutzen den jungen waysen in allen sachen, gerichten vnd enden.

[Cap.1.33]

Cap. XXXIII. Von dem gerhaber.

Der gerhab ist, welcher die person des jungen allein ansicht mit zucht vnd gueten sitten in vnderweysende. Doch mag einer vnd der selb sein pfleger vnd gerhab, welchem beuolhen wirt der jungways mit gueter vnd der person, vnd also wirt es gehalten in den steten. [Seite: 195]

[Cap.1.34]

Cap. XXXIV. Von den geschlechten der pfleger.

Dreu geschlecht sein der pfleger als gescheftlich, gesatzlich vnd gegeben. Die gescheftliche sein, welche von vater vnd von muter im gescheft werden gegeben. Die gesatzlichen oder eelichen sein die, welche der geborne freundschaft schuldig sein zw beschutzen. Die gegeben sein, welche gegeben sein von dem radgeber oder dem pretor oder richter.

[Cap.1.35]

Cap. XXXV. Wer mag ein pfleger sein.

Es mag ein pfleger gesein ein iedlicher man, welcher ist vber zwentzigfunf jar alt, ein trewer vnd fuersichtiger, er sey ein freunt oder nit. [Seite: 196] Aber der pfleger gewalt ist, das die jungen waysen kain handel oder kauf mugen machen an irer pfleger wissen vnd willen vnd ob sie es haben gethan vnd ob sie es thuen wurden, so haft es nit.

[Cap.1.36]

Cap. XXXVI. Wie vilmasz die kindspfleg wirt geendt.

Die kindspfleg wirt geendt in acht maß, als in fierzehen jaren, eines kindes annemung, dinstbarkait, in dem tode, auf ein zeit der gebung, in argwan, in volstreckung, in verbietung einer statt. Wan alle pfleger sein schuldig zw thun raytung vor der pfleg [Seite: 197] in beuolhen oder entpfangen nur es werd anders durch brief der beuelung gesetzt vnd erkant.

[Cap.1.37]

Cap. XXXVII. Wer mag sein ein pfleger.

Eyn jedlicher frummer vnd ersamer man von gotlichen vnd menschlichen rechten ist schuldig ein kindspfleg vnd gerhabschaft der jungen waysen anzwnemen. Ich sprech von gotlichem rechte, wan das du dir wilt geschehen, das thu auch den andern. Von menschlichem rechte, wen es ist ein nachuolge allem rechte, das einer durch sich vmb vnvolkommenhait des alters nit mag verbrengen, sol er anderswo her oder durch einen andern erfullen. [Seite: 198]

[Cap.1.38]

Cap. XXXVIII. Wie geschicht die entschuldigung einer pfleg.

Die pfleger vnd die gerhaben sein die, welche hie fur den selben genommen werden, die werden nit mugen sich von der pfleg der waysenkind entschuldigen, den nur aus den wrsachen. Zwm ersten durch die menige … mancherley kinder. Zwm andern vmb manchfaltikayt mancherlay besitzung in mancherlay steten gelegen. Zwm dritten durch die krieg der fursten. Zwm fierden durch die verwesung der gueter des fursten. Zwm funften durch den dienst gemaines nutzes. Zwm sechsten durch die vbertrefflichen armut. Zwm sibenden durch die vngesundliche krancheyt. Zwm achten vmb das [Seite: 199] vnwissen der schrift. Zwm newnden durch die tödliche feintschaft, die er hot wider den jungen waysen vnd tail des waysen. Zwm zehenden durch das alter, wen er ist vber sibenzig jar. Zwn aylften wen er ist minder zwentzig funf jaren. Zwm zwelften wen er ist ein ritter yetz vbend die ritterschaft mit wirkungen. Zwm dreyzehenden wen er ist ein artist mit wirkung lesend oder darvmb, das er ist ein artzt practicirend die ertzney. Zwm fierzehenden wan er ist ein gaystlicher ordensman oder munch; die weltigen priester mugen sich nit entschuldigen von der pfleg noch der eeman dem eeweib gegeben fuer ein pfleger mag sich nit entschuldigen. [Seite: 200]

[Cap.1.39]

Cap. XXXIX. Von den argwenigen pflegern vnd wrsachen.

Der pfleger wirt argwenig von acht wrsach wegen. Zwm ersten ob er die pfleg vntreulich treg. Zwm andern ob er sein eygen gueter thorlich verzert. Zwm dritten ob er den waysen die notturftikayt nit gibt. Zwm fierden ob er sie, so das kein wrsach erhayschen ist, vbel handelt. Zwm funften ob er die mit gueten sitten vnd leren nit vnderricht. Zwm sechsten ob er durch sich selbs ist boser sitten. Zwm sibenden ob er ist vbertrefflich arm. Zwm achten ob er ist ein tödlicher feint des tails der waysen oder ir selbs der waysen. [Seite: 201]

[Cap.1.40]

Cap. XL. Welche mugen verklagen die pfleger.

Es mugend verklagen die argwenigen pfleger alle menschen, man vnd weiber, freunt vnd ausser, nererin vnd offen hueren; vnd alle, welche die ding vmb wrsach der gutikayt thuen, sollen verhort werden.

[Cap.1.41]

Cap. XLI. Von der peen der argweniger pfleger.

Die peen der argwenigen pfleger ist vnderweil der vnleumbt, vnderweil die absetzung von dem ambt, vnderweile ein geltliche peen, vnderweil ein leibliche peen. [Seite: 202]

[Cap.1.42]

Cap. XLII. Der gelestert handel.

Es mugent gesamelt werden vberal [funf] (dißer mynder) personen, welcher handl von in angenommen vnd gemacht ist gelestert [vnd] wirt gemacht vnnutz. Zwm ersten aus wrsach des alters, als ein kint vnder siben jarn, ein fierzehen jeriger elter den das kind vnd nahet den fierzehen jarn. Zwm andern von wegen des stands, als ein haussun vnd ein leibeigner khnecht. Zwm dritten von wegen der krankheit als ein tobsuchtiger, [ein] stum, ein (eygen) vnhoriger vnd die andern der gleich. Zwm fierden aus wrsach der mißhandlung, als eine vnnutzlicher zerer des guts, eyn ketzer, ein abtruniger, ayner der verhandelt [Seite: 203] ein missetat der verletzten maiestet. Zwm funften von wegen des gesetzlichen rechtes, als alle weyber, welche durch die gnad vnd gunst inen von gesetz gegeben, mugen nit burge werden vor jemand, auch schuldnerin sich zw setzen, noch ire gueter fuer ein anders in pfand geben, auch ob er were ir vater oder muter, der sun oder die tochter, schwester oder bruder. Doch mugen sie sich in irem namen verbinden, ob das die notturft kraist.

[Cap.1.43]

Cap. XLIII. Von dem rechte der witiben vnd der jungfrawen.

Die witibe nit kinder habend mugen mit irem leibe vnd guetern thuen was sie mugen vnd wellen, ausgenommen die verpindung [Seite: 204] fuer ander leut als yetz gesehen; wan sie mugen eingan in den gaystlichen orden vnd mugent heureten, sie mugen auch huerweis treiben mit irem leib vnd aus dem verliren sie nit ire gueter, sunder allein die eer. Sie mugend ire gueter verkaufen, versetzen, vergeben, verschaffen in zeit der notturft, wem sie wellen. Dasse[l]b ist auch in den jungfrawen nach achtzehen jarn.

[Cap.1.44]

Cap. XLIV. Das eeweib on den man mag nixs thuen.

Die eefrau, die nit kaufmanschaft treyben, mugen nixs thuen durch sich, auch nit mit irer person oder guetern, wen sie sein nit ires rechtes, sunder vnder dem gewalt irer pfleger. Ob sie aber aynichen handel oder kaufmanschaft [Seite: 205] machen, der wirt kainer vestikait. Aber die selbigen eeweiber mugen machen allen zymlichen contract, wan in solchen dingen werden sie gerayt fuer manne.

[Cap.1.45]

Cap. XLV. Durch was wirt die ee gemacht.

Die ee mag begert werden von dreyer ding. Zwm ersten von wegen geberung des kindes, wann es ist das aller naturlichest ding im geberen sein gleich, das mit eren vnd gerechtikait geschee in der ee. Zwm andern mal von vermeydung wegen der sund, dann ein yede vleischliche begierd ausserhalb der khanschaft ist tödlich. Zwm dritten mal durch mancherlay werk, wan etliche werk sein des [Seite: 206] mannes, als in gewynnen notturft des leben, die andern werk sein des eeweibs, in behaltend, behuetend vnd weyslich ausgeben.

[Cap.1.46]

Cap. XLVI. Die rat von dem man der ein weib wil nemen.

Ob eyner wil nemen ein eeweib, der sol vleissiklich zwm ersten von gueten leuten forschen, ob sie sei von erbern vater vnd muter oder sey wol von den eltern gefreund, eelich geborn, gnugsams alters, stark, massig, arbetsam, tugentreich, schon vnd reich etc. Aber es ist vast fleyslich zw merken, das ein gleicher im nemen sol sein gleichen. Ob ein vnedler nymbt ein edle, so veracht die in, ob ein armer man eyn reiche nymbt, so schilt sie in abwerfend den armen, [Seite: 207] ob ein alter ein junge, so behalt sie im selden die trew.

[Cap.1.47]

Cap. XLVII. Wie der mensch sich selbs regiren soll.

Eyn jeder mensch regiert sich selbs aller best, wen er thut vnd wirkt guete ding vnd fleucht die bösen thuend werk der gutikait, verlassend die werk der grewlichkeyt, liebhabend die rechtikait vnd die warheyt, vnd hast die lugen vnd die bosheit. Und das ist das wirklich leben. Aber das leben anschawend gemuets ist, wen einer verschmecht die yrdisch ding vnd liebhat dy hymelischen, nixs anders bedenk, wie er got erkent, im erkennen liebhat, im liebhaben anhang, im anhangen ein gayst mit im werd gemacht. [Seite: 208]

[Cap.1.48]

Cap. XLVIII. Von der regirung des haus.

Von dem regiren des haus, bey dem soltu merken: was sey ein haus oder wannen es gnant werde, aus welchen es gemacht sey vnd warvmb es gemacht sey. Das haus ist ein besundrs gemayn nach der natur gesetzt, in omnem diem, das ist in allen tag. Gnant a domo domas domare, das (do) ist zemen. Wan ein yeder hausvater ist schuldig welche wanend in seinen haus zw nöten zw flihen das vbel vnd thuend das gute, zw liebhaben gott vnd die hymmelischen ding vnd zw verschmehen die irdischen. Aber das volkommen hauß stet in fier dingen, als aus man vnd weib, kint vnd knechten, [Seite: 209] in welchen es gesehen wirt in nachuolgunden prozeß. Aber es ist das haus zw teglich aufhaltung der natur gemacht.

[Cap.1.49]

Cap. XLIX. Von der regirung des eeweibs.

Der man sol sein weib vor allen dingen gote dienstberlich machen, mit gueten sitten vnderrichten, raunnen vnd schwetzen verbieten, still machen, schemig vnd tugentreich machen, auch die zierd des leibs zymlichen halten, vmblaufen verbieten, die heymlich stet ir verbieten, auch werklich machen, die mutikayt raten vnd hoffart widerraten, ob sie sey fuersichtig, weyse vnd alt gnug, die geschäft des haus beuelen vnd ir wol trawen; ob sie aber ein junge nerrin ist oder [Seite: 210] frech, bitter were, sol er sie nit mit waffen, sunder mit gerten vnd stecken slahen. Und zw allen andern dingen, welche zw dem hayl der selen vnd des leybs zymlichkayt gehören, trewlich vnderweysen.

[Cap.1.50]

Cap. L. Der man zw dem weib.

Der man wirt auch verbunden seiner hausfrawen, das er sie ersamlich halt, die narrung nach seinen vermugen fuersech, die gegeben trew vestiglich verhueten vnd an ir allein sein begnugig, er sol sie nit arkwenig haben, sunder als ein gesellin halten, nit als ein diern ubl halten. [Seite: 211]

[Cap.1.51]

Cap. LI. Das weib zw dem man.

Herwidervmb sol das weib irem man in allen zymlichen vnd ersamen dingen gevolgig sein, die sorg des haus haben, werklich sein vnd die ding, die in dem haus seyn hausgeret, fleyslich behüten, die speiskamern, kuchen, keller eymsigklichen heymsuchen, das hausgesind weyslich vnd subtiliklich anrichten, gutiglich strafen, nit übl halten, krieg, zengk, fluech im haus geschehen stillen vnd veraynen, iren man lieb zw haben, im nit fluchen, im nit vnrecht beweysen, mit im nit krigen, on seinen willen kain contract verbrengen. [Seite: 212]

[Cap.1.52]

Cap. LII. Wie vater vnd muter zw iren kindern.

Von naturlichen rechten vater vnd muter vnd allermayst die veter sein verbunden iren naturlichen vnd eelichen kindern, das sie haben die grosten sorgfeltikayt vmb sie. Zwm ersten wan die kinder haben von in ir wesen, darvmb sullen sie die inwesen behalten, das dem leben vast notturftig wirt, Zwm andern von kindswesen mit linden speysen, allermayst mit milch neren, vnd das sie verhalten werden von dem wein, sie werden verhuet von zw vil waynen vnd verhueten von vngeuerlichen vall, sunder mit gemessigter bewegung geregiert werden. Zwm dritten das die kinder ire kindhait byß zw dem sibenden jar mit muterlicher [sprach] vnderricht [Seite: 213] werd … vnd von dem sibenden byß zw dem zwelften die lateynische sprach vnd geschrift lern. Nach dem fierzehenden jare den sullen sie sich schwer arbet vnderwinden, vnd ob einer edel ist mit edele dingen, ob ein burger burgerliche ding vnd ob pawern pawernart, ob sie hantwerger hantwerkisch sullen sie lernen. Zwm fierden mit zuchtigen geberden sullen sie gelert werden. Zwm funften sullen sie verhuet werden von der vnkeusch. Zwm sechsten sullen sie vnderweist werden, das sie flihen böse geselschaft vnd nachuolgen der gueten. Zwm sibenden sullen sie vnderweist werden von der hoflikeyt der tischs. Zwm achten das sie vnnutzyliche spil flihend, das spilbret vnd die wurfel meyden. Zwm newnden sein sie zw vnderrichten, wie sie klaider sullen haben. [Seite: 214]

[Cap.1.53]

Cap. LIII. Die sun wie gegen vater vnd muter.

Herwidervmb sullen die kinder ir vater vnd muter vnderwurfen sein vnd in dienen, fur sie arbayten vnd inen uolgen, nichsts on irer willen wirken oder handeln, kain kauf thuen vnd die andern ding, die ich hie nit meld. Aber die tochter sullen vnderricht werden aller mayst, das sie got dienen vnd nit musig sein, nit schwetzerin, nit vmblaufend, nit vnkeusch, nit vnschemig, nit vmbschwaefend, nit vngezuchtiget, sunder in allen dingen gueter sitten. [Seite: 215]

[Cap.1.54]

Cap. LIV. Wie der hausvater.

Der hausvater sul sein hausgesind vnderweysen mit worten, mit werken vnd ebenpild. Fierfeltiglich sein aber die khnecht, als naturlich khnecht, gesatzlich, taglöner vnd gnedige. Die naturlichen khnecht sein, welche in nichten im können versehen, wiewol sie sein von leib starck, doch sein sie von gemut schwach vnd derselbigen khnecht sein billich herrn vnd regirer, so in die kunst vnd vernunft geuenen. Die gesatzliche khnecht sein die, welche im streyt gefangen wern oder welche sich williglich vnd wissentlich verkaufend oder verkauft werden verhengen vmb lon oder aus wrsach des nutzs, [Seite: 216] welche werden eygen khnecht [gnant]. Die taglonerlichen khnecht sein, welche vmb ein bestymten lon bestelt werden auf eine bestymte zeit, als ein halbs jar. Es sein auch arbeter, welche allein auf ein tag werden bestelt oder auf ein stund von nutz wegen des solds inen beschiden. Die khnecht von gnaden wegen sein, die nit vmb beschiden lon , sunder auf gnad dienen. Wider die naturlichen khnecht haben die herrn ein sulch recht, das sie durch die sitten erfullen, welchs sie mit aygner person oder kraft verbrengen nit wellen oder nit mugent. [Seite: 217] Wider die gesatzliche khnecht oder die eygen haben die herrn ein sulch recht, das sie nymmer von inen on iren willen hinweg zw geen vndersten sullen vnd albeg inen zw dienen schuldig sein. Sunder ire herren sein schuldig, inen notturftige ding zw versehen, ob sie das nit werden thun wurden, sie ledig werden. Und was sie mit arbet zw samen bringen, das ist der herrn vnd irer erbe. In den taglonerlichen khnechten haben die herrn sulch recht, das sie fuer der zeit der bestellung von inen schaiden nit sullen, ob sie das theten, so verliren sie den lon in dem verheyschen. Und keiner sul sie zw seinen khnechten aufnemen noch halten. Und ob ayner die halten wurd wissentlich, so sie begert werden, ob er die nit widergibt, so wirt er geben [Seite: 218] dem richter die straf, durch welche sol er sie nöten zw widergebung. Doch die herren sullen die nit wrlauben fuer der gesatzten zeit, den nur aus merklichen vbertreten sie das werden verschulden vnd nur den lon auf sulch zeit beschiden inen gentzlich haben bezalt. Und ob der selbige khnecht seine klaider verspilen wirt oder vertrink oder eynichermaß verendert, ist er nit schuldig die zw erlosen, sunder der herre, aber der herr wirt sie widervmb haben vmb sunst, wo er sie wirt finden. Aber die gnaden khnecht oder ersam des herren mugen, wen es inen gefelt, wrlaubt werden, wen sie wellen, sunder der herr soll sie erenlichen widerbelonen. Auch sulch khnecht mugen erlaubnuß nemen, wen sie wellen, aber nit in zeit der notturftikayt ir herrn [Seite: 219] verlassen, sunder in zeit des frids. Wirt innen durch das zw geschriben groser glaub vnd ersamkeyt; wan ob sie ire herrn in zeit der notturftikait verliessen, vielen sie in vnleumbt vnd gewynen kain taglon.

[Cap.1.55]

Cap. LV. Von dem regiment eyner statt.

Zw dem regiment eyner statt merk zwm ersten, was sei ein statt, wannen sie gnant werd, warvmb sie gemacht sei, aus welchen dingen sie besteet, wie vil vnd welche sein regirer in ainer statt. Von dem ersten ein statt ist der hewser vnd gassen vilkait mit ligenden guetern vnd mit besitzungen, zwm leben wol geordnet. [Seite: 220] Und wirt gnant ein statt die aynikait der burger. Aber es ist gemacht ein statt nit allein zw leben, sunder zw wol vnd fridlich leben. Aber es ist die statt gemacht aus ackerleuten von der speis wegen; aus den hantwerkern durch die klaider vnd andere notturftige ding; vnd aus kaufleuten bey dem markt, das die ding, welche in ainer statt nit erfunden werden, von andern enden hieher werden gefurt; item aus taglöner vnd gelerten vnd wissenden, allermaist aus denen, die do gelert sein in weltlichen rechten; aus muntzern, wechslern, rittern, raysigen, rednern, fuerfechtern vnd regirern. [Seite: 221]

[Cap.1.56]

Cap. LVI. Von den regirern der stett vnd irem ambt.

Die regirer ainer statt sein vier, als ain burgermaister, die ratgeben, der richter vnd das volk. Bey dem soltu merken, das wie in zeit des kriegs ein statt wirt durch waffen beschutzt, also in zeit des frids durch gerechte gesatzen vnd gewonheiten, mit sitten der brauchenden geregirt. Und das ein statt durch die gesatz wol geregirt werd, fier ding werden erfordert: Zum ersten das die gesatz durch weyshait wol werden erfunden; zum andern das durch burgerliche macht sie wol werden verhuet; zum dritten das nach den gerechten gesatzen die hendel der burger recht gewrtelt werden; zwm fierden das die ding, welche in den gesatzen gegeben, werden … gehalten. [Seite: 222] Wan wol erfinden die gesatz zwe gehort den radgeben, wol zw verhueten gehort zw dem burgermaister der radgeben, wol richten nach den gesatzen zw den richtern, wol sie zu behalten gehort zw allen burgern. Hie soltu merken, das dreu geschlecht sein der menschen in ainer statt: etlich werden angenommen, etlich werden geliden, etlich werden veracht.

[Cap.1.57]

Cap. LVII. Von dem regirer einer statt.

Der burgermaister oder regirer deiner statt sol erstlich in im haben funf: als das er sei trew, weltweyß, schemig, barmhertzig vnd wol vorbedacht. Aber es ist [Seite: 223] sein ambt, das er in das gemaine guet vor allen dingen merke, die statt alle monat beschawe, ir nutzbarkeit furdere, die mengel erfulle, die krigenden von etlichen vorbestymten wrsachen zw dem rate lade, das volk in notturftikait zwsammen beruef, in den haymlichen die gewrtelten offenlichen eröffne, zw dem rat vnd zw dem gericht haus oft in der wochen (beseech vnd) gee, vnd wen er aus redlicher wrsach nit mag dobey gesein, den so sol er ainen andern an sein statt setzen, das sie statt nit verseumbt werd.

[Cap.1.58]

Cap. LVIII. Die ding die verhindern sein einen rad.

Aber dreu ding sein einen jeden gueten rad verhindern: eylung, [Seite: 224] der zorn vnd der haß. Darvmb sullen die richter in inen haben andre dreu ding, fuedrend ein jeden gueten rad, als mit vorbetrachtung … vnd gleicher lieb zw allen menschen.

[Cap.1.59]

Cap. LIX. Von welchen dingen ist rat zw haben.

Eyn rad sol gescheen erstlichen von funf dingen: als mit renten ader gulten, von der narung, von der behuetung, von dem frid vnd dem krieg vnd von der gesatzsprechung mit zeitkait.

[Cap.1.60]

Cap. LX. Von der erwelung des rads.

Wen es sullen zw einen rad erwelt werden (göttlich) weyse man, [Seite: 225] geburlich alter habende, got fuerchtend, die geytzikait verschmehend, gaben nicht nachfolgend. Und ist irer ambt machen die gesatz, die zweyfel auslegen, die finstere ding erklern, die nutzbarlichen besteten vnd die vnnutzbarlichen abtilgen, gemains guet fuedern, die hertikait des rechtens miltigen, mangel erfullen, den fried vnd gemach betrubende strafen vnd widerreden, die krigischen hinweg treyben, die krieg stillen, die sachen hörn, die wrtayl sprechen, die gult einer statt wissen, mit den narung fuersehen, bey allem markt fuersehen, die fuerlaufende strafen vnd das arbet der hantwerger wol vnd gerechtiglich gescheen aufmerken vnd alle andre ding, welche guet vnd nutzlich sein dem gemainen nutz. [Seite: 226]

[Cap.1.61]

Cap. LXI. Von dem regiment des richters.

Der richter sol an im haben acht ding, als ein volkomens alter, gotes forcht, den gewalt zw richten, wissenhayt der gesatz, rechte weyshayt, verhuetung der laster, guet sitten vnd liebhaber der gerechtikait.

[Cap.1.62]

Cap. LXII. Was im richthaus.

In dem grichthaus sullen alle sachen aus gericht werden ausgenommen die gescheft vnd von vngeschaften verlassen guetern [Seite: 227] vnd von den appellacionen vnd klag von dem richter vnd setzung der pfleger, von witiben vnd waysen, von vngerechter bawung der hewser vnd absetzunge der ambleut der statt, von der stewr vnd von dere zal, von dem gewicht vnd der maß, wan die ding in dem raden werden gewbt.

[Cap.1.63]

Cap. LXIII. Was thuen die radgeben.

Wan in dem volk ist begriffen die macht, die huet vnd beschutzunge der statt, darvmb die radgeben nichst newes noch schwers erfunden noch setzen sullen in der statt on wissen vnd willen des volks. Sein schuldig die radgeben in yeden jarn vor den eltern vnd bessern von dem [Seite: 228] volk raytung thuen von allen eingenommenen nutzungen der statt.

[Cap.1.64]

Cap. LXIV. Was der fuerst sall thuen.

Der fuerst vnd naturliche her aynichs lands soll aufs mynst an im haben funfzehen tugende: Zwm ersten got albeg fuer allen dingen furchten vnd liebhaben, im fleyslich dienen vnd seine gebot treulich halten; die nutzbarkait ainer gemain fuertrachten; sein nachgewanten reichen vnd erhöhen vnd trösten behelfen; den edlen in seinen land zw neren; die burger vnd sein vndertan behelfen vnd gnediglich regiren; kunst der geschrift in seinem reich haben; die weysen vnd die getrewen fuer [Seite: 229] andre eern; die gutikayt vnd gerechtikayt liebhaben; kainen vnrecht thuen an personen oder guetern auch nit an seiner eer, von seinen aygen guetern genugig sein, die fremden gueter nit nemen; die zwschmaychler vnd zwtreger nit hören; beet vnd ayntrachtikayt vnd ware freuntschaft seiner burgern bieten; inen wol trawen vnd von inen sich machen behuten; allen loblichhayten seiner burger bey sein, vnd mit inen frolich sein; (vnd) das nit krieg oder tewrung in seinem lande werde, fleyslich verhueten; die klagen der armen erhörn vnd vber die mit kraft wrteilen. Aus den dingen wirt er haben lob vnd eere vnd berayt dienst von den menschen in gegenwurtiger vnd kunftiger zeit von got den ewigen lon. [Seite: 230]

[Cap.1.65]

Cap. LXV. Von dem tirannen (vnd wueterich.)

Aber der tirannen hat gerat den in allen dingen widerwertikayt: wan warvmb er hot gott nit lieb noch furcht; er hast die diener gotes; sein aygene nutzbarkayt sucht er; er verderb sein nechst vnd macht sie demutig; die edlen in seinem land verheng er nit zwezwnemen; sein burger vnd die vnderthan verdruckt er vnd vertritt sie; er acht nit der weyshayt der geschrift; die weysen vnd die trewen vnert er vnd vertreibt sie; frid vnd gerechtikayt hast er; er thut allen menschen vnrecht, ire person tötend, die gueter vberlaufende, die erben beraubend, ir eeweiber vnd töchter vnd freundin seiner burger besterend vnd betruebend fried vnd aynhellikayt; [Seite: 231] die eerabschneyder vnd verreter der menschen neert er vnd liebhat, er hast nit die boshaftigen menschen; seinen burgern traut er nit, von den auswendigen thut er sich behuet zw werden; die loblichhayt der burger verpeut er; krieg in seinem lande macht er teglich; die klagen der armen acht er nit, die sach der waiben vnd waysen nit eingeet zw im vnd nach seinem wolgefallen wrtelt er. Aus den dingen erlangt er vnleumbt vnd vneer von der welt. haß von got, die ewige pein, wan als spricht Aristoteles: Welcher eynen tyrannen töd, da thut den gütern ein grossen dienstbarkait, als den gesehen wirt.

[Cap.1.65.Schluss]

Und also volendt sich das erst buech. [Seite: 232]

[B.2]

Das ander buech von dem rechten der guetern.

[Cap.2.1]

Cap. I.

An der obern statt ist gesagt wurden von den rechten der personen, nun ist zw sagen von den rechten der gueter. Bey welchem ist zw merken, das in ainer jdlichen statt vnd in ainer kristlichen statt dreu geslecht der gueter zwm mynsten sein sullen, als die guter gots allein (vnd) gueter ainer gemain allein vnd gueter besunderer menschen allein. Die gueter gots allein sein alle heylige gaystliche gueter vnd denen angebunden. [Seite: 233] Die hayligen guter sein alle gueter durch den bischof gesegnet vnd ordenlich geweicht, als sein heylige hewser, tempel gotes, altar, klöster, kirchhof vnd der gleichen. Und alle andre gueter, die da zw der gotlichen eer geweicht, als kelch, kreutz, monstrantzen, gezierd, altartucher vnd ampeln, glocken, fanen, rauchfesser, mesbucher vnd bucher der kirchen vnd andre gaystliche gueter. Und merk das die heuser gotes vnd altaria in kainerlay maß mugen vera*endert werden, aber die andern gueter der kirchen mugen in notturftikayt verkauft oder versetzt werden, als durch erlosung der gefangen, durch schulden der kirchen vnd durch die narung der armen menschen. Die gaystlichen gueter sein stet der toten, das ist greber. Und merkt, das ain jedlicher mag im selbs in andechtiger [Seite: 234] stat, das ist ein besunder grab, machen in seinen grund, aber in fremden grund von erlaubnuß des herren des grunds dasselb mag auch thun. Aus dem ob ainer hot ain aygen grab mit seinen stain verzaychnet, in dasselb sol nymand seinen toden eintragen. Ob aber etliche haben ain gemains grab, in das selbig eintregt ain jedlicher sein toden, auch ob der ander nit will. Aber in ainen gemaynen freythof mag ein jedlicher seinen toden eintragen vnd vergraben, wo er mag. Dasselbig recht ist von den stenden der manne vnd der weyber in der kirchen. Und die stett werden gnant gaystlich, wen die gelerten der gesatz haben es gesetzt. Aber den hayligen angebunden gueter sein alle hof der bischofen, der chorhern, der pfarrer vnd alle stift [Seite: 235] gueter. Und die ding alle sullen nit verandert werden. Aber die gueter ainer gemain allein das sein: gerichtshewser, radheuser, tanzheußer (vnd) roslauf, strassen, steig, weg, bruck, steg, scheff, gang der fuerleut; auch sein der gemain alle stend ausserhalb der hewßer der burger gesetzt, wo gemaine gueter verkauft werden vnd die zyns aus den selben komend. Wan kain burger hot vor seinen haus nichts rechtsn nur anderhalben schuch, darauf seine trauf vallen von seinem dache. Aber es sein die stend der metzker, der pecken, der kramer, der kursner, der rimer, … der satler, der seckler, der glaser, der schmeerschneider vnd der andern. [Seite: 236] Auch sein ayner gemayn die zins von allen steten ausserhalb der hewßer, der hering vnd der huener, der keser, der eysen kramer, der rackenverkaufer, vnd von allen sulchen peenfellen. Der gemain sein auch die zins von allen gemainen hewsern der verkaufung, der tucher (oder gewandschneider), wulmacher, leymatweber, der kuersner, der schuester, der gewandschneider vnd der andern. Der gantzen gemain sein alle zins von den turnen der statt, von grebern, von den gemessen metzen, emern, von den feuchten vnd trucken metzen, auch von allen gewichtentramen, daran die kaufmanschaft werden gewegen. [Seite: 237] Aber die gueter besunderer menschen sein vil vnd mancherley; doch etliche in von den naturlichen rechten werden gewunnen die herschaft, etlich von burgerlichen rechten vnd in weltlichen.

[Cap.2.2]

Cap. II. Welche ding werden gewunen von naturlichem rechte.

Zum ersten wirt zw sagen vnd zw auslegen von den dingen, welche naturlichem rechte gewunnen werden, darvmb das recht ist das elter dan yeds recht, als oben ist geoffnet. Wan von naturlichem rechte werden vns gewunnen leybliche gueter in vil massen … Zwm ersten durch das vahen, das ist durch vahung der wild [Seite: 238] vnd ander tier, wan alle wilde tier, die in vnd auf erden, in wassern vnd luft geborn vnd genert werden, wen wier sie fahen durch geiegt, durch fischung, durch voglung, sein sie bald vnser, wan sie vor kains warn. Und was kains ist, das wirt aus naturlicher vernunft gegeben dem, der das gefangen hot. Auch wan in der ersten zeit waren alle tier allen menschen gemain vnd hot verzyembt ainem yedem zw nemen, wo er hot gemugt vnd gewelt, und darvmb, wan sulche tier in zeit irer freyheit sein sie kains vnd kainen nutzlich, sunder allen menschen schedlich, darvmb mugen sie gefangen werden von allen menschen. Und irret nit, ob eyner in seinem grunt oder in ainem fremden ein vnvernunftigs vnd wilds tier [Seite: 239] facht. Doch mag der here des grunts den wellenden jagen, fischen, oder voglen in seinem grunt, ob ers vorsicht, verbieten das er nit eingee. Und ob er vber das eingeet, wirt er im schuldig der klag des vnrechten, der diebstal. Und was dw der ding fachst, biß dahin wirt es verstanden dein zw sein, so lang es bleybt in deiner huet. Wens aber eingeet von deiner huet vnd in sein naturliche [freyheit] sich nymbt, so hört es auf dein zw sein vnd wirt widervmb dem, der es veruolgt. Aber die naturliche freyheit wirt es verstanden zw nemen, wen es entweders dem gesicht entgangen ist oder entflogen oder also sey in deinem angesicht, das vnmuglich sei der veruolgung. [Seite: 240]

[Cap.2.3]

Cap. III. Von der natur vnd dem rechten der beynen.

Die beyn natur ist wild. Alzo die beyn in deinem baum sein zwsamen gesessen, ein mal du sie in dem beynkorb host beschlossen, sein nit meer dein zw sein werden verstanden, dan die vogel, die in deinem baum inen nest haben gemacht. Und darvmb ob ein ander die hot eyngeschlossen, so wirt derselbigen ein herr. Und das honig, ob in deinen baum sie gemacht haben, mag ein jedlicher dir vnwissend nemen. Ob du aber vorsichst ainen eingeend in deinen grunt, so magstu in von allem rechte verbieten, das er nit eingang, als oben gesagt ist. Aber der schwarm dar immen, ob sie aus deinem beynkorb [Seite: 241] ist geflohen, so wirt es verstanden byß dahin dein zw sein, so lang es in deinem angesicht ist vnd leicht ist sein veruolgung, sunst wirt es eins andern, der es annymbt.

[Cap.2.4]

Cap. IV. Von den ausflihenden voglen.

Die pfawen, die tauben, die falken, die sperber, die habich vnd ander vogel, welche aus gewonheit ausflihen vnd widerkommen gewont sein, die haben ein wilde natur, wan auch die beynen dasselb thun vnd daruon ist wissen, die zw sein wild. Darvmb solch vögel das recht der beyn gentzlich werden behalten. [Seite: 242]

[Cap.2.5]

Cap. V. Von den widerkomenden tieren.

Die hirschen vnd hinden, gaysen, bern vnd andre walttier, auch die wolf vnd fuchs haben etlich also haymlich gewant, das sie in den wald vnd an andern enden hingen vnd widerkomen gewant haben, doch aus welchem ir wilde natur zw sein nymand leugnet; welche so lang dein sein, wie lang sie zw dir widerkeren. Ob sie aber wider kummen aufhören, so aufhören sie auch dein zw sein vnd werden des, der sie jagt. Aber des gemut wider zw kommen verlassen sie, wen sie die gewonheyt wider zw kommen zwruck legen. [Seite: 243]

[Cap.2.6]

Cap. VI. Von den hausuogeln.

Der hennen, der gens vnd der heuslichen tier nit zu sein eyner wilden natur. Und darvmb, ob sie eynichermaß betruebt werden vnd wie wol sie dein angesicht entflihen, welche doch an einem end werden sein, so werden albeg verstanden dein zw sein. Und welcher in mut zw gewynnen die tier aufhalten wirt, der begeet den diebstal, als in andern heymlich gemachten tiern.

[Cap.2.7]

Cap. VII. Die gueter werden vns gewunnen durch vahung (der feinden.)

Zwm andern werden vns gewunnen die gueter durch [vahung] aus den feinden, als wen wir frey menschen in dem krieg vahen, so werden sie bald in vnser dinstbarkeyt [Seite: 244] gebrocht. Doch welche, ob sie vnder dem gewald entgeen werden vnd zw den iren widerkert haben , werden sie widerhaben den vorigen stand.

[Cap.2.8]

Cap. VIII. Durch findung.

Zvm dritten die findung eins naturlichen schatzes von newem, als do sein edel gestain, margariten, köstlich stain von den flüssen, aus dem meer mit den wellen ausgetriben vnd an den gestaten erfunden oder in den holen der perg von dem erdrich heraus getzogen. Welche all sein der finder. Item es wirt vns gewunnen das guet durch findung eines naturlichen verborgen schatz. Wan ein schatz, den einer in seinem grunt hot gefunden, der wirt des aus naturlichen rechten, welcher in gefunden hot. Ob eyner aber wirt [Seite: 245] finden in einem andern grunt so er nit darzw sein hulf oder vngeuerlich, so wirt der halbteil des finders vnd der ander halbteil des gruntherren. Ob aber mein dienstkhnecht (als ein taglöner) ein schatz in meinem grunt wirt finden, der wirt gantz mein vnd wirt nicht dem zw gehörend, nur was ich im mit guetem willen wurd wellen geben. Ob aber einer ertz in den bergen oder telern wirt finden vngefer oder an gegebner arbet darzw vnd vor andern leuten die end het ausgraben, so wirt es gantz desselben, ob der grunt sein ist. Ob aber nit, den dem herrn des grunts, was er mit seiner arbet hat ausgehawen, wirt er geben ein tayl nach gewonheyt des lands. [Seite: 246]

[Cap.2.9]

Cap. IX. Die gewinnung durch verlassung (oder verwegung.)

Durch verlassung werden vns gewunnen gueter, als wen einer ein haus, ein acker oder weingerten lest vngebaut vnd wil nit bawen noch acht sein nit zw haben den welcher sich von den vnderwindt, so wirt bald des annemenden (in zw bawen). Item durch willig auswerfung der gueter wirt vns gewunnen das guet, als wen der kunig, fursten, die pretores oder ratgeben sendbotschaft senden vnd die pfennige oder das gelt in hinwegwerfen vnder das volk nit wissend, wie vil ir jedlicher werde einnemen (oder entpfaen), dasselbig alzo verwurfen wirt bald verwendt in seinen herrn, welcher das entpfangen oder gefunden hot. [Seite: 247] Aber nit so es ist von vnwilliger hinwerfung der gueter, also wen einer des meeres vngestumkait oder eins andern grosen flisenden wassers wrsach halben zw ringern das schiff, sein gut vom schiff auswirft; wan die ding bleiben der herren, welcher sie vor gewesen sein, wan es slecht ist die selbigen guetern nit in dem gemut ausgewurfen gehat haben, das er nit welte sie sein zw sein, sunder merer das der schaden des meeres mit hayl des schiffs empfluech. Von der wrsach wegen, welche sulche gueter von wellen des meeres vnd des wassers ausgewurfen oder auch in dem meer die schiffleut in maynen zw gewunnen haben genommen, so begeet der ein diebstal. Item von der verlarnen guetern ist, ob einer sein gut verwirft von einem [Seite: 248] wagen oder schlitten oder von einem roß oder vom rucken oder von der schiffung. Ob einer die findt vnd nit wirt wider geben, der thut ein diebstal. Es werden uns gewunnen gueter durch die geberung, als durch die unvernunftigen tier aus vnserm viech geborn werden vnser vnd auch die vernunftigen, als die kinder von vnsern leibaygen diern geborn sein vnser.

[Cap.2.10]

Cap. X. Durch die zwwachsunge (haymliche des flissenden wassers.)

Es werden vns gewunnen gueter durch alluuionem, das ist der [Seite: 249] wasser zwnemung vnd haymlicher merung, wo was mit den flissenden wassern deinem acker heymlich zwwirft, ist dein. Es ist auch alluuio ein verborgene merung des wassers. Ob aber die kraft des wassers deinem acker eynichen tayl entzihen wirt vnd dein grunt deines nachpern zw wirft, ist offenbar der teyl dein bleyben. Ob aber ein lange zeit er ist angehangen … welche mit im gezogen die wurtzen hot in den grunt gemacht, aus der zeit wirt gesehen der tayl dem grunt des nachpern sein gewunnen.

[Cap.2.11]

Cap. XI. Durch zwwachsunge.

Es werden vns gewunnen gueter durch zwwachsunge, als ein insel in dem meer die gewachsen ist, dasselb … fuegt, die wirt des [Seite: 250] einnemenden (vnd bawenden). Wan sie wirt geglaubt keines andern vor sein gewesen. Aber ein insel, welche in ainem flissenden wasser naturlich geborn ist, das oft geschieht, ob es den halben tayl des fließ inhaltet, der ist gemain der, welche von jedem tayl des wassers durch den bach gueter haben durchmaß der weyten eins jedlichen grunts. Und ob es dem andern tayl neher ist, irer ist (so vil) allein des, welcher von dem tayl nahet dem bach ligende gueter besitzt. Und ob an einem tayl getaylt wirt das wasser, darnach inner dem eynigen acker ein fremden in gestalt einer inseln hot gemacht, so bleibt die insel dem, welch der acker gewest ist. Und ob verlassen ist die wasserstat gentzlich, von dem andern tayl hot angefangen zw fliessen, so ist die vorige wasserstat ist ir, welche bey dem bach [Seite: 251] des ligenden guter besitzend, fuer die maß der weyte eines jeden ackers. Aber die new wasserstatt anfacht zw sein des rechtes, welchs das groß wasser ist. Und ob das eyniche zeit zw der vorigen wasserstatt des groß wasser widerkommen ist, so hot angefangen widervmb die new wasserstat ir zw sein, welche bey dem bach ligende guter besitzen. Ob aber der gantz acker ist vergossen wurden vnd die guß verendert nit das gesicht des grunts, ob darnach das wasser wider hingeet, so ist gewiß den grunt des zw sein, welchs er vor ist gewesen.

[Cap.2.12]

Cap. XII. Durch geberung.

Es wirt auch vns gewunnen [Seite: 252] guet aus einer fremden materye, als wen eyniche besundre gestalt gemacht were aus gut vnd der materye eines andern, wirt gewonlich gefragt, welcher aus naturlicher vernunft herre sei, eyntweder der es gemacht hot oder der, welcher der materye herre ist gewesen: als ob einer aus einem fremden silber hot gemacht ein vaß oder aus weinbern oder ölgewechs wein oder öl hiet gemacht oder waitz oder aus fremden wein oder honig ein trang hot gemischt oder aus fremden ertzneyungen ein pflaster hot gemacht oder ein pflaster oder aus fremden wulle macht ein tuch oder aus fremdem tuch ein klaydt im macht oder aus fremden tafeln oder bretern ein schiff oder ein almar, oder ein stuble hot gebaut oder gezymmert. Zw der frag sagen etliche: Ob [Seite: 253] die gestalt zw grober materye, als der vorigen, widerbracht mag werden, dieselb wirt geschen zw sein des herren, welcher ein herr der materye ist gewesen. Ob aber es nit widerbracht mag werden, denn so wirt der herre, welcher die gestalt eingefurt hot. Die andern sprechen das die materye von wegen der wirdikait zwgeet der gestalt vnd das machend sei der herre vnd nit der, welches die materye ist gewesen. Die andern sprechen, das die gestalt, die weich der materye, darvmb das die materye ist das wesen, die gestalt sulchs anhangen. Darwider ist alles, das aus meinem gut gemacht wirt, ist mein, als hernach an vil enden wirt offenbar. Zw der frag sprechen vorbehalten [Seite: 254] bessere wrtel. Ob der machend hot kauft die fremden materye mit gueter trew vnd hot glaubt, die zw sein des, von welchem er sie kauft hot vnd also hot er eingefurt die gestalt, den so wirt es gantz begriffen sein. Wan der boß glaub des verkaufenden mag nit schaden dem kaufenden mit guetem glauben. Dasselbig ist, ob einer samlet weintrauben aus einem garten, dener glaub hot [sein] zw sein vnd vnwissentlich (vervntrewen) aus denen weintrauben hot gemacht wein, so wirt er gantz ingehalten sein. Ob er aber den weingerten wisset nit sein zw sein vnd sammelt weintrauben vnd macht wein, den verleurt er die form vnd die materye mit den aufgeben vnd die scheden aus den dingen entstanden wirt er widerlegen. Und wirt mit dem durch [Seite: 255] den freuel geschehen von dem richter vnstraf nit entgeen. Ob aber sichtbarlichen beweisen wirt, das die materye ist eines andern gewesen, als ein gart oder ein weingert, aus dem gesammelt sein die weintrauben, den der machend entweders sol bezalen die materye als die weinber oder nem ein geburlich gelt fuer sein arbet vnd mue, ob ers nit thut, so gebürt wider in die klag boß lists. Dasselb ist von den ölbaumen vnd von den ehren vnd allen obgenanten dingen. Ob aber ein tayl aus seiner materye vnd ein tayl aus fremder er macht ein gestalt vnwissentlich, glaubend mit guetem trawen bayd tayl sein zw sein, so ist nit zw zweyfeln, den zw sein den herren, welche die zwsammene ertzney gemacht hot, sintemal er nit allein sein arbayt hot verlihen. [Seite: 256] … Das ist war nach etlichen. Ich sprich aber, das in der vorgeenden frag, das nyemand sol mit eines andern nachtayl oder schaden reich werden.

[Cap.2.13]

Cap. XIII. Durch die verbung (oder eintunkung.)

Es werden vns gewunnen gueter durch verbung, als ob einer hot eingetunck sein woll oder sein garn in mein purperische varb vnd hot aus denen gemacht ein tuch. Da wirt gefragt, wes das tuech sei, obs sei des, des die matery gewesen ist, oder wes gewesen sei die form. Zw dem sagen etlich, wiewol die purperisch varb sey kostlicher dan die wol, wan es ist ein zwgeend ding, darvmb weicht sie der materye (vnd zwgeet,) welche (materye) ist das wesen. [Seite: 257] Aber ich sag: Ob er eingetunck hot wissentlich, den so verleurt er die materye, ob vnwissentlich, so wirt der herre der form im zalen das tuech, sunst verleur ich das gantz durch die boß list, ja warlichen ist nit zw sein gerecht, das die kostliche purperisch varb zwgee so gar einer schnöder materye, darvmb ist das tuch des, welches ist die varbe.

[Cap.2.14]

Cap. XIV. Durch zwsamme fuegung der fliessenden ding.

Auch werden gewunnen gueter durch willige vermischung der gysbarlichen leybe, als ob eynich williglichen ir wein zwsamen haben gossen vnd haben aus denen gemacht ein wein, so ist es nit zweyfel, den das sein ein leyb ir beyder wein. Dasselbig [Seite: 258] ist recht, ob aus mancherlay materien ein gestalt [wirt], als ob aus wein vnd honig wirt ein trunck. Es irrt auch nit, ob es im vngenerlichen vall die matery desselben geschlechts oder mancherlay mit einander werden gegossen vnd von einander nit mügen geschayden werden. Ob aber einer den leib gantz fuer sich halten welt, dem gepurd ein klage auf das guet fur seinen teyl vnd das ist zw schatzen aus dem spruch des richters.

[Cap.2.15]

Cap. XV. Die zwsamme fuegung trukner ding.

Auch werden vns gewunnen durch vermischung truckner oder dürrer leib, als ob etlich wirt sein wayzen des selbigen korns oder mancherlay korn williglich [Seite: 259] zwsamen vermischen, … aus vall die korn vermischt sein wurden, so werden sie nit gesehen zw sein gemain, wan die korn al jedlich werend in iren wesen vnd wert. Die ausrichtung ist zw erkennen mit dem spruch des richters, auch ist nit mer aus den vallen der waytz gemain sei, dan ein herd schaff oder viechs eins vermischt mit eines andern viechs werden verstanden gemain zw sein.[Seite: 260]

[Cap.2.16]

Cap. XVI. Durch die zymmerung.

Auch werden vns gewunnen gueter durch bawung der zymmer heuser vnd stet, als ob einer in seinem grunt mit gutem glauben ein fremde materye hot verbauet glaubend die sein zw sein, er wirt verstanden ein herr zw sein es baus, wen warvmb alles, das gebauet wirt, zwgeet dem grunt vnd doch der herre der materye wirt sie nit verlieren, nur so vil, das er die materye nit annemen, auch nit von der zw begangen klagen mag … Und das geschicht darvmb, [Seite: 261] das die baw oder die zymmer nit erstort werden. Wan einen jedlichen ist zymlich zw bawen, aber kainen zerbrechen. Doch sol der herre des zymmers die materye allein einfeltiglich bezalen. Ob er aber die materye mit bosem glauben oder gewalt wissentlich het verbaut, den so sol er zalen zwifeltiglich vnd gnugthuen dem richter fuer ein straf. Herwidervmb ob einer aus seiner matery in eines andern grunt hot gebaut ein haus wissentlich, den so wirt das haus des, welchs ist das ertrich. Und [der] herr der guter [wirt die verlieren]. Ob er nit wisset sich in fremden ertrich zw bawen vnd ob der herr des ertrichs begert das haus vnd dasselbig sein zw sein vnd nit bezalt die materye noch den lon der arbet, derselb mag durch die [Seite: 262] einrede boses listes abtriben werden von dem haus, wen der zymerend mit guetem glauben ist gewesen ein besitzer des haus.

[Cap.2.17]

Cap. XVII. Durch die pflantzung.

Auch werden gewunnen die gueter durch die pflantzung, als ob ainer ein fremde pflantzung in seinem ertrich wirt setzen, so wirt die sein vnd herwidervmb. Und das ist war in bayden vällen, ob die pflantzung wirt wirken wurtzen. Aber eemal es wurtzen bringt, so bleibt es des, welches sie vor gewesen ist. Aber von der zeit, die pflantzung [wo] wurtzen hot gemacht, wirt sein ein gescheft verwechselt, als ob deines nachpern paum wirt [d]ein ertrich also trucken, das es in deinem grunt alle wurtzen machen wurd, den selbigen baum [Seite: 263] sage[n] (vn)recht dein zw sein. Wen die vernunft nit verheng, das der baum eines andern verstanden wirt zw sein das des, in welches grunt er wurtzen hot gemacht. Darvmb der paum bey den ortern deines grunts gelegen, ob die an den weg den grunt etlich wurtzn haben ausgelassen, so wirt er gemain bayden.

[Cap.2.18]

Cap. XVIII. Durch die seyung.

Auch werden gewunnen gueter durch die seyung, wan aus welcher wrsach die pflantzen, welche in deinem grunt wachsen vnd gefurt werden zwgeen dem ertrich. Aus der selbigen wrsach auch die getrayd, die gesehet sein, werden verstanden zwgeen dem ertrich. Und du sol merken als der, welcher in einem fremden [Seite: 264] grunt hot gezymmert, ob von im begert wurd das zymmer, der mag beschutzt werden durch einrede boses lists nach den dingen, welche wie oben gesagt sei. Also mit hulf der selbigen einrede mag er sicher sein, welcher den in einem fremden grunt hot geseet seinen samen.

[Cap.2.19]

Cap. XIX. Durch geschrift.

Es werden gewunnen gueter durch geschrift, also wen einer hot geschriben ein buch mit gulden buchstaben in meinem perment, da wirt gefragt, wes ist das buch, ob es des schreibers sei oder mein. Aber ich sprich, das das buch sei mein, wan die geschrift zwgeet der perment, als die ding, welche ertrich zwgeen [Seite: 265] in dem zymmerend vnd die ding, die dorein gesetzt werden. Doch mag der schreiber sein kost begern, welche er mit guetem glauben ausgeben hot, ob die im nit bezalt sein gewesen, so wirt er mügen mich durch die einred boses listes abtreyben von dem buech.

[Cap.2.20]

Cap. XX. Durch das gemeld.

Auch werden gewunnen gueter durch das gemeld, als ob ainer in einer fremden tafeln etwas wirt malen, wirt gefragt, wes die gemalte tafel sey. Etlich maynen, die tafel zwgeen dem gemelde, den andern wirt gesehen darwider. Aber ich sage, das die tafel sey des malers darvmb, das villeicht die tafel ist ein schwach guet vnd klaines werts, aber das gemeld köstlich vnd ein [Seite: 266] maysterlichs ding. Wen es wirt gesehen ein gespott, das ein kostlich guet vnd ein maysterlichs (oder ein werglichs) solt zwegeen der aller schnodesten tafeln. Und auch von dem herren der tafel, welcher sie gemalt hat, begert sie vnd nit zalt das lon der tafel, so wirt der maler mugen durch einred boses lists hinweg gethan werden vnd herwidervmb. Und das ist war, ob der maler die tafel mit guetem glauben besitzt; ob aber nit, wen sie wirt mugen die klag der diebstal wider in gehabt werden.

[Cap.2.21]

Cap. XXI. Durch kaufung.

Auch werden vns gewunnen gueter durch kaufung oder vbergebung, als ob einer von einem nit herren, den er glaub herrn zw [Seite: 267] sein, in guetem glauben hot gekauft einen grunt oder aus vbergebung aus einer gerechten wrsach in guetem glauben … hot gevallen aus naturlicher wrsach die frucht, welche er daruon hot eingenommen, des zw sein, welcher kauft hot vmb die bawung vnd sorg. Und darvmb (warlich) ob darnach der warer herr herfuer kommen wirt vnd den grunt annymbt, wirt er beheben. Von den fruchten von im verzert oder eingenommen mag er nit klagen. Ob aber einer wissend einen fremden grunt wirt besitzen, dem ist nit verlihen dasselbig recht. Und also mit grunt auch die frucht, die verzert sein, widergeben wirt genöt.

[Cap.2.22]

Cap. XXII. Durch den fruchtbrauch eines grundes.

Vns werden gewunnen gueter [Seite: 268] durch den fruchtbrauch des grunds, das der, zw welchem der fruchtbrauch des grunts gehort, nit anders wirt er gemacht ein herr der frucht, nur so vil er die hot entpfangen. Und wiewol darvmb yetz zeytige frucht doch noch nit eingenommen ist der fruch[t]genyesser gestorben, so gehorend die nit zw seinem eben, sunder dem herrn der eygenschaft werden sie gentzlich gewunnen. Dieselben nahet von dem bawman werden gesagt.

[Cap.2.23]

Cap. XXIII. Durch den fruchtbrauch des viechs.

Es werden gewunnen vns gueter durch den fruchtbrauch des viechs. Und merk hie, das sie frucht der tier, als der lemmer, kitz, kelber, schweinle, rösle, der gleichen die milch, wulle vnd [Seite: 269] schepper oder lück, welche ding alle von naturlichem rechte des fruchtnyessers sein. Aber die geburd einer leybeygen diern ist nit in dem fruchtgenyeß, so vil zw vollkomer eygenschaft gehört, darvmb gehort er zw dem herren der eygenschaft. Wan es gesehen wirt ein vngehört ding, ein menschen zw sein in einer frucht, sintemal der herre alle frucht von wegen des menschen hot beschaffen. Und merk, ob einer des viechs fruchtbrauch hot, in statt der gestorben haubter der fruchtbraucher aus der frucht ein anders sol vndertreiben. Und in der weingerten vnd baum gestorben statt der fruchtgenyesser ander weinreben vnd baum sol noch setzen, auch der fruchtbraucher sol recht bawen vnd als ein gueter hausvater sol [Seite: 270] er nyessen, sunst wirt er verlieren.

[Cap.2.24]

Cap. XXIV. Durch gebung.

Auch werden vns gewunnen gueter durch gebung, als ob ein herr einem freunt oder khnecht gibt ein guet, das ist von naturlichem rechten desselbigen bald, welchem er das geben hot. Wan nichst ist als zymlich der naturlichen billikayt, dem den willen eins herren, der do mag sein guet in einen andern verwenden, stett gehabt werden. Und darvmb, welches geschlechts sei ein leyblich guet, das mag geben werden von dem herrn vnd eingegeben verendert werden.
[Seite: 271]

[Cap.2.25]

Cap. XXV. Durch hewretguet.

Also werden vns gewunnen gueter durch hewretguet vnd vbergebung, als zw welcher zeit ein guet … eynicher andern gerechten wrsach … werden geben, on zweyfel werden sie verwendt in den, welchem sie gegeben sein in dermas, aus welcher sie gegeben sein.

[Cap.2.26]

Cap. XXVI. Aus verkaufung.

Auch werden vns gueter gewunnen aus naturlichem recht aus verkaufung, also wen ayner wirt verkaufen sein guet einem andern vmb berayt gelt, so wirt der kaufend nit … herr des guets, nur wen er des lon gentzlich hot bezalt oder in ander maß wirt genug thuen dem verkaufer, als mit benuegung, mit verheysen eines benuegens oder pfant. Ob [Seite: 272] aber der, welcher verkauft hat ein guet, eingibt ein guet eim kaufer guets glaubens, sag ich, dasselb bald werden des kaufers. Und ob sunst der gelter die gueter hette angenommen, als ich in gegenwertig was, so werden die sein. Aus der selbigen wrsach, ob einer hat ein freye verwesung der kaufmanschaft von seinem herrn im beuolhen, ob der selbig verkauft vnd eingibt ein guet, so macht er das gut bald des einnemenden aus vollem rechte. Auch vnderweyle wirt es verwendt dem herren des guets aus eynigen willen on eingebung des selben, als ob ich dir hab gelihen oder verlihen oder bey dir ein besunder guet hab erlegt vnd darnach verkauf ich dir es oder vbergib dasselbig guet, den so wirt bald die eygenschaft des guets dir gewunnen, als ob ich dir das selbig guet hett eingegeben gehett. [Seite: 273] Des selben rechtes ist, ob ich dir verkauf wein im keller oder getrayd im stadl vnd gib dir schlussel darzw, so wirstu bald ein herr der selbigen wein vnd guter zw allem deinem willen vnd nutzbarkeyt mit inen ze handeln. Und du salt merken wen die verkauften guter werden eingeben, den furbaß ist aller schad der selbigen gueter des kaufers. Und die ding sullen gnug sein von der gewynnung der leyblichen gueter aus naturlichem recht gesagt.

[Cap.2.27]

Cap. XXVII. Die vnleyblichen gueter.

Von den vnleyblichen guetern merk, das etliche gueter sein leyblich, etliche onleyblich. Die leybliche sein, welche aus irer natur mugen berurt werden, [Seite: 274] als ein mensch, ein klaydt, gold, silber, ein grunt. Die vnleyblichen gueter sein, welche nit mugend berurt werden, als die, welche aus lautrem rechten wesen, oder als ein erbschaft, ein fruchtbrauch, ein wanung, ein pfleg, ein leibding vnd ein ausrichtung vnd dergleich. Vnd irt nit, das in der erbschaft, vnleybliche guter werden behabt. Wan auch die frucht, die aus dem grunt werden genummen, leyblich seind. Auch gleicher weis das, welchs aus eynicher verbindung vns schuldig wirt, ist auch leyblich oft, als ein mensch, ein grunt, gelt. Aber dasselbig recht einzenemen frucht, das recht der erbschaft, das recht geniessen, das recht zw brauchen, das recht der verbindung ist vnleyblich. In derselbigen zal sein die recht der [Seite: 275] pawern vnd der zymmerlichen gueter, [die auch] dienstbarkayt werden gnant, dergleichen das recht der rend vnd der zynß. Doch sein zwifeltige dinstbarkeyt, als personlich vnd gutlich, (verstee aus ligenden gueter).

[Cap.2.28]

Cap. XXVIII. Die dinstbarkeit der ligenden gueter.

Die baurlichen recht seind der ligenden gueter, als steig, geeweg, gemainer weg vnd wasserlaytung … Steig (oder limes, gnant steig), ist ein recht der besitzungen … von der besitzung taylend. Iter ist ein recht zw geen, zw reyten; zw treyben. Via ist ein recht zw wandeln, zw fuern vnd gen acker farn. [Seite: 276] Aqueduct, verstee wasserlaytung, ist ein recht des wasser durch einen fremden grund zw fuern. Du solt merkn das via im engern tayl sol haben acht schuch, in dem weytern tayl sechszehen. Iter sol haben vier schuch. Limes sol haben zwo schuch. Doch so wirt die maß gelassen dem spruchmesser vnd der weyte des ertreichs. Hie soltu merken das ein geender zw fues sol weichen von dem weg dem reytenden, ein reytender dem wagen des wandelnden, ein laerer wagen wandrend dem geladen, der geladen wagen von der hoech wandrend sol weichen dem geladen aufgeenden wagen. Es seind noch andre recht der ligenden bawern guetern, als das [Seite: 277] recht das wasser von dem brun zw schepfen vnd das viech zw dem wasser ze treiben, das recht zw wayden, das recht den balg zw fordern vnd das recht des sands vnd des letten oder laymbs zu schneiden oder zw graben, das recht ertzlichen stain zerbrechen vnd vil ander dergleich.

[Cap.2.29]

Cap. XXIX. Dienstbarkait zymmerlicher ligender gueter.

Die recht der zymmerlichen gueter sein die, das der nachper die burdene seines nachpers nit leyde, einen tram, ein rafen oder holtz in sein wand nit einlaß, das trauf in die zymmer in sein hofstat oder sein heymlich gemach nit einlete, die fenster in sein hof nit mache, seinen nachpern [Seite: 278] liechtern nit schade, den mist fuer seins nachpern haus nit werfe, durch des selbigen grunt nit gee, nit treybe, nit wandel. Aber welcher etwas der ding wil haben, der sol das thuen mit bet oder lon oder geding vnd brief vber das nemen, sunst sein sie kainer vestikait, auch wie lange zeit die haben gewerent.

[Cap.2.30]

Cap. XXX. Von dem fruchtbrauch.

Von den fruchtbrauch sein zw merken vier ding: Zwm ersten was sey ein fruchtbrauch, zwm andern in wem er bestee, zwm dritten wie er gesetzt werde, zwm vierden wen er geendt werd. Der fruchtbrauch ist ein recht zw nyessen oder zw brauchen fremde gueter vnd das hailsam bleyb das wesen der gueter. [Seite: 279] Darvmb so ist der fruchtbrauch in einem leibe, so der (selbige leib) wirt hingenommen, so ist notturftig das recht (hingenommen sein oder) aufgehebt werden. Aber es hot vnderschied von der aygenschaft, als von dem guet in welchem er ist, wan ob einer wirt einem schaffen ein fruchtbrauch, den so hot der erb allein die blosen eygenschaft vnd herwidervmb. Doch mag einer in einem gescheft verschaffen einem den grunt, dem andern den fruchtbrauch, aber on gescheft mag er das nit thuen vnd setzen, nur mit dingung vnd gelubd annemung. Doch das nit gentzlich die aygenscheften vnnutzlich sein, albeg so aufgehebt wirt der fruchtbrauch, geuallen hot in bestymten massen den fruchtbrauch aufgelest vnd geendt vnd zw der aygenschaft widerkert werde. [Seite: 280] Wan der fruchtbrauch wirt [nit] allein gesetzt in einem grunt vnd in einem zymmer, warlich auch in den leibaygen khnechten vnd diernen vnd in den arbetsamen thiern vnd in allen guetern ausgenommen sie hofsteten vnd ausgenommen die ding, welche mit brauch verzert werden. Wan die gueter wider von naturlichem rechten noch von burgerlichem entpfaent den fruchtbrauch, in welcher zal seind weyn, ol, getrayd, klaydt vnd gelt. Aber [das] (nit gehoren) die gueter an die erben (so) widerkeren (sie) nymmer, haben gesetzt die senatores, das der, welchem der brauch eines gelts ist geschaft, gnueg thue dem erben mit gnuegthuung mit so vil gelts widervmb geben zw werden, ob er stürbe oder ob im die statt wurd ewiglich verboten. Aber die andern gueter, also ein ol, [Seite: 281] getraid, werden also eingeben, das sie des werden, wem sie geben werden. Doch sullen die vorgenenten gueter geschatzt werden, vnd ob der entpfaend stürbe oder von der statt ewiglichen wurd geschickt, das ein g[n]uegsam be[g]nügung dem erben werd gegeben vom souil gelt widergeben zw werden, wieuil gewesen ist das gesatzt guet. Der fruchtbrauch der wirt gesetzt durch bete, durch lon, durch dienstbarkeyt, durch gescheft, durch ausnemunge, entweders zw den tagen seines lebens oder auf ein bestymte zeit. Es wirt geendt vnd vollendt der fruchtbrauch durch den [tod] des fruchtnyesser, nit durch den tod des herren der aygenschaft noch durch den tod seiner erben vnd durch die ewige verbietung einer statt, durch bosen brauch, durch verenderung, durch aufgeben, [Seite: 282] durch widerkaufung, durch ergerung, durch brunst, durch ein erdbiben vnd durch eltyn. Aber wen geend ist wurden der fruchtbraucht gentzlich; den so wirt widerkert gar zw dem herren der eygenschaft vnd das vor vmb halb, dasselb wirt er mit volkomen rechten haben mit besitzen das gar (oder gentzlich).

[Cap.2.31]

Cap. XXXI. Von dem blosen brauch.

Aus allen den massen, in welchen der fruchtbrauch gesetzt wirt, in den selbigen massen wirt der blosbrauch gesetzt vnd geendt. Doch hot der blosbrauch mynder rechtens den der fruchtbrauch. Zum ersten wan der, welcher den blosenbrauch des grunts hot, wirt nit weyter verstanden, nur das er die kreuter, hew, stro, holtzer [Seite: 283] zw teglichem brauch nyeß. Zum andern mal wan in dem grund bis heut wanen verzymbt also, das er weder dem herrn des grunts schedlich sey, noch denen, durch welche die pawer arbet geschech sey, verhindern. Zum dritten wen das recht, welchs er hot, mag er keinen verkauffen, vbergeben, verpfenden, verleyhen, noch mag verlihen werden, doch die ding alle mag thuen der fruchtnyesser.

[Cap.2.32]

Cap. XXXII. Von dem brauch der zymmer.

Ob einer den brauch des zymmers hot, so wirt er nit verstanden zw haben eines rechtens, nur das er allein inwone vnd kainem verleich, aber auch nit auf einen andern das recht verwenden mag, ja vorwar kaum ist verlihen das, [Seite: 284] so er abwesend ist, einen gast in das haus neme vnd der bey seiner hausfrau vnd seinen kindern da wone bis zw seiner zwkunft. Is aber der, welcher gehort zum brauch eines khnechtes, derselb allein fuer sich mag brauchen die arbet vnd den dienst eines khnechtes; aber zw einem andern in keynerlay maß mag er sein recht verwenden. Auch ist desselbigen rechtes von dem arbetenden viech. Ob aber eynichen des viechs oder der schafbrauch verschafft ist wurden, dasselbig wider von der milch noch von der wulle noch von den schafen oder lemlen wirt nit brauchen, wen warvmb die sein in der frucht. Aber er mag der khue vnd der roß genyessen oder brauchen zw tungen den acker. Und ob eynichem allein die [Seite: 285] wonung wirt geschafft, wirt nit gesehen der brauch noch der fruchtbrauch, sunder als nahet ein besunders eygens recht. So mag der selbige einem andern frummen man die wonung verleyhen on irer ergerung. Und das von den dienstbarkaiten vnd fruchtbrauch vnd blosenbrauch vnd wonung gesagt sullen gnueg sein. Aber von der erbschaft vnd verbindung wirt gehabt an seiner statt.

[Cap.2.33]

Cap. XXXIII. Von nemung des brauchs (oder ein ersitzung).

Aber aus burgerlichen rechten werden vns gewunnen die leyblichen vnd vnleyblichen gueter in vil massen durch brauch vnd durch gewere, das ist durch vsucapionem vnd prescripcionem, bey dem ist zw merken: Was [Seite: 286] sey usucapio, was do sey prescipcio, welche ir gestalt, welche ir nutzbarkait, wie vil ding vnd welche das darzu erfordert werden. Prescripcio ist ein besunder recht aus der zeit entpfaend die vestikait vnd hot zw geschehen in ligenden guetern. Usucapio ist ein gewynnen einer herrschaft durch stett werung einer besitzung in zeit von dem gesatzt aufgesetzt vnd hot zw geschehen in beweglichen guetern. Die gestalten der vsucapionis ist allein einzig … Die gestalten aber prescripcionis sind drei als: einer langen zeit, die andern einer lengern, die dritt der allerlengsten zeit, von welchen darnach wirt gehort. Die nutzbarkait vsucapionis vnd prescripcionis ist drifeltig, [Seite: 287] die erst wen die zeyten sein von den gesatzen gegeben, das nit die herrschaften der gueter bleyben in vngewiß. Die ander wan ob die zeiten nit weren gegeben, so mochte nymmer eynicher seiner gut ruehlichen besitzen. Zum dritten wan ob die gueter mit guetem glauben gekauft durch die zeit von gesatz gegeben einer in frid vnd rwe besitzt vnd ob er darnach von eynichem angesprochen wirt, so wirt er nit schuldig zw antworten vmb die selbigen gueter.

[Cap.2.34]

Cap. XXXIV. Von der gewere.

Die ding werden erfordert zw der waren prescripcion vnd vsucapion. [Seite: 288] Recta fides, das welchs mit guetem glauben, als ob einer kauft etwas, das ist ein besunder beweglich guet oder ein vnbeweglichs, iusto titulo, das ist vmb ein bestymt vnd ein grecht gelt vnd von dem, welchen er glaubt zw sein herr des selbigen guets. Publice, das ist offenbar, wan ob er in haymlikait kauft, dan so wirt gesehen das guet sein argwenig. Vicioque carentem, das es nit sey diebstellig oder mit gewalt geraubt, auch nit mit bosem glauben [Seite: 289] besessen, wan das mag nymmer in brauchnutz gebraucht werden, darvmb das es von gotlichen vnd menschlichem gesatz ist verboten. Wan welcher ein fremd guet wirt verkaufen oder versetzen oder vbergeben einem andern wissentlich, der begeet des ein diebstal. Aber das halt sich vnderweilen anders, als gemerkt wirt. Wen welcher ein sulch guet mit sulchen vnderschiden oder gedingen darzw gelegten stetiglich hot gehabt on allen zwspruch ein zeit von dem gesatz gesetzt, der wirt furbaß das ewiglich behaben vnd wirt kainen klagenden antwurten. Du solt merken das in vil massen einer mag ein fremd guet in ein fremde verendern on laster: Zum ersten ob das guet der erb dem gestorben gelihen oder verlihen oder bey dem selbigen [Seite: 290] erlegt schetzend ist ein erblichs guet sein zw seind in guetem glauben kaufende hot verkauft, … ist nit zweyfel, das der, welcher das angenommen hot, gerechtiglich im brauchnutz haben mueg, wen das guet nit geet in das laster eines diebstals. Auch der erb begeet nit ein diebstal, welcher es … mit guetem glauben als sein guet hot verendert. Wan das diebstal wirt begangen nur mit begird zw stelen. Doch irrt der erb, welcher das also hot verendert. Darvmb ist schuldig entweders … den werd des guets dem rechten herrn wider zu geben vnd der kaufend bey seinem kauf zu bleyben. Das selbig ist recht, wan ich glaub mich erben zw sein, in den rechten warhayt so ich nit bin ein erb, als wen ich glaub mir ein geschaft guet ze haben … [Seite: 291] Und eines ligenden guets, das ledig ist, besitzung durch abwesen oder saumbnuß des rechten herrn oder [wan] on nacherbung ist gestorben, [nit] mit gewalt vber kumbt. Wie wol einer mit bossem glauben besitzt, wan er wais sich einen fremden grunt ingehebt haben, doch er einen andern mit guetem glauben inne habenden hot eingeben, so wirt mugen dem selbigen mit langer besitzung das guet gewunnen sein, wan wider diebstellige noch mit gewalt ersessen hot ers eingenommen; wan es ist abgetilget etlicher wrteil, die schetzend waren, eins ligenden guets diebstal zw geschehen. Auch vnderweyle ein diebstellig guet oder mit gewalt besessen mag in brauchnutz genommen werden (oder gebraucht), als ob es in gewalt des herrn widerkert [Seite: 292] wirt, darvmb das es der ware herr hot kauft oder ob ein schuldner ein fremds guet hot versetzt, wan den des laster ist die reynigung vorgangen des selbigen guets brauchgewere. Was aber ich kauf von einem schneider ein rock zw berayten im gegeben oder ein tuch von dem scherer zw schern gegeben oder von eins herrn khnecht gewerb im verlihen oder schuech von eines schuchmachers khnecht, nim ich die nit in brauchgewere? Ich sprich ja: ob ich die (gueter) hab gekoft mit guetem glauben die eingehend der genanten zw sein, welche mir die verkauft haben, auch ob ich nit wird haben sie in zeit von dem gesatz gesetzt. Wan es nit schadt dem kaufenden mit guetem glauben der böß glaub des verkaufenden, [Seite: 293] ut ff. de diversis … prescr. l. … Sunder der verarg das im selb, als die den vntrewen menschen ire gueter beuelhen; doch werden mugen die waren herrn von vntrewen derselben erfordern oder begern. Item ich hab gesprochen iusto titulo, als mit kaufung oder vbergebung oder nacherbung oder durch nachuolg oder aus eynicher ander gerechten wrsach. Und ich hab gesagt vmb ein gerecht gelt, wan ob vmb mynders das vmb ein gerecht gelt het gekauft, als vmb zehen, das do wert ist zwentzig, so haft das nit, wen da zwischen kem vntreu vnd arglist, welche nymants sullen hulflich sein. Und das er kauf von einem, welchen er glaubt zw sein den herren ditz guets. Wen ob er het gewist das guet nit sein zw sein oder gewesen zw sein, den so taug der kauf nit. [Seite: 294] Ich sag das er das gehebt hot stetiglich in eyniche vnderbrechung. Wan es geschicht vilfeltige vnderbrechung, als naturliche vnd burgerliche, durch einer besambleten beruefung, durch veraynung oder klag, durch ladung, durch verkundung, durch des gelts bezalung, durch antwurt zw der klag, durch bekantnus der schuld, durch der wuecher bezalung, durch besytzung des guets vnd die eynige eynlegung des libells. Sie wirt auch vnderbrochen mit verleumbd peen, wirdikayt, mechtikait, mit tobsucht, des widerteils verhindrung zw klagen. Auch hab ich gesagt possessio, tempus, das ist das [der kaufer] besitzen das guet so lange zeit, wie lang von dem gesatz ist gesprochen. Wan das gesatz auslegt die zeit als ob einer besees [Seite: 295] ein lehen guet zehen jar, so wirt er das furbas haben ruehiglich. Es ist aber das lehen zwifeltig, als ein bawerlichs vnd ein ritterlichs. Item ob einer besees ein guet von rechter eygenschaft dreißig jare, so wirt er furbas gewer haben. Ich hab gesprochen res prescriptibilis, (verstee ein gewerberlich guet). Hie soltu merken, das alle leybliche vnd vnleybliche gueter, die recht vnd klagen mugen in gewer bracht werden. Aber die gueter einer gemain, als orter vnd end der ertrich vnd [Seite: 296] gueter der waysen vnd hewretgueter, eins haussuns gueter, haylige oder geweichte gueter, gaystliche gueter, ein freyer mensch vnd ein fluchtiger khnecht mugen nymmer in gewere brocht werden. Es ist aber limes (ein ort des ligenden guets vnd) ein weyte des vnbauten ertrichs, (als eins rayns), welchs tailt die besitzungen des ertreichs von einander. Fines (das sein die end) sein stett oder örter, mit welchen die gelegenhayt vnd krayß werden vnderschiden. Res pupille, das sein der waysen kinder vnder vierzehen jarn. Die gueter des haussuns, das ist des nit ledig gesagt ist von veterlichem gewalt. Heuretgueter, das ist ein gegebner grunt dem eeweib fur ire hewretguet. Das heylig guet, das ist das gaystliche, sol von kainem [Seite: 297] besessen werden, darvmb auch nit in gewere bracht. Der frey mensch wirt nit in gewere bracht noch geaignet eynicher maß oder von recht mag werden, wen warvmb die freyhait ist ein freyes guet. Der fluchtig khnecht (kan auch nit in gewer bracht werden) von seinem rechten herrn, wie lang zeit das ist bey eynem andern bleibt, mag dennoch den sein rechter herr widerhaben.

[Cap.2.35]

Cap. XXXV. Die gewynnung der vergebung.

Es ist auch ein ander geschlecht der gueter gewynnung von burgerlichem rechten, das gnant wirt donacio, verstee vbergebung. Von welchem ist zw sehen: was sei donacio, wieuil ire gestalt, durch was es also [Seite: 298] werd gnant, ob die eeleut mugen inen wechselberlich vbergeben. Von dem ersten die donacio ist ein verleyhung geschehen einem schlechtiglich aus lauter freywillikait oder durch die heureten oder durch forcht des todes. Darvmb sein der donacion dreu gestalt: als ein schlechte, durch die heuret vnd aus wrsach des todes. Die schlecht donacion ist, welche vmb kain andre wrsach geschicht, sunder lauter vmb sunst; die ander ist, welche durch die heuret gemacht zw werden zwischen dem manne vnd seiner eewirtin geschicht; die dritte ist, welche geschicht des angeenden (oder gegenwurtigen) oder kunftigen todes.[Seite: 299]

[Cap.2.36]

Cap. XXXVI. Die donacion aus wrsach des tods mag widerrueft werden.

Die schlecht vnd frey donacion vbergeben mag nit freuelich widerrueft werden. Aber die vbergebung aus wrsach des tods von sechs wrsachen wegen mag widerrueft werden: Ob der vbergeber ist krank gewesen vnd wider gesund wurden. Die ander ob es in gerawen hot. Die dritt ob der, dem vbergeben ist, schaden vnd verterben dem vbergeber hot zwegefuegt (oder wirt zwefugen). Die vierd ob der, dem vbergeben ist, vndankbar wirt. Die funfte ob der, dem geben ist die gab, nit hot entpfangen. Die sechst ob der vbergeber die vbergab nit hot eingeben dem, welchem [Seite: 300] geschafft ist, noch den zum herrn der vbergab hot gemacht. Die vbergebung, welche ist zwischen dem man vnd dem weib, so bestendig ist die ee, mag nit widerrueft werden, nur in dreyen vellen, als stilliglich, ausdrucklich vnd durch den tod; stilliglich wirt widerrueft durch den eebroch mit der schidung; ausdrucklich wirt sie widerrueft durch widerruefung oder durch vbergebung einer verenderten guets; durch den tod, wen der, dem vbergeben ist, vor dem vbergeber stirbt. Die vbergebung zwischen man vnd weyb, [wan] bestendig ist die ee, aus welcher vbergebung der ein reycher der ander ermer [wirt], haft nit vor recht, nur si werde [Seite: 301] bestetiget mit dem tod, auch ob darzwischen kommen ist der ayd. Das ist, ob das weib vbergept ir veterliche vnd muterliche gueter, aus welcher vbergebung sie in armut kumbt, oder herwidervmb der man dem weybe, die vbergebung haft nit vor recht vor dem tod des weibs, auch ob enzwyschen kombt der ayd. Das selbige recht ist, ob das weib lest dem manne das hewretguet, wan die zway sein von dem gesatz verboten.

[Cap.2.37]

Cap. XXXVII. Von dem hewretguet und (von) des gestalten.

Bey der dritten vbergebung, die gnant wirt dos, sein vil ding zw merken: Was sey dos verstee das hewretguet, wie vil sein des gestalt, wen es sol gegeben werden, … wen aber das [heuretguet] [Seite: 302] widervmb begert müge werden, aus welchen wrsachen das heuretguet gewunnen werd, wen das hewretguet sei wider zw geben, ob der man schuldig sei das gantz hewret[guet] wider zw geben, wer müg begern das hewretguet, ob das weib müge aufgeben das hewretguet oder sich verzeygen des hewretguets, ob das weib in eynicher maß müg verendern das heuretguet, ob das hewretguet solle haylsam sein gelihen werde dem eeman oder ob sol ein sicherhayt gegeben werden von im, ob der man hot gemacht kostung in die hewretgueter, ob sie im sullen widergeben werden, ob das hewretguet sulle vorgeen alle gelter. [Seite: 303]

[Cap.2.38]

Cap. XXXVIII. Was sey dos verstee das hewretguet.

Das hewretguet [ist] ein gebung oder vbergebung dem man geschehen von dem tail des weibs durch die burden der ee zw aufenthalten. Die gestalt dotis sein dreu, als prouecticia, aduenticia vnd estimata. Die prouecticia dos ist ein gebung, welch gibt der vater der tochter oder der äny seiner änkelin durch die hewret. Und das ist die aygen ee derselbigen, mit welchem mag er thuen, was er will, die weil nit kinder verhanden sein, nur es werd ein ander gedinge gesetzt, als ob verhanden sein kinder, den sol die tochter haben den fruchtbrauch des hewretguets vnd die eygenschaft sol bleyben bey dem kinde. Ob aber [Seite: 304] die tochter on gescheft wirt sterben, den so ist der kinder die aygen erbschaft vnd nit des vaters noch der müter noch eynichs freunds, von dem das guet des vaters herkumen was. Und die kinder werden besitzen das hewretguet mit vollem recht. Darvmb sol stillschweygen ein jedlicher mensch, welcher sag, das on die kinder die aygen ee die muter sol enthalten. Aduenticia dos ist, welche kumbt von der muter oder von den andern verwanten freunden, vnd mit den mag er schlechtlich thuen, was er wil, ob von wrsach wegen der ee nit ist geding wurden im gegeben Die geschetzt dos ist der grunt oder genents gelt wie aufgebung. [Seite: 305]

[Cap.2.39]

Cap. XXXIX. Wen das hewretguet sol ausgericht werden.

Der man sol seinem weib das hewretguet ausrichten, wen sie ader ir vater vnd muter das begeren, es sei vor den hewreten oder dornach, vnd wen das ist in einer zeit das geschech, sol ir nit schaden brengen. So sie aber ausgericht ist, so ist sie schuldig dasselbige auch zw thun irem manne. Aber wie vil das weib vbergibt irem manne, so vil von gemainem rechte sol er geben dem weibe vnd den drittayl mer, nur mit gedingen vnd veraynigungen werden anders gesetzt.

[Cap.2.40]

Cap. XL. Das hewretguet mag wider begert werden.

Das hewretguet des weibs mag [Seite: 306] widerbegert [werden], wen der man sein aygen guet misbraucht oder wen er ist ein vnnutzer verzerer der gueter. Ob aber der man werde kommen zw der armut aus [un]gluck oder groser krankheyt oder aus ander redlicher wrsach, den so gebuerd keinem widerbegerung, wen die eegemahel alles vbel vnd guet sullen mit einander leyden, wen nichst schayd sie wen der tod. Wen das hewretguet vnd die vbergebung wirt drifeltiglich gewunnen dem man oder dem weib: Zum ersten aus verayntem geding, zum andern aus gewonheyt, zum [dritten] aus der sund des eebruchs. Aber prouecticia ist wider zu geben dem vater, so die tochter on gescheft gestorben ist nit habend kinder, vnd das nach [Seite: 307] dem tod ires mannes. Aber die anfallend widergebung ist widerzugeben der muter vnd den andern iren nechsten, von welchen sie kommen ist, auch nach dem tod des mannes.

[Cap.2.41]

Cap. XLI. Von widergebung des hewretguets.

Der eeman ist schuldig zu thuen in widergebung des hewretguets was er mag, doch also, das er nit armut leyde. Wan nach den gesatzen ist nit von im zw nöten gar, was er hot, sunder der gueter messigung ist zw haben, das er nit armut leyde. Aber das hewretguet widervmb zue begeren mag ein jedlicher, welcher [gibt] das hewretguet, wen gesagt wirt in der autentica: welcher nichst gibt, der entpfacht nichst – nur mit gedingen vnd [Seite: 308] vereynung ein anders werd gesetzt.

[Cap.2.42]

Cap. XLII. Von der gewishayt.

Das weib mag aus keiner wrsach ir hewretguet aufgeben oder der verzeyhen nur aus rechtlicher wrsach vnd mit rad vor dem erbherren. Vnd das ist darvmb gesetzt, das nit sulchs freulichs geschlechts blödikayt zw schaden irer bekert werde. Und ob vber das anders geschehen wurd, sol das kainer vestikayt sein. Auch das weib zu kainem vall sol ir hewretguet verendern, wen sie das aus leuterlichem recht besitzt; ob sie das thet, so verlur sie das hewretguet. Es verzymbt das hewretguet zw sein vnuerletzt on alle verendrung, vnd ob das hewretguet [Seite: 309] mocht gelihen werden dem man, welchem getraut vnd beuolhen wirt der leib des weibes, doch nicht verhindert sullen die eeman setzen burgen durch forcht des todes, das nit die blodikayt des freulichen geschlechts irer hewretgueter vervntreut werde. Das hewretguet mag widerbegert werden nach gewonhayt vnd nach geding, wen an etlichen enden ist gewonhayt, das als bald gesturben ist das weib vnd kinder nit verhanden sein, das begert werde das heuretguet vnd das vbrige guet on das hewretguet, apparauerna gnant. … Aber an … andern beweglichen guetern, welche das weib nit hot zwbracht, werden nit wider begert, sunder sie bleyben dem manne. [Seite: 310] Doch an andern steten werden gemacht geding, das ir jedlichs der eegemahel vor stirbt, den so behalt er (dotem,) das hewretguet, vnd apparauerna mit volkommen rechten, auch so (nit) kinder verhanden sein ader nit. Und das wirt gnant ein freyes hewretguet. Auch ist ein andre gewonheyt, ob eins der hewretleut ist gestorben, so behalt das ander das hewretguet vnd die vbergabe durch sich auf sein lebetage vnd mit der parauerna thuet er, was er will, vnd nach dem tode ir bayder, ob leben sein die kind oder ir erben (verhanden), den so sein das hewretguet vnd vbergab mit vollem recht. Ob aber nit sein kinder, den so widerfellt das hewretguet zwe den nehern verwanten des weybes. Ob aber die gueter der man [Seite: 311] vnd das weib miteinander haben erarbet oder zwsammen gebracht, den so widerkert der halbtayl der guter zw den nehern freunden des weibs vnd zw dem andern halbteil werden erben die nehern freund des mannes.

[Cap.2.43]

Cap. XLIII. Von der parauerna.

Parauerna sein alle bewegliche gueter, welche das weib hot ausserhalbe des hewretguets, als klaider, betgewand, klaineth etc. Vnd werden gnant a para, das ist iuxta vnd verna, dos, als gueter neben dem hewretguet. Aber es ist ein ander weg, der gesehen wirt der pesser zwyschen den alle, ob das weib vor stirbt, den so behalt der man das hewretguet vnd die vbergebunge zw seinen tagen nit ergerend [Seite: 312] noch verendernd, auch so die kind leben oder nit. Aber mit dem heuretguet, welchs er dem weib hot gegeben, schafft er was er will, wen es im ledig ist, nur es sey anders mit gedingen oder veraynigung gesetzt. So aber er gestorben ist, so widerkert die donacion zw dem vater oder muter des weibs oder zw andern verwandten, von welchen es herkomen ist, ob sie verhanden sein, ob sie nit verhanden sein, so werden sie ledig der statt. Es ist ein andre gewonheyt, ob einer der eeleut, so nit sein kinder verhanden, (aus welchen eins) stirbt on gescheft, den so behalt das ander das heuretguet vnd die vbergebung mit den parauerna mit vollem rechten. Und merk das alles recht, das hot das heuretguet, dasselb hot die parauerna. [Seite: 313] Es ist zw wissen mangfeltige ausgebung sein auf die heuretgueter, notturftige vnd nutzbarliche vnd willigliche. Die ersten zway (darlegung oder) ausgebung sein die erben schuldig wider zwegeben, aber die dritte (darlegung oder) ausgebung, ob eins aus vrsach einer verzihung die het gethan, die wurd nit widergeben. Auch merk das das weib wirt fuergesetzt im heuretguet allen vorigen vnd nachgeenden geltern nit habende ausgedruckte pfandschaft in der vbergab durch die heuret. Ja warlich, das weib in den parauernalibus wirt auch fuergesetzt den geltern habende stil oder ausgedruckte pfandschaft, das ist ein ligends guet. [Seite: 314]

[Cap.2.44]

Cap. XLIV. Durch das gescheft wirt gewunnen.

Auch wirt vns gewunnen ein guet aus burgerlichem rechten durch gescheft vnd von vnuerschafften verlassen. Und zum ersten ist zw sehen von dem gescheft, was sey ein gescheft vnd wannen es genant sey, wie vil sein sein gestalt, wie vil werden erfordert in machung des testaments, wie kreftig werden die gescheft, wie vnd wie vil maß sie vnkreftig werden. Und von dem ersten ein gescheft ist ein freyer wille vnd ein gerecht wrtail des gesunden gemuets von dem, welchs einer [Seite: 315] nach seinem tod geschehen will mit setzung der erben. Ich hab gesprochen ein freyer will, wen ob einer wurd bezwungen, so taug nit das gescheft, auch ob es bestetiget were mit dem ayde den nit wellen verkeren. Ich hab gesagt eins gesunden gemuets, wie wol der krank ist an seinem leybe vngesund, doch an der vernunft ist er gesunt. Ich hab gesagt mit gerechtem wrtail, das ist mit rechter ordnung zw sein beweglichen vnd vnbeweglichen gueter. Ich hab gesprochen, das einer nach seinem tode geschehen wil, als von seinem gantzen veterlichen erbe, wen nyemand mag in einen tayl verschaffen, vnd darvmb vor seinem tod mag nyemand im aus eynichem gescheft ein recht annemen. Ich hab gesprochen mit setzung der erben, [Seite: 316] wan die setzung der erben ist ein haubt vnd ein grundfest des gantzen geschefts. Und ist ein setzung eins andern statt an sein, wen die person des gestorben vnd der erben werden geacht eine. Aber er wirt gnant ein testament als ein bezeugung des gemuets, das ist des willens, doch nit ein jedliche, sunder allein die, welche verordnet die erbschaftung. Vnd die ist wandelbar biß auch an das letzt seines lebens, auch ob nit in verwandeln ein geding oder ein ayd ist entzwyschen kommen. Wen zwo gestalt sein eins geschefts, die ein wirt gnant nuncupatiua (das benenlich), das geschicht durch wort, die ander in geschriften oder durch ein instrument. Aber es ist nit vnderschied, ob es geschriben werde auf tafeln [Seite: 317] oder papier oder pergamen, doch das es mit zewgen werd bezaychnet vnd mit sigillen beuestiget.

[Cap.4.45]

Cap. XLV. Welche ding werden erfordert zu machen ein testament.

In machung eins testaments werden notturftiglich erfordert newn ding vnde versus. Quis, cui, quid, quantum, quot, qui, cur, quomodo, quando. Und von allen ist durch ordnung zw sagen. Ein gescheft mag machen ein jeder mensch ausgenommen funfzehen person, vnde versus: [Seite: 318]
Testari nequeunt inpubes, religiosus,
Filiifamilias, morte dampnatus et obses
Prodigus aut stultus, dubius, servus, furiosus,
Crimine dampnatus cum muto, surdus et ille,
Qui majestatem ledit, sic cecus et ipse.
Inpubes, das ist … ein knab oder ein meydl, wen sie noch nit haben den brauch irer vernunft, … wan sie nit erben haben, welchen sie im gescheft sollen setzen. Religiosus, das ist ein jedliche regelperson, welcher gehorsam getan hot, wan er hot nixs aygns. Wen er alles sein eygen guet hot geben, sintemal er sich gote hot ergeben. Jedoch die aynsidel vnd die andern, welche furen ein aynig leben, mugen verschaffen, wan sie verzeyung irer gueter nit haben gethan. Und auch die [Seite: 319] weltlichen priester von den dingen, welche sie von wegen irer person inne haben, vnd dergleichen von iren gotsgaben oder pfrienden nit seelsorg tragend mugen wol gescheft machen. Aber von den guetern der kirchen ligenden mugen nixs schaffen. Von den beweglichen guetern mugen sie geben iren freunden vnd iren nechsten vnd dienern, auch den armen vnd kranken leuten nach irer notturft. Der haussun mag nit verschaffen von dem anfallenden oder erbgueter, wie wol sulchs ir vater vnd muter zw geben. Des ist ein wrsach, wen ein gescheft kombt aus freyen willen des verschaffenden, wen die sein in anderer leut gewalt nit irem gewalt. Ob aber ein haussun vierzeenjeriger ein ritter oder ein student ist wurden, des was im verhayschen ist von dem harnesch [Seite: 320] vnd von der lernung die ritterschaft, (das ist von dem guet gewunnen im he[g]er), das ist gnant castrense peculium oder quasi castrense, mugen sie gescheft thuen, wen in sulchen dingen sein sie gleich dem hausuater. Doch mugen sie vbergebung machen, so das vater vnd muter verwilligen, wan ein vbergebung vernymbt die matery eines handels, wen sie mugen handln, wen das vater vnd muter verwilligen sein. Ich hab gesprochen der verwrtailt zw dem tod auch durch ein jedlich malefitz mag nit verschaffen. Wan welcher das leben durch ein malefitz verleurt, der verleurt auch die schickung (oder verordenung von seinen guetern). Ich hab gesprochen obses, welcher fuer ein geraubt ding wirt geben, mag nit verschaffen, wan [Seite: 321] er in fremden gewalt hot nit zeugnuß (oder verschaffung). Item prodigus das ist einer, der sein guet vnnutzlich verzert, welchem die verwesung seiner gueter von dem richter ist verboten … Item ein narr, das [ist] vngesunds gemuets, mag nit gescheft machen, wan er nit hot beschaydenhayt. Ein zweyfelhaftiger im glauben oder ein ketzer mag nit gescheft machen, wan alle seine gueter sein in den henden der fursten, welcher sie zw sein gnant werden. [Seite: 322] Ein tobsuchtiger mag nit gescheft machen, wan er mangelt des gesunden gemuets vnd der vernunft. Wen er aber hot vnder stunden macht sein vernunft, was den geschafft ist, wirt stet gehalten. Der verwrtailt vmb ein vervnleumbtliche missetat mag nit verschaffen, wan er ist vervnleumbt vnd nit tailhaftig des rechtens. Ein stumer, welcher nie geredt hot, wan das gescheft wirt verbrocht mit der rede vnd darvmb, so mag er nit verschaffen. Der vngehörend, als welcher nie gehort hot, mag nit verschaffen, wan er nit ways, wie er von seinen guetern sol verordnen. Item welcher begangen hot die missetat verletzter maiestet oder [Seite: 323] welcher thut wider offen nutz, als ein treubrecher, mag nit gescheft machen, wen ein sulcher velt in die peen seines leybes vnd guetern. Ein blinder, als einer von natur, mag auch nit gescheft machen on grosse loblichkait, wen er liderlich betrogen wirt. Jedoch der, der beraubt ist seines gesichts, mag wol machen ein testament.

[Cap.2.46]

Cap. XLVI. Welchen mag geschafft werden vnd verschafft.

Wier mugen verschaffen allen menschen, den freyen, den khnechten, den vierzehen jerigen, den vnder vierzehen jarn, den reychen, den armen, den tobsüchtigen, den stummen, den vngehorenden, den weltlichen, den gaystlichen. Und nit allein … sunder [Seite: 324] auch der heyligen steten, den klostern, den kirchen, doch ausgenommen die person, als ketzern, abbruchigen, vnzymlichen samlungen, nit gefreyeten noch bestatigten, banckarten, khnechten von den verklagten von eebruchs wegen mit irem herrschaften vnd verwrtailten. Aber sie (mugenn) alle (die) gnant werden (vnd) verdambt, die ketzer, die verboten, treubrecher, verreter, dieb, schacher, felscher, morder. Und merk, das das gesatzt gebeut etlichen personen geschafft zu werden, als ob es inen von natur zw gehort, als sein all nachgewant, aufsteigend vnd absteygend. Freunden vnd ausser nach dem willen wirt geschafft. Welche aber gnant werden aufsteigend vnd absteygend von der seiten erben, auswendig, wirt gesehen hernach an seiner statt. [Seite: 325]

[Cap.2.47]

Cap. XLVII. Welche gueter mugen verschafft werden.

Verschafft vnd geschafft mügen werden alle leybliche vnd vnleybliche gueter, gegenwurtige vnd kunftige, zu einer bestymmten zeit oder ewigklichen, vnderschidenlichen oder schlechtiglich, mit bestymter oder vnbestymter grösse. Es mag geschafft werden ein ledigsagung der schuldner, der gelter bezalung, der vbel gewunnen gueter widergebung. Und nit allein die gueter sunder auch das gemacht oder werk mag verschafft werden in der maß: Ich schaffe vnd gebeut, das meine erb ein sulch guet einem sulchen vbergebe oder verkauf oder ich verbeut meinen erben sulchs vnd sulchs guets verenderung bey einer peen oder ein b[r]uech sulchem kloster oder sulcher kirchen [Seite: 326] zw geben. Und vmb das wirt zw gewurfen die peen, das von forchts wegen der peen gestanden werd dem willen, wan das gebot nit von der notturftikait wirt gehalten. Dergleich mag der verschaffer dem trawen eynichs beuelhen alle seine erbschaft, das er verordne [als] im beuilcht vnd trawet, vnd das geschicht also: A du solt sein mein erbe vnd ich bitt dich, als du belder magst anzunemen die erbschaft, den so soltu geben meinem sun N aus meinem schlafweib geborn souil oder souil. Der verschaffer mag auch seinem erben geben einen pfleger auf ein zeit des rechtens oder darüber vnd das derselb rechnung thue von den im beuolhen gueter … vnd gebeut voraus, das [Seite: 327] man mache ein inventarium (das ist ein beschreybung der gueter). Aber es ist ein inventari ein brief innehalten alle ding vnd gueter, welche der verschaffer verlassen hot.

[Cap.2.48]

Cap. XLVIII. Welche gueter nit mugen verschafft werden.

Aber die gueter mugen nit verschafft vnd geschafft werden, von welchen nit ist gewerb oder kaufmanschaft, als sein heylige gueter vnd die in der natur der gueter nit sein, dergleichen das leybtegliche recht vnd ein guet, das verboten ist verendert zw werden bey einer peen, dergleich vngetailte gueter vnd das recht zum guet. [Seite: 328]

[Cap.2.49]

Cap. XLIX. Was do sey ein verschafft guet.

Das verschafft ist eine besundere vbergebunge von den verstorbenen verlassen, von den erben geantwurt zw werden. Ich sprich ein besundre zw vnderschid einer vbergebung zwyschen den lebendigen vnd vbergebung aus wrsach des tods. Von den verstorbenen verlassen, wan die weil der verschaffer lebt, haft nit das verschafft guet. Von dem erben geantwurt zw werden, wan so angenommen ist die erbschaft, so wirt bald der geschafft, das ist der, welchem im gescheft etwas verschafft ist, so bald sol er begern das verschafft guet von erben vnd nit durch sich selbs annemem oder brauchen, anders er verviel vnder der klag des verschafften. Ob aber [Seite: 329] der geschefteinnemer begert das geschafft vnd der erb gib nit oder ob sturbe der, dem geschafft ist, eedan der erb anneme die erbschaft, den so wirt das verschafft ist vbergeen an den erben des, dem verschafft ist. Ob aber der, dem geschafft ist, vorstirbt dieweil der verschaffer lebt, den so hort auf das geschafft, [wan nit der], dem geschafft ist, hab im ein gemain oder ein nachgesetzten.

[Cap.2.50]

Cap. L. Wie vil mug verschafft werden.

Das gesatz beut den eelichen vnd naturlichen kind ein bestymte grose der gueter geschafft zw werden, als vom naturlichem rechte inen schuldig werden soll. In der maß: ob fier sein gewesen [oder minder], den dritten tail aller erbschaft, ob aber funfe sein oder mer, den so werden sie [Seite: 330] haben den halben tail der gantzen veterlichen erbschaft; das ander guet gantz staat … Und nit vnbillich, wen er hot die erarbet, ja warlich ob er sturbe vngeschafft, noch wurd sein sele haben iren tail. Und merk das den semissem oder trientem die kinder sullen vnder inen tailen, also das kainem vnrecht geschech. Und in den verschafften dingen oder guetern sol die gewonheit der land gehalten werden. Wan es sein in mancherlay reychen mancherlay gewonheit. [Seite: 331] Doch ist ein gewonheit, das der verschaffer gesunds gemuets wie wol krank an seinem leybe von beweglichen gutern seinen kindern nach seinem willen schafft, aber die ligenden gueter tailt er gleichlich zwyschen im vnd seinem weibe vnd allen seinen kindern vnd ist eine gute gewonheit. Es ist auch ein andre gewonheit, das er von allen seinen guetern mag ordnen, als er wil, einem mer, dem ander mynder, einem jens, dem andern das, doch also, das er die eeliche kinder nit sol on wrsach enterben oder irer erbschafft berauben oder fuergeen. Ob aber er hot vierzehenjerige sun, sol von ersamkait wegen dorbey sein ir wille. Aber ist ein gewonheit, das einer von den guetern, die do kommen von den anherrn oder [Seite: 332] von vater oder muter, so die kinder vnwillig sein, sul nixs gescheftiglich verordnet werden. Aber von den erbguetern oder anfallenden guetern ordnet er, was er will. Auch ist ein andre bose gewonhait, [das der verschaffer] blöd an seinem leibe, wie wol er gesunds gemuets sey, gueter vernunft vnd zeytiger betrachtung, gescheft machen nit mag, das da ist wider alle gerechtikait, wan in den gescheften gemacht zu werden wirt nit erfordert des leibs sunder des gemuts gesunthayt vnd mechtikait der vernunft.

[Cap.2.51]

Cap. LI. Von dem lobsamlichen gescheft.

In den lobsamlichen testament sullen bey sein nach den gesatzen siben zeugen, ersam [Seite: 333] manne, welche sich mit iren henden vnderschreyben vnd ire sigill anhencken sullen. Aber in einem besundern [ge]schlechten gescheft werden erfordert dreu zeuge; aber nach gaystlichen rechten zwen oder dreu zeugen. Vnd in dem tail wirt entzogen den kayserlichen rechten, wan zwen oder dreu zeugen sein gnugsam in einem jedlichen gescheft. Ob aber da sein mer, ist desterbesser, ersamer vnd offenbarer. Doch ist gnugsam vnderweyle in einem gescheft ein sigil, des fursten oder einer statt, vmb sterkung eines geschefts. Und ob das sigel der nachgewandten in einem geschaft mocht gehabt werden, wer zw sein nutzlich vnd ersam. Ob aber nit, [Seite: 334] den so sein gnugsam die sigil der auswendigen zw seiner kreftigung.

[Cap.2.52]

Cap. LII. Von den zeugen der gescheften.

Eyn jeder mag sein zeug in einem geschefte ausgenommen die, welche gescheft machen nit mügen, als oben steet, vnde versus: Testari non possunt impubes etc., auch ausgenommen die weyber, welche durch blodikait des geschlechts leichtiglich verkert werden vnd ausgenommen die erben, welche das geschicht beruert vnd die taylen haben in den verschafften guetern. Die, welchen geschafft ist, vnd die glaubenscomissarij, das sein die volstrecker, mugen nit zeugen sein, wan von recht werden sie gnant nachkommer. [Seite: 335]

[Cap.2.53]

Cap. LIII. Warumb werden gemacht gescheft.

Die gescheft geschehen, das nit krieg vnd zwytracht von den erbschaften von dem toden verlassen nach dem tode des schaffers ersteend, welche als emsigklich geschehen, ja warlich vnderweyle feyndschaften vnd manschlacht aus den nachuolgen. Auch werden gemacht gescheft den guetigen steten oder enden durch das hayl der selen, sie geschehen auch den eeweiben durch die eeliche lieb, sie geschehen auch den kindern durch die naturliche verbindungen vnd geschehen den nachuerwanten durch des bluets veraynigung … auch den dienern vmb ir dienst. [Seite: 336]

[Cap.2.54]

Cap. LIV. Von setzunge der erben.

Die verschaffer oder eins geschefts macher, sy sein vätere oder mütere, sullend ir erben, sy seyen jetz geborn vnd die geborn werden nach dem tode ires vaters, gnant posthämi, … jungfrawen oder enkelin, werden ordenlichen gesetzt oder ordenlichen enterbt oder ordenlichen fuergangen, sunst werden sie vnnutzlich geschafft.

[Cap.2.55]

Cap. LV. Von den erben vnd erbschaften.

Bey der materije der verschaffunge mus man vil ding wissen, als was do sei erbschaft, wie vil ire tail, was sei ein erb, wie vil sein gestalt oder vnderschit [Seite: 337] der erben, was sei setzen einen erben, was sei enterben, was sei furgeen oder vbersehen, welche sullen gesetzt werden vnd welche nit, warzw sie gesetzt werden, wie vil mas sie gesetzt werden vnd wie, wie vil maß sie enterbt werden, was sei nachsetzunge, wie vil ire gestalten vnd wie alle nachsetzungen sullen geschehen. Von dem ersten die erbschaft ist ein nacherbung in alles recht, welchs gehebt hat der gestorbene in zeit seines todes. Zwo sein gestalt, das ist taylung der erbschaft, lobsamlich vnd schlechtlich. Der lobsamlichen taylung geschicht von dem rechten in zwelf tayl. Die schlechte taylung geschicht in wie gros tayl der verschaffer wil, gleicherweyß ob ein erb gesetzt [Seite: 338] wirt, der wirt die gantzen erbschaft besytzen vnd ob vil gesetzt werden nemlich, die werden all zw gleichen tayl die erbschaft haben. Ob aber nemlichen vil werden gesetzt erben, den so erlangt ein jedlicher den tayl im geschefft. Der erb ist eine vnd die selbig person mit dem gestorben des eingangs halben des haus vnd der erbschaft des gestorben. Vier sein aber gestalten oder vnderschayd der erben als aufsteygent, absteygent, von den seyten vnd die aussern oder die fremden. Die aufsteygenden sein vater, muter … eine an, voran … Die absteygenden sein sun vnd [tochter], enkel vnd enkelin. Aber die zw der seiten sein bruder, schwester, vetter, öhem, bas, muhem vnd ire absteygenden. Die auswendige sein alle personen [Seite: 339] vnserm gewalt nit vnderwurfen. Setzen einen erben nach seinem tod ist im machen ein nachkommen, der sey gegenwurtig oder abwesend. Wan es wirt gnent einen setzen in seinen guetern einen herrn setzen vnd machen. Und darvmb nach dem tod, wan dieweil lebt der verschaffer, so ist kainer erb. Enterben ist einen von seinen kindern nemlich aus wrsach von den gesatzten bewert vertreiben ader abtreyben von der erbschaft, also sprechend: Ich enterb meinen sun, wen er hot mir veintschaft des todes durch trang eines giftes berayt. Fuergeen ist eynichen vnderwegen lassen, das ist nit setzen noch enterben, sunder fuergeend vergessen. [Seite: 340] Es sullen gesetzt werden die erben notturftiglich die aufsteygenden oder absteygenden. Aber die zw der seiten vnd ander ausser werden gesetzt nach willen des verschaffers. Aber die, welche verschaffen nit mugent, die selbigen auch nit mügen gesetzt werden, als die ketzer vnd abtruningen etc.

[Cap.2.56]

Cap. LVI. Die masz der setzunge.

Zwayerlay maß werden gesetzt erben, als mit gerehen worten vnd gebogen oder vberzwerhen worten. Mit den gerehen worten als: Jeromius, mein sun, sey mir erb. Mit eyngebogen worten als: Mathias, mein sun, setz ich mir erben. Die erben werden gesetzt von einer bestymten zw einer bestymten zeit, in ein bestymbt [Seite: 341] guet vnd von einer bestymten grösse. Auch werden gesetzt mit einer muglichen vnderschaid, wan ein vnmugliche vnderschayd in setzungen vnd gescheften, glaubensbeuelchnus vnd freyheyten werden gehabt fuer nit geschehen.

[Cap.2.57]

Cap. LVII. Enterbung der sun.

Es werden enterben die sun von vierzehen wrsachen: Zum ersten ob er das eelich weib seines vaters hot geschwecht. Zum andern ob er vnbillich verhindert hot das gescheft seines vaters. Zum dritten ob er in zymlichen sachen hot nit wellen bürg werden fur sein vater. Zum vierden ob er sein vater vnbillich hat gefangen. Zum funften ob er von vnerber gefengnuß den vater nit hot erledigt. [Seite: 342] Zum sechsten ob er vnnutzlich verzert hot die veterlichen gueter. Zum sibenden ob er dem vater notturftige ding nit hot geben. Zum achten ob er wider den vater peinlich hot geclagt. Zum neunden ob er den vater on wrsach hot geschulten. Zum zehenden ob er den vater hot gewundt. Zum aylften ob er den vater hot geschlagen. Zum zwelften ob er hot (vermaynt vnd) gestelt noch dem tode seines vaters. Zum dreyzehenden ob die sun entb[u]ern vnd gaukler vnd freher werden. Zum vierzehenden ob sie werden dieb vnd schacher.

[Cap.2.58]

Cap. LVIII. Die enterbung der töchter.

Gleicherweis wirt enterbt ein tochter, wen sie entbuert oder [Seite: 343] vnedel wirt, das ist wen sie vor dem funfzehenden jar ein huer wirt. Ob sie aber darnach, den so verleurt sie die eer, aber nit die erbschaft. Ob sie nach dem achtzehenden jar nymbt einen eeman on willen vater vnd muter, den so verleurt sie nit das guet noch die eer. Ob sie aber nach dem zwelften jar on willen vater vnd muter nymbt einen man, den so verleurt sie die veterlichen gueter vnd nit die eer. Und du solt merken, das alles recht, welches haben die kinder, das ist die sun vnd die tochter der ersten syp, das selbig recht haben die sun vnd die tochter der ander syp, als die enkel vnd eneklin, wan alle die an statt der veter vnd muter nacherben. [Seite: 344] Auch nit von newen rechten ist eyniche vnderschayd zwyschen dem sun vnd der tochter in setzunge eins erben oder nachkommung der erbschaften. Was aber, ob einer schlechtiglich spricht: Ich verlaß alle meine gueter meiner tochter, ob taug ein sulchs gescheft? Ich sprich nayn, wan weder von recht eines geschefts noch von recht der setzung verlaß er. Ob aber einer sprech: A setze ich mir zw einem erbe vnd verlaß dem alle meine gueter, den so taug das gescheft, wen von recht der setzung werden gesehen die gueter verlassen sein. Es wirt gefragt, einer hot gehebt vil weyber vnd aus jedlicher kind geborn, wie wirt er die setzen? Ich sprich, in veterlichen guetern alle die kinder gleichlich gesetzt werden, aber in muterlichen guetern nacherb ein [Seite: 345] jedlicher der muter vnd herwidervmb von dem eeweib, die gehat hot vil manne. Wan ob der man vnd das weib die gueter miteynander erarbeit oder haben kauft von den guetern, so werden bayde kinder gesetzt allein. Auch mag beuelhen der schaffer dem glauben eins andern seins geschefts machung … doch begere ich, das dem ader dem das vor den andern werd geschafft.

[Cap.2.59]

Cap. LIX. Die nachsetzunge.

… Die nachsetzunge ist die nachuolgende oder anderlich vnd [Seite: 346] vnderschiedlich setzung. Die setzunge helt inne in sich die nachsetzunge. Des ein exempel: .N. meinen sun setz ich erben vnd ob er nit erb wirt, wen warvmb er wirt fuerkommen mit dem tod oder wan er nit will die erbschaft annemen, den sol erb sein .M. Es wirt aber gesprochen ich nachsetz als ob er sprech vnder ader nach einen andern setz ich. Der nachsetzung sein etlich vberzwerch, etlich gerehen. Die vberzwerch ist, durch welche einer nymb die erbschaft, so ein ander entzwussen ist, als also: .N. setz ich mir zw einem erben, aber ich bitt in durch glaubenbeuelch, das er so bald angenommen ist, die erbschaft widergeb dem .M., meinem sun. Die g[e]rehen nachsetzunge ist, durch welcher ainer nymbt die erbschaft, so kain ander derzwyschen [Seite: 347] ist, als also den .N. setze ich mir zw einem erben vnd ob er nit erb wirt, als ob er vor angenommener erbschaft gestorben ist, den so sal sein der .M. erb. Und die gerehen wirt geta(i)lt in vier gestalt. Wan es ist aine gemaine, die ander waysenlich,die ander ebenbildlich, die ander ein kurtzredeliche. Die gemain ist, welche einen jedlichen von dem volk oder aus dem volk geschehen mag durch leugenberliche wort, als ein exempel: .N. setz ich mir zw einem erben vnd ob er nit wurd erb, den so sol erb sein der .M. Die waysenliche ist, welche geschicht durch bestetbarliche wort von dem waysenlichen alter vnd nit von den vierzehenjerigen, als: .N. meinen sun vnder vierzehen jarn setz ich mir ein erben vnd ob er in waysenlichen alter [Seite: 348] wirt sterben, den so nachsetze ich im .C., meinen sun oder meinen enkel. Die ebenbildlich nachsetzung geschicht von jedem vater oder muter dem sun gesunds gemuets oder einem tobsuchtigen oder gefangen gemuets wesenden in gewaltsamkayt vnd nit wesenden, vierzehen jar alt oder mer. Doch ob der vnder vierzehen jaren werd tobsuchtig, den so wirt im versehen durch die waysenliche nachsetzunge als einen waysen, nit durch freysagung oder ledigsagung von väterlichem gewalt, als einen tobsuchtigen, das es sey ee dem alter den der blodikait geraten zw werden. Auch sol der verschaffer dem tobsuchtigen etlich bestymte person nachsetzen. Wan ob der tobsuchtige kinder hot, dieselben wirt er im zum ersten nachsetzen. Ob er nit kinder [Seite: 349] hot, den so wirt er im sein bruder nachsetzen. Ob er weder kinder noch brueder hot, den so nachsetzt er, welche er will, als .M. mein blödigen sun nachsetz ich mir zw einem erben vnd ob er stirbt, ee er gesund wirt, den .M. sein sun wirt erb vnd ob er den sun nit hot, den so sei .H. … erb vnd ob er nit hot ein brueder, den so nachsetz ich im .T. seinen vettern oder einen andern. Die nachsatzung kurtzredig die ist, welche mit kurtzen worten vil begreyft, wie also: .N. vnd .M., mein sun, .B. vnd .M., mein tochter, setz ich mit zw erben vnd die nachsetz ich aneinander, als wen geschicht vor den vierzehen jarn, das die alle gestorben sein, den .A. vnd .B., mein brueder, nachsetz ich inen. [Seite: 350] Doch haben vnderschayd die nachsetzungen all in dem, wan die gemain beschicht von einem jedlichen verschaffer vnd beschicht einen jedlichen, er sey erb oder auswendiger, aber die wayslich geschicht von dem eynigen vater dem eynigen vnder vierzehenjerigen sun vnder dem gewalt wesenden. Die ebenpildlich … von jedem vater vnd muter dem tobsuchtigen sun oder dem kranken seins gemuets. Aber die kurtzredige begreyft in ir alle die nachsetzunge kurtzlich.

[Cap.2.60]

Cap. LX. Wie mag einer verschaffen.

Ein knab nach vierzehen jarn, ein frau nach zwelf jarn in zeit sundes gemuets, wiewol die sein krank leibs, doch mügen sie machen gescheft, ja warlich ir [Seite: 351] vater vnd muter oder ir nachgewandten mugen gescheft machen fuer sie, ob sie zw vil aynfeltig sein aus der natur.

[Cap.2.61]

Cap. LXI. Volstreckunge eins geschefts.

Die volstrecker sullen das gescheft iner ainen jar volstrecken, nur es sey ein rechtliche wrsach, die das verhindere. Ob sie das nit thuen wurden gemand von dem richter, ob die erben sein volstrecker, so verliren sie die erbschaft, ob sie sein den geschafft ist, so verliren sie die geschafften gueter, ob sie auswendig sein, sullen sie bezalen alle scheden aus der saumbnus oder verzihung enstanden. ob aber die volstrecker die geschafften gueter haben verzert, so werden sie die widergeben vierfeltiglich vnd ob sie die widerzugeben [Seite: 352] nit haben, so werden sie vervnleumbt oder sie werden gestossen ewiglich in einen kerker. Ob aber die erben sich nit wellen von der volstreckung vndersteen, noch die erbschaft vater vnd muter annemen, den so verzymbt den comissarien vnd den geschafft ist oder der furstlichen schatzkamer sich vndersteen also, das das gescheft des gestorben volbracht werde. Vnd darvmb so souil vnd grossen nacherbungen kombt, das nit verterbe der letzt will des schaffers.

[Cap.2.62]

Cap. LXII. Wie vil masz wirt einer genant vngeschefft gesturben.

Eyner wirt gnant vngeschefft gesturben in vier maß. [Seite: 353] Zum ersten ob er gar kain testament hot gemacht, oder darvmb das er nit hot geweld oder darvmb das er nit hot gemugt oder wan er mit dem tod furkommen ist oder darvmb das er ein haussun oder tobsuchtig ist, wan die, ob sie welten gescheft machen, mugen sie nit. Zum andern ob einer nit von recht hot ein gescheft gemacht, wan er hot gemangelt der loblichkayt vnd zal der zeugen vnd sigillen oder vnderschreybungen. Zum dritten ob er von recht hot gemacht ein gescheft, das einer gemacht hot, zerstört vnd vnkreftigt. Zerstört durch geberung eins kindes nach dem todes eines vaters oder durch annemung (oder auch zwwunschung) eines kindes, vnkreftiget (oder vernichtiget) durch verbietung einer statt es sey durch des verschaffers [Seite: 354] oder durch klag eins vnguetigen oder wider die tafeln oder wider die zerschneiden durch den pretor (zw rom oder einen richter.) Zum vierten ob aus dem gescheft kain erb ist gesetzt, welche setzunge ist ein grundvest aller gescheft. Bey dem saltu merken das die erbschaften aller gescheft zum ersten an sein erben gehoren. (Ob) aber [sein] erben (nit verhanden sein oder) geschetzt werden, welche aus rechtlicher ee geborn werden vnd welche in dem gewalt des sterbenden sein, als ein sun, ein tochter, ein enkel, ein enkelin, eins enkels oder enkelin kind etz. Es irrt auch nit, ob die inen sein naturliche oder zwgewunschte oder geelicht, wen alle die ir gerechtikait … gewynnen vater vnd muter, des [Seite: 355] nacherbens halben doch anders vnd anders.

[Cap.2.63]

Cap. LXIII. Von dem rechten der erbschaft von dem vnverschafften.

So die ding vorgemerkt sein zw der matery der nachkommen der erbschaften von vngeschafften verlassen aller kurtzlich ist muet haben zw kommen, setz ich ein sulche vnderscheid: Der sterbend vngeschafft ist eintweders ein priester oder ein ley. Ob er ist ein priester, eintweder er hot gueter von wegen der kirchen gewunnen, in den erbt nymand, den nur die kirch. Oder er hot gueter von wegen seiner person gewunnen, also aus veterlichem erb oder freuntschaft oder aus einem hantwerk oder dienst oder arb[e]t, in denen nacherben [Seite: 356] im seine geborne freund, als er inen auch nacherb, vnd das soltu versteen von den weltlichen priestern. Aber die klosterleut vnd alle gehorsam, die erben nit noch inen wirt nit nach geerbt.

[Cap.2.64]

Cap. LXIV. Von der nacherbung der absteygenden freund.

Ob ein vnverschafft sterbender ist ein lay, den so hot er eintweders verlassen sun vnd tochter mit einander oder sun allein oder töchter allein. Die all werden zw nacherbung der erbschaft des gestorben mit glaichen taylen zwgelassen, [Seite: 357] wan sie sein in der selbigen syp, wan in newen rechten ist kain vnderschid zwischen dem man vnd der frawen der nacherbung halb der erbschaften. Von altem rechten dieweil die man verhanden sein gewesen, haben die frawen kein recht gehebt in väterlichen erbgueter. Ob aber der vnverschafft ho[t] verlassen einen sun vnd aus dem andern sun enkel oder enkelin, so werden die miteinander berueft vnd nit welcher ein syp neher ist, ausschleust den weytern, wan es ist fast gerecht, das ein enkel oder enkelin an seines vaters statt erben, auch aus gleicher wrsach, ob ein enkel vnd ein enkelin wer aus dem sun vnd dem enkel, wrenkel oder wrenkelin, werden auch die gleicherweyß berueft. Es verzymbt [Seite: 358] sich auch die enkel vnd die enkelin vnd die wrenkel vnd wrenkelin an ires vaters vnd muters statt erben. Es ist zymlich getailt werden die erbschaft nit in die haupter sunder in die stangen. Ob ich verlasse einen sun lebentigen vnd aus dem andern gesturben sun vil enkeln, die enkel all haben den halben tail der erbschaft, den ir vater hett gehat. Und ob aus [m]einem sun ein enkel ist, aber von dem andern sun zwen oder drey, den so wirt der ein enkel nemen den halben tayl, aber die andern nit mer dan ir einer het aufgehebt, als den halbenteil. Item ob ein sun oder enkel verhanden ist, aus dem ander tail ein wrenkel oder wrwrenkel, noch sol die erbschaft des gestorben getailt werden gleichlich vnder inen, wiewol sie seind mancherlay syp vnderschiden, wen der nachkomend [Seite: 359] absteygend erb vnd der forder alweg des vaters tayl werden haben. Item ob ein sun verhanden ist vnd aus dem selbigen sun ein enkel oder ein wrenkel, den die sun in guetern vaters vnd muter nacherb gantz ausgeschlossen all weyter syppen, wan die weil der sun lebendig ist, so erben nit die weytern syppen. Des selben rechtens ist, ob ein wrwrenkel oder enkelin aus dem selbigen sun verhanden ist, wan der eher grad oder syp ausschleust die nachgeenden. Und merk das sein erben (das ist alle sun) die andern in der erbung der erbschaften vorgeen. Aber die narren, kinder vnd tobsuchtigen, die werden bald in dem tode irer vater vnd muter ir erben von recht vnd wirt nit erfordert die gewaltsamkait der pfleger noch der wil des gerhaben, [Seite: 360] wan der mangel der vernunft schat in nit. Aber die posthumi bald, als sie geborn werden, sein sie erben, doch ob sie stym ausgelassen haben vnd meerwunder nit sein vnd mugent nit wider enterbt werden noch fuergangen, wan sie haben kain wrsach der vndankbarkait. Aber die kinder aus gerechter wrsach enterbt haben nicht rechtens in der erbschaft irer väter vnd müter, wan sie haben verschuldt, ja verwar sie nacherben nit dem äne durch die väterliche sund. So aber ir vater gestorben ist, vallen sie wider in gewalt ires änes, also zw jungst nacherben sie dem äne. Die ledig gesagten kinder von väterlichem gewalt werden aus kainen rechten zw der nacherbunge vaters vnd muter berueft, [Seite: 361] aus dem lassen sie vnderwegen zw sein in dem gewalt vater vnd muter. Doch haben sie vom pretor zwen vortail. Die erst wan die guter gegeben in der ledigsagung mügen sie werfen zw den guetern irer mitkinder, ob sie wellen, vnd darnach anfahen mit inen zunemen gleichen tail. Die ander gnad (oder vortail) das sie, dieweil irer mitkinder [nit] (leben oder) verhanden sein, das sie in ir vater vnd muter gueter erben darvmb, wan sie sein kinder, wiewol ledig gesagt. Hie soltu merken: Es begibt sich, das einer in zeit des todes nit ist ein erb, aber darnach wirt er gemacht sein erb, als gleicherweis als ein gefangner von den feinden, so der vater lebend ist, vnd durch das in dienstbarkait ist bracht, jetz sein sie diener, die do nit haben ein [Seite: 362] tail [mit] freyen sunen. Aber nach dem tod des vaters von der gefengnus erledigt vnd widerhaymkomen wirt er den vorigen stand der freyhet haben vnd erbt in allen erbschaften. Dasselb recht ist von den kinder in fremden landen vmbschwayfend vnd darnach widerkomen, das macht das recht den posthumen. Auch darwider geschicht, das wie wol einer ist in dem gesinde des gestorben in zeit des todes, doch so wirt er nit sein erb nach seinem tod, gleicherweis wen der vater geurtailt ist wurden zw dem tod vmb ein missetat, auch darvmb hot der vater nit ein erben, wan sein gedechtnis ist verwrtailt vnd vergessung jetz vnd ewiglich gegeben, vnd also wirt nacherben die furstlich kamer demselben. Doch mag gesagt werden, ob der [Seite: 363] sun wirt aufhören erb zw sein, doch mag nit der sun nit sein, wan die naturlichen recht nit aufheben das burgerlich recht durch die missetat. Hie mag gefragt werden: Ob einer wirt haben vil eeweyber vnd hot [mit] einer jedlichen kinder gehebt, wie erben die all in der taylung? Ich sprich, in väterlichen guetern all gleichlich erben sie, vnderweilen nit ist vnderschaid zwyschen inen vnd ma[n]cherlay der syppen. Wan sie sein allesambt kinder vnd in der selben syp zw gehoren sei einander. Ob aber der vater hiet getailt gehebt seine gueter mit den ersten kindern, die er gehat hot mit der ersten seiner eefrawen, die dieselben weiter in väterlichen gehabten guetern vnd kunftiglich [Seite: 364] werden inne haben sie nichts des rechtens, sunder die gueter alle zwwachsen den andern sunen oder den ander kindern, vnd also die ersten kinder in (den andern) guetern der ander kinder in nichten nacherben auch nit herwidervmb, auch so die sterben on gescheft. Aber wol beyder kinder gueter werden kommen oder vallen an die andern nehern freund. Aber in den muterlichen guetern erb ein jedlicher seiner muter gueter. Ob aber man vnd weib miteinander gueter haben derarb[e]t oder gewunnen oder miteinander erkauft, in denen allein ir bayder kinder erben, die andern alle gentzlich ausgeschlossen. Aber in guetern mit einander zuebrocht oder durch hewretguet oder durch vbergeben zwekommen sol geschehen, als oben gesagt [Seite: 365] ist von der vbergebung vnd von dem hewretguet. Aber es mag gefragt werden, wen ir erben an einander erben. Ich sprich, ob zwen brueder oder zwo schwestern haben miteinander etlich vngetailte gueter, ja auch getailte, ob ir der ein vnverschafft stirbt, den welcher do lebt, so er nit kinder wirt haben, wirt haben die gueter mit volkommenem recht darvmb, das er ist dem der allernech[s]t.

[Cap.2.65]

Cap. LXV. Die erbschaft der freund von der seyten.

Ob einer on gescheft gesturben ist verlassen bruder oder schwester, vater vnd muter im verwandt vnd hot auch verlassen brueder vnd schwester aus dem vater allein, den so werden vorgesetzt die brueder vnd die schwester [Seite: 366] aus dem selbigen vater vnd muter im verwandt den andern brudern vnd schwestern aus dem vater allein in allen erbschaften von dem gestorbenen verlassen, woher im auch die zuekommen oder gewunnen wurden sein. Ob aber nit bruder vnd schuester verhanden sein aus dem selbigen vater vnd muter, den in den väterlichen guetern vnd in allen guetern von dem gestorben vater zwkommen, in den selben erben brueder vnd schuester väterlich vnd muterlich. Oder aber der vnverschafft hot verlassen ein bruder oder ein schuester, aus einen andern brueder vnd schuester sun, enkel oder enkelin, die all erben das [in] gleichen tailen. Wan es billich ist, [Seite: 367] das ir jeder an statt seines vaters oder muter erb. Ob aber ein bruder were vnd aus dem selbigen bruder ein sun oder enkel, den wirt fuergesetzt der bruder allen absteygenden von in, das ist in der erbschaft, vnd ausschleust die gentzlich, wan er ist dem gestorben der neher, ja dieweil er lebt, erben alle die von in absteygen in nichten. Die weil die bruder vnd schuester vnd absteygend von inen nit sein, den nach der gewonheit des lands der vetter oder die pas, der öhem oder die mahem in allen verlassen guetern [erben]. Aber so sie nit verhanden sein, den so erben die sun vnd enkel vnd enkelin an stat irer vater vnd muter. Und du solt merken das nach [Seite: 368] dem kayserlichen rechten, wen noch sein brueder oder schwester mitsamb dem vater oder muter des gestorben, den so werden zw gelassen die in gleichen tailen zw der nachkommung der erbschaft des gestorben, vnd billich, wan gentzlich sein sie in gleicher syp dem gestorben, auch wan vielleicht die erbschaften des gestorben von vater vnd muter des gestorben diesen vnd nit von andern an den gestorben sein geuallen. Ja warlich ist es nit ein mitlautend ding dem rechten, das die vettern, die pasen, die öhem vnd die mahmen die vater vnd muter des gestorben in der erbschaft vorgeen oder ausschliessen, wan sie von den guetern derselben an den gestorben sein kommen vnd wan sie sein die weytern an der syp von dem gestorben den ir vater vnd muter. [Seite: 369]

[Cap.2.66]

Cap. LXVI. Von der erbschaft der aufsteygenden freund.

Ob der vngeschafft gestorben verlast allein vater vnd muter oder sie bayde mitsambt seinen brudern vnd schwestern, die all werden aus gleichen tailen zw der nacherbung der erbschaft des gestorben … Auch den bruedern vnd schwestern vnd iren absteygenden nit wesenden, den so wirt zwgelassen vater vnd muter, ausgeschlossen den änen vnd änyn vnd alle ander aufsteygend, zw der erbschaft des gestorben suns, wan es ein zymlich ding ist, so die absteygenden vnd von der seyten freund nit sein die erbschaft zwtailt zw werden in haupter. [Seite: 370] Genera, das ist vater vnd muter. Ob aber vater vnd muter nit verhanden sein, den so werden zwgelassen die sun neher an der syp der aufsteygenden vaterliche vnd muterliche, also das den väterlichen ein halber tail vnd den muterlichen der ander halbtail gegeben wirt, wie wol vngleich sey ir zal, wen sie eins sein in der selben syp. Sunst welcher dem gestorben der neher ist, er sey väterlich oder müterlich, sol zwgelassen werden. Aber es wirt gnant der neher, zwyschen welchem vnd dem gestorben ist kainer dazwyschen.

[Cap.2.67]

Cap. LXVII. Von der erbschaft der eeweiber.

Wen bruch ist das eelich kind der aufsteygenden vnd der absteygenden vnd der von den seyten, [Seite: 371] den so erbt das weib dem vnverschafften man in guetern durch in gewunnen des brauchs halben; aber die aygenschaft gehort zw der furstlichen schatzkamer. Aber in guetern durch man vnd weib gewunnen oder erarbet oder zwwegen bracht oder gekauft, so kinder nit verhanden sein vnd gesturben ist der man on gescheft, so verordnet das weib die gueter nach irem willen. So aber kinder verhanden sein vnd das eelich weib, so erben die in gleichen taylen. Wan die gewonheit inne helt, das das weib der gueter allein den brauch sol haben, nit die aygenschaft, des nur gesehen wirt vast ein vngehort ding, das kain erb von wegen des gestorben in den nur die schatzkamer, welcher kain recht in den dingen [Seite: 372] wirt gesehen haben darvmb das das weib mit irem manne die gueter mit grossen iren arbeten miteinander haben gewunnen. Auch darvmb, wan der man vnd das weib hetten die gueter vngetailt vnd die vngetailten gueter von einem auf das ander vallen. Es ist billich, ob der man nit verlies recht erben, das den das weib von dem halben tail der gueter ordnete, wie sie welt, vnd des andern halbteils brauch zw iren tagen habe, das die aygenschaft der gueter vnve[r]sert bleybe.

[Cap.2.68]

Cap. LXVIII. Wen erbe die furstlichen schatzkamer (fiscus gnant.)

Wen das eeweib vnd alle andern erben gebruch haben, so erb der fiscus, welcher ist der letzt [Seite: 373] erb aller gueter der gantzen welt. Und darvmb hot der romis. kayser souil vnd so gros erbschaften vnd nacherbungen zwgelassen, das die erbschaften der vnverschafften versturben nit zw den henden ander leut kommen, ausser der lineen der freuntschaft des bluts.

[Cap.2.69]

Cap. LXIX. Von der schwagerschaft (affinitas gnant.)

Wie wol aus der schwagerschaft entspringt eine besundre angehorung kommend aus vermischung leyblicher werk des mannes vnd des weibs, doch die schweger (gnant affines) in nichten nacherben dem gestorben an gescheft, wan sie nit sein von dem bluet des vnverschafften. Wan alle nacherbung ist aus angeborner freuntschaft ausgenommen [Seite: 374] die vneelichen gebornen, als dan sein bankart, wie wol die sein von dem blut des vnverschafften, auch vnderweilen irer sun, doch nach gewanhayt de[s] vaterlands erben sie in nichten, nur sie werden eelich gemacht, so erben sie dennoch dieweil die eelichen erben verhanden sein in nichten darvmb, das sie fuer erben nit gehalden werden. Von der erbschaft aber der vneelichen sun oder kinder nit naturlichen, das ist der zwegewunschten, setz ich hie nichts, wan das ist [nit] von der gewonhait vnsers lands.

[Cap.2.70]

Cap. LXX. Die angeherung der schwagerschaft (affinitas gnant.)

Es ist oben gesehen von der zwgehorung [Seite: 375] aus angeborner freundschaft, fuerbas ist zw sehen von der zwgehorung aus der schwagerschaft. Bey dem soltu merken: Was sey cognacio, was grad ist, was linea, was der baum werde formiret vnd zw jungst von den regeln, durch welche die grad werden erkant. Die cognati sein die nechsten von der muter absteygend, aber die agnati von dem vater. Doch ist heut kain vnderschaid zwyschen in der nacherbung halb, als auch nit zwyschen den mannen vnd den frawen. Darvmb dasselb recht, das do hot eins, hot auch das ander. Gradus ist ein haltung die weytung der person, aus der wirt … gnent gradus zw gleichnus der staffeln der laytern, an denen wir von ainer staffel zw der andern aufsteygen vnd absteygen [Seite: 376] von dem nehern zw dem nehern. Die linea ist ein samlung der personen von dem selbigen stammen absteygende die grad (oder syp) der zwgehorenden vnd die zalen vnderschaydend. Der baum der freuntschaft wirt also formirt. Zum ersten vber die lere zell werden gesetzt die aufsteygenden, darnach vnder den [die] absteygenden vnd von der seiten die seyten erben. Und du solt merken … ist … bliben darvmb, das sie nit hot mugen haben an eygen namen, aber die andern zellen nemen ein namen von der … Wan wie mag ich die zell nennen anders, dan welche wir sagen (oder nennen) den sun oder die tochter des vaters oder ein bruder des bruders ….? Wan aber dy warhayt wirt [Seite: 377] mer von dem sichtbarlichen glauben, dan durch die orn dem gemut der menschen eingesteck, darvmb von wrsach der kurtze sullen sie ein lere der volkommen syppen disem kegenwurtigen buech einschreyben ich gewelt hab, das die lernenden mit sichtbarlichem glauben lernen. Und das saltu merken das ein person zwgelegt einer person durch des weibs zwfuegung albeg ein staffel zulegt. Darvmb zu setzen zwyschen ir die weyte saltu nemen die maysterliche regel: Wie vil sein person, zwyschen welchen gefragt wirt, gerayt entzwyschen eine ausgenommen, so vil sein syppen vnder in. Darvmb ab du wilt wissen, wie vil … wrwran von dem vater, einen gerayt vnd auch die entzwys[ch]en den so sein funf personen, soltu ausnemen [Seite: 378] einen, so werd vier sypp. Also dasselbig sag ich von dem .P. zw wrwrenkel, wan es wirt in der selbigen maß … Ob du wilt wissen, wie vil rveret der wrwren .P. vom wrwrenkel, so wirt du finden newn person, dem .P. gerayt vnd do werden acht sypp. Und du solt wissen, wen der .P. hat nit sein gantze raytung in dem paum, wan ein jedlicher hot zway .., fuer äne, acht wräne, sechzehen wrwräne vnd also albegen zwifeltiglich aufsteygend, darvmb wer es vnmuglich gwesen souil person gesetzt werden in dem selbigen baum.

[Cap.2.71]

Cap. LXXI. Von der besitzung der gueter.

Die besitzung der gueter was die sey, wie vil sein erbschaften, warvmb der kayser Augustus hot souil erben gemacht gehebt, [Seite: 379] wen vnd wie sol begert werden die erbschaft der gueter. Zum ersten die besytzung der gueter ist ein recht zw begern, nachzukomen, zu inhalten das väterlich erbguet, ob stirbt der, welches gewesen ist. Sechs sein sypp der erbunge in besytzungen der gueter. Zum ersten werden ir erben, sie sein vierzehenjerig oder darvnder, vernunftig oder verkunnend, kinder oder muters kinder vnd auch die posthumi, (als die geborn werden nach dem tod ires vaters). Zum andern die eelichen, die zwgewunschten vnd lediggesagten von dem gewalt ires vaters. Zum [dritten] die aufsteygenden. Zum vierden die freund zw der seyten. Zum funften der man dem weib wirt zwgelassen vnd herwidervmb. [Seite: 380] Zum sechsten nacherbt die kayserlich schatzkamer. Der kayser Augustus hot zwgelassen souil vnd so grosse erbschaften, das einer nit sturbe on nachkomen kindern. … Vater vnd muter, die naturlichen auch die zwgewunschten in begert zw werden der gueter besytzung ein zeit des jars hot er geben, den andern hundert tag hot gegeben der pretor. Und ob inner der zeit eynicher der gueter besytzung wirt nit begern, so werden die selbigen syppen den personen des selbigen grads zwwachsen sullen vnd ob nymand wer derselben syp, darnach der gleichen gueter erbschafte aus dem erblichen gebot wirt der pretor gelubd annemen, also ob der welcher vorging aus der zal nit wer. Und die zeit hot der pretor darvmb besetzt, das nit die klagung [Seite: 381] der gelter souil verzogen wurd vnd auch, das einer nit leichtiglich in die besytzung der gueter zwgelassen werd. Ob aber einer … die verzuglichen zeit in der gueter besytzunge im gesetzt nit erwart so lang, biß erfult werden, so werden bald zwgelassen die andern nachkomen. Und du solt merken in welcher maß einer begern sol die besytzung der gueter vor dem richter inner obgenannten zeyten, der sal bald zwgelassen werden. Es auch mugen der pretor die gueter besytzen vnd von denen ordnen, als im nutzlich gesehen wirt. Und die ding gesagt von den nacherbungen der erbschaft, die aus gescheft vnd vngeschafften kommen sullen gnug sein. [Seite: 382]

[Cap.2.72]

Cap. LXXII. Die taylung der gemain gueter.

Von der taylung gemain gueter soltu merken, wie vil vnd welche gueter gnant werden gemaine vnd taylberliche, zum andern welche gemain gueter getaylt nit mugen werden, zum dritten welche gemain gueter taylen mugen. Von dem ersten welche gueter gnant werden gemain ist auch drifeltiglich: Zum ersten aus verschafftem, zum andern vom vnverschafften, zum dritten von der geselschaft. Die gemainen gueter aus verschafften sein die, wen vil menschen ein guet miteinander geschafft wirt. Die gemainen gueter von vnverschafftem sein alle gueter, welche ainer on gescheft sterbend seinen erben verlat. Die gueter in geselschaft gemain sein die, wen vil [Seite: 383] guter miteinander sie zusammenlegen vnd nemen werden gleichen gewyn vnd schaden aus den selbigen. Und die, als ir gueter durch haben zusammengelegt, also mugen sie durch sie selbs taylen, wen sie wellen, nur ir ainer wurd sterben, den so erbt in der nechst freund in der taylung. Die vntaylberlichen gemainen gueter sein schulden vnd schuldbrief vnd waffen des vaters, grebnus vnd aygen khnecht. Die gemainen gueter mugen taylen die personen vierzehen jar alt durch sich villeicht oder mit wal aus verzeyung, nur von ersamkait oder merer kuntschaft sie wellen zu in nemen die nechsten freund oder auswendik. Die vnder vierzehen jarn aber haben kain recht zw taylen wider durch sich noch durch die andern, nur die notturftikait [Seite: 384] das erhaysche, als ob in ainer verhewret wurd. Ob aber eyniche personen haben gemain guet, sein die vierzehenjerig, sein die andern vnder vierzehen jarn, den so mugen die ratgeben die gueter an geuerd mit rat der weysen hantwerker mit dem loß taylen vnd einem jedlichen der selben taylbrief geben.

[Cap.2.73]

Cap. LXXIII. Verenderung der gueter.

Was sei ein verenderung, welche gueter mugen verendert werden vnd welche nit, von welchen wrsachen die gueter mugen verendert werden, welche peen den verendernden freuelich vnd böslich (ader schalglich). Die verenderung ist ein jedlich werk, durch das ein herrschaft des guets verendert wirt, [Seite: 385] also is verkaufung, versetzung, vbergebung, verwechslung, verschaffung. Aber es mugen alle gueter verendert werden, ausgenommen die hernach geschriben. Alle gueter des vnder vierzehenjerigen die sollen nit vnd mugen nit verendert werden, nur da sey eine redliche wrsach. Aber es sein vierfeltige guter des vnder vierzehenjerigen, ligende gueter, als erbschaft; varende gueter, welche im behalten nit werden verzert, als gold vnd silber vnd sulche geschirr; zum dritten bewegliche gueter, welche mit verlengung der zeit nit verderben; zum vierden bewegliche gueter, [welche] in kurtze der zeit verderben, als klayder, viech, fruchte. Item den kindlen ist verboten verenderung der vaterlichen gueter on wissen vnd willen des [Seite: 386] vaters, wan sie haben in denen kain recht, dieweyl der vater in leben ist. Auch mag der vater nit verendern die gueter der kinder, welche inen von der muter oder von den nechsten freunden zw kommen sein, wan er in denen kain recht hat der aygenschaft halben. Gleicherweys mag der vater die nit verendern, welche die sun mit irem vleis oder lernen oder dienst, mit ar[bei]t, mit einem hantwerk oder vbung haben gewunnen. Item es ist verboten die verenderung eines heuretbern oder styftlichen grunts nur es sei rechter wrsach. Es ist aber ein heuretberlicher grunt dem eeweib zu heuretguet gegeben. Item es ist verboten die aufgebung, verzeyung vnd verenderung des heuretguets. Es wirt verboten die vbergebung [Seite: 387] zwyschen man vnd weib, von welcher einer gereicht wirt vnd das ander arm wirt. Ob aber die vbergebung gleichlich gemacht wurd, die blibe. Es ist verboten verenderung eines guets, welchs der verschaffer im gescheft verboten hot verandert zu werden. Aber es [ist] verboten verenderung eines krigyschen guets wissentlich. Un[d] wirt gnent ein krigisch guet, von welches herrschaft ein sache wirt gewbt zwyschen dem begerer der aygenschaft vnd dem besytzer. Es ist verboten verenderung eines fremden guets on willen des, welches ist. Item dem gelter ist verboten der pfand versetzung oder verkaufung darvmb, das nyemant mag meer rechtens auf einen andern bringen, den er hot. Wan der gelter hot nit seine recht das pfant verkaufen vor [Seite: 388] der zeit vom gesatz gesetzt, nur es sei etwas anders oder ein anders mit gedinge gesetzt. Es ist verboten verenderung der gemain gueter, der offen gueter, der weg vnd der strassen als oben. Aus vier wrsachen mugen sie nit verboten werden die gueter verendert zw werden, als aus wrsach der notturft, aus wrsach des gewyns, aus wrsach der nutzbarkait vnd aus wrsach der guetikait. Aber die peen der geuarlichen vnd boslichen verendrenden ist vnderweil vnleumbt, vnderweil absetzung von ainem ambt, in welchem .., vnderweyle geschicht gantze widereinsetzung, vnderweyle ebige gefengnus. [Seite: 389]

[Cap.2.74]

Cap. LXXIV. Von den einreden oder auszugen vnd des rechtes behelfungen.

Die beschutzungen vnd einreden vnd behelf sein von den rechten etlich zu has, etlich zu gunst eingefurt. Dauon geschicht, das die person, fuer welche oder von welcher wegen eingefuert sein, … behelfen, das sie nit schuldig sein den verbindungen der gueter, die sie gemacht haben, wiewol ordenlichen gegeben wirt (oder geschriben), das zymlich ist zu uerzeyen den dingen, die durch sich selbs eingefuert sein. Wan etliche sein der beschutzung vnd behulf einer einrede, den mag nit verzigen werden vnd ob verzigen wirt, so verhindert die verzeugnus nit, das d[e]ster mynder die behelf der einrede [Seite: 390] darwider gesetzt mugen werden. Aber etlich sein, in welchen verzigen mag werden vnd die gemacht verzeugnus haft vnd die person, welche vor der verzeugnus durch die hilfen werden behulfen, so gescheen ist, durch sie werden nit behulfen. Aber etliche sein, welchen aus dem zw dem mag verzigen werden vnd aus welchem zu dem nit. Darvmb von jeklichen zw sehen vnd zum ersten von denen, welchen nit verzigen mag werden. Die Macedonisch hulf des obersten ratgeben gebuerd dem haussun, welcher gelihen gelt genommen hot an willen des vaters vnd nit allein gebuerd im, dieweil er ist in dem gewalt des vaters, sunder auch, nachdem das er gewurden seines recht. Und geburd auch dem erben des haussuns vnd seinen borgen. Die [Seite: 391] hulf, wen sie ist eingefuert zw has den wuchrern, es mag nit verzigen werden. Die hulf der widergebung geburd den zu jungen die gantze zeit des myndern alters vnd auch so das geendt wirt in vier jarn aneinander, ob sie in dem myndern betrogen sein wurden aus irer leichuertikait oder aus betrugnus ires widersachers. Und dem behulf mag nit verzigen werden, wen aus dem mocht betrogen werden der mynder, ob der jung sich verzigen. Die hulf, das einer nit verurtailt werd nur souil er thun mag vnd nit darvber in gehabten guetern, das er nit armut leid, geburd dem eeman, wen er fuergenommen wirt von den kindern im rechten vnd geburd dem gesellen, wen er beklagt wirt von seinen gesellen, vnd geburt dem vater, wen er beklagt wirt von [Seite: 392] seinen sun oder tochter, so mag dem behelf nit verzigen werden. Es ist ein besunder hulf, die do sagt, das nit ein freyer mensch vmb fremdes gut verbunden werden, der hulf mag nit verzigen werden, wan die verzeugnus were schedlich vnd widerwertig der freyet. Die hulf oder die freyet des gerichts, welche geburt dem ausser des gerichts, spricht, das der antwurter sol fuergenommen werden vnder seinen richter, wan der klager nachuolgt dem gericht des antwurter vnd nit der antwurter dem gericht des klagers, nur in etlichen vellen. Der freyet des gerichts aus einem geding nit wirt verzigen, sunder zu dem, das der antwurter muge anderswo dan in seinem gericht beklagt werden macht, ob er verhaist zalung zu thuen, wo er sein wirt vnd begert wirt von im, wan da [Seite: 393] ist er schuldig zalung zu thuen, wo er fuergenommen wirt. Die hulf oder die freyheit des gerichts, welchs geburt den priestern, spricht, das verzymbt ein priester von gemainen rechten vnderwurfen sei dem weltlichen richter, doch mag er durch die freyheit sich abfordern vnd sprechen, das er welt allein vor seinem richter, als dem byschof, antwurten, der hulf von gaystlichen rechten verzeigt er sich nit, wen warvmb sie ist eingefurt zu gunst der gantzen priesterschaft vnd [nit] eins besundern priesters. Item die einred nit gezelts gelts oder nit eingebens oder gegebens guts geburd vnderweylen inner zwayen .., vnderweylen inner dreißig tagen, vnderweylen inner ainem jar, vnderweylen inner dreu monaten. Wan nym war einer bekent, der schulder, gestern sich [Seite: 394] gelt genummen zu haben gehebt, welche er nit entpfangen hot gezelte, der mag darwider setzen die einred nit gezelt gelts inner zwayen jarn von dem tag der beschehen bekantnus. Aber der gelter, welcher bekent hot in hoffnung kunftiger zalung der eingebung das heuretguet eingenommen haben sein schuld entpfangen von dem schuldner, der hot die einred des nit gezelten gelts oder heuretguets … Die einred nit zu zusetzen ist inner einem jar nach erledigter ee, vnd das ob die ee hot geweret [minder] dan zway jar; es ist aber dazu zusetzen inner dreu monaten, ob die ee hot geweret merer den zway jar aber mynder zehen jar. Und den vorgemelten einreden mag nit verzigen werden vnd ob verzigen wirt, so verhindert die verzeigung nit, sintemal inner den gnanten zeiten sie eingeredt muge werden. [Seite: 395] Jedoch die verzeugnus in dem ist dem antwurter nutzlich, wan ob die verzeigung nit geschehen were, sol weysen der widersacher des bekennenden, sich das gelt haben bezalt. Aber nachdem beschehen ist die verzeygung, geburt sich dem bekennenden vnd dem verzeyenden weysen, das gelt nit sein bezalt, vnd die verzeygung bekert die geburd der weyssung auf den verzeigenden. Item das gesatz des roten vnd schwartzen codex verbeut, das nit die burgen ader die gebieter der haymstewer geben werden, sie verbeut auch ein burgen geben zw werden vmb das heuretguet widergeben zu werden in zweyfel des heuretguets widerzugeben. Darvmb wie wol etliche machen sulchen burgen verzeihen dem roten vnd dem schwartzen titel codicis, das die burgen vnd dy [Seite: 396] gebieter oder beuelher der heuretgueter geben werden. Doch taug nit die verzeyung, wan geben zu werden ein sulchen burgen wirt verboten von dem gesatz, vnd das beschicht wider das gesatz, sol nit gehalten werden fuer geschehen. So aber das gesehen ist, sol er widerkommen zu dem fuergenommen ding.

[Cap.2.75]

Cap. LXXV.

Von den behelfen, aus welchen verzigen mag werden vnd welcher verzeyung verhindert, das sie nit widergesetzt mug werden. Ist ein besundre hulf, die gnant wirt: Noua constitucio im titel de pluribus reis debendis. Welche constitucio spricht, das ob vil antwurter schuldig zu sein, das ist vil schuldner – wan es [Seite: 397] wirt reus genent von dem guet, das er sol – welche alle sein taugelich, das ist das sie mugen bezalen vnd im bezalen haben die hulf der taylung, darvon mag ein jedlicher sprechen, das er … sich vmb seinen tail haft. Aber zu dem, das ir ein jedlicher schuldig ist sametlich, sein zway ding notturftig, als das sie verhayssen vnd sich verbinden sametlich vnd verzeygen der hulf, als der newen constitucion de pluribus reis debendis. Aber die epistel kaysers Adriani ist ein besunder gesatz, welchs hulf geburd vil burgen, die do sagt, ob vil burgen sein taugenlich im bezalen, sulle ein jedlicher beklagt werden vmb ein tayl in berurend, das ist vmb sein anzal. Aber zu dem, das ein jedlicher schuldig sei, sol er verzeygen sich der freyet sametlich [Seite: 398] vnd der epistel kaysers Adrianii. Es ist auch ein besundre hulf der newen constitucion, das geburd den burgen, sagt, ob der hauptsacher oder burg bayde sein gnugsam, sol vor beklagt werden der haubtsacher, dan der burg. Aber zu dem, das der burg, wen der gelter welle, mug beklagt werden, so wirt er sich verzeihen der hulf der newen constitucion von den burgen. Du solt merken wen zwen oder mer haubtsacher sich haubtsechtlich vnd sametlich verbinden, die vorgenanten dreu verzeyungen sullen gesetzt werden in der mass, verzeyen sich des capitels der newen constitucion vnd der hulf kaysers Adriani; wan ein jedlicher stet fur den [Seite: 399] andern, wen er sich verbindt vber den tayl in berurend. Die vnderschaid der vnschuld, das condicio indebiti, spricht, ob eynicher vom anfang nit schuldiglich bezalt hot, als darvmb wan er nit schuldig was zu bezalen, so mag er die schuld widerbegeren, der condicion wirt verzygen. Die vnderschaid on wrsach, verstee die condicion sine causa, spricht, ob eynicher vom anfang verbunden on wrsach oder aus vngerechter wrsach nit schuldig sei, derselben hulf mag verzigen weden, nur es wurd geschehen durch argen list. Die einrede bos lists ist, ob einer spricht sich aus argen list, das ist beschaidkait, eynichs eingefurt oder betrogen zu sein vnd derselben einred vmb vergangen argenlist mag verzigen werden. [Seite: 400] Es ist auch ein hulf, die geburt den schulern. Wan die schuler, welcher zu Ofen wanet, ist vnderwurfen dem gemainen rechten des richters zw Ofen, darvmb das er wanung hot zu Ofen. Aber vmb die freyhait mag er sich abfordern vnd sagen, das er welle vor seinem richter beklagt werden. Und mag sich der hulf verzeygen. Auch ist ein ander hulf, die gnant wirt condicio incerti, welchs stat halt, wen der gesetzt erb gebeten ist, erbschaft anzunemen vnd ein bestymten tail der andern wider zu geben oder wen eynicher gesetzt wirt ein erb vnd ob der wurd sterben on kinder, so ist im nachgesetzt ein ander, wan welcher nachgesetzt ist, der hot recht in der erbschaft darvmb, wen kommen ist die vnderschaid, so sol auf [in] kommen die erbschaft. Und das sulche glaubensbeuelhung [Seite: 401] gnant werde condicio incerti, wan es ist ungewyss, ob der nachgesetzt stirbt on kinder. Und der vnderschaid mag sich der nachgesetzt verzeyen. Die hulf des rechtes der pfantschaften, das ist die verbindungen, die geburd dem eeweib in gutern ires mannes, wan alle guter sein stilliglich verbunden dem eeweib vmb ir heuretguet. Der hulf mag sich das verzeyen, so sich weib vnd man miteinander verheureten, ob aber zum ersten bekent das weib, das der behelf ir geburd vnd wurd gesagt ausdrucklichen, was darin begriffen wirt. Wan das weib sol vergewist werden von irem rechten, wan es ist zymlich den weybern, nit wissen ire recht. Durch die hulf vorgemelt im rechten der pfantschaft geburd auch dem gelter, [Seite: 402] ob seines schulders gueter sein im ausdrucklich oder stilliglich verbunden. Und der hulf mag sich der gelter verzeyen. Die hulf Vellegionii des obresten senatus consulti geburd den weybern fuerstand thuenden, das ist sich verbinden fuer einem andern. Und sagt die freyhait, ob das weib verborgt oder sich verbindt fuer einem andern, das sie nit schuldig ist ordenlich. Und der hulf mag sich ein weib verzeyen, ob sie vergewist wurd darvon. Und merk wen das weib annymbt die pfleg ires suns vnd die än die pfleg ires enkels, sol sie sich verzeyhen der andern hewret vnd der Vellegion senatus consulti. [Seite: 403]

[Cap.2.76]

Cap. LXXVI. Welchen dingen muege verzigen werden gegen einem ding vnd gegen dem ding nit.

Nun ist zu sehen von den dingen, von welchen zu etwa mug verzigen werden vnd gegen etwa nit mag. Es ist ein besundere hulf der nit schuldigen, welche geburd dem, welcher vnwissen ist kauft ein kranks viech oder menschen oder tier vnwissentlich. Wan aus dem behelf mag klagt werden wider den verkaufer, das er im widergeb das gelt vnd widernem das verkauft guet. Und die widergeblich klag geburd inner sechs monaten. Es ist auch ein ander behelf, gnant quanto minoris, die do sagt, also einer kauft boß [Seite: 404] guet, das er nit west boß zw sein, der mag klagen wider den verkaufenden, welcher gewest hot das guet zw sein boß, begerend den tayl des gelts im widergegeben zu werden, das er nit het geben gehebt, ob er gewist het, das gut schadenhaftig zu sein. Und die hulf gebuerd inner ainem jar. Es ist auch ein ander hilf, als die verzeygung bayder obgenanter, welcher der kaufer mag sich verzeyen, vnd die verzeyung ist nutzlich dem verkaufer, ob der verkaufer des guts kranckhayt oder laster hot gewist vnd das nachsetzt vnd den kaufer nit virgewist, von wegen des argenlists von dem verkaufer begangen nit taug die verzeyung der vorgenanten klag. Es ist auch ein andre behulf, das einer nit berueft werde an feyertagen, welchem vnderweyle mag verzigen werden vnderweylen [Seite: 405] nit. Wen ob die feyertag sint von wegen des kornschnit oder weinlesen, so mag aus willen der krigenden der feyer verzigen werden. Ob sie aber sein gefeyert in gotes ere, als die tage der geburd christi, der ostern vnd die andern vnd die suntage, mag nit verzigen werden. Wan warvmb aus geding ein besundern der götlichen ere erbitung des namen gottes mag einer nit verzeyen. Und die gesagten ding von den verzeyungen sol gnug sein.

[Cap.2.77]

Cap. LXXVII. Recapitulacio.

Kurtzlich werden vns gewunnen durch siben personen: Zum ersten durch vns selbs, zum andern durch vnser kinder, die nit ledig gesagt sein. Zum dritten durch vnser khnecht. Zum vierden [Seite: 406] durch fremd khnecht, welchen wir vnser gueter auf ir trew beuelhen. Zum funften in welchem wir den fruchtbrauch haben. Zum sechsten durch die procuratores. Zum sibenden durch mancherlay wrsach der gueter. [Seite: 407]

[B.3]

Hie anvacht das dritt buech von den klagen in den rechten.

[Cap.3.1]

Cap. I.

Nun ist verhanden nach der verhaysen ordnung in dem dritten buech zu auslegen von den klagen. Wan aber die verbindungen sein als vorberaytliche ding der klagen, darvmb ist am ersten zu sagen von den selben. Was sey verbindung, wie vil ire gestalt, [Seite: 408] wie vil mas gehandelt werde. Von dem ersten die verbindung ist ein band des rechtes, aus welchem wir von notturftikayt wegen werden angestreng zu etwas geben oder geschehen zu werden nach den rechten vnserer statt. Es sein aber dreu gestalt der verbindung, als die naturliche, burgerliche vnd sie bayd, als die naturlich vnd burgerlich miteinander. Die naturlich verbindung ist, welche ein naturlich gleichhait in ir helt vnd aus der allein verbindt sich man vnd weib aneinander, der vater dem sun, der herr dem khnecht, der ways einem andern an gewaltsamkait seiner pfleger. Vnd alle allein aus naturlicher [Seite: 409] verbindung verbindend sein nit schuldig, wan die naturlich eynig verbindung ist vnkreftig zw klagen allein. Aber die burgerliche verbindung ist,wen einer mit loblichkait des rechtes ist angestreng etwas zu thuen oder zu geben, aber die naturlich billikait last [nit] in halten. Als der ist der bekent hot sich durch geschrift aus wrsach eines leyens gelt eingenommen haben in hoffnung kunftiger zelung, welche er nit entpfangen. Daruon wie wol nach dem rechten die verbindung loblichs geschehen ist, doch die naturlich … wil nit, das ainer schuldig sey zw bezalen, das er nit entpfangen hot. Darvmb mag er inner zwayen jarn derwider setzen die einred nit gezeltes geltes oder nit eingebens gelts. Ob er inner zwayen jarn nit hot wider eingelegt die einrede, so wirt [Seite: 410] es sein schad, wan die naturlich vnd burgerlich billikait wil alsdan, das einer im selbs verarge, das er nit gewesen im verzuge nit begeren sein recht. Desselben rechtens ist, ob ich verkauf ein erbschaft vnd gib brief dem kaufer vber die, eemal er mir das guet bezalt. Darvmb soltu sehen, wan die naturliche verbindung durch sich vnd die burgerlich durch sich ist vnkreftig zu klagen. Sunder die naturlich vnd burgerlich verbindung miteinander ist, wen eine geschickte person zu verbinden mit loblichkait des rechtes sich verbindt, sprechen wir die selben schuldig zu sein, wan das [wil] die naturlich billikait vnd burgerlichs rechtes lobsamkait vnd die ist kreftig zu klagen. Die verbindungen der burgerlichen vnd naturlichen sein vier [Seite: 411] gestalt: die eine ist aus dem handel, die ander aus dem nahet dem handel, die ander aus dem malefitz, die ander aus nahet dem malefitz. Der verbindungen, die aus einem handel geschehen, sein gleichlich vier gestalt, wan entweders werden sie gehandelt von dem guet oder mit worten oder mit briefen oder eynigem willen. Von welchen durch ordenunge ist zu sagen. Die verbindung [von dem guet] wirt gemacht in vier massen, als durch anleyung, [durch] entlehend, durch erlegt guet vnd durch gelihen guet, als kuntbar wirt durch ordnung.

[Cap.3.2]

Cap. II. Von dem mutuo.

Von dem mutuo ist zu wissen: zum ersten was sei mutuum, [Seite: 412] wannen es gnant werd mutuum, wie mutuum gemacht werd vnd welche sei die natura mutui vnd welcher mug mutuirn, in welchen guetern bestee das mutuum, welche klag entspringe aus dem handel mutui. Zum ersten mutuum ist eins guts vmb das ander derselben natur vnd wielichkait gebung. Aber es wirt gnant mutuum, das aus meinem guet wirt das dein. Es mag mutuirn ein yeder, welcher ein handel machen mag. Durch mutuum wirt gemacht ein verbindung mit gebung des entlehenden. Aber es wirt gemacht mutuum nit aus eynigem geding, sunder auch entzwyschenkommung der gueter, also wen ein bestymbt guet vmb ein vnbestymbts geben wirt, nit mynder noch mer auch nit bessers, wan ob anders geschicht, den so wer [Seite: 413] es ein wucher handel, wan es statt geschriben: mutuum dantes nichil inde sperantes, (verstee den mutuum gebend nichts dauon hoffend). Die natur mutui ist, das wie das guet gelihen wirt, das ein gleichs der selben natur vnd guet widergeben sol werden. Mutuum besteet in sulchen guetern, welche im gewicht, zal vnd maß sein , gleicherweis dem gold, silber, er[z], gelt gezelt, getrayd, wein vnd öl. Du solt merken der welcher nit schuld hot entpfangen von dem, welcher durch irrung hot bezalt, ist wider schuldig vnd wirt geben dem bezalenden wider die schuld entpfaenden die klag gnent condicticia accio darvmb, wan es erscheint den mussen bezalen, als ob er hett entpfangen das mutuum. Darvmb ein ways, ob im on des [Seite: 414] pflegers gewaltsamkait ein mitschuld geben ist durch irrung, der ist nit schuldig aus der klag einer schuld mer dan ausgebung eins leyens, (mutui gnant).

[Cap.3.3]

Cap. III. Vom comodato.

Aber vom comodato saltu merken: was sey comodatum vnd wannen werd es gnant, wer mug comodiren vnd welchem, in welchen guetern es bestee, welche sei die natur comodati, welche guter mugen comodirt werden, welche vnderschaid sey zwyschen mutuum vnd comodatum, welche klagen mugen ersteen aus dem handel comodati. Zum ersten comodatum ist eins besundern guets zu einem besundern brauch ein dankbarlich machte verleyung. … Und ich hab gesprochen zu einem besundern brauch, das vermerkt [Seite: 415] werd vnderschid zwyschen bethe oder precarium vnd comodatum, wan wiewol precarium vns verlihen wirt, doch nit vmbsunst. Ich hab gesagt gratuita, das ist dankbarlich oder vmbsunst gegeben oder verlihen, wan ob enzwyschen kommen ist ein lon, den so wirt es gnent locacio, (das ist ein hinleyung des guets,) nit comodacio, auch nit herrschaft oder besytzunge des guets verwendt wirt, als geschicht im mutuo. Aber es wirt gnant comodation als ein guet dem nutz eins brauchenden gegeben oder verlihen. Es mag aber einer comodiren vnd im comodirt werden alle die ding, welche ein contract machen mugen, als gesehen ist oben. Das comodatum besteet in beweglichen guetern, als in einem [Seite: 416] wagen, in einem pflueg vnd sich bewegenden … tiern, in einem menschen, roß, ochsen … Es besteet auch in leyblichen (die beruert mugen werden) vnd in vnleyblichen, als in dienstbarkait, inwanung et cetera. Aber in den, welche mit brauch mugent verzert werden, als gelt, klayder, getrayd, wein vnd ol mugen nit comodirt werden, wan sie mugen nit widergeben werden vnd sulche, welche entlehnet werden. Sunder darzu werd entlehnet gelt, das der reichen hoffart weyter erzaygt werden oder auch die werk der gutikait ausgeubt werden. Auch darzu werden gelihen den khnechten gelt, das sie von wegen der zelung an statt des reichen darkommen. Die natur comodati ist, das das verlihen guet gentzlich widergeben werd, wie es ist verlihen, [Seite: 417] warlich nit von wegen eynicher schuld wirt mugen des entlehen innegehalten werden. Wir mugen comodirn vnser gueter vnd auch fremde vns beuolhen. Und die gueter alle sullen widergeben werden, als sie verlihen sein wurden, ja warlich ob ein dieb oder rawber hot die klag comodati, ob die gestolen oder verlarn gueter im gentzlich nit widergeben wurden. Doch velt das in dreyen vellen, als ob der herre des guets mit dem selben dieb oder rawber mit[lauf] oder ob der pretor in seinem gewalt diebstal habend verbut oder das guet [verlihen] des, dem gelihen wirt, were gewesen. Es [ist] drifeltige vnderschaid zwyschen dem mutuum vnd comodatum. Zum ersten in dem mutuo wirt dasselb guet nit widergeben, [Seite: 418] sunder eins dem gleich, aber in comodato ist es darwider. Item im mutuo aus welchem vngeuerlichem vall zukomb [wirt] albeg widergebung erfordert. Aber im comodato der aller grösest vleis zu behalten werden das guet verlihen wirt gesehen, das nit durch gewalt oder durch darkomung eines grösern valles [der] gueter entleheter gesehen wirt nit zu halten, nur aus seiner schuld der vall komme. Item im mutuo wirt verwendt die herrschaft des guets, im comodato nit. Es sein aber vngeuerlich vell, als brunst, schiffbrechung, schacherey, anderer veint vberlaufung vnd val. Aber es erstend aus dem handel comodati eine gerehen vnd widerwertige klag. Die gerehen wirt gegeben dem leyenden vnd seinen erben wider [Seite: 419] den, welchem gelihen ist vnd des selbigen erben; aber die widerwertige wirt gegeben widervmb. Aber es kombt in die gerehen klag des geergerten gelihen guets widergebung. Wan es wirt nit gesehen das [guet] wider gegeben, ob es erger wider gegeben wirt vnd darvmb wirt gegeben das interesse. Ob aber nit das guet wirt gegeben, den so geet er in den krieg wider den vngehorsamen. Ob er aber nit vngehorsam ist gewesen, sunder die schuld wrsacht, das ist veracht, wider zu geben das guet, den so sol geschatzt werden das guet, wie vil es von der zeit der verharrung werd gewesen biß zu der zeit des entlichen wrtails. Aber in dem gerichte gestrengs rechtes wirt es geschatzt von zeit der verharrung biß zu der zeit des besteten kriegs. Item es kumbt in die klag argelist vnd weyte schuld, leychte vnd [Seite: 420] die allerleychtigist vnd das, wen es von wegen des entpfaenden wirt gelihen, das do oft beschicht. Ob aber von wegen des gebenden beschicht, das selten beschicht, den nit. Des ein exempel, wen einer entlehenet seiner braut gezierd, das sie dester gezierder zu im gefurt werde, ob die nit widergeben werden, den so wirt gegeben argelist vnd weyte schult; ob ich leych eynichem mein roß, das er das in meinem handel reyte. Ob aber von wegen yedes das leyen beschicht, als wen wir einem … freund schicken vnd du host entpfangen die sorg des guets, aber ich hab dir gelihen silbergeschirr vnd andre notturftige ding, ob die werden verlorn, so bistu mir schuldig von dem argelist von der weyten schuld vnd leychten, aber nit von der allerleychtisten. [Seite: 421] Ein exempel von dem argelist, ob du, so deine gueter vnuerletzt dir gelihen, host verlorn. Ein exempel von der weyten schuld, als wen ich dir hab gelihen ein roß zu einem dorf vnd du host gefuert zu einem streyte. Ein exempel von der leichten schuld, als die gelihen gueter host in einer kisten verschlossen, aber den schlussel hostu vngewislich von dir gelegt oder lassen ligen. In die sache ist kain vngeuerlicher vall kommen, nur in vier vellen, als wo die schuld geet vor dem val, als wen ich dir ein roß hab gelihen in ein statt vnd du host es weyter geritten. Item aus der verharrung, als wen ich dir leye ein roß auf ein tag vnd du behelst dos auf ein monet. [Seite: 422] Item aus der statt, als ich hab dir gelihen ein roß in das feld vnd du host es geritten aus dem land. Item aus dem brauch, als ich hab dir gelihen ein roß zw reyten vnd du host es gebraucht in dem pflueg oder in dem wagen. Item aus geding, wan ich hab gedingt mit dir, das du ausserhalb der statt nit reytest, das du gar nit host gehalten, darvmb wirstu mir schuldig von dem schaden. Wan die hendel entpfaen die gesatzt aus der veraynung. Aber die widerwertige klag wirt genen von dem, welchem gelihen ist, wider den leyden das die ausgebung gescheen in gelihen guet, doch klaine ausgebung, als die gebung der speis, zu dem gehört, welcher zu brauchen hot entpfangen. Item das einer wissentlich hot gelihen [Seite: 423] schadhaftige oder zerbrochne oder zerstörte vas, vmb die ist der wein vnd das öl erstort oder ausgerunnen. Oder darvmb, wan er vnzeitlich widerrueft das gelihen, als ob du mir host gelihen ein vas auf ein jar vnd host das widerruf auf ein monat.

[Cap.3.4]

Cap. IV. Von erlegtem guet.

Von erlegtem guet soltu merken: was sei erlegts guet oder depositum vnd wannen her es gnant werd, wie es gehandelt werd, in welchen guetern es bestee, welche sei die natur des erlegten guets, wen das erlegt mag widerbegert werden vnd wie sei sein klage, welchem geben wirt die klag, wider welchen … schuldig sei, aus welchen wrsachen der, wider den erlegt ist, werde vervnleumbt. [Seite: 424] Von dem ersten sag ich: das erlegt guet ist, welches dem glauben eynichs zu behalten gegeben ist. Wan es wirt gemacht verbindung aus dem erlegten guet. Doch erlegt inne haltend ist albeg die besytzung vnd die eygenschaft. Aber das veelt in zwayen vellen, das ist in stiller oder ausdruckter veraynigung. Ausdrucklich wirt verwendt die herrschaft eines guets, als wen ich erleg bey dir, was ist in der zal, im gewicht vnd in der maß vnd wirt mit dir ains, das du mir eintweders dasselbig widergebest oder souil in dem selbigen geschlecht. Stilliklich wirt verwendt die herrschaft eines guets, als wen ich gueter erleg bey dir nit beschlossen vnd nit verzaychnet, wan den so wurd ich gesehen die also bey [Seite: 425] dir erlegt haben gehebt, das du die mügest brauchen vnd souil mir in dem geschlecht widergeben. Aber es wirt gnent depositum quasi seorsum de positum oder von dem rucken gelegt von dem wort deponendo, das erzaigt werd das gantz erlegt beuolhen dem glauben zu behalten, das bey im erlegt ist. Das erlegt ist in bewglichen guetern, welche in zal, gewicht vnd maß besteend. Vnd in guetern sich bewegenden, als in tiern. Wan zufelliklich ist es begriffen in vnbeweglichen guetern, wen erlegt wirt ein vnbeweglich guet, als wen ein guet in ein sequester gelegt werd, das ist besundert werd, (wen zwen tayl darvmb rechten vnd ein wrtayl darvmb ist gangen fuer ein tail) vnd wirt gelegt in die hende des richters. [Seite: 426] Auch ist gewonlich das erlegt guet durch hantgeschrift geschehen, wan wen das ist nun in [ab]gewonhait kommen. Aber die natur des erlegten guets ist, das albeg das erlegt guet widergeben werd dem erlegenden. Das vehelt in vier vellen. Zum ersten wen einer ein schwert offenlich erlegt vnd tobsuchtiglich wider begert. Zum andern so der erlegend ist gesand in das elend. Zum dritten wen der dieb erlegt vnd widerbegert vnd die begerung des rechten herren mit der begerung des diebs mitlauft. Das vierd wen ein dieb verstolen guet bey dem erlegt, welches das vor ist gewesen. Das erlegt gut mag widerbegert vnd widergenommen werden, wen der erlegend wil, auch ob mit gegebner treu der erlegend [Seite: 427] het gehaysen gehebt nit wellen widerbegern inner einem jar, wan der wil des menschen ist wandelbar. In widerbegerung eines erlegten guets haben nit statt wider vergleichung noch abzygung, ja auch nit durch kostung auch nit vmb schuld sol das erlegt innen gehalten werden. Die klag des erlegten ist guts glaubens vnd wol beleumbt so vil, als ob etwas vngleichs geschech in erlegtem guet, der hinder den erlegt wirt, ja auch sein erben in seinem namen verwrtailt werden vervnleumbt. Die klag wirt geben dem, welcher erlegt, aber das vehelt in vier vellen obgemelt. Die klag wirt gegeben einem jedlichen erlegenden, auch einem dieb oder einem rauber nicht verhindrend sein missetat, wan es klagen die aus einem handel, aber von wegen einer diebstal oder raubes mügen [Seite: 428] sie nit klagen, das einer nit aus seiner vnfromkayt gewynne ein klag. Es wirt gegeben die klag wider welchen erlegt ist oder seinen erben von bosemlist des gestorben. Und du solt merken, das in die klag kumbt argerlist, ein weyte schult vnd die allerleychtest. Argerlist wirt verwent, als ob deine gueter vnverserlich sein bliben, hostu verlorn das erlegt guet. Die weyt schult wirt verwent, als ob dein guet du in einem schrein host gelegt aber die erlegten auf einer bank host lassen ligen. Die leycht schuld ist, wen das erlegt guet du in ein kasten host gelegt, aber den schlussel vngeuerlich host lassen ligen. [Seite: 429] Die allerleychtest schuld ist, wen du das erlegt guet in einem kasten host geschlossen, aber den kasten host offen gelassen. Item es kumbt in die klag, ob du etwas vmb die behuetung host genommen. Ob du dich von dem erlegten guet host begeben gehebt. Item es kumbt in die klag aler geuerlicher val in geding, verharrung, schuld, brauch vnd statt vorgeenden. In geding, wan der handel aus veraynung hot entpfangen sein gesatz. Aus der schuld, als wen der, hinder den gelegt ist, hot das erlegt guet verendert vnd darnach das widervmb gekauft vnd in erlegten das wider gehabt hot, wie wol den das laster der verendrung durch die widerkaufung abgewyscht wirt, doch der vngeuerlich val, ob der geschicht, nit aufgehebt wirt. Darvmb welcher [Seite: 430] eins boeß, der wirt albeg boeß verwendt. Aus der verharrung, als wen der, hinder den erlegt ist, nit hot widergeben … das erlegt guet … ers schuldig ist von dem [vn]vall. Doch sprechen etlich, das war zu sein, ob das guet sunst nit wer verdurben gewesen wurden, sunst ist es ein anders. Die andern sprechen, dem vnder dem erlegt ist vnd einen jedlichen schulder schuldig sein aus verharrung, wan es genug ist, das das guet nit hot mügen verderben bey dem klager. Item der behalter des guets, ob von seinen wegen ist das guet erlegt wurden, so ist er schuldig von dem vnvall. Aus dem brauch wirt einer schuldig, als wen ich dir gelihen hab ein roß zu einem dorf zu reyten vnd du host es gefuert die ecker zw bawen in dein pflüege. [Seite: 431] Aus der statt ist einer schuldig, als ich hab dir gelihen das ein erlegts guet in einer statt zw brauchen vnd du bist vergezogen vnd host mancherlay guet aus der feind anlauf verlorn. Und merk das der verwrtailt aus der klag wirt vervnleumbt gemacht. Wan vier klagen aus handel herkommend vnd vier aus missetat vervnleumen. Aus den handel, als die verwrtailten des eins erlegten, eins gewalts, einer pfleg vnd fuer ein gesellen. Aus den missetaten, als der vnrechten, aus vnrechtem gewalt der rauber der gueter, einer diebstal vnd arges lists. Unde Versus:
Judice dampnatos infames reddit ubique
Quod vi diripitur injuria furti dolique
Accio mandati, tutele depositique
Directo, sed pro socio communis utrique.
[Seite: 432]

[Cap.3.5]

Cap. V. Von dem gelter vnd gelihnen oder geltschuld.

Von dem gelihnen: was sei gelihens (oder geltschuld, gnant creditum, was es sei vnd) von wannen es gnant werde, wievil sein gestalt, warvmb es gehandelt werde oder wie, warzu der gelter schuldig sei, von weswegen es gelihen sey. Von dem ersten ist zu wissen, das alles gelihen gelt ist ein guet, welches einer dem andern leyhet. Und wirt gnant von dem wort credo, das ist getrau oder glaub. Aber zuo gestalt sein des gelihen, als on pfand vnd mit pfand. Der leyher, welcher entpfangen hot ein pfand, der wirt widervmb verbunden. Der leyher ist schuldig von dem selbigen guet, welches er zu [Seite: 433] pfand hot genommen, wider gegeben zw werden aus pfendlicher klag; wirt verwandelt aber die on willen des schuldners oder sie aus seiner schuld wirt verlirn, nach schetzung des schuldner wirt im bezalen. Wan aber das pfand von ir jedes wegen gegeben wirt, als des schuldners, des merern halb im gelt wer gelihen wurden vnd auch des leyhers, das dester mer sicher weren die gelihen gueter desselbigen, darvmb so mag genugsam sein, das zu derselbigen behaltung des verpfendt guet der leyher seinen hochsten vleis beweyse. Welchen wirt er beweysen vnd treulichen geben vnd wirt aus einem vngeuerlichen vall das guet verliren vnd ob er das wirt weysen, sagen in sicher von widergebung des verpfendten guts zw sein vnd [Seite: 434] nichsts dester mynder wirt er mugen sein schuld von dem schulder gentzlich erfordern.

[Cap.3.6]

Cap. VI. Von den pfanden.

Wan aber meldung geschehen ist in verbindung des gelihen von einem pfand, darvmb ist zu sehen von dem pfanden, bey dem soltu merken: was sei ein pfand, wannen es gnent werde, wie eins pfands verbindung (oder versetzung) gemacht werde vnd wie vilfeltig sei ein pfand, welches guet müge verpfendt werden vnd welches nit, warzu gegeben werd das pfand, warzu der entpfaer des pfands schuldig sei, wie lang das pfand behalten sol werden. Von dem ersten das pfand ist ein verbunden guet für ein schuld zw sicherhayt des leyhers. Es wirt aber gnant ein pfand [Seite: 435] ein beweglich guet einem andern verbunden, als mit pfand vnd mund eingeben. Das pfand wirt gemacht zwayerlay maß, als ausgedrucklich vnd stilliklich. Stilliklich, als die gueter des eemans sein seinem weyb vmb das hewretguet stilliklich verbunden. Und die gueter eines pflegers sein dem waysen gleicherweys stilliklich verbunden. Und die gueter eins bestellers eins haus eingefuert vnd eingetragen sein stilliklich vmb die zyns verbunden vnd seine gueter, welche[r] mit dem fisco gehandelt, wirt sein dem fisco stilliklich verbunden vnd die gueter des nit beruften khnechtes im rechten. Aber das pfand wirt gemacht gemayniklich vnd besunderlich. Gemayniklich, als wen ainer alle seine gueter zw pfand versetzt, [Seite: 436] in welchem vall werden verstanden die gehabten vnd kunftiglich gehabte gueter. Besunderlichen, als wen versetzt wirt ein acker, ein weingart, ein roß, ein rock, ein mantel et cetera. Aber drifeltig ist ein pfand, eins ist gedinglich oder fuernemlich im rechten, das ander pretoris, das ditt gerichtlich. Das gedinglich pfand ist, welchs aus dem geschicht hot entpfangen den namen. Das pretorisch pfand wirt gesetzt durch setzung in besytzung. Das gerichtlich pfand ist, welchs durch das ortel des richters behabt wirt. Es mugen zw pfand werden alle gueter, welche verkauft mugen werden. Wen es mugen verbunden werden alle gueter, [Seite: 437] gegenwurtige vnd kunftige vnd die hangenden frücht, die geburden der leybeygen diernen vnd die frucht der (schwein oder) tiere vnd alle die, welche geborn werden vnd die leybliche vnd vnleybliche gueter, die personlichen dienstbarkayten, die dienstbarkayten von ligenden guetern, die fruchtbreuch vnd die bawernliche dienstbarkait. Aber die recht der ligenden zymmerlichen gueter mugen nit verpfend werden darvmb, das nit mit verkerung des brauchs der brauchenden die zymmer erstört werden. Es mügen nit verpfend werden die hayligen gueter (oder die geweichten), ein freyer mensch, nur in obgenanten vellen. Doch ein freyer verwilligender mag gesetzt werden in obstagio, gnant zy geysel, nit vmb gelt. sunder von gemachs wegen des frids vnd dergleichen wrsach. [Seite: 438] Der geber eines pfands ist schuldig zw bezalen die schuld, auch ob das pfand vertirbt on schuld.., nur es sei gedingt, das die verlirung des pfands erlöse den schuldner. Der schuldner ist schuldig zw bezalen die kostung im pfand von dem gelter mit guetem glauben geschehen als die hauptschuld, nur sie weren vnmeslich. Sunder das verpfendt guet einem andern nit sol verpfendt werden, anders er mag verklagt werden aus der missetat stellionatus, (verstee ein vbergrosse missetat wirt mugen verklagt werden), nur es sei ein sulchs guet, welchs ir jedem genug ist. Ein schuldner, der wissend ist, das guet fremd zu sein vnd hot on des selbigen herren willen versetzt dasselbige oder das versetzt guet durch sich selbs verbunden hot [Seite: 439] verzert, ist vnderwurfen der missetat stellionatus. Aber der gelter, so die gantze schuld bezalt ist, wirt er schuldig das pfand wider zu geben. Ich hab gesprochen gentzlich, wan fuer ein tayl der schuld wirt bleyben das gantze pfand dem gelter vnd ist schuldig widerzugeben das pfand nit anderswo verpfendt auch nit geergert. Item vnderweylen wirt gangen von einem handel des pfands zu dem handel des kaufs vnd das ist gentzlich wuechrich, als wen der gelter sagt dem schuldner, ob du nit wirst erlosen das pfand an einem sulchen oder sulchen tag, den so sol es sein als mein erkauft guet. Wan es wirt verwent ein vnzymlicher handel ein jedlicher, in welchem die peen zugeworfen wirt, welche die rechte maß der wuchere vbergeet. Als also: ich verbind mich dir mein [Seite: 440] haus vmb zehen lb., welches wert ist zwanzig lb., mit sulchem geding, ob ich das nit wider erlöse an sulchen tage, das es dein sey. Darvmb ist das pfand zwyfeltig, als beweglich vnd vnbeweglich. Das beweglich ist auch zwyfach, wan etlichs ist sich selbs bewegent, als alle essende tier, welche behalten werden zu einem pfand bis in den dritten tag völliglich. Aber das pfand sich selbs nit bewegent, sunder von einem andern wirt bewegt, als wein, öl, getrayd et cetera, das sol vierzehen tage behalten werden in pfand. Aber das vnbeweglich pfand sol sechs wochen behalten werden, darnach mit guetem gewissen verkauft werden. [Seite: 441] Also sullen die pfand nit andern verbunden werden noch vbergeben, sunder verkauft werden. Vnd darvmb, wan ob in der verkaufung etwas bleibt vber das haubtguet, das sol geben werden dem, welches das guet ist gewesen. Ob aber mangeln wirt, den so sol der gelter klagen zu erfullung, [wan] also ist ausgenommen, sunst nit, wan ob einer ein boß pfand von einem nymbt, so wirt der schad sein vnd wirt nit klagen zu der erfullung. Und merk ob einer ein pfand williglich gibt oder bezwungen in gericht, so sol noch albegen vor des verkaufung im durch den diener des richters verkundt werden, ob ers wil widerlösen oder nit; ob er den nit wil widererlösen, den so wirt es gerechtiglich vnd zymlich verkauft. [Seite: 442]

[Cap.3.7]

Cap. VII. Von den gehaysen.

Wie wirt die verhaysung gemacht, wie vil klagen aus ir entspringen, in wie vil massen geschech ein verhaysung, von zwayen oder von mer verhaysungen, wie vil sein gestalt der verheysung oder der gelubd annemen, welche gueter mugen angelubd werden, von den vnnutzlichen (oder vnzymlichen) gelubdannemungen, warvmb sein gelubdannemungen, das ist verhaysen erfunden vnd wan die verbindung wirt gehandelt in vil massen, als in verhaysung, verborgung, geding vnd zulegung, vnd von denen allen ist zu sehen in den nachgeenden handeln. Mit worten wirt gemacht ein verbindung aus vorgeender frag vnd nachgeender antwort, als wen [Seite: 443] wir etwas gegeben oder geschehen vns annemen also sprechende: Du verhayscht mir durch dein treu zugeben zehen guld, vnd der ander spricht: ich verhayß durch mein trew; da wirt bald ein verbindung. Aus der verhaysung entspringen (zwo verhaysungen, verstee) zwo klagen, eine condicio certi, ob es gewysse ding innenhelt (oder bestymbt), die ander condicio incerti, ob sie zweyfel innenhelt. Aber in dreyen massen geschicht verhaysung: entweders lauterlich oder auf einen tag oder mit einer vnderschaid. Lauter oder schlechtlich geschicht sie, gleicherweyß: du gelobst mir zu geben funf guld, vnd der spricht: ich verhayß … [Seite: 444] $… so wirt das bald ein schuld, aber es mag nit begert werden, eemal der gantze tag der verhaysung vergeet. Doch vehelt das, ob der schuldner ist fluchtig oder seine guter vnzymliche verzert oder verschuld die statt vnd ob geöffnet werden seine gueter. Wan den alsbald mag er begern vnd bezeugen vnd verbiten. Dasselb ist, ob er stirbt kainen erben verlassen. Aber wie, ob etliche andern vorige schuldner begeren dir schulden in gericht? Ich sprech, welcher der erst ist [im] verbot, der ist der eher in bezalung. Aber wider das ist gemain regel: Welcher der eher ist in der zeit, der ist der eher im rechten. [Seite: 445] [Wir] antwurten, das das wirt gegeben der gewonhait der land. Aber es ist gewonhait den Venedigern, das das gantz guet des schuldners wirt getailt vnder die gelter einem yedem nach seinem tail im geburend, das nit einer sein gantze schuld gewint vnd der ander nichst hab. Vnd ist eine guete gewonhayt. Es beschicht verhaysung mit vnderschaid oder gelubdannemung, gleicherweys: wan ob der wirt richter oder ratgebe, den so gelobstu mir zu geben zehen guld, vnd der spricht: ich glaube. Ob die vnderschaid wirt besteen, so wirt im schuldig der gehays, ob nit, den nit. Aus der vnderschidlichen gelubdannemung allein ist hoffnung der schuld. Ob aber ein anders beschehen were, so wirt vernichtiget die hoffnung. [Seite: 446] Auch (saltu merken) in verhaysungen sey wir gewont … einverleubd werden, gleicherweis: du verhaist mir zehen guld zu Rom zu geben? Und nit allein mag das guet verhaysen werden, sunder auch das geschicht, gleicherweis: du verhayst mir das zu machen? (vnd der andern spricht:) ich verhays. Wen aber zwen oder mer einem verheysend miteinander vnd nit jedlicher durch sich selbs vmb einich guet, den so werden alle sametlich schuldich vnd der gehayßannemer mag die schuld von allen oder von der einem oder von jedlichem welchem er will begere[n]. Und welcher der die schuld bezalte, werden die ander alle ledig, es … nichst distermynder der bezalend die klag wider die, welche nit bezalt haben, vmb die tail sie beruerende. [Seite: 447] Das ist ware nach dem alten rechten. Aber newe recht das will, das der gelter sol das gehays von allen begeren, ob sie gegenwurtig sein oder ob sie leben. Und so einer, der nit sit genugsam zu bezalen, so werden die vbrigen bezalen, ob einer were, so wirt er das alles bezalen. Wen aber einer vilen schuldig oder verbunden ist, so wirt er sametlich in allen schuldig, den so mag ein jedlicher das gantz begern. Wen aber der selbigen einen von wissen der andern bezalte, so wirt er von in allen erledigt. Ob aber einer verbunden wirt vilen sunderlich vnd sagte einem jedlichen: ich verhays ewer zu geben oder bezalen, das wirt nit ein verbindung, ja warlich ein andre vnd ein andre, wan zum ersten einem, darnach einem andern. [Seite: 448] Wan dreu sein gestalt vnd taylen der verhaysungen, als ein gerichtliche, ein pretorische vnd ein gedingliche (oder veraynliche). Die gerichtliche ist, welche durch wrtail eines richters gewrtailt wirt, gleicherweis ein benüegung vom arglist, ein sicherhait von den fluchtigen khnechte nach zu komen oder von dem gelt, das wert widerzugeben. Die pretorische verhaysung fleust allein aus dem lautem ambt des pretorisch, gleichweis des gedreuten schadens (vnd noch nit geschehen, verstee die klag damni infecti) oder gescheft oder der klag edilicie oder die klag rem salvam facere pupillo, (verstee das guet behalten machen dem waysen). Die gedinglich ist, welche aus veraynung yedes tails wirt begriffen, welcher sein sovil geschlechte, [Seite: 449] wievil sein gueter, von welchen mag gehandelt werden. Alle gueter, welche der herschaft der menschen vnderwurfen sein, mugen verhayssen werden, sie sein beweglich oder vnbeweglich, gegenwurtige oder kunftige. Vil sein vnnutzliche gelubdannemen aus dem, das vil sein gueter, welche in gelubdannemung vnd verhaysung nit komen mugen. Gleicherweis die gueter, welche in natur der gueter nit sein, als ein gestorbener mensch vnd welcher in natur der gueter nit ist gewesen, als hippocenthaurus vnd ein ding, das in der natur der gueter nit wirt, als chimera. Sunder nit wider sun noch mon kommen in verhayssung, wan es vnmuglich ist sun vnd mon vns vnderworfen werden. Item ein [Seite: 450] heyligs guet, ein gaystliches guet, ein offens guet vnd ein guet, welches gewerb nit ist, vnd ein freyer mensch mugen nit verhayssen werden nach schickung der menschen. Ein stum, ein vngehorender mugen nit in gelubd angenommen werden, wan in der gelubdannemung wirt erfordert frag vnd antwurt, welche die nit mugen thuen. Auch der tobich mag nit verhayssen, wan er mag kain gewerb tragen darvmb, das er nit verstat, was er wirkt. Auch nit der wayß on seins pflegers gewaltsamkait, nur vmb die sunden des vaters oder einer gemain. Zwyschen den abwesenden aber die verbindung der wort mag nit geschehen, wen da wirt erfordert die rede. Auch die verbindung mag nit gemacht werden von vnmuglicher vnderschaid wegen, als ob ich den [Seite: 451] hymel wirt anruren, so verhayß ich dir zu geben. Item die verbindung ist vnnutzlich, welche aus schnöder wrsach kumbt, als ob ich verhayß wellen thuen ein todschlag oder ein diebstal. Wen es stat geschriben: in schnoden gelubden soltu verwandlen die erkantnus vnd in schnoder verhaysung erbrich die trew. Es ist ein vnnutzlich gelubdannemen, ob einer den andern etwas geben oder gethan werden verhayst. Es ist ein vnnutze verhaysung, welche geschicht durch forcht oder bosen list. Es ist ein vnnutzliche gelubdannemung, ob einer zu dingen, zu welchen er gefragt ist, nit antwurt oder ob du gelubd annymbst auf einen kunftigen tag vnd der antwurt von gegenwurtiger zeit. Die gelubdannemung ist vnnutzlich, ob du von dem gelubd annymbst, [Seite: 452] welcher deinen rechten vnderwurfen oder herwidervmb als ein leybeygner khnecht oder ein haussun, wan dein weib vnd dein sun werden verstanden die selben zu sein. Nyemand … gelubdannemen im selb nach seinem tode etwas oder herwidervmb. Die gelubdannemungen sein erfunden darzu, das ein jedlicher im gewyn, das im zu gehort. Und du solt merken ob einer genot wil sein von einem gehayß ein peen, der sol dorzu setzen ein zeit derzwyschen, wie also: du verhayst, nu du mir das geben werdest oder thuen, das du verhayst, wirstu geben dem richter souil oder souil oder zwier souil?

[Cap.3.8]

Cap. VIII. Von den bürgen.

Von den borgen, [wan] dem gehayser oder dem schuldner [Seite: 453] wirt nit getrawt, darvmb mus es sein, das er setzt borgen, darvmb ist zu sagen von den burgen. Und zum ersten was sei ein borge, welcher müg borge werden, fuer welchen er mug genommen werden, warzu er schuldig sei der borgschaft vnd zu wem der, welchem er borg ist wurden, ob die borgschaft gee auf die erben. Von dem ersten, der borge ist der, welcher eins andern verbindung auf sein glauben aufnymbt. Hie soltu merken wiewol der borge, der gebieter vnd der setzer nahet eins vnd dasselb sein, doch sein sie vnderschidlich aus wrsach, wan der borge ist, welcher durch verhaysung verbunden wirt, so der nichst destermynder verbunden bleyben ist. Aber der gebieter (oder beuelher), welcher gebeut dem gelter, das [Seite: 454] etwas ley auf in. Der setzer ist, welcher sich schuldman fuer einen andern setzt. Und nach dem entspringen dreu klag: eine ist aus borgschaft, die ander aus beuelich, die ander aus dem gesetz. Es mugen borgen werden alle die, welche sich verbunden werden mugen mit guetern, worten, briefen, ausgenommen die ritter, priester vnd weyber, doch welche, ob sie borge werden, werden verbunden. Die gaystlichen ordensleut mugen nit borg werden on gewalt irs abts, ein korherr . Mag genommen werden ein burg fuer einen jedlichen menschen, fuer einen waysen, vnnutzlichen guet verzerer, ein tobingen, auch feur den, welcher durch sich selbs burge werden nit mag, als ein ways vnd vnnutzlich guet verzerer. Und wiewol die weder naturlich noch [Seite: 455] burgerlich werden verbunden, doch ire borgen werden schuldig kreftiglich. Es irt auch nit, das gesagt wirt, den borgen nit muge vmb mer verbunden werden, dan der selbsacher sei verbunden. Wrsach, wan die borgschaftlich verbindung vnd die zulauflich jetzen nichst merer sol sein in der zulauflichen dan in der haubtsachlichen. Aber du salt merken das wort mer, das wirt in vierlay maß genommen, im guet, wrsach, zeit vnd statt. Und welcher das thuet, velt von der sachen, als offen ist oben im titel de plus petendo. Der ways on gewalt der pfleger ist schuldig von dem ere, das ist von den schulden seines vaters. Und ist schuldig, ob er schaden hot gethan wider das gemain guet, von den zwayen dingen allein wurd ir borge [Seite: 456] schuldig, nit von den andern, wan der borge in einer hertern sache mag nit merer verbunden werden, dan der haupsacher. Es ist aber zewissen das bey den alten hot der gelter gewalt zu klagen wider welchen er wil, es sey wider den haupsacher oder den borgen. Aber heut nit verzymbt zu hayschen von dem borgen, dieweil der antwurter gegenwertig vnd gnugsam ist in bezalen garer oder eins tails. Und ob der antwurter abwesend sein wurd, so wurd gegeben ein bestymbte zeit als vierzehen tage, inner welchen mag der borg den antwurter herbrengen zu im bald zu beklagen dem selben borgen zu hilf. Und ob merer borgen werden, den so wirt i[r] jedlicher schuldig sametlich, nur der klager williglichen [Seite: 457] taile seine klage klagend wider einen jedlichen vmb ein tail, ein anders ob er erwelt einen aus vilen, klagen wider in sametlich vnd nit haysche von den andern. Das ist [wider] ein new recht, welches spricht, das die klage sei zu tailen zwyschen i[n] darvmb, das sie alle sametlich schuldig sein, nur es sei dem rechten aus geding verzigen, welcher klag zu gesteen. Ob aber einer ausdrucklich klagt von dem haubtguet, dan so wirt der borge von den wuchern nit gesehen verbunden zu werden, wan in merer grosse dan klagt ist, sol er nit verbunden werden. Und merk ob der borg sich verbindt schlechtiglich zu allen dingen, welche der antwurter schuldig ist, verstee den haubtsacher, vnd den verzymbt von den wuchern als er von den schulden [Seite: 458] schuldig ist, sintemal im geburt die einrede von den wuchern nit zu bezalen nach gaystlichen rechten. Und welche einreden die haubtsacher geburen, geburen auch dem borgen. Und merk das der borge in vier vellen mag klagen wider den haubtsechlichen schulder: Zum ersten ob er lange gestanden ist in der verbindung. Zum andern ob der antwurter ist ein vnnutzer verzerer seiner gueter. Zum dritten ob der borge veru[r]tailt ist dem gelter. Zum vierden ob das (geklagt oder) gedingt ist vom anfang, als das er in erledige von der borgschaft, wen er nit wil mer steen in der borgschaft. Aber der antwurter mag nit klagen wider den borgen, nur im werde gegeben die klag von dem gelter. Die vbergebung ist zu thuen vor der bezalung, wan darnach mag nit vbergeben werden. [Seite: 459]

[Cap.3.9]

Cap. IX. Von den gedingen.

Von den gedingen oder pactis ist zum ersten zu sehen, was do sei pactum oder geding, von wannen es genent werde, von tailung der geding, welchen das geding nutz sei, wen die peen in den gedingen begangen, das ist eingefallen wirt, von den gestalten der gedinge, von der vnderschaid zwyschen pactum vnd promissionem, (verstee geding vnd verhayschungen). Von dem ersten pactum als das geding ist ein wille zwayer oder merer in eins vnd das selb einem von dem andern der fridenden zu geben etwas oder zu thuen. Und merk fleyslich alle wort besunder der auslegung. Wan ich hab gesagt das geding ist ein wille, wen aus dem willen [Seite: 460] wirt es verbracht, als in kaufung vnd verkaufung vnd das wirt gesagt zu vnderschaid der glubdannemung, in welcher nit allein der wille sunder auch die wort notturftig sein, wan es hot zu geschehen durch frag vnd antwurten. Wan es ist not, das in einem geding sein zwen oder mer die verwilligen in dasselb zu geben oder zu thuen. Und ich sprich in dasselb vnd nit in demselben, wan ob ich vnd du verwilligen, das Socrates sein ein stain, das ist nit ein geding, wan solcher wille nit verbindt einen dem andern vnd ist nit zu geben noch zu thuen. Ich hab auch gesprochen dem andern von dem andern, wan ob wir verwilligen, das eur einer geb dem Ticio vnd Ticius geb eur einem, ist nit geding, sintemal [Seite: 461] dem andern nit annemen vnd dingen nyemant mag vnd darvmb, das eynicher nit verbunden wirt nach regel des andern handel gelobend. Auch wirt genent pactum von dem wort paccione, das ist von machung des frids oder von dem frid vnd von dem werk (verstee zu latein a pace et actu). Wan welche veraint werden aus mancherlay vnd widerwertigen der lieb bewegung nach vil vnd mancherlay kriegen mithellend in einem syn werden gefurt vnd werden gesagt fuer einen. Oder pactum wirt gnant a palmarum, das [ist] zusammenschlaung der hende, wan die verwilligen vnd friden gegen ander sein sie gewan zusammenfuegen aus sitten der alten ire hende, welche so sie sich (vereinten oder) verbanden, die span der hend einander gaben zum zaychen (des [Seite: 462] frids oder des) verhaysen glaubens nit zerbrochen sold werden. Auch ist das wort pactum ein gemainer nam zu allen dingen, die gehandelt werden aus wrsach einer verbindung zu machen vnd zu leyden.

[Cap.3.10]

Cap. X. Die tailung der gedingen.

Der gedingen sein vil tailungen, von welchen ich die wirt beruren. Der gedingen sein etliche nutzlich, die andern vnnutzlich. Die nutzlichen pacta sein geding, welche von wegen der personen oder gueter nach ordnung des rechtes geschehen, das ist das die personen, welche geding machen, sein sulche, das sie sich verbinden mugen. Und das guet albeg verhanden sei, ee das geschicht das geding, sei sulchs, [Seite: 463] das nit sei verboten von recht verendert zu werden. Und das in verbindung gehalden werde ordnung des rechtes, als oben gesagt ist von den personen, guetern vnd verbindungen. Aber die vnnutzlichen geding sein die, welche sein wider die gesatz, wider die constituciones vnd wider die edict (oder verkundung) der pretor (zu rom) vnd zu vervntreu. Ich hab gesagt wider die gesatz geding zu geschehen, wen ein ligend guet ein zu jungen kind verendert wirt on erkantnus des richters oder wen verendert wirt ein heuretguetlicher grunt. Wider die constituciones geschicht, wen der redner dingt mit dem, dem er das wort thuet, von einem tail des kriegs gehabt werden fuer sein lon. Wider das edict des pretors geschicht, als oft geschicht ein [Seite: 464] geding, das einem verzymbt diebstal zu thuen on peen. Zu vervntreuen (oder gevar) geschicht ein geding in mancherlay massen. Wan es geschicht gevar von einer person zu der andern oder von ainem guet zu anderm guet oder von einem handel zu dem andern handel oder von dem handel zu dem selben handel, von dem namen zu dem namen, von einem geschicht zu einem geschicht. Von einer person zu der andern geschicht geverd, als ich pfleger oder gerhaber, wan ich verboten etwas zw kaufen von den guetern meins beuolhen waysen, dasselb kauf ich nit durch mich, sunder durch ein zwyschengesetzte person, als durch mein weib oder mein sun oder durch einen frembden, doch in meinem namen. Von einem guet zu dem andern [Seite: 465] geschicht gevar, also sintemal verboten ist zu leyhen gelt meinen sunlen, ich leych nit gelt, aber ein guet gib ich im, das er das verkauf vnd brauch das gelt. Aber von einem handel zu einem handel beschicht geverd, also man vnd weib, dieweil die ee werend ist, sein verboten einander zu vbergeben. Darvmb vbergeben sie nit, sunder aus wrsach einer vbergebung verkaufen sie. Von einem handel zw dem selben handel geschicht gewerd, als wen ich sulte leyen dem Titio vnd das weib wolt burge werden fuer in, ich herwidervmb, das das weib nit wurd beschutz auf der hulf Vellegionum consulto, ich leych gelt einer frawen vnd ich nym den Titium zu einem burgen. Von dem namen zum namen geschicht gevard, als ob einer [Seite: 466] verboten würd zu sein ein potestat eins lands, er macht sich erwelt zu werden zu einem beschutzer oder zu einem gewalthaber des lands, welchs dasselb ist, doch so der nam verwandelt ist. Von geschicht zu geschicht … vntreu, als ich hab verkauft dir mein leybaygne diern in dem gedinge, das du sie nit setzest in das gemain frauenhaus zu machen ein gewin ires leybes, aber doch hostu sie nit gesetzt in das frawenhaus, aber in ein gasthaus, das sie da diente, das selb ist der wirkung halben. Und nit allein in den vorgemelten massen sunder auch mit andern vilen heymlichen vervntreuungen geschehen geding vnd werden gemacht vnnutzlich. Wan ob geding ist zwyschen dem gelter vnd dem schuldner, das [Seite: 467] den schuldner verzymbt das pfand zu verkaufen, das taug nit. Und ist es wrsach, das nit der schuldner berueft werde ze sunden, das ist zu verlaugen die zalung. Das geding, in welchem einer gemayniklich an sich nymbt die zweyfelhaftigen velle, taug nit. Das ist aber ein wrsach, das einer nit gemayniklich vnd mit verdeckten worten .., das er besunderlich nit wurde nemen. Merer das geding von dem heuretguet an weytern tag zu widergeben taug nit. Und ist des ein wrsach, wan das schedlich ist dem heuretguet vnd gemaynem nutz. Das geding beschehen, das nit der eeman verwrtailt werde seinem eeweib vber das, das er nit thuen mocht, taug nit. Ist wrsach, wan es ist wider guete sitten. Das geding beschehen zwyschen den rittern vnd iren widersachern, das [Seite: 468] der ritter müge sein procurator, taug nit aus der wrsach, wan es were widerwertig offner nutzbarkayt darvmb, wen vnser ritter sullen wissen die waffen vnd nit die gesatz von recht. Das geding, mit welchem nachgelassen wirt der ausgedruckt gerichtsayd (genant calumnie juramentum), taug nit, wan es der offnen gerechtikayt zugehör ist, das die krieg on allen argwan fuersich geen. Das geding gemacht, das nit verhindert (oder geirrt) sulchs geding widerrueft mug werden, taug nit, wan gerechte geding sullen nymmer widerrueft werden.

[Cap.3.11]

Cap. XI. Die ander tailung der gedingen.

Die ander tailung der gedinge, die geding etliche sein bloß, etliche beklaydt. [Seite: 469] Die blosse geding sein, welche nit innen halten die wrsach. Wan es ist kainer kreft eynichs guets eingebung on wrsach. Auch werden gnant die blossen, welche nit beklaydt werden mit eynichem der hernach geschribnen sechs massen. Und die blosse geding sein nit kreftig zu verbinden oder zu meren, wiewol sie nutzlich sein zu beschutzen. Wan das bloß geding ordenlich gebiert nit klag, sunder die einrede. Aber die beklaydten geding sein kreftig vnd nutzlich zu verbinden vnd zu klagen. Und wirt gnant das beklaydt gedinge in sechs massen, als mit dem guet, worten, briefen, willen, anhangenden eins handels vnd entzwyschenkommung des guets. Aber von den vier ersten massen hab wir oben exempel, wo [Seite: 470] gesagt wirt, in welchen massen gemacht wirt verbindung des guets. Aber von dem vierden, nemblich [von] anhang [des] handel, des ein exempel, wie also ich hab dir verkauft vnd in der verkaufung ist entzwyschenkommen ein geding, das ich sol bleyben in dem haus byß zum jare. Das letzt durch sich geschehen nit taugt, wan … bloß, aber aus anhang … des gedinges wegen beklaydt, als einer verkaufung, in welcher es gesetzt ist, taugt. Von dem sechsten aber, das ist des guets zwyschenkommung, ist ein exempel, als setz ich hab dir verhaysen etwas zu geben vnd zu thuen, das du mir etwas gebest oder thetest, als von stund an, als du mir wirst geben etwas, das ich verhayschen hab, ist balde beklaydt wurden das geding von [Seite: 471] meinet wegen. Und darvmb die entzwyschenkommung des, welchs ich dir geben hab, bistu mir verbunden zu demselbigen mir zu geben, dastu mir verhayschen host zu geben. Und du solt merken das in den vier ersten massen nit wirt gesagt eygentlich das geding zu beklayden, wen das wirt gesagt eigentlich beklaydt zu werden, welchs blos ist. Aber das geding, welchs geschicht mit guetern, aus den worten … entweyders mit willen, von stund an alsbald seiner geburt herfuer geet [be]klaydt vnd wen es das wesen angenommen, so ist es beklaydt. Aber das geding, welchs beklaidt wirt mit anhang des handels oder entzwyschenkommung des guets, ist zum ersten bloß, wiewol so die massen entzwyschenkommen sein, wirt anfahn beklaydt. [Seite: 472]

[Cap.3.12]

Cap. XII. Die dritte tailung der geding.

Die dritt taylung ist, die andern geding besteen im geben, die andern im thuen. Im geben, als ob ich dir verhaysen hab zu geben ein roß oder ein ander guet. Im thuen, als ob ich geding hab dir zu machen ein haus mit dir.

Die vierd tailung ist, wan etliche sein ausgedruckte geding, die andern stille. Das ausgedruckte, als ob ich mit dir eins wurden byn etwas dir zu geben oder zu machen. Das stille, als ob ich bestanden hab dein haus vnd hab eingefurt meine gueter in das haus, so wurd ich gesehen stilliklich gedingt haben gehebt, wan die eintragen vnd eingefurten gueter sein dir verbunden fuer den [Seite: 473] zyns. Auch ist ein still geding, als ob der gelter hot widergeben dem schuldner sein hantschrift oder das instrument des schuldner, da wirt gesehen stilliklichen im gemacht haben gehebt ein geding von nit begeren. Item das still geding ist, als ob ich hab dreu schuldner, die mir schuldig waren in funfzehen marken vnd es was ir jedlicher vnverschaydenlich verbunden vnd ich hab genommen von in ainen funfe, also wirt ich gesehen mich verzygen haben dem gantzen rechte vnd das geding stilliklich gthan nit zu begeren von inen einem jedlichen nur funf.

Die funft tailung ist, wan die geding sein etliche finster, etliche lauter. Die lauter sein, in welchen kain zweyfelung wirt gehalten, ob die lobsamliche sein gemacht, sullen sie gehalten werden. Wan [Seite: 474] nichst ist, das mer dem menschen verzymbt den halten die geding. Die finsteren aber sein, welche mugen haben zwyfeltige verstentnus, als ob der verkaufer eins haus wirt sprechen die trauf als sie sein des verkauften guets, also sein sie vnd der verkaufer versteet, das ein dienstbarkayt des traufs ze nemen schuldig ist von dem verkauften guet daruon zu sein; aber der kaufer versteet, das er sol dem verkauften guet zu sein. Aber die finsterliche dinge sein auszulegen wider den redenden, wan des gewalt dient das gesatz leuterer zu schreiben.

Die sechst tailung ist, das die geding etliche sein sunstlich, die ander geding nit. Das sunstlich geding ist, … mit keinem gegeben mer vmb sunst wen von wrsach der verheysung schuldig wirt nachgelassen. [Seite: 475] Das nit sunstlich geding ist ein vertragung, welche sol vnd hot zu geschehen, so etwas gegeben oder innegehalten oder verhayschen ist. Es sein nutz vnd werden geschickt die geding zu den personen allein, zwyschen welchen sie geschehen sein, aber den andern taugen sie … nit. Doch so veelt das in den hernach geschriben vellen, wan das geding dem haubtsacher als dem antwurter vom nit begern ist nutzlich dem borgen, nur im veraynen sey anders gehandelt wurden oder nur der borg sei borg gewesen in sein aygen guet, wan in den dreyen vellen des antwurters geding ist nit nutzlich den borgen. Sunder herwidervmb das geding des borgen ist nit nutzlich dem antwurter, wan wiewol dem antwurter zugehört [Seite: 476] von dem borgen nit begert zu werden, sintemal der antwurter wider den borgen nit sei zw haben zwgang, nur der borg in sein guet wer borg wurden gewesen, wan den ist zu haben der borg fuer den andern vnd das geding des antwurte[r]s ist nutz dem borgen vnd das geding des borgen aufgenommen in sein eygen guet ist nutzlich dem antwurter. Das geding des borgen ist nicht nutzlich dem antwurter mit dem borgen, ob aber ausdrucklich gehandelt wirt, das es nutz sei dem antwurter vnd den borgen, den so ist es inen nutz. Das geding eines antwurters zu gelten ist dem andern nutzlich. Das geding mit verkaufung oder vergebung ist nutzlich dem kaufer oder vbergeber, wan er nachkumbt vnd erbt in dasselb guet. Das geding geschehen mit dem [Seite: 477] sun oder mit dem khnecht ist nutzlich dem vater oder dem herren. Aber das geding eins procurators ist nutz vnd schadet dem herrn nur in dreyen vellen, das ist, ob da ist ein besunder gewalt oder ob er in sein guet gesetzt ist oder ob er hot freye vnd gemaine verwesung der gueter. Aber das geding des pflegers oder gerhabers ist nutz dem jungen waysen vnd schadet im auch, ob es geschicht mit guetem glauben vnd nit in mut zu berauben.

[Cap.3.13]

Cap. XIII. Die peen von den gedingen.

Es wirt zu sehen auch, wen in den gedingen ein zugelegte peen begangen wirt. Darvmb ist zu wissen, das die peen in den gedingen zugelegt vnderweylen wirt begangen, vnderweylen nit. Wan ob die veraynung [Seite: 478] anfacht von der condicion oder vnderschaid, wie also: ob ich den Titium nit wurd setzen, ob er lebt, so wirt zehen geben. Es wirt begangen die peen, wen bestymbt, geding nit mag geben werden. Ob aber es wirt anfahen von der vorgeenden gedingung, wie also: ich verhays zw geben den Ticium, anderst wirt ich geben zehen in namen der peen. Den so ist die vorgeend klag verbindelich, wan [durch] das beklaydt geding wirt begangen die peen, aus welchem er hot mugen geben vnd hot es nit gethan. Oder der vorigen geding nit [ist] verbundenlich vnd den so wirt begangen die peen, nur darnach so der krieg bestetiget ist nur von dem, das in geding gebracht ist. [Seite: 479]

[Cap.3.14]

Cap. XIV. Ein andre tailung der gedingen.

Etliche geding sein vnd sein gewesen nach den gesatzen, etliche on das gesatz vnd etliche wider das gesatz. Wen geschicht geding nach den gesatzen, als ich verhays dir zu geben oder machen, noch dem das gesatz verheist, den ob die peen ist verhaysen, so mag die begert werden oder das guet zu dem andern der andern allein, nur es sei gesprochen das, so die peen bezalt ist, stet sol gehalten werden das geding, wan der mag jedes begert werden. Wen aber geschicht geding on die gesatz, als wen aus geding etwas wirt verhaysen, welchs wider von dem gesatz ausdrucklich begert wirt noch ausdrucklich verboten wirt, als wen ich dir [Seite: 480] verhays ein fremdes werk vnd ob das nit gschicht, so verhayß ich die peen oder ich geding dem andern geben zu werden vnd ob das nit geben wirt, so gelob ich die peen. Und wiewol nit taugt die haubtsache, wan ich ein fremd werk gewis verhaysen nit mag noch einen andern dingen, doch so haft die verhaysung der peen. Aber vnderweylen geschicht geding wider die gesatz, als wen etwas verhaysen wirt, das vom gesatz verboten wirt, als ein hayligs guet, ein gaystlichs guet, ein freyer mensch, den so taug nit ir jedes, weder das haubtsechlich noch verhayschung der peen (nit geschehen). Wan das wider die gesatz geschicht, sol fuer vngeschehen gehabt werden. Aber die peen wirt den gedingen zugewurfen, eyntweders mit vnderschaid oder schlechtlich. [Seite: 481] Wen [mit] vnderschaid, als ich verhayß dir zu geben Ticium, ob er lebt, den dieweyl besteet die condicion, so besteet die peen, so aber weichend ist die condicion, weicht auch die peen. Ob schlechtiglich, denn eyntweders das geding hot mügen erfult werden [vnd] nit hot wellen, so wirt begangen die peen; ob er hot wellen vnd hot nit gemüegt, wan villeicht Ticius ist gesturben oder fluchtig, den so steet kain verbindung, darvmb auch nit begangen wirt die peen, nur sunderlich sei von der peen zu bezalen ausgenommen. Auch wirt zuegeworfen die peen der grosen oder der gestalt oder der geschicht. Ob der grös, als: ich verhays dir zu geben zehen bey peen der zwyfaltigung, den die peen, wie gros die ist, wirt gebracht zu einer rechtlichen maß der wucher [Seite: 482] des verhaysen haubtguets. Und das darvmb, wan aus grosse des gelts ist gewon begangen zu werden der wucher, als offenbar ist in dem leyen, in welchem allein wirt begangen der wucher vnd nit in andern hendeln. Ob aber zuegewurfen wirt der gestalt, als ich verhays dir zu geben ein roß oder ein ander gestalt bey peen zehen lb., die peen wirt erhayscht gantz. Dasselb ist, ob die peen zuegeworfen wirt dem (geding oder) werk, wie also: ich verhays dir zu machen ein sulch haus bey sulcher (zugewurfen) peen [wan die peen] zugewurfen [der] gestalt vnd werk, wie gros das haus wirt oder die peen wirt, so wirts gar erfordert. [Seite: 483]

[Cap.3.15]

Cap. XV. Die gestalten der gedinge.

Aber der gedingen sein zwo gestalt, etliche in das guet, etliche in die person. In das guet sein, das ich das, welches ich gemaynicklichen ding, nit begere. … Aber in dem ersten brauch nit von dem, welches wirt das geding, mag begert werden, nit von den erben des, noch der, welcher gedingt, noch sein erben mügen das begeren. In dem andern als das personlich geding zu den andern nit gehort auch nit zu dem erben. Ob aber zu der person geding sei warlicher aus notturftikait dan aus dem gemuet, ist zu schatzen. Wan oft ein person dem geding wirt eingeschriben [Seite: 484] (oder vermerkt), nit das das geding personlich sei, sunder das es erzaygt werde, sintemal das geding gemacht ist.

[Cap.3.16]

Cap. XVI. Von den vnnutzlichen gedingen.

Die tailung der gedingen als oben sein zwo, etliche sein nutzlich, etliche vnnutzlich. Die nutzliche sein beklaydte geding vnd die sein zu halten. Die vnnutzlichen geding sein vil: Zum ersten aus wrsach der person, als ob dingt ein töbiger, welcher weder ausdrucklich noch stilliglich mag setzen, aber auch nit ein ee machen, sunder auch sich nit verbinden zu einem gaystlichen orden, wan er wais nit was er thuet. Ob er aber hot erleuchte vnderbind, so ist es ein anders. Und dasselbig [Seite: 485] ist in einem jungen waysen, welcher nit ist habheftig arglists, mag nit dingen on seiner pfleger gewaltsamkait. Dasselb ist in einem vnnutzlichen guet verzerer, in einem vngehorenden vnd stummen … in dem man vnd in dem weib, welche … nit mugen vbergeben. Dasselb ist auch zwyschen dem vater vnd des suns, wan sie werden geacht fuer ein person. Dasselb ist auch zwyschen dem herrn vnd leybeygen khnecht. Auch sein vnnutzliche geding aus wrsach der gueter, als ob einer dingt gueter, welche nit sein in der natur der gueter noch gewesen sein noch werden vnd welche in gewerb nit kommen, auch nit haylige gueter noch gaystliche, auch nit ein freyer mensch. Item das geding eines schneden guets oder vnmuglichs von recht oder von geschicht kain [Seite: 486] verbindung zuebringt. Es ist ein vnnutz geding in (besundern) guetern die gaystlich sein zu geben oder zu verleyhen, in verboten guetern vnd in guetern, welche sein wider der seel hayl. Und merk das alles geding, welches nit sich naygt wider das hayl der seel auch nit zu schaden eines andern, das ist albeg zw halten, wan nichst bessers gegen got vnd gegen der welt dan das gerecht verhaysen behalten. Das geding vnd das verhaysen sein nahet eins in allen dingen, aber vnderschidlich allein in dem, wan das geding ist zwayer oder mer wille, in dasselb zu thuen oder zu machen, aber die verhaysung ist ein gelubd annemung eins eynigen, nit allein mit dem willen sunder auch mit rede. Item das geding geschicht in … mancherlay massen geenden vor [Seite: 487] dem willen, die verhaysung beschicht aus schlechter frag vnd antwort, als … gesagt ist.

[Cap.3.17]

Cap. XVII. Von der vertragung.

Oben ist gehandelt von den gedingen in gemain, nun ist zu sehen in sunderhait von den vertragungen, sein etliche geding. Darvmb sol wir sehen, was sei vertragung (gnant transaccio) vnd wannen sie gnant werd, welcher müg vertragen, in welchen dingen aufhort die vertragung, was sei die kraft der vertragung. Von dem ersten transaccio ist von einem zweyfelhaftigen ding vnd vngewissen krieg vnd noch nit vollendt nit vmbsunstliche gedingung. Und ich sprich von einem ding, als von kegenwurtiger vnd zuekunftiger zeit. Ich [Seite: 488] hab gesagt zweyfelhaftige, als gerecht oder vngerecht. Ich hab gesagt von vngewissem krieg, das ist ob der klager glaub sich haben ein gerechte sache oder ein vngerechte. Ich hab gesprochen noch nit volendt, wan ob (gericht) wer gewesen (oder) gewrtailt, so het nit mügen appellirt werden noch von dem wrtail gezweyfelt; und ob dan geschech vertragung, so wirt die nichtig. Wan ob der antwurter bekent sich schuldig zu sein zehen lb. vnd vmb die sein verwrtailt vnd sagt dem klager: ob du wilt funf lb., so wil dir sie geben von stund an, so ist dan die vertragung nichtig sunder ausrichtung der klag. Ich hab gesprochen nit vmb sunstliche, wan die vertragung, so nichst wirt geben oder gehaysen oder innengehalten, nit fuergeet (oder taugt). [Seite: 489] Es wirt aber gnant transaccio als von der klag recessio. Wan es mugen vertragen die herrn der gueter oder der klagen pfleger vnd procuratores habend gemain vnd besunder gewalt. Es mag vertragen werden in allen burgerlich vnd peinlichen sachen. Aber in dem peinlichen mag entzwyschen kommen vertragung in den dingen, welche (warlich) auflegen die peen des bluts, aber doch aus dem einfelt der verklager in ein schnoden vnleumbt. Ober der antwurter nit, wan wiewol einem jedlichen … sein bluet erkaufen, welchem die sund ist nach gelassen. Aber in peinlichen sachen, welche die peen des bluets nit aufleget, mag vertragung nit beschehen sunder eine sunstliche gedingung [Seite: 490] oder nachlassung. Doch das vehelt in dem eebruch nach alten rechten. In autentico, das ist in dem newen recht, das wirt gesehen gestraft vnd allermayst in dem eeman. Aber warlicher ist, das nit vertragen wirt in dem eebruch (ich hab gesprochen) vmb vngewissen krieg vnd zweyfelhaftigem dinge, sunder einer dem andern wirt versuent vnd wirt nit gegangen zu vergiessung des bluets. Ob aber geben ist gelt, vertragt der antwurter mit dem klager, so ist die vertragung nichtig, wan der antwurter wirt gehabt fuer einen bekanten. Aber des vehelt in missetat eines falschen. (Unde) [Seite: 491] Die ding sein war nach den gesatzen. Aber nach den gaystlichen rechten kain missetat [auflegt] die peen des bluts. In den narungen wirt nit vertragen on gewaltsamkait des richters. Item in fragungen, welche in einem gescheft verjehen werden, wirt nit vertragen, nur angesehen vnd erkant sein worden die wörter des geschefts. Item es aufhort die vertragung in dem rechten der vnderwerfung. Die vnderwerfung ist ein gaystliche sache vnd darvmb, so etwas geben oder verhaysen ist, mag nit nachgelassen werden, wan die sol vmbsunst geschehen. Item [Seite: 492] in gaystlichn sachen wirt nit vertragen, wan doch in denen mag geschehen ein freuntliche veraynung, das gegeben werd ein gaystlichs vmb ein gaystlichs, als geschicht in verwechselung (der pfruende) oder allein es komme entzwyschen die gewaltsamkait des obern vmb gueten fried. Du solt merken in kurtz das etliche ding sein, in welchen weder veraynung noch schickung noch vertragung statt hot, als der man so er seine hausfrau verlest vnd ein ander darvoer nymbt oder das er gehorsam thue in einem kloster, dieweil er gueter habe, [oder] als ein vnderwurfner dieweil die vnderwerfung gewerend ist, dem obern nit gehorsam beweyse. Die kraft der vertragung ist, das alle instrument zu der sachen gehorend, vber welche vertragen [Seite: 493] ist vnd was anders ist, das hilfe den parteyen het mügen tragen, wirt leer vnd allen rechten aufhort. Und allein die vertragung vest vnd ewige sterke behabe, nur der klager in der vertragung were betrogen wurden, den so geburt im die einred böses lists.

[Cap.3.18]

Cap. XVIII. Von der verbindung der brief.

Vnd zum ersten der brief, was das sei, wie sie geschech, welche kraft sulcher verbindung, welche klagen aus ir entspringen. Von dem ersten ist verbindung der brief, wen einer durch sein brief mit glaubhaftigen sigillen vnd genugsamen zeugen sich gesterkt bekent offenlich sullen, was darin begriffen ist. Wen vor zeiten worden mit loblichkait [Seite: 494] ein geschrift die verbindungen, das noch in grosen sachen geschicht durch glaubhaftige briefe oder durch offene instrument. Wan so gros ist die kraft der verbindung, das der widersprochen nit mag werden, nur in dreyen vellen, als im leyhen, gelihnen vnd (gegebnen oder) dem heuretguet.

[Cap.3.19]

Cap. XIX. Die verbindung durch den willen.

Aus willen wirt gehandelt die verbindung in funf massen, mit kaufung verkaufung, verleyung besteung vnd verwechseln der gueter, mit geselschaft vnd gewalt. Von welchen allen ist besunderlich zu sagen. Und zum ersten von der kaufung: welcher mas vnd wie [Seite: 495] da gehandelt wirt, von welchen guetern, [wie] die geschech, welche sei ire natur, warzu schuldig sei der kaufer vnd warzu der verkaufer, wielang das verkauft guet sulle geregiert werden. Es wirt gehandelt die verkaufung bald, wen von dem lon gedingt wurden ist in der maynung, das der lon bezalt werde vnd das verkauft guet eingeben werde, wiewol vnderweylen der lon oder das gelt noch nit ist bezalt, noch der heftpfennig geben, noch das guet verkauft … Das saltu versteen von der kaufung vnd verkaufung on geschrift. In denen aber, welche in geschrift verbrocht werden, wirt nit vorgesetzt die kaufung oder verkaufung, denn der brief der kaufung [Seite: 496] vnd verkaufung sei geschriben wurden vnd verbrocht vnd verzeychnet mit den sigeln vnd den zeugen gesterkt vnd den parteyen gegeben oder mit offner weysung bestetiget. Und wielang eynichs der ding gebroch hot, so hot statt der rew. Und mag der kaufer vnd verkaufer on peen dauon steen von dem handl, nur etwas merklichs, als der halb tail des lons, des heftpfennings namen sein gegeben wurden. Aber mit sulchen heftpfennigen gegeben, ob geschrift oder nit geschriben wirt verbrocht die verkaufung, ob der kaufer verhindert den handl zu erfullen, so verleurt er das er doran hot geben. Ob aber der verkaufer verhindert, den zwyfeltigen, welchs der kaufer hot gegeben, widergeben schuldig ist [Seite: 497] vnd … das kainer der handlenden dem andern zu dem interesse schuldig sei, wan in statt des interesse ist genugsam die heftpfennigen verlierung oder ein zwyfeltige widergebung. Hie saltu merken das nach gewonhayt vnser statt welcher sulcher handel der kaufung vnd verkaufung hindersich geet, den nött der richter zu stethaldung bey peen eines lb. lauflicher muntz darvmb, das der heftpfennig ist klain vnd wenig hie wirt geben, als ein pfenig. Verkauft oder gekauft mag werden alles das, das hot kaufmanschaft. Wan es sein etliche ding, die in kaufmanschaft nit kommen, als ein heyligs guet, ein gaystlichs vnd ein freyer mensch. Doch ein heyligs vnd ein gaystlichs guet geend in der verkaufung mit dem gantzen guet (das [Seite: 498] verkauft wirt), wan das gantz guet in nit gaystlichen dingen begriffen ist. Wan verkauft werden sullen die vahel gueter in rechtem gewicht, in gerechter zal, in gerechter maß vnd gerechtem lon. Welcher anders thuen wirt, der sol aus der ordnung gestraft werden. Die verkaufung vnd kaufung beschicht zwyschen den anwesenden vnd abwesenden, durch einen boten, durch brief oder durch sendbrief, lauterlich oder mit vnderschaid, mit dem heftpfennig oder on den heftpfennig. Gebung des heftpfennigs ist ein zaychen eines gemachten kaufs, aber nit eines verbrochten, wan warvmb die kaufung hot er nit verbrocht nur des bezelten gelts vnd gebung (des gebens heftphennig) vnd des verkauften guets eingebung. Darumb hab ich gesprochen des gelts, wen [Seite: 499] kain kauf mag gesein on gelt. Ich hab gesprochen gewyslich, wan ob zwyschen etlichen were geredt, also als wie vil .A. oder .B. das guet werden schetzen, so vil sei es kauft, die kaufung ist vngewis, wen es mag beschehen, das ein sulcher das lon nit erkante, wan villeicht welt er nit oder er storbe. Ich hab gesprochen gezeltes gelts, wan ob ein grunt vmb ein grunt, ein gewis guet vmb ein gewys guet (oder ein bestymbts), den so wurd es gnant ein verwechselunge, nit ein kauf noch verkaufung. Ich hab gesprochen lauterlich, das ist schlechtlich vnd gerehen on alle einrede. Ich hab gesagt eyntweders mit vnderschayd, als ob dir mein roß hot gefallen nach versuchung, den so sol es dein sein vmb zehen gulden. Ob nit, so ist nit. Die natur eines kaufs, das das guet, welches verkauft wirt, [Seite: 500] sei einer besundern gestalt vnd das lon sei gewyß in gezeltem gelt. Darumb einer besundern gestalt, wen ein anders nit mocht erkant werden, welches guet were verkauft. Ich hab gesagt ein bestymbts gelt, wan etlich haben also sich veraynt: das guet sei dir gekauft, wievil das .N. wirt schetzen. Und ist vngewysser kauf, als oben. Auch sol sein das gelt gezelt, wan im geben ein guet vmb ein guet, das wirt ein wechsel oder ein vertauschung, ja welche eins andern besundern handl ist. Ein ander ist natur eins kaufs, also ein kaufung volkomlichen ist volbrocht, so ist bald der gewyn, der nutz vnd der schade zwgehörend dem kauf. Wan es ist gerecht, das der welches ist der nutz, das des auch sei der schade. Und die ding [Seite: 501] alle sein war, ob die verkaufung geschicht schlechtlich, on geschrift, einer bestymten gestalt, also das kain geding entzwyschen komme vnd das es sei ein guet, welches gekost, gewicht, mass, zal vnd bewerung oder in cernicion nit bedurf vnd das der verkaufer nit sei in der schuld, in verzug oder in bösem list. Und du solt merken das der schad der offnung gehort zu dem verkaufer. Es ist aber der gueter öffnung, wen alle gueter eyniches vmb schuld offenlich weden verkauft oder durch sein malefitz. Ich hab gesagt slechtlich, wan ob vnderschaid[lich] were die verkaufung, den so vor der zukunft der vnderschaid aller schad zu[gehort] dem verkaufer. Item ich hab gesagt on geschriften, wan ob die verkaufung geschee in geschriften, den so wurd der schad des guts gehoren zu dem verkaufer, [Seite: 502] eemal die geschrift wurd verbracht. Item ich hab gesprochen einer bestymten gestalt, wan ob der kauf geschicht vnder einer enderung der gueter der gestalten, den so wais nit der kaufend, was er hat kauft, vnd der schade gehort zu dem verkaufer. Item ich hab gesprochen, das kain geding entzwyschen komme, wan die geding brechen das gesatz. Item ich hab gesprochen, das es sei ein guet, welches der kostung nit bedarf, als wein, meth, wan vor der kostung zugehort der schade dem verkaufer. Also auch mit der wegung, als gold vnd silber, pfeffer. Also auch mit messung, als tuech, wepf vnd der gleich … Also auch mit der zelung, das alle muntz, gulden, groschen, pfennige, haller… Item ich hab gesagt cernicion, der webung, der wulle … seiden … Item ich hab gesprochen [Seite: 503] bewerung, als die roß, ochsen, meuler etc. Der aller schaden gehört zu dem verkaufer vor irer bewerung. Ich hab gesprochen aus schuld, wan ob der schade aus schuld des verkaufers geschech, so were das sein schuld. Item ich hab gesprochen die verweylung, wan ob der verkaufend vnzeitlichen das guet angibt, so wirt ein schad sein. Ich hab gesprochen aus bösem list, welcher kainen so[ll] hulflich sein, darvmb der schad des guets kumbt wider zu dem böslistigen. Es werden aber gnant schaden der gueter brunstung, schiffbrechung, velle, vervallung der hewser, gues, grosgues, vmbwerfung der baume durch die wind, belaidung der tier, der tier tod, böserung, erstörung. Ist schuldig der verkaufer [Seite: 504] … frey, leer, vnd ledig on alle verhindrung einzugeben. Wan ob das … ansprechen wirt der verkaufer , so ist schuldig der verkaufer dem kaufer sein interesse, das ist zu dem schaden. Aber der kaufer ist schuldig das lon in gezeltem gelt zu geben, ob er das nit thuen wirt bald so geschehen ist der kauf, wirt er schuldig dem verkaufer sein interesse. In einer summen ist zuwissen: ob ein einer vnder zwanzig jaren betrogen wirt in dem handel einer kaufung oder verkaufung, vnderweyle haft nit der handel von recht, vnderweyle haft er vom recht, aber er wirt zerbrochen aus [Seite: 505] gemayner hulf, vnderweyle wirt klag zu betrigen im gelt, vnderweylen wirt dem zu jungen zu hulf kommen vmb verdienung des guets. Darvmb ist zu vnderschaiden, dan wen arglist gibt ein wrsach dem handel oder wen ich listiglichen dich vnderricht hab, das du mir verkaufest die ding, die du sunst nit wurdest verkaufen, do haft nit der handl. Ob aber arglist velt in den handl als darvmb, wan du warest verkaufen werden, aber durch ein bessere verkaufung vnd ich hab dich vnderricht, das du mir verkaufest vmb ein mynder gelt, wen es sunst wert ist gewesen, gewyslich der handl haft, aber es wirt klagt zu dem betrigen. Wo aber nit gibt argerlist wrsach dem handl noch argerlist velt in den handl [noch] hab ich dich in dem lon betrogen, wiewol du in dem guet bist betrogen, [Seite: 506] in dem gelt so magstu zu nichte klagen, nur das gelt vnder dem halben tail gerechts lons bestee. Wan den so behabt, das gesagt wirt, das do einem jungern den zwanzig jar behulfen werde vmb die zal des guets. Und die ding haben statt in den hendln guets glaubens. Wan in den hendeln gestrengs rechtes, auch ob argerlist gibt wrsach dem handl, ob er betrogen wirt wider den klagenden. Und du solt merken das … die schaffenden sunder durch ein mitler haft der handel. Darvmb in einem jedlichen handl wirt erhayscht gueter glauben, auch ob nit haft der handl, dennoch wirt erhayscht gueter glauben. Auch saltu merken so das guet verkauft ist vnd kauft, klagt albeg der kaufer von der kaufung, welchs doch vehelt [Seite: 507] in etlichen vellen. Zum ersten ob der kaufer vmb das verkauft guet angelangt nit hot verkundt dem verkaufer. Zum andern ob er selbs bey dem ortail ist gewesen. Zum dritten ob durch vnrecht wider in ist gesprochen wurden ein wrtail. Zum vierden ob er vnzeytlichen etwas hot verkundt aber nache bey dem wrtail, ob er hot mugen verkunden. Zum funften ob der kaufer hot ein hindergang than vnd hot widerwertig wrtail gebrocht. Zum sechsten ob er aus seiner schuld also die besytzung hot verlorn. Zum sibenden ob er das guet gehebt hot fuer verlassen. Zum achten ob der kaufer sein gekauften khnecht hot frey gesagt. Zum newnden ob er ein kaufte diern hot entert. Zum zehendn ob der kaufer das gekauft guet an sich hot genommen in brauch. [Seite: 508] Zum aylften ob der [ver]kaufer abwesend ist gewesen, ist der kaufer verwrtailt, hot nit appellirt. Und gemayniklich aus jedlicher maß [der kaufer] das gekauft guet on verkundung des verkaufers hot verlorn, da wirt der schade sein. Aber wielang sulle der verkaufer das verkauft guet regiren, ist gesehen oben im titel von den geweren vnd brauchnemenden, darvmb fuergee ich das alhie.

[Cap.3.20]

Cap. XX. Von verwechselunge der gueter.

Was sei verwechselung, wie die gemacht werde, welche sei ire natur, welche gueter mugen verwechselt werden, mit welchen ein kirch muge verwechselt werden, welche klagen entsteen aus verwechslung. Von dem ersten verwechslung [Seite: 509] ist eins guets vmb ein anders gebung. Es wirt gemacht ein wechsel, wen zwyschen etlichen wirt veraynt, das ein bestymbte gestalt geben werde fuer ein bestymbte. Wan ob ein bestymbte geben wurde fuer ein vnbestymbte, so wer es ein vngenenter handl. Es wirt aber also gehandelt: als ich gib, das du gebest. Aber es ist die natur einer verwechslung, das nit allein aus geding, sunder der gueter entzwyschenkommen werd gemacht, als in der kaufung, wo ein guet vnd ein lon sullen sein, wen ein kaufung gehandelt wirt. Doch vnderweylen auch on guet wirt gemacht ein kauf, als in dem vorgenanten gesatz ‚Nec empcio‘. Aber es mugent verwechselt werden die gueter, die verkauft mugen werden. Doch ist zu [Seite: 510] wissen, das etliche ding sein, welche verkauft nit mugen werden, als die kirch. Wie aber geschicht das: die kirchen, die sein vmb sunst zu verleyen, der handl aber der verwechslung geschicht nit vmb sunst, sunder es wirt geben [guet] vmb guet? Ich sprich, verwechslung in gaystlichen sachen geschicht nit aus gedinge der parteyen, sunder gewaltsamkait des obern. Allein wan so vil, das getragen wirt, in des obern freyen willen wirt bekert, welcher aus seinem freyen willen von den gaystlichen guetern verwechslet zu werden ordnet in beweglichen vnd vnbeweglichen guetern, wan die gueter sein nit eygen der menschen, sunder des eynigen gotes. Darvmb so mag ein kirch mit einer andern kirchen verwechselt werden. Auch die kirch mag mit dem fuersten verwechslen. [Seite: 511] Auch mit einem besundern [mag] verwechslen, doch wen die nutzbarkait der kirchen das erhaist. Doch mag nit ein gaystliche person vmb ein weltliche verwechselt werden, auch nit herwidervmb mag sie geben werden vmb ain layen. Wan welches dienet gote, das ist gote geweicht, das sol fuerbas zu menschlichem brauch nit verkert werd[en]. Es wirt gefragt, ob in den verwechselten guetern gemacht werde ein kaufung vnd verkaufung. Ich sag nayn, wen die verwechslung geschicht albeg mit dem entzwyschenkommen der gueter. Aber die kaufung geschicht vnderweyle an guet. Du solt merken das aus eyniger bedingung der verwechslung vmb kain guet hin vnd herwider nachgeuolgt wirt nit erstan ein klage. [Seite: 512] Sunder aus eingebung des guets oder aus geding wirt klag gegeben aus widerwertigem guet darnach geuolgt; aber nit bald gebuert die klag, als wir gesagt haben im leyen. Also sprechen wir auch in der geselschaft, in ainem pflegambt, in einem hewretguet; da erstet klag aus dem handl, aber nit bald gebuert sie, nur aus geselschaft oder pfleg zu jungst volendt oder die ee erledigt, ob aber auf einen tail ist das guet nachgeuolgt, von dem andern nit. Vnd ob das geding nit ist beklaydt, so erstet kain klag. Es ist zu wissen von der verwechslung, das ich mein beweglich guet aus meinem aygen gewalt mag verwechseln, wan ich desselbigen herr byn. Aber das vnbeweglich guet mus man verwechseln von wissen vnd willen des grundherren, zu dem es gehört. [Seite: 513]

[Cap.3.21]

Cap. XXI. Von der verleyung vnd besteung.

Was sei ein hinleyung vnd ein besteung (zu latein gnent locacio vnd conduccio), welcher werd gnant der (locator verstee der) hinleyer, welcher (conductor verstee) der besteer, wie sie gemacht werden, welche gueter mügen verlihen werden, welche klagen werden entspringen aus locato vnd conducto, von welchen wrsachen muge der locator den inwoner austreyben … aus welchen wrsachen muge der conductor das haus verlassen, so der locator vnwillig ist, von der zeit der locacion eines guets, von der zeit der bezalung des zins oder lones von dem verlihen guet. Darvmb zum ersten locacio ist ein verleyung einer person beschehen zum brauch des guets vmb ein zyns oder gelt gezelt zu werden … [Seite: 514] Gedinger (locator) wirt genent der, welcher ein guet vmb ein bestymbten lon (oder bestymbt gelt) eynichem zu brauchen verleicht (oder sein guet einem andern brauchen verhengt vmb veraynten lon), als wen ich leich mein haus zu inwonen, so bin ich der locator, du der conductor. Es wirt gehandelt locacio vnd conduccio in den massen, aus welchen gemacht wirt kaufen vnd verkaufen, von welchen oben gesehen ist. Vnd darvmb, wan in der obern rubrik sein gesagt von den willen, von den guetern vnd von dem lon, die ding soltu versteen hie wider geefert. Mögen verlihen werden alle ding, die verkauft mügen werden, wan die sein gleich die verleyung vnd die verkaufung vnd die besteung, wen kainer der hendl ist sunstlich vnd vmb sunst gegeben, [Seite: 515] wen alweg kombt entzwyschen das gelt vnd der lon darvmb beschiden. Aber aus dem handl werden geborn zwo klag, als die klag vmb verleyung, die klag aus der besteung. Aus der klag aus dem verleyen kombt zum ersten der zins zue bezalen, von dem gedingt ist. Zum andern des verlihen guets ergerung. Zum dritten des verlihen guets vnerbere inwonung. In die klag aus verleyung des verhaysen haltung, besserung des haus. Vnd mag geschehen die verleyung auf ein zeit, als auf ein jar oder ewiglich oder auf ein zeit des lebens des besteers. Vnd inner der zeit der besteung, so der besteer stirbt, so nacherbt sein erbe. Aber von der zeit der bezalung des zyns vnd lons sein vnderschaidlich. [Seite: 516] Die gesatz wellen, das im anfang, wen (conduccio, das ist) die besteung ist beschehn, dan so wirt bald schuldig der conductor von dem lon. Die ander recht wellen, das im mittel, als gesagt wirt von dem sold, welchen gibt der schatzkamrer. Die andern recht wellen, das am end, wen warvmb der lon allermayst am end geben wirt. Doch schatz ich, die gewonhait vnd den sitten des lands von den dingen sei zu halden vnd wie gedingt ist; aber in etlichen landen wirt bezalt der gantze lon in vier zeiten des jars, in etlichen in zwayen, in etlichen am end des jars wirt der zyns gantz gegeben. Auch in etlichen enden der locator pfend durch sich selbs den inwoner vmb den zyns des [Seite: 517] haus, in etlichen klag der vmb den vor dem richter. Ein andre gewonhait, ob der verleyer besorgt den inwoner, den so pfend er in durch sich selbs, ob aber nit, so mus er klagen vmb den zyns. [Der locator] oder herre des haus mag sein inwoner austreyben von funf vrsach wegen. Zum ersten ob der verleyer in der zeit der verleyung hab gehebt zway heuser vnd in welchem er wonet ist verdorben vom fewr vnd vom infall. Zum andern ob das haus verlihen notturftig ist zu bessern durch eynichem vall, welcher von newen ist kommen vnd in zeit der verleyung ist nit notturftig gewesen das haus. Zum dritten ob der verleyer ist mit grosen schulden vnd geburden des schatzkamrers von newen beschwert. Zum vierden ob der besteer vnerlich lebt oder vnersamlichen [Seite: 518] in dem haus wonet. Zum funften wen der inwoner in zwayen jarn nit bezalt hot; der fiscal mag [aber] bald den inwoner austreyben, so nit bezalt ist der zyns. Vnd du solt merken das in den ersten dreyen vellen der zyns abgezogen wirt fuer anzal der zeit, in den andern nit. Herwidervmb der inwoner mag den herrn des haus vnwilligen das haus verlassen. Zum ersten ob der herr des haus nit stet halt dem besteer, das er im verhaysen hot. Zum andern ob notturftig ist das haus zu bessern vnd nit bessert. Zum dritten ob von den anlangungen vnd vnrechten seiner nachpern in nit beschutzt. Zum vierden ob das haus bauvellig dreuet den vall. Zum funften ob es von brunst des fewers aus des herrn schuld (verbrunnen vnd) verzert ist. [Seite: 519] Und du solt merken ob der besteer nie ist eingangen in das haus oder ob er ist eingangen vnd on wrsach ausgangen, den so mus noch den zins bezalen gentzlich, nur des haus herr het sich von seinem haus vnderstanden vnd ein andern darein gesetzt, den so ist er im in nichte schuldig der selbige besteer. Es wirt gefragt, ob sei die locacion oder conduccion, ob einer geben hot einem schneider ein tuech zu machen ein klayd oder gold vnd silber dem goldschmid zu machen ein sigill oder fingerrink, so kain gelt bald ist gesetzt wurden, aber darnach wirt er so vil geben, souil gewont ist zu geben. Ich sag, das ist nit locacio noch conduccio aygentlich, aber in dem namen [Seite: 520] mit worten wirt geben die klag, als oben gefragt ist. Ob so die gueter verwechselt sein, werd gemacht ein kauf, also wan gewont ist gefragt zu werden von der locacion vnd conduccion: ob dir einer ein guet hot gegeben gebraucht zu werden oder zu nyessen … hot eingenommen, gleicherweis als ob einer ein ochsen oder stier hot vnd sein nachper einen vnd hot in bayden gevallen, das sie die ochsen miteinander essen liessen zehen tag, das sie ein besunder werk machten vnd bey dem andern ist verdorben der ochs, da wirt gefragt, ob das sei locacio oder conduccio. Ich sag, das der kains ist, (aber ich sprich) das es ist ein besunder geschlecht nit locati, wen das ist kain lon entzwyschenkommen, auch nit comodati (das ist leyen). Wan es [Seite: 521] ist nit gratuiten (verstee vmbsunst), darvmb ist zu klagen aus der klag, gnant … scriptis verbis. Vnd ob der ochs ist gestorben on schuld des dem gelihen ist, den so ist der schade des leyenden, sunst nit. Item ob ainer hot eingegeben ein besunder ligent guet zu nyessen, wielang er den zyns oder die rent im daruon wirt geben, da wirt gefragt, ob es sey ein kauf oder verleyung oder besteung. Ich sprich, das nit ist ein kauf noch verleyung noch entlenung, sunder es ist ein ander handel, der gnant wirt emphiteosis, von welchem bald hernach wirt gesagt. Es ist kain kauf, wan der annemer des ligenden guets vnd des erb mugen das nit verendern, doch die herrschaft des guets wirt nit verwendt in den annemenden als in den kaufen. [Seite: 522] Es ist auch nit locacio, wan das verlihen guet mag nit verendert werden, als hie geschicht. Es ist auch nit comodatum, wen es ist gesetzt vmb ein zyns, aber comodatum wirt vmbsunst verlihen. Welcher aber vmb ein brauch der klaider oder brauch des silbers vnd des viechs (als ochsen vnd dergleich), etwas hot gegeben oder verhaysen, von dem ein sulche huet wirt erhayscht, welche allervleisiglichst ein hausvater seinen guetern beweist; die im hett bewysen vnd in eynichem vall das guet verloren hot, zu widergeben in der maß schuldig ist.

[Cap.3.22]

Cap. XXII. Von dem erblehen gnant emphiteosi vnd seinem rechten.

Emphiteosis grekisch ist, ein besserung lateynisch, wan etwan [Seite: 523] vor zeiten nur vnfruchtbare gueter warden verlihen den andern, das sie fruchtbar wurden, aber yetzund die fruchtbarn vnd vnfruchtbarn werden verlihen aus pretorischem rechten. Vnd die wider das recht soll geschehen durch geschrift vnd geschehen ewiglichen oder auf ein zeit oder fuer ein person oder fuer vil. Die gult ist zu erfodern von dem besytzenden, nit von dem verkaufenden oder von dem absteenden (oder gesturben). Dye emphiteotisch guet durch den besteer mag verkauft werden vnd von seinen erben vorbehalten das recht des gruntherrn, wan emphiteota hot den brauch vnd die frucht des guets, aber der herre allein die aygenschaft vnd den zyns. Wan der herr besitzt ephiteosim burgerlich, das [Seite: 524] ist im mut, emphiteo[ta] besytz naturlich, das ist mit dem leib. Vnd du solt merken das die besytzungen sulcher ligender gueter in etlichen landen alle jar werden verneurt; in etlichen zway jar oder dreu jar, in etlichen nymmer. Vnd ob einer den zyns zway jar nit bezalt, so wirt er vertriben vnd verleurt sein gantz recht. Dasselbig recht ist, ob die gueter verterben oder werden verendert oder einer nit recht bawet.

[Cap.]

Cap. XXIII.
VON DER GESELSCHAFT.

Wie wirt ein geselschaft gemacht, von welchen guetern sie werde, wielang sie bleibt, wen sie aufgelöst werde, welche klagen aus einer geselschaft entspringen. [Seite: 525] Von dem ersten ein geselschaft ist zwayer oder mer veraynung ersamlich gemacht zum gewin weyter vnd nutzgebrauch. Es wirt aber gemacht die geselschaft zwyschen zwayen oder mer, welche alle ir gueter oder ein tail irer gueter miteinander zusamen legen gleichen gewyn oder schaden zu nemen werden. Doch soltu merken das oft beschicht, das ein gesell nymbt zwen tail des gewyns vnd der ander den dritten; vnd der gleich von dem schaden. Auch beschicht, das einer in dem gewyn, aber in dem schaden kaine darvmb, das er sein leib vnd leben im wegzyhen darlegt, aber der ander nit. Auch geschicht in der geselschaft, das einer legt das gelt, aber der ander die arbet vnd die mühe, vnd darvmb nemen sie gleichen gewyn. Vnd das billich, wan oft die arbet ist köstlicher [Seite: 526] vnd nutzlicher den das gelt, als kund ist in den weysen vnd gewbten kaufleuten. Die geselschaft geschicht in allen dingen, welche verkauft vnd gekauft mugen werden, als im wein, öl, korn vnd in allen kaufmanschaften. ##Aber es bleybt die geselschaft so lang, wie lang in einem syn die gesellen werden bleyben. Aber die geselschaft wirt aufgelöst, wen ainer sich verzeycht der geselschaft on gevarde, gleicherweis ob einer weste im zuzekommen (oder begegnen) ein grosen gewin vnd darvmb verzeycht er sich der geselschaft, das er es gar … habe, so erfunden ist die warhait sulcher gevarde, so wirt er schuldig zu gemainen den gantzen gewyn mit seinen gesellen. Zum andern wirt geselschaft aufgelöst in dem tod des gesellen darvmb, wen einer [Seite: 527] ein geselschaft handelt, so erwelt er im ein bestymbte person. Zum dritten in dem tod eins gesellen, auch mit dem willen irer vil were gemacht, nur anders were in der geselschaft gedingt wurden. Zum vierden ob ein sun ist in das gewerb gesetzt. Zum funften aus offnung eines gesellen (in eines gesellen gueter), als wen alle seine gueter verkauft werden, wan si[n]tmal an sein statt ein ander kombt, so wirt er fuer ein gesturbner gehabt. Zum sechsten, ob durch offnung oder besunder schulden die gueter des gesellen werden verkauft. Zum sibenden ob einer aus den gesellen [durch] schulden gar vast beschwert steet von seinen guetern. Der gesell mag fuernemen seinen gesellen (oder beklagen), ob er etwas hot begangen oder was [Seite: 528] aus seiner schuld ist beschehen, als aus trakhait oder saumnes. Doch [schuld] nit [zu] allergrösten [vleis] ist zu schicken, sunder es ist genueg ein sulchen vleis in allen guetern beweysen den gesellen, welchen er in seinen guetern beweyse. Wan welcher ein gesellen ein wenig liebhabenden im zuenymbt, der sol im selbs den schaden haben.

[Cap.3.24]

Cap. XXIV. Von dem gewalt oder beuelhich.

Was sei gewalt, in wievil massen er gehandelt werde, welcher gewalt gehalten nit sull werden, das kainer sulle vbergeen die end seines gewalts, wievil maß der gewalt aufgelöst wirt, von entpfaung des gewalts, wievil sein gestalt des gewalts, durch welche wort gemacht werde der gewalt. [Seite: 529] Von dem ersten der gewalt ist ein vmbsunstlich ambt (oder ein dankbars) von den, welcher das hot angenommen zu tragen vnd zu verbrengen. Der gewalt wirt gmacht in funf massen. Zum ersten von wegen des gewaltentpfaenden, das ist des, welcher entpfangen hot den gewalt. Zum andern von wegen des gewaltgebenden. Zum dritten von wegen ir bayder, das ist des gebitenden, auch des, dem beuolhen wirt. Zum vierden von wegen des andern allain. Zum funften des beuelenden vnd von wegen des andern. Von wegen des dem beuolhen wirt geschicht, gleicherweis ob einer dir gewalt gibt, das du dein gelt eer in kaufung zwsamen setzest, dan du einem vergüntest oder herwidervmb. Vnd aus dem beuelhich entspringt kain klage, wan es ist ein rath vnd nit ein [Seite: 530] gebot … wirt er verbunden. Wan ein jedlicher sol durch sich erforschen, ob sulcher rath im gebüre oder nit vnd nach dem thuen. Von wegen des gebenden allein geschicht ein beuelhich gleicherweis, ob einer dir beuilhicht, das du seinen handl tragest, als das du im einen grunt kaufest oder fuer in gegen dem gelter gelobest seiner gueter aus seinem schaden. Von wegen ir bayder geschicht beuelhich, das du kaufest oder auch leyhest mir vnd dir das oder das [oder] gelobest fuer vns bayde. Von wegen des andern allein geschicht beuelhich, als ob dir einer beuilhicht, das du im vnd .N. einen grunt kaufest vnd fuer sie bayd gelobest. [Seite: 531] Der beuelhich, der ist wider die gueten sitten, ist nit verbundenlich, auch ob er mit dem ayd oder einer peen sei bestett, als ob einer dir beuilhicht, das du ein diebstal oder ein todschlag oder ein vnrecht (begangest oder) einem thuest. Aus dem beuelhich entspringt kain klage. Der welcher verstreckt den beuelhich, sol nit vbertreten die end des gewalts, sunst wirt er nit haben die klage wider den beuelhenden. Als ich bit dich, das du mir den grund kaufest oder fuer mich gelobest vmb zwanzig vnd du kaufest oder gelobest fuer dreysig. Aus dem wirstu nit mügen eyniche klage wider mich haben, wan nit vmb mer dan vmb zwanzig zu kaufen vnd geloben hab ich [nit] beuolhen. Der gewalt wirt aufgelöst recht gehandelt, ob er noch, so die sach gantz ist, wirt widerrueft. Auch [Seite: 532] wirt der aufgelost, ob so noch ganz ist der gewalt der tod des andern, das ist des gewaltgebenden vnd des gewaltentpfaenden, entzwyschenkumbt wissentlich. Ob aber so der gewaltgeber gestorben ist dir vnwissent hostu verstreckt den gewalt, die vnwissenhait entschuldigt dich nit, das du dennoch schuldig bist zu bezalen, das du kauft host oder das du gelihen host. Wen von strengem rechten wirt kainer erledigt von den schulden, nur er bezal denen, welchen er schuldig ist zu bezalen. Es wirt gegeben dem gewalthaber die klag wider die erben des gewaltgebenden. Das ist gleich dem, ob einer hot ein diener, welchem er sein schuldner wider begert zu werden vnd die schuld von inen zenemen hot beuolhen vnd ob vnwissentlich den schuldnern hot den von im geschiden, derselb darnach begert [Seite: 533] vnd entpfecht die schuld von den schuldnern, gewyslich werden nit erledigt die schuldner, wan sie nit bezalt haben, welchem sie schuldig sein gewest zu bezalen. Doch wirt geben den schuldnern die nutzbarlich klag wider den gelter, wen warvmb er hot den schuldnern des dieners abzihung suld verkundt haben oder die bezalung oder suld die bezalung der schuldner verboten haben gehebt. Einen gewalt nit aufzunemen ist einen jedlichen frey, aber den aufgenommen gewalt zu volbrengen oder zu erst, so beldest es geschehen mag, zu verzeygen, das der gewaltgeber durch sich selbs oder durch einen andern sein guet verzeychne. Wan ob also nit ist geschehen, so wirt stathaben die klag, gnant mandati, wider den gewaltnemenden. [Seite: 534] Ein gewalt mag geschehen schlechtlich oder auf ein tag oder mit vnderschid. Aber ein gewalt sol sein vmb sunst gemacht..; dan ob er vmb einen lon gesetzt wirt, den so wirt es verstanden ein leyung oder ein bestellung. Ob an lon einer entpfecht oder annymbt ein gewalt, den geburt die klag mandati oder depositi gehandelt werden, (verstee des gewalts oder eins erlegten guets). Darvmb ob einer hot geben einem schneider klaider zu machen, so kain lon gesetzt oder verhayschen ist, dem geburt die klag mandati. Aber es wirt gehandelt ein gewalt durch die wort: Ich bitt, ich beuilch, ich rathe, ich gebeut. [Seite: 535]

[Cap.3.25]

Cap. XXV. Von den verbindungen nahet aus einem handl

soltu merken das einer verbunden wirt aus nahet einem handel in funf massen. Zum ersten der tragend ein gewerb eines andern on gewalt, gleicherweis wen einer eins habenden ein handel tregt on wissen des. Aus dem ersteet die klag, die gnant wirt negociorum gestorum, vnd dem herren des getragen guets geburt die gerehen klag wider den, welcher hot getrogen. Aber die klag negociorum gestorum gebuert die handlung oder klag contractlich, welche klagen von kainem handel geborn werden ist offenbar, darvmb aus nahet einem handel. Aber der, welches [Seite: 536] gewerb getragen ist nutzbarlich, auch vnwissend wirt schuldig dem zu kostung vnd scheden, welcher das gewerb hot getragen; also herwidervmb, welcher ein gewerb hot getragen, ist schuldig das er der verwesung raytung thue dem herren, doch mit allemhochstem vleis geschehen zu sein das gewerbe. Zum andern ein pfleger ist schuldig dem jungen waysen zu der raytung der pflege. Doch soltu sagen derwider, das der ways schuldig ist dem pfleger, ob er etwas ausgeben hot auf das guet des waysen oder ob er fuer in schuldig ist wurden oder ob er sein guet seinem gelter fuer in hot versetzt. Vnd so kain handl zwyschen in bayden ist beschehen, darvmb ist ein jedlicher dem andern schuldig aus nahet einen handl. [Seite: 537] Zum dritten ob zwyschen etlichen were gemains guet on geselschaft, gleicherweis als ob inen miteinander ein guet were verschafft oder vbergeben vnd ir einer dem andern nit achtete … mit dem gericht oder das einer allein die frucht aus dem guet einnem oder in dasselbig guet notturftige kostung machte, die haben vndereinander nichst gehandelt vnd die missetat aus dem malefitz ist hie nit beschehen, darvmb aus nahet oder contract wirt gesehen zu sein. Desselben rechtes von den, welcher dem erben familie herciscundo ist verbunden. Zum vierden der erb in namen des verschaffers nit aygentlich aus einem handl wirt verbunden, wan weder mit dem erben noch mit dem gestorben eynichs gewerb der verschaffung mag getragen gehebt haben gesagt werden, [Seite: 538] wan aber nit aus malefitz wirt verbunden, darvmb sagen wirt … aus nahet einem handl. Doch wen einer durch irrung bezalt ein nit schuld, der wirt gesehen schuldig sein aus nahet einem handl. Doch nit aus einem handel, sunder eher aus einem mishandl wirt er schuldig. Wan welcher gelt in mut zu bezaln gibt, an dem gibt, das gewerb erbrochen werde eher den gemacht. Vnd darvmb der, welcher einnymbt, wirt dem schuldig, als ob er im das gelihen heb. Vnd darvmb wirt er im schuldig aus der klag (gnant) condicticia.

[Cap.3.26]

Cap. XXVI. Von den bezalungen.

Wan aus bezalung des, welchs man schuldig, wirt aufhebt alle schuld, darvmb nach dem tractat von den verbindung nachuolgt [Seite: 539] von der bezalung. Darvmb ist zu sehen .., was sei bezalung, wievil ire gestalt, welcher bezalen müge vnd welchem. Von dem ersten die bezalung ist des, welchen man schuldig ist, widergebung oder also: die bezalung ist ein erledigung von den schulden. Es sein zwo gestalt der bezalung, ein naturliche, die … burgerlich. Die naturliche vnd ware beschicht durch widergebung des, … man schuldig ist. Die burgerlich bezalung beschicht in viel massen, als durch acceptilacion (verstee ein verbilliche zalung), durch verneuung, durch beuelhung einem andern, durch vergleichung, durch nacherbung, durch verbindung, durch ordnung, durch verkundung, durch entpfaung der frucht, durch geding vom nit begeren. Zum ersten durch die … bezalung [Seite: 540] der wörter (gnant acceptilacio). Wan das gehandelt ist mit worten, das wirt aufgelöst mit worten. Durch verneuung, das ist durch verborgschaft oder vnderschaid oder wen durch einen andern weg die schuld aufgehebt werd. Durch beuelhung oder darerbietung des ayds wirt aufgehebt die schuld, als durch einen boten. Durch vergleichung, als wen ein anders wirt geben fuer ein anders, als ich schuldig bin wein vnd gib dir korn. Durch nacherbung, als wenn ein gelter nacherbt den schuldner oder herwidervmb. Durch ein ander verbindung wirt aufgehebt die erst. Durch ordnung, als wen ich … dir schuldig bin, erleg bey einem. [Seite: 541] Durch die verzeychung wirt aufgehebt die schuld (oder verbindung), als wen durch meiner frucht einnemung von meinen guetern die schuld wirt genommen, wirt aufgehebt die verbindung. Es sol vnd ist schuldig zu bezalen der haubtsacher vnd sein erb… es mag zalen ein ausserer fuer einen schuldner, auch vnwissenden dem schuldner vnd auch vnwilligen, vnd noch dem wirt erlost. De[m ist zu] bezalen, welchem man schuldig ist, sunst wirt der schuldner nit erledigt. Alle verbindungen, welche mit willen werden gehandelt, die werden erledigt mit widerwertigen dingen, als .A. kauft ein weingerten vom .B. vmb zehen gulden, so das guet nit nachuolgt ist, noch eingegeben noch das gelt bezalt. Hot inen bayden geuallen, das [Seite: 542] sie steen von den kauf vnd also werden sie gegeneinander erlediget. Dasselb ist des rechtens in allen hendeln, welche mit willen werden gemacht, als verleyung vnd besteung.. Wan nichst ist dem rechten naturlicher mer zymlicher, dan das in der maß bezalt werde, in der ainer verbunden wirt, ob mit worten .., ob mit guetern … et cetera. Vnd die ding gnug sein von der verwilligung vnd von bezalung.

[Cap.3.27]

Cap. XXVII. Von dem contract verstee einem handel.

Wan aber oben meldung geschehen ist von dem handl, darvmb ist yetz zu sehen, was sei contractus, wievil sein gestalt. Ein contract ist eygentlichen, wo williglich hin vnd herwidervmb [Seite: 543] erstat ein verbindung, als in kaufung vnd verkaufung, verleyung vnd besteung. Wan der verkaufer ist schuldig dem kaufenden zu geben das guet vnd der kaufer ist schuldig dem verkaufer zum gelt zu bezalen. Der contract wirt vneygentlich genent, wo allein von einem tail ersteet ein verbindung, als kunt ist in gelihnem vnd erlegtem guet. Aber ein contract ist mer vnaygentlich, wo von kainem tail ersteet die verbindung, sunder erledigung, als kunt ist in einer vertragung, da geschicht einer verbindung entzihung oder auflösung einer verbindung. Aber es sein drey gestalt der contract. Etliche werden benant, als kaufung vnd verkaufung, verleyung vnd besteung. Welche darvmb werden gesprochen benant, [Seite: 544] wan kain der vocabel (oder namen) dem andern ire bedeutung geben mag. Wan emcio oder kaufung nit mag genent werden (oder gesagt werden) locacio noch herwidervmb, vnd also von den andern hendeln. Die andern hendel werden genent vmbenant, als ich gib – das [du] gibst, ich thu – das [du] thuest, ich gib – das du machest, ich mach – das du gibst. Von dem ersten ein exempel in vertauschung. Von dem andern ein exempel in ainer verhayschung. Von dem dritten ein exempel in der vbergebung. Von dem vierden ein exempel in der zymmerung. Vnd werden genent vnbenant contract, wan ire namen sein also .., das sie auch allen contracten mügen dargelihen werden. Darvmb ich gib, das du gebest, das gelihen wirt der kaufung vnd verkaufung, wan der [Seite: 545] verkaufer gibt das guet, der kaufer das gelt. Dergleich der verleyher verleycht den brauch des guets vnd der besteer gibt den zyns et cetera. Die hendl mer werden gesagt vnbenant geding vnd das darvmb, wan die geding mügen dargeligen werden den benanten.. gedingen. Wen ein ding ist ein also gemain nam, welcher allen hendeln wirt gelihen werden. Vnd du solt merken das in der rubrica von der zal der person erzaygt ist, welche mügen machen ein handel vnd welche nit. Darvmb das nit ist notturftig dauon auszulegen.

[Cap.3.28]

Cap. XXVIII. Von den verbindungen.

Oben ist gesehen von der verbindung aus einem handel oder [Seite: 546] nahet bey einem handel. Nun ist verhanden zu sagen von den verbindungen aus malefitz oder nahet aus malefitz. Und zum ersten soltu merken das die verbindungen alle aus malefitz eins grads sein, wan sie alle aus boshaftigen dingen geborn werden, als aus diebstal, raub, vnrecht, schaden etc. Von welchen allen durch ordnung ist zu sagen vnd zum ersten von der diebstal.

[Cap.3.29]

Cap. XXIX.

Was sei diebstal vnd wannen die gnent, wievil sein geschlecht oder gestalt des diebstelers, warvmb einer gnant werde ein dieb aus der statt, wo diebstal nit gschicht, welche diebstal begangen wirt aus brauchung eines fremden [Seite: 547] guets, das diebstal begangen wirt aus gelihem dinge, mer das begangen wirt beuolhem dinge, das begangen wirt aus gehays oder erlaubnus, das etliche schuldig werden einer diebstal vnd werden gestraft vnd welche durch sich diebstal nit haben gethan, das etliche diebstal haben begangen vnd aus wrsach einer diebstal nit werden gestraft, in welchen gueter diebstal geschech, welche klagen ensteen aus einer diebstal, welchem geburet die klag einer diebstal, wider welchen die gebur, in welchen massen wirt geklagt wider einen dieb, das einer seines guts ein diebstal mag thuen, welche sei ein peen zw stelen. Von dem ersten ein diebstal ist ein vntreuliche brauchung wider willen des (guts) herren eines frembden guets beweglichs oder [Seite: 548] bleyblichs, welchs beschicht in mut zu gewynnen oder von wegen eins guets oder einer besytzung. Ich hab gesagt contrectacio, das ist ein hinthuung oder ein abnemung, es geschech von hinschickung, hintreybung oder abnemung oder reytung, wan on die ding diebstal nicht geschicht, wiewol der wille oder das wort oder geschrift entzwyschen kombt, wan allein die betrachtung diebstal zu thuen macht nit diebstal, auch nit das wort, nit die geschrift, nur etlichs geschichtes hernachuolgung oder ein wrkund. Ich hab gesagt ein vntreuliche, wan ob einer aus eynicher irrung gefuert sein guet schatzend ist vnd des rechtens vnwissender in dem mut hinnymbt, der begeet nit den diebstal. Es wirt gefragt, ob dem herrn des guets gezyme, sein gut durch gewalt hintragen von einem [Seite: 549] jedlichen besytzer. Ich sage mit dem gerichte, der ist nit schuldig der diebstal. Ich hab gesagt wider willen des herrn, als ob er glaubt hab den herren das werden zugeben vnd ist dabey ein gerechte wrsach zw glauben, villeicht darvmb das er ist ein bruder oder geborner freund oder ein guter gesell, der wirt nit schuldig aus wrsach einer diebstal. Ich hab gesagt fremdes guets, wen vmb des guets, welches schlechtlich mein ist, thu ich kein diebstal. Ein anders ist, ob ein ander das guet hot bey mir oder ob ein ander in meinem guet recht hot, als ein gelter oder ein kaufer guetes glaubens, gewislich in den dingen thue ich ein diebstal vnd bin schuldig aus klag einer diebstal, aber doch ist das guet nit diebstellig. Ich hab gesprochen beweglich, [Seite: 550] wen das vnbeweglich guet mag nit hingetragen werden vmb seine vnbeweglikait. Und leyblichs, wan das vnleyblich mag nit gegriffen noch vmbzogen werden. Ich hab gesagt in mut zu gewynnen, als ob einer hot ein huern geraubt vnd verschweigt aus wrsach der vnkeusch, der begeet nit ein diebstal, wen er nit mut hot die zu behalten. Ich hab gesprochen von wegen eins guets, als wider gerechtikait des ingehalten … guets. Ich hab gesprochen von wegen der besytzung, als durch gewalt oder heymlich besessen, die all sein schuldig einer diebstal vnd sullen gestraft werden. Ich hab gesprochen des brauchs, als zu schaden. Wan es mocht der gelter ein pfand brauchen vnd zu tragen ein klaid ein kurtze [Seite: 551] zeit, das es die schaden nit erstörten. Welches ist dasselbe von dem erlegten guet, welches einer brauchen mocht on allen schaden vnd geverde. Es wirt aber gnent furtum a furno nigro uel obscuro vel opaco darvmb, das es haymlich vnd finsterlich vnd oft bey der nacht geschicht oder von dem lateynischen wort fraude oder hintragen werden, welche ding in diebstal albeg beschehen. Der diebstellen sein zwo gestalte, als ein offenbare vnd nit offenbare. Die offenbare diebstal ist ein diebstal, an der der dieb begriffen wirt, eemal er kumbt an sein beschidne statt. Das nit offenbare ist ein diebstal, doran nit begriffen wirt der dieb, aber das selb guet ist dieblich. Das offenbare … wirt gnent in [Seite: 552] vierlay maß: Zum ersten wen der dieb begriffen wirt mit dem gestolen guet, er hab das in der hand oder auf dem rucken. Zum andern wen er begriffen wirt an der stat, ..ein diebstal geschehen ist, als in meiner kamer oder rosstal … diebstal zu thuen vnd nit zu der thuer ausgangen wirt begriffen. Dasselb ist auch in dem weinwachsen der trauben vnd ölgarten der ölbaum oder baumgarten oder in einer wies hot diebstal gethan vnd daselben begriffen ist wurden. Zum driten ist der dieb ein offenbarer, wie lang er das verstolen guet inhelt vnd begriffen wirt an einer offnen oder besunder statt, von dem herrn des guets oder von einem andern, ee das er kombt an die statt, in welche er das verstolen guet tragen vnd erlegen hot erwelt. Zum vierden ist ein [Seite: 553] offner dieb, welcher wen er gejagt, an einer jdlicher stat das sein wirt vnd die diebstal von im wirft, den so sol die diebstal im gelegt werden auf sein hals vnd dem richter geantwurt werden. Auch saltu merken das einer ist ein haymlicher dieb in vier massen, zum ersten in welches haus ein diebstal gefunden ist, eyngenommen oder abgetragen oder verboten vnd nit herfuer gezaigt (die erfunden diebstal). Conceptum … wirt genant, wen bey einem verstolen guet ist gesucht vnd nit erfunden, als zeugen gegenwurtig waren, wiewol er das gut allein nit hot genommen. Die abgetragen diebstal wirt gesagt, wen das verstolen guet ist einem genommen vnd zuegelegt wurden, das es eher bey im gefunden werd den bey dem diebe. [Seite: 554] Die verboten diebstal wirt genant, wen einer verstolen guet suechen wellende bey einem andern, so zeugen gegenwurtig sein, so wirt er nit verhengt zu suchen, sunder er verbeut. Nit herfuer gezaigte diebstale ist, wen einer verstolen guet bey einem gesucht vnd nit gefunden er fuerzaigen vnd gesehen zu werden versagt. Es ist offenbar, das alle die, welche verstolen guet annemen, verschweygen, behalten, kaufen, verkaufen, sein heymliche diebe. Wan diebstal nit allein begangen wirt aus abnemung frembdes guets wider willen des herren, … gleicherweis ein gelter, ob der braucht verpfendt guet, oder der, bey welchem das guet erlegt ist, oder der, welcher das guet zu brauchen entpfangen hot vnd in ein andern brauch das verwendt [Seite: 555] hot, dan von welchs wegen es in ist verlihen. Gleicherweis ob einer silberine vaß hot entlehnet, als ein freunt zu seinem brauch geladen werden vnd er die lang zeit nit widergebend verkauft oder versetzt oder vbergibt einem andern vnd verendert, der hot den diebstal begangen. Das ist auch, ob einer ein roß aus wrsach zu spaciren in ein stat hot gelihen oder vbergeben vnd in einen wagen oder in ein pflug hot gesetzt oder das roß einem andern zu arbayten hot gelihen oder vbergeben, der begeet ein diebstal. Wan die gestalt einer diebstal ist von fremden guet geben oder ein fremd guet verkaufen, verbunden werden oder hinleyen. Aus dem ob ein khnecht eines andern herrn wider willen des herrn oder vnwyssend dem herrn ein roß oder ein ander guet hot eynichem gelihen, der begeet ein [Seite: 556] diebstal, nur er wysse den herren das verhengen werden vnd wider seinen willen [nit] zu sein. Ob aber einer wirt geen in seines nachbern haus oder eines freunds vnd nymbt das roß oder ein ander guet nit in muet zu stelen, glaubende das zu sein von dem willen des, welches das guet ist, der begeet nit den diebstal, wan der begeet nit diebstal nur in mut zu stelen. Wan der wille vnderschaidet das malefiz. Welcher vom offen guet oder vom guet im auf sein treu beuolhen etwas hinnymbt oder in seinen brauch bekert oder einem andern vbergibt oder leicht, verkauft oder verbindt, der ist der allerschnodest … darvmb, das er sein treu bricht mit den im beuolhen. Und herwidervmb ist der zu strafen mit zwifeltiger peen, als gesehen wirt an seiner.., [Seite: 557] wan er thuet ein diebstal vnd bricht sein treu. Item welche ein guet finden vnd nit widergeben erfordert vmb das, sein der diebstal schuldig, wiewol sie diebstal nit haben gethan, doch werden sie nit mit peen ener diebstal gestraft, sunder sie werden bezwungen wider zu geben. Aber die richter einer diebstal des guets sein schuldig, oder mitwissen oder verhengen diebstal zu geschehen oder erlaubnus geben vnd welche die dieb nit vahent vnd vber sie nit richten vnd welche die schuldigen vmb gelt hinlassen oder welche die dieb verschweigen, wan alle die sein gesellen der diebe. Item es wern schuldig aus klag einer diebstal alle die, welche die … beherberigen vnd welche diebstalen [Seite: 558] wissentlich behalten, welche wissentlich kaufen oder verkaufen gestolen guet vnd welche mit einem diebe in der diebstal haben ein tail, wan die thuenden vnd die vergunnenden werden mit gleicher peen gestraft (vnd gepeyniget). Underweile wirt der diebstal schuldig vnd wirt gestraft, welcher durch sich selbs die diebstal nit hot gethan, als der, welcher rath, hulf vnd stewer hot geben zu thuen ein diebstal. Der rath … welcher rath setzt, vnderricht oder antreybt einen zu stelen. Doch ist der ratende nit schuldig der diebstal, nur die diebstal sei hernach geuolgt, wan ein rath ist zu bayden tailen, wen der mensch mag nachuolgen einem rath oder nit. Der thut hulf, welcher verleicht sein khnechte oder roß zu thuen diebstal. [Seite: 559] Hilf thuet der, welcher berait wergzeuch zu guetem dieblich zu nemen, als ob er ein laeter leycht zu steygen in die fenster der hewser oder eysenwergzeuch berait zu durchgraben die heuser oder zu brechen die mewr oder die thuern aufzwbrechen vnd welche beraitend falsch schlussel die schreine auf zu thuen, das sie messer … oder horn zu bürschen vnd dergleichen. Die alle seind haymlich diebe vnd sein schuldig. Vnd herwidervmb thuet einer ein diebstal, aber im geburt nit die klag, einer diebstal wirt auch nit gestraft, als ob das eeweib dem eeman, der haussun seinem vater, der khnecht seinem aygenherrn etwas enzeucht vnd stilt, warlich sie thuen auch diebstal [Seite: 560] vnd das guet veruelt in diebstalliche wrsach, doch so wirt nit geborn zwyschen den aus dem die klag einer diebstal noch in das geschicht auch nit in die peen des leybs vnd der gueter. Ob aber mit rath oder hulf eines andern ein sulche diebstal ist geschehen, derselbig wirt schuldig einer diebstal vnd wirt gestraft, wan on in were der diebstal nit geschehen. Dergleichen auch die kinder vnd die schwachen von alters wegen, die tobigen vnd naren naturlich werden nit gestraft am leibe vmb diebstal, sintemal sie nit haben beschaidenhait der vernunft vnd wissen nit was sie thuen. Ob aber ein haussun hot von ankommendem guet oder von seinem aygen oder von seiner arbet vnd dienst, von denen sol er genug thuen dem vater von der verbrochten diebstal vnd herwider [Seite: 561] der vater dem sun, der herr seinem khnechte. Das eeweib irem manne, die nit habend ist verwesung der gueter, sol irem man gnug thuen. Ob sie aber ist ein (kauferin vnd verkauferin als ein) kaufmanyn, den so wirt sie nit schuldig zu widergebung vnd gnugthuen den manne, wan also werden sie zu gleichen dingen gewrtailt. Dasselb wirt auch gesagt von den kinden vnd von abkomenden von iren kreften, ob sie etlichen thuen schaden … zu vergleichen … oder wider zu keren, sullen sie nit gestraft werden am leib oder in iren glidern. Aber es wirt entschuldigt der dieb von der peen einer diebstal, ob er vmb die letzte notturft, als hungers vnd kelde, stilt speis vnd klaider oder andere notturft in klainer (oder weniger) grös, wan in der letzten not sein alle ding gemain. [Seite: 562] Und ich sprich in klainer grös, als ein weintraub ,ein leycht guet, ein alten rock oder ein schwachen mantel, dergleich. Und das ist die wrsach, wan ob er heut stele einen rock, morgen einen mantel, nach morgen einen pelz oder ein kappen oder ein guets klaid, der were zu strafen. Wan die letzt not ist, on welche der mensch leben nit mag, als ist die narung vnd das beklaidung. Aber nit allein fremdes guets einer thuet ein diebstal, ja auch seines aygens guets mag einer thuen ein diebstal … Es geschicht aber diebstal eygens guets in beweglichem oder leyblich, als oben gesagt ist in der auslegung der diebstal. [Seite: 563] Und ich sprich in beweglichem guet durch haymliche vberlaufung oder vbergebung der schlos, der stette, der heuser durch vntreu, als leuterer hernach wirt offenbar. Und du salt merken das diebstal nit allein geschicht in guetern sunder auch in personen, gleicherweis ob er in einen freyen menschen hot erzogen vnd den hot verkauft, vbergeben oder kauft wyssentlich, der begeet ein diebstal vnd wirt gestraft aus klage einer diebstal.

[Cap.3.30]

Cap. XXX. Von den klagen einer diebstal.

Aus diebstal werden geboren dreu klagen, als ein peynliche, ein bürgerliche vnd ein vnderschidliche. Und von einer der klagen … zu der andern mag der klager nit kommen vnd ob der herre des [Seite: 564] verstolen guets klagt wider den dieb vmb das gestolen guet, den so mügen der scherer oder schneider oder schuester vmb das guet in beuolhen ledig werden vnd herwidervmb. Die klag einer diebstal geburt zum ersten vnd erstlichen dem herrn des guets vmb das gestolen guet. Zum andern so geburt sich dem kaufer oder commissarii oder leyher oder behalter erlegts guets guets glaubens. Wen warvmb der leut gerechtikait ist in beuolhen vnversert zu bleyben vnd zu behalten. Die klag einer diebstal geschicht wider den dieb, ob klagt wirt burgerlich, zu geltlicher peen, ob aber peynlich, den zu der gesetztlichen peen; ob aus vnderschid (oder condicion), den zu widergeben das gestolen guet. Darvmb so wirt in dreyen massen klagt wider den dieb, als burgerlich, [Seite: 565] gesatzlich vnd aus einer condicion. Die peen einer diebstal in peynlicher oder gesatzlicher klag ist nit albegen ertötung, sunder vnderweylen mit prugeln ausschlahen, schlahung mit gerten oder zu zen brennen oder zu orn abschneiden oder bezeichnung an der stirn mit einem gluenden eysen oder dergleichen nach freyem willen des richters vnd grose der diebstal, (grose) vnd welichkait. Die peen offenbarer diebstal in burgerlicher klag ist vierfeltig. Aber die peen haymlicher diebstal zwyfeltig. Die peen der diebstal, welche zu der gewyssen, ist schlechtlich. Doch ist schuldig der dieb in burgerlicher klag das verstolen guet nach der gewissen schlechtlich wider zu geben mit den fruchten [Seite: 566] daruon entpfangen vnd die hetten mugen entpfangen werden vnd ob er dasselbig guet het erger gemacht, wirt er schuldig zu erfüllung, ob er auch das guet het gebessert, so sol er nit begern ein vergleichung. Ob das gestolen guet ist verdorben, so wirt er das bezalen, als zu der zeit, in welcher es mer werd ist gewesen, wirt geschatzt. So ist es frey dem herren des guets oder einem andern vmb das gestolen guet zu klagen entweyders burgerlich oder peynlich oder mit vnderschaid. Auch die diebstel nit allein in grosen guetern begangen wirt sunder auch in den personen . Wan so haben die gestolen gueter mancherlay peen, als oben gesagt ist. Und ist zu merken das nit allein das, welches mit diebstal genommen ist, wirt vermerkt, sunder auch der will vnd [Seite: 567] die boshait des stelenden, als ob einer stilt ein sattel, vil lieber ob er gemügt het stele er das roß, vnd nach dem sol er verwrtailt werden. Es sol auch vermerkt werden im stelen zeit vnd stund, als die nacht vnd der tag vnd dergleich die statt, ob in einem geweichten oder vngeweichten statt und das gestolen guet sei hailig oder nit haylig. Es ist auch zu wissen, das diebstal mit eynigem gemut begangen in willen zu stelen wirt gestraft, wiewol das werk nit hernach uolgt. Und das nach den gegenwurfen vnd zaychen, als ob einer durchgrebt ein haus, das er stele, wiewol der schade nit hernach uolgt oder das werk, doch der böse wille wirt genommen fuer das werk in den zaychen. Dasselb in den brennern, welche in hamlikait tragen [Seite: 568] das feur vnd anzunden, vnd ergriffen werden gestraft. Dasselb auch in den wellenden rauben vnd vberlaufern der gueter. Dasselb welcher ein jungfrawen mit gewalt hot dernider wurfen wellend sie enteren. Dasselb ist auch des rechtens, ob einer die thuer eynichs hauses eins frummen mannes aufhengt, brend vnd besem anhengt, eschen, ein schwert oder ein bluetigs schwert. Dasselb in vil andern dergleich. Und kurtzlichen wo du finden wirst brauchung fremds guets [wider] den willen des herrn des guets, da albeg verstast ein begangen diebstal, es geschech (oder nit) aus der statt, aus dem brauch, aus dem gelihnen guet, aus dem gebot, aus dem erlegten, aus dem beuolhen, aus dem kauften, aus dem verkauften etc. Und ist zu wissen das die klage einer diebstal ist also vnleumbs [Seite: 569] voll, das wider die fursten noch der landspfleger des lands noch eynicher richter mag machen fuer recht, das dem verdamten oder verwrtailten aus klag einer diebstal nit nachuolge vnleumbt, wan sie mugen die schuld vnd die peen dem verdamten vmb ein diebstal nachlassen, den vnleumbden aus diebstal erwachsen nachlassen nit mugen in eynicher maß. Es ist aber ein zwyfeltich vnleumbd, als in gaystlichen vnd we[l]tlichen rechten vnd wirt gesagt die klage vervnleumbd als volles vnleumbs. Item etliche der diebstel bleyben in gemainen namen, etlich geent zu besundern namen, als ein diebstal eins geweichten guets, das gnent wirt ein kircherbrechung, vnd ein diebstal offens guets wirt gnent pecolatus; welche einen freyen menschen stölen, [Seite: 570] werden gnant plagiary; die das viech hintreiben oder die hert, die sein abigei, verstee viechrauber. Und merk das ein jedlich verstolen guet von kainem mag angenommen werden, eemal es in des herrn gewalt widerkomme. Zum letzten soltu merken als sein vil und mancherlay diebstel, also sein mancherlay peen der diebstel. Aber etliche dieb werden gestraft am leib allein, etlich in guetern allein, etlich an eren allein, etlich in den dingen allen, als offenbart wirt …

[Cap.3.31]

Cap. XXXI. Von den kirchbrechlern.

Was sei kirchbrechung, wievil maß es begangen werd, welche peen der sei. [Seite: 571] Kirchbrechung ist ein diebstal heyliger gueter. Kirchbrechung wirt begangen drifeltiglich: wan eyntweders einer stilt ein heylig guet von einem heyligen oder heylige gueter von einer kirchen; oder er stilt ein heyligs nit von einem hayligen, als heylige gueter von einem gemainen haus oder kammer; oder er stilt nit heyligs von heyligen, als mesbucher, kertzen vnd dergleichen von einer kirchen, dergleichen gueter der leyen geflöhnet oder zu behalten gegeben in einer kirchen, als korn vnd andre gueter. Die peen der ding, die stelen heylige gueter von hayligem, ist verbrennung. Dasselb ist auch von den aufbrechern vnd freuelern der kirchen in mut zu stelen, wiewol diebstal nit darnach volgt. Welche aber stelen nit haylige ding von hayligem, wie gar [Seite: 572] fast klaine, ist die peen henkung. Es sprechen etliche tirannen, das ein offner raub sei verhengt, er hab auch nit eyniche peen, das ist wider die rubrik, welche sagt, ob einer sein gut eynichen andern wurd leyen, der sol das mit aygen gewalt nit hinwegtragen von dem, das auch vmb den mynsten raub ein rauber sol gestraft werden.

[Cap.3.32]

Cap. XXXII. Von den raubern.

Was sei ein rauber, in welchen dingen geschech eyn raub, wie begangen werd ein raub, wievil maß geschech ein raub, welche und wievil klagen aus einem raub ersteen, welche peen der rauber. Von dem ersten ein rauber wirt gnant ein boser dieb, wan [Seite: 573] er merer belaydigt seinen nachsten, wen ein dieb darvmb, wan wider willen des herrn vnd vnderweilen vnwissend ein frembd guet durch eygen gewalt offenlich vnd on forcht raubt vnd hynnymbt, aber der dieb allein haymlich vnd mit groser forcht stilt. Ex beschicht aber ein raub in guetern vnd in personen. Doch aygentlich geschicht ein raub in guetern, aber raptus, (das ist geraubter), in den personen vnd voraus in den jungfrawen. Die missetat eines raubs wirt begangen in sechs maß, als offenlich, besunderlich (oder heymlich), mit waffen oder on waffen, besunderlich oder mit samlung, vnd nach dem sein mancherlay peen der rauber. Offenlich geschicht der, wan einer durch aygen gewalt on samlung frembde gueter hynnymbt vnd raubt, welche gueter, [Seite: 574] ob die sein heylig oder von einer heyligen statt geraubt, den so geschicht ein kirchebrechung. Besunderlich geschicht, wen einer haymlich raubt oder on samlung vnd der hayst vispilio, verstee ein rauber mit gewalt oder ein rauber. Ob geklagt wirt burgerlich vmb den raub, den der rauber mit waffen vnd samlung wirt in vierfeltung gestraft, ob er hot; ob er aber nit hot, so wirt er erhangen oder wirt gestraft in einer andern maß. Ob aber klagt wirt peynlich, den so wirt er vmb den offen gewalt geschicht in ein insel, vmb ein besunder (oder haymlich) freuel sol er von aller schickung seiner guter vnd machung des geschefts ausgeschlossen werden. [Seite: 575] Aus einen raub ersteen dreu klagen, das ist ein burgerliche, ein peynliche und ein vnderschidliche (gnant condicionalis), als oben gesagt ist von der diebstal, wan es wer ein gespotlich ding zu sein einer leychterer achtung, welcher mit aygen gewalt raubt dan welcher haymlich stilt. Darvmb ist die klag nutzberlich vnd kreftig, auch ob das allermynst guet geraubt wirt. Also auch die klag eines raubs durch aygen gewalt gebuerd auch, ob einer aus bosem list hot geraubt. Ob er aber aus irrung verfuert wirt oder vnwissend des rechtens schatzend ist das guet sein zu sein vnd hot das in dem mut geraubt, aus dem einem yeden herrn gezymbt, sein beweglich oder vnbeweglich guet hinfuern von einem yeden vnzymlichen [Seite: 576] besytzer, sulcher sol durch ein ortel des richters erledigt werden von recht von der klag (gnant) vi bonorum raptorum, welcher nit schuldig ist aus der klag einer diebstal, der in der maß raubt (oder hynnymbt). Sunder das nit die allerschnödisten rauber vnstreflich üben ir boshait, ist gesetzt ein gesatz, das nit verzym eynichem mit gewalt rauben ein beweglich guet oder sich bewegen[d], wievil er dasselbig guet sein zu sein schatzt vnd ob einer wider wirt thuen, der wirt der herrschaft seines guets mangeln, sunder auch das frembd geraubt guet oder seinen wert sol in zwyfalt genöt werden wider zu geben. Welchs wir nit allein in beweglichen guetern gehalten schatzen, sunder auch in den (herbringen oder) bleybungen vnd [Seite: 577] welche bestymbte vnbewegliche gueter sein, gebieten wir zu behalten. Und das darvmb geschicht, das aus der peen die menschen von allen raub abbroch haben. Wan der raub ist also widerwertig dem rechte, das ob einer sein guet einem andern leycht oder erlegen wirt oder verleycht oder zu pfand gibt, das er dasselb mit aygen gewalt von dem hynnemen nit mag noch sol in aynicher maß oder in aynicher ander maß …

[Cap.3.33]

Cap. XXXIII. Von dem raub der jungfrauen

macht die rubrik erstlich zway ding: Zum ersten erzaigt sie, in welchem ding der begangen wirt, zum andern setzt sie die peen der rauber. [Seite: 578] Der rauber eygentlich wirt gnant der jungfrawen vnd der raub geschicht zwyfeltiglich. In einer maß wen die tochter (eins tayls) von dem hause ires vaters gezogen vnd ausgefurt wirt, eyntweders der eygen gewalt wirt iren vater vnd muter oder der tochter bewysen. In der andern maß wen die tochter in dem hause oder ausserhalb des vaters hause entert vnd entbleumbt, es sei mit irem willen oder on willen es geschech, von einem aussern oder von einem innern die vnkeusch geschech, wie erstörung begangen wirt. Es beschicht auch raub der verheureten vnd der klosterfrawen vnd der diernen vnd der huern vnd auch der tochterlen vnder zwelf jarn. Du solt merken hie das die vnkeusch halt sich gegen einem jedlichen [Seite: 579] vnkeuschen werk, als das geschlecht zu seiner gestalt. Wan die vnkeusch hot vnder ir vil gestalt, welcher eine albeg ist schwerer dan die ander, darvmb so wirt einer ein schwererer peen leyden. Welcher gestalten sein: formacio, das ist vnkeusch, eebruch, enterung, raub, vnkeusch freunds mit eyner freundin vnd wider die natur. Von den penen aller der wirt besunderlich gehabt in dem nachuolgenden buech. …vnd sein gantzes guet der geraubten wirt gegeben zu vergleichen der freuel ir gescheen vnd aus dem [verleurt] sie nit ir eer, wan ir wille vnd verwilligung ist nie darbey gewesen. Und mit der selbigen hauptlichen peen werden gestraft al sein gesellen vnd mitgeend. [Seite: 580] Und merk das eine geraubte frau nit sol erwelen die geselschaft des raubers vor der zeit von dem gesatz gegeben, wan sie wurd der erbschaft veterlichs erbs beraubt, ob sie vor zeit von gesatz gesetzt wurd einen man nemen. Ob aber einer von meinem hause wurd erstörn meine tochter oder mein geborne freunde in meinem hause oder ob er sie fürte ausser dem hause, sie sey willig oder vnwillig, sol der gestraft (oder beraubt) an seinem haubte, vmb das er sein treu an seinem waren herrn hot gebrochen. Ob aber mein diener wirt entern mein diern in meinem haus, den sol er sie nemen zu einem eeweibe oder von der statt funf jar verboten werden vnd das geschicht [Seite: 581] darvmb, wan er hot das gantze haus gevnert.

[Cap.3.34]

Cap. XXXIV. Von den raubern.

Von den raubern, was sei ein rauber (gnant predo), wannen er gnant wirt, welche … peen. Predo aygentlich wirt genent, welcher die laufer vnd boten die weg geenden an offen strassen haymlich vnd auf legung ire gueter beraubt. Und wirt vnderweylen gnant ein soldner zu sein ein rauber, welcher in aygen seinen solden nit steet benugig, sunder die andern beraubt. Auch wirt gnant der rauber ein richter, welcher sein vnderthanen vnschuldig straf abernöt. Auch wirt gnant der rauber ein tirann, welcher von seinen vndertanen vngelt vnd hayschung vngewontlich abernöt. [Seite: 582] Die peen der ersten zwayer rauber ist henken, aber der letzten zwayer ist die peen der gantzen widergebung.

[Cap.3.35]

Cap. XXXV. Von den brennern.

Was sei ein brenner, wievil maß er wirt, welche peen der selbigen. Ein brenner ist der, welcher fremde heuser oder samen im felde oder korn oder getrayd oder baum williglich mit zuegelegtem feur anzundt aus rach oder aus haß. Es beschicht aber ein brand vierfeltiglich, eyntweders williklich oder ongevar, offenlich oder haymlich. Welcher williklich aus argem list mit zuegelegtem feur anzundt, der wirt mit dem feur verbrant. [Seite: 583] Ob aber vngevarlich von dem haus eines andern durch saumnus ist ein feuer aufgangen, aus welchem dem nachbern sein scheden geschehen, die, welchen vnwilliglichen das geschehen ist, sullen burgerlich vnd gnediglichen gewrtailt werden vnd meslich gestraft. Doch dem richter sein sie schuldig albeg in einem lb., ob das feur vber das dach ist erwachsen. Dasselb recht ist von den brennern vnd frevelern vnd aufbrechern der kirchen nach den gesatzen das sie verbrent werden, nach den gaystlichen rechten gebant vnd nymand mag sie erledigen den der Babst. Offenlich beschicht ein brunst, wen einer durch eygen gewalt oder mit besamlung verbrent die gueter der andern, als die mechtigen tirannen thun. Hay[m]lich, wen einer on [Seite: 584] samlung anzündt oder verbrent der andern gueter oder besytzungen, auch on wrsach.

[Cap.3.36]

Cap. XXXVI. Von dem wucher.

Vnd wan ein klains oder nichst entzwyschen ist vnder diebstal, raub vnd wucher des gesatzts halben der widergebung, darvmb sein fuerbas wenig zu sagen von dem wucher, wiewol von vnserm gericht nit ist. Und zum ersten was sei wucher, von welchem es gnant werde, in welchem handel beschech der wucher oder in welchen vellen verhengt werde ein wucher, wie die wuchrer oder ire erben genott werden zu widergebung des wuchers. Von dem ersten ist ein wucher was dozue geet dem haubtguet aus böser maynung vorgeend [oder] geding. [Seite: 585] Ich hab gesprochen dem haubtguet zu vermerken den contract mutuum (verstee den handel), in welchem allein [begangen] wirt der wucher. Wan aus verlihen guet, ob etwas geben wirt oder genomen, ist nit wucher sunder ein gewerb, welches dem verlihen guet zugeet. Es ist ein zwyfeltige vnderschaid zwyschen mutuum vnd locatum, (verstee dem gelihen vnd verlihen), wan im verlihen gut wirt nit verwendt die herrschaft, aber im leyen wirt sie verwendt. Auch wen der schad des verlihen guts gehort zu dem verleyer, aber der schad des leyens gehort zu dem schuldner vnd darvmb zymlich der lon von dem verlihen gut wirt gefodert vnd genommen, aber nit von dem wucher. Ich hab gesprochen aus böser maynung vorgeend, wen in hoffnung vnd aus erwartung des gewyns [Seite: 586] wirt begangen der wucher, sintmal aus wrsach zu verwandeln in den dingen erstlichen wirt gesetzt. Ob aber aus liebe vnd lust gescheh ein leyen, den so wirt es nit genant ein wucher, wiewol nachuoliklich etwas hoffnet vmb ein widerlegung. Wan villeicht naturlich der schuldner ist schuldig dem leyhenden zu einer widerlegung oder zu einem dienst zu thuen. Auch hab ich gesprochen on geding, wen warvmb ob vmbsunst vnd freylich der schuldner gibt etwas dem leyher, allermayst nach bezalter schuld, das fuert nit ein den wucher, wan kaine verbindung dem annemenden ein vermagligung der schuld eintregt, die nit aus erforderter begerung geet. Usura wirt gnant quasi usus eris, id est pecunie. (Ein wucher [Seite: 587] wirt gnant als ein brauch des gelts), wan in namen des gelts wirt begriffen alles, das die menschen haben. Darvmb der wucher wirt allein begangen in dem handel eines leyens, von welchem hie nachuoliklich gehandelt wirt. Aber das leyen wirt allein gehandelt in den guetern, welche besteen in zal, gewicht vnd maß, von welchen oben gesagt ist. Doch auch wirt es begangen in andern guetern dan in nu gesagten. Als ob ich dir leych gelt vnd du gehayst mir zu geben ein roß oder dergleichen, das wirt geschetzt ein wucher. Doch in siben vellen nach gaystlichen rechten werden zymlich begert die wucher. Zum ersten wen eynem leyen ein gaystliche pfriend geben wirt vnd ob der selbige ley vbel in helt, den so mag die kirch oder [Seite: 588] gaystliche person das in pfand nemen, wirt auch nit rayten die frucht in das haubtguet, das aufs mynst in der maß das gaystliche guet von der hand des layens wider erlöst werde. Der ander vall, wen der borge hot bezalt die schuld vnd die wucher am haubtguet, wan er hot geschworn, denn so fordert der borg zymlich von dem schuldner die wucher, die er fuer in hot bezalt. Aber kainer ist schuldig zu bezalen die wucher, nur welcher geschworn hot die zu geben, wan es ist besser wucher zu geben dan den ayd ze brechen. Der dritt vall, wen begert wirt der gaystliche wucher, das ist die peen von gaystlichem recht gesetzt, welche zymlich mag begert werden vber das haubtguet. Der vierde vall, wen begert wirt der wucher nit als ein wucher, sunder als ein interesse, [Seite: 589] das ist an stat des schadens zu vermeiden nit des gewyns zu nemen. Wan der schuldner thut verzug in bezalen, von welchem schaden kommen vnd s[ch]ulch schaden werden gnant interesse vnd nit wucher, als kuntbar ist in den hendeln guets glaubens, in welchen albeg die scheden zugelegt werden vnd werden zymlich genommen. Der funfte vall ist in sache einer verleyung eins guets, in welcher zymlich wirt etwas genommen vber das haubtguet, das ist vber die herrschaft des guets, das ist der lon, welcher nachgeet dem verlihen guet. Der sechste vall ist von wegen der vngewishait. Der sibende vall ist, wen besytzung der gueter von dem heyligen vnd gemainen guet vmb gezelt gelt zu pfand gesetzt sein, den so werden die frucht nit gerayt [Seite: 590] in das haubtguet, wan das hewretguet wirt darzu gesetzt, das die burden der ee … aufenthalten werden. Vnd darvmb wen [fur] das heuretberlich gelt das guet wirt verbunden, den als aus erbern gewyn des gelts die burden der ee werden aufenthalten (oder geliden), also auch aus den fruchten des ligenden guets, welche an statt des lons nacherben. Es sullen gezwungen werden die offnen wuchrer vnd auch ire erben zu widergebung der wuchrer nach gaystlichem recht, wan sie werden gebant vnd der fronleichnam Cristi wirt in nit gegeben werden vnd in dem freythof werden sie nit begraben. Nach den gesatzen werden sie genot widerzugeben, wan ob sie nit widergeben werden, das sie sullen, so wirt inen nit widergeben, das man in schuldig ist zu geben. [Seite: 591] Auch werden vervnleumbt vor recht vnd von erberkait, werden sie begraben in die wegschayd.

[Cap.3.37]

Cap. XXXVII. Von der missetat des falschen.

Oben ist gesehen im titel von missetat der wucher, mit welchem der gelter dem schuldner aufhebt seine gueter offenlich. Das ist da zu sagen von der missetat des falschen, wo der felscher haymlich nymbt die fremde gueter. Darvmb ist zu sehen, was sei ein falsch oder falschayt, wievil maß falsch begangen werde vnd wie die falschayt gestraft sol werden. Die falschayt ist ein verwandlung der warhayt vnd das die falschayt vnd falschmacher sich vleyssen verkern die ding, welche [Seite: 592] war sein vnd also die falschen ding den waren gleich werden gesehen. Ein falsch ist alles das, welches wider die warhayt ist, wan das falsch vnd das ware werden wider einander gesetzt. Das falsch wirt in vierlay maß begangen, als in geschrift, sage, geschicht vnd brauch. In geschrift wirt begangen, ob mit abtilgung des waren wirt geschriben das falsch oder in schreiben zu gegenwurtigen abwesend als gegenwurtig. Oder in schreiben, das etwas sei beschehen oder gemacht von einem gantzen rath, welchs doch allein geschicht von einem tayle. Item vber ein gelinirten brief zu legend oder eine abschrift anders schreybend dan sei in dem haubtbrief. Item ein falsch sigel machend (gnant adulterinum sigillum). Vnd du salt merken das etlich [Seite: 593] briefe werden gnant falsch, etlich falsch gemacht. Vnd die falschen brief werden gnant, welche durch fuergeben des falschen vnd vnderdruckung des waren erlangt werden. Die falschen brief sein, welche auch ob sie eyniche gleichnus der waren brief vermainen, doch so inhalten sie nichst der warhayt, auch nit ein warer sigel oder ein ware geschrift, als auch der ein falscher pfleger wirt gnant, welcher nit pfleger ist, als auch ein geschrift wirt gnant falsch, das nit ordenlich gemacht ist. Aber die gefelschten brief werden gnant, welche auch ob sie etwas der falschayt haben, als ein wares sigel, doch ist etwas darin verkert von dem anfang der warhayt, als die aygen namen der menschen vnd der stet oder etwas dergleich ist abgetilget vnd ander namen sein da geschriben. [Seite: 594] Darvmb der brief wirt genant falsch gemacht, ob er gewesen ist bezaychnet mit einem fremden sigel oder gezaychnet, doch ob einer, welcher den hot bezaychnet, het gehebt ein eygen sigil oder zeychen. Aber ich sprich ein falsch wirt begangen durch einen richter, welcher wider die gesatz vnd recht falsch spricht. Item durch einen zeugen, der wissenlichen falsch besteet vnd das ware vnderdruckt. Item durch den (aduocaten, verstee den) vorsprechen, der falsch constitution anzeucht. Item welcher leugt dem fursten oder dem richter etwas wider das recht erlangende…. Auch falsch begeet der lugenhaftige erlanger, welcher gentzlich sol mangeln der erlangten ding. Item welche die richter oder zeugen oder die aduocaten mit bet, lon verkeren. [Seite: 595] Aber mit dem werk begeet einer falsch, welcher die ware munz felscht $vnd falsche tucher beraet vnd die kaufmanschaft felscht. Item der redner, welcher [Seite: 596] die haymliche ding der sach offnet dem widersacher … oder die instrument verrat. Im brauch wirt begangen falsch, wen einer falsch brief braucht wissentlich. Doch wirt er entschuldigt von dem falsch, ob vnwissentlich er die gebraucht het vnd das wirt mügen weysen, wan falsch wirt nit begangen on argen list. Item welcher sich ausgibt fuer ein ritter vnd sich darfuer nent vnd vnzymliche zaychen gebraucht hot, der wirt gestraft als ein felscher. Item ein vngeweyhter, welcher verwest das ambt eines geweyhten vnd ein gescharne kron tregt, so er doch nit geweyht ist vnd als ein priester ein gotsgab hot. Item der begeet falsch, welcher ein [Seite: 597] pfleg oder gerhabschaft geendt, die nit widergibt, sunder sich vndersteend verwest. Die felscher werden gnant, welche mit dem mund guete ding reden vnd mit dem hertzen… Du solt merken das etlich werden gnant falsch, etlich felscher. Die falsch werden gnant die richter, zeugen, aduocaten, rathgeben vnd dergleich, von welchen oben gesagt ist. Die felscher sein die, welche ware muntz … sigel .., von welchen oben gesagt ist. Die peen des falschen nach den gesatzen vnderweylen ist [Seite: 598] absetzung, vnderweylen hinschickung in ein insel, vnderweylen öffnung aller seiner gueter, vnderweylen verfallung in die schatzkammer des fürsten, vnderweylen verbietung des lands, vnderweylen der tod oder die letzt pein, von welchen hernach wirt gesagt in der rubrik von den penen. Die peen des falschen nach gaystlichen rechten ist manigfeltig nach manigkfaltikayt der falschayt. Wie aber die instrument von der falschayt werden gnant argwenig (ist gesehen) oben in der rubrik (im titel) von der entziung der instrument.

[Cap.3.38]

Cap. XXXVIII. Von den loswerfenden
vnd warsagenden.

Ist … gesagt wurden von der missetat des falschen, wan aber [Seite: 599] die loswerfung vnd warsagung inen falschlich annemen vorsagen kunftige ding vnd von den gescheenden dingen, welche allein gott zugehört, erzaygen sich zu sein weyssagen, wen sie doch nit sein, darvmb wirt hie gesetzt die rubrik de sortilegiis et diunatoribus (verstee wie yetz am mittel oben gesagt ist). Darvmb ist zu sehen, was sei sors, was diuinacio, wie vil ire gestalt, welche warsagung verboten ist, welche verhengt, mit welcher peen gestraft werden die sortilegi vnd diuinatores. Von dem ersten sors, als hie genommen wirt, ist ein kunst von gotlicher warsagung vnd voran zu sagen kunftige ding. Die sortilegi werden gnent, $welche der [Seite: 600] geschrift oder der gluck ansehung kunftige ding vorsagen. Hie soltu merken si[n]tmal das vil (sortes oder) loß sein, doch verzymbt zu brauchen allein zwo, das ist der loßtaylung in zeytlichen dingen vnd villeicht aus gotlicher offenbarung in gaystlichen dingen, als in der erwelung des heyligen zwelfboten Mathie geschehen ist vnd in etlichen dergleichen. Diuinacio ist der vorerkennung kunftiger ding, welche divinacio eygentlich albeg in vbel wirt aufgenommen, als die propheceii in gueten. Vil gestalten sein der diuinacion, welche gezelt werden XXVI q.III, von welchen ich hie wenig wirt sagen. Ein jedliche diuinacion, in welcher maß die geschicht oder wie sie genent wirt, ist verboten [Seite: 601] vnd verdambt darvmb, das die menschlich natur annymbt irselbs, welchs ist ein eygen ding der gothayt. Sors ist fuer sich selbs nichst, sunder das ding, welchs ir nachuolgt, wirt bös gewrtailt. In kurz ist zu wissen, das alle warsagung, welche geschicht durch die teufel oder durch die gestirn, von kunftigen geschichten ist verboten. Ob aber von kunftigen dingen, welche herrueren aus wrsachen der natur, als aus bewegnus der sun vnd mon vnd der planeten vnd der stern oder aus einpressungen des lufts, die ist verhengt, vnd das einer vorsage truckne oder regen, vnfruchtbarkayt oder fruchtbarkait etc. Ja warlichen die arzte mügen sagen kunftige ding, als den tod oder gesunthayt oder krankhayt. [Seite: 602] Hie soltu merken das das gericht gluends eysen vnd sydens wassers vnd des kampfs nach gaystlichen rechten ist verboten vmb zway ding. Zum ersten wen da wirt got versucht. Zum andern wen da wirt von haymlichen dingen gewrtailt, welchs des eynigen gots eygenschaft ist. Aber nach den gesatzen die vnd ander vil ding werden verhengt, das die vneynikaiten entschaiden werden vnd frid vnd anhelliglich gesetzt werde. Die peen sortilegorum vnd diuinatorum durch die teufel ist verbrenung … mit dem fewr vnd mit iren buchern.

[Cap.3.39]

Cap. XXXIX. Vom manschlacht.

Bey dem artikel soltu merken: was sey homicidium (verstee ein manschlacht), wannen sie [Seite: 603] gnant werde, wie vil massen sie begangen werde, welche manschlechten sein on peen, welche mit der peen, durch welche geschech ein klag vmb ein manschlacht, welche sei die peen der manschlechtigen. Von dem ersten ein manschlacht ist ein todung des menschens von einem menschen beschehen oder von einem wilden tier, welche geschecht in dreyen (dingen oder menschen), als in einem freyen menschen, in einem leybeygen khnecht vnd in den tiern. Vnd von denen allen ist zu sagen nach ordnung. Aber es wirt gnant homicidium quasi hominis cedium, id est perempcio, als wen ein mensch leyblich wirt getödt. Aber homicidium wirt begangen zwyfeltiglich, mit dem wort vnd werk. Mit dem wort wirt es begangen [Seite: 604] in dreu maß, als mit gebot, rat vnd beschutzung. Mit gebot, als mit vngerechtem, als wen einer nit hot gewalt zu wrtailen. Mit rat, als mit einem bösen rat, wen das geschicht hernach uolgt, sunst nit. Mit beschutzung, als wen ein aduocat oder fuersprech beschutzt den antwurter in peynlicher sache vnd der verklager gebruch hat, wirt er schuldig zu der talion. Aber mit dem werk wirt begangen ein manschlacht in vier massen, als aus gerechtikait, notturftikait, val vnd will. Aus gerechtikait wirt begangen ein manschlacht, wen ein richter mit gerechtem gericht den verwrtailten töten lost als von dem diener des rechtes, nit aus haß der person, nit von lieb wegen des gewyns noch aus bet noch aus lon noch wollust auszugießen [Seite: 605] das menschlich bluet, sunder aus gehorsam vnd liebe der gerechtikait vnd das mit schmerzen seines herzen vnd mit rew. Aber aus vnvermeydenlicher notturftikait wirt nit begangen ein manschlacht, als wen einer tödt einen dieb oder einen schacher sich anlaufenden vnd mit gewalt in töten wellenden, nit aus neid oder argem list ,sunder das er sich vnd seine gueter erledig vnd beschutze von der verlirung, wan anderst hot er dem tode nit mügen entgeen. Ob aber die notturft vnvermeydlich ist gewesen, oder darvmb das er hot mügen on schaden entgeen oder darvmb das er hot mügen den veynd von im flihenden im nacheylend het getödt, dan so wirt er schuldig der manschlacht vnd wirt gestraft als ein manschlechtig. Aus einem val beschicht es zwyfeltiglich (vnd wirt begangen) [Seite: 606] eyntweders einer gibt arbayt einem zymlichen ding, gleicherweis wen einer sau oder ander vnvernunftige tier treibt von dem samen in seinen acker oder wen er schöcht die vögel von seinem stadel vnd schaut vmb sich vnd nymant sehend wirft mit einer schlingen einen stain an die statt, wo nyemant was gewonet die menschen wonen; und einer vngeuarlich in den wurf des stains laufend wirt geschlagen vnd also stirbt er. In den vnd dergleichen vellen ist vnschuldig, welcher aus wrsach den tod hot gethan. Wen aber vnzymlichem dinge arbet wirt geben, auch nit wirt bewysen fleis, welcher sol bewysen werden, was aus dem nachuolge, dem böses thuenden verargt wirt. Des ein exempel: ein schutz, welcher sich uobt in der kunst zu schiessen [Seite: 607] an einer statt darzu beschayden, ob da einer vngeuarlich hindurch geend wirt geschlagen oder geschossen, so wirt der schutz kain wrsach haben. Sunder herwidervmb er wirt schuldig der schuld, ob er schuß vnd belaydigt an einer statt dazu nit beschyden. Dasselb ist, ob ein schnaeter der holzer in einen bohom die abgeworfen hölzer ein mensch todt, ob er vor hot geruft vor dem vall des baums oder nastes vnd der mensch fuergeend hot sich nit besorgt zu verhueten, so ist der schnaeter oder holzhawer ausser aller schult, auch der schnaeter, ob er weyt von dem wege hot gehauen holz vnd wiewol er nit geruft hot, wan an der stat was kainen auswendigen der weg da zu wandeln. Dasselb ist, ob ein arzt einen wirt schneiden vnd vorlest sein haylung (oder versorgung) vnd derselb durch [Seite: 608] das ist gestorben, der wirt der schuld schuldig. Vnd ob ein vngelerter arzt die versorgung eynichs menschen an sich genommen hot vnd den böslich … geerzneyet vnd derselb ist durch das gestorben, der wirt auch schuldig der schuld. Item ob ein rostauscher ansehend die vngestumykait der roß hot nit mugen behalten oder durch krankhayt nit mag vnd vmb das wirt einer beschedigt, der wirt an dem tod schuldig. Aus willen beschicht ein manschlacht in zwayen massen, entweder aus fuersatz oder gehelung. Ob das geschicht aus fuersatz in vil massen: Zum ersten durch die gueter hingetragen zu werden vnde aufgehebt, als thuen die schacher, die kreftigen rauber vnd rauber vnd dergleichen; vnd [Seite: 609] ob einer töd vater vnd muter, bruder vnd schvester oder ander sein geborne freund, das er inen in iren guetern vnd in herrschaft nacherbe. $item ob einer tödt einen von kaufmanschaft wegen; oder ob einer ertödt einen durch böse verwartung (oder anschlege) on wrsach vnd on absagung vnd on offenbare veyndschaft: die ding alle werden manschlachten vnd schacherey genant, das sein mort vnd die alle sammet haben nit freyung, das ist kein sichere statt irer flucht. Aber der todlichen vorwartungen sein etlich guet, etlich böse. Die gueten sein, [Seite: 610] wen einer setzt behutsamkait den bösen, das er sie vach; aber die bösen vorwartungen sein herwidervmb. Aus gehung vnd on bedenken geschicht manschlacht aus zorn vnd tobung, aus scheltwort vnd zenk vnd dergleichen vnd die, ob sie nit gefangen werden mit einem wrkunde der zaychen, das ist handhaftig, die vereylung haben, das ist die flucht, wo [Seite: 611] gehabt wirt die statt der zuflucht. Item ein manschlacht wirt begangen, welcher haymlich mit wort, rat vnd werk oder auch offenlich zuricht ein tods kindlein in muterleybe. Vnd das darvmb, wen nit ist vnderschid, welcher ein kindlein (in muterleyb) todt oder einen alten (gebornen) oder einen der geborn sol werden, hot ein vernunftige seel. Auch ein tods kindlein wirt gemacht durch kreuter, wurzen oder trang. Offenbarlich wirt ein tods kindlein (genant abortivum) durch schleg, durch fuestretung, durch sprung, durch val. Sunder auch welcher haymlich arbet in den tod eines andern mit gyft, hulf vnd rat. [Seite: 612] Wirt aber nit geschehen, ob einer dich schlecht vnd fleucht, sul ich den nit denselben von stund an nacheylen vnd schlahen? Ich sprich nayn, wen das nit geschech zu abtreybung oder beschirmung, sunder zu einem rach vnd rechnung, welche gehoren allein zu dem richter. Wan darvmb ist die rechtlich kraft vnd [Seite: 613] sicherhayt offens rechtes in das mittel gesetzt, das kainer im selbs getruve nemen die rechnung. Wan es spricht der herre: Las mir den rach vnd ich wirt widergeben. Darvmb sein die richter gesetzt, das sie sein mitler zwyschen den krigenden parteyen. Darvmb wirt gefragt, ob allen gezyme gewalt mit gewalt vertreyben. Ich sprich ja vnd das ist gemain den pfaffen vnd den layen, das vnrecht der gueter vnd der personen abreyben vnd beschützen vnd widervmb schlahen. Aber es wirt vnderschiden, wan (aygner) gewalt beschicht einer person oder den guetern. Ob der person, so ist der gewalt abzutreyben, eemal er geschicht. Wan auch den veyntlich vorwartenden gezymbt zu töten. Ob aber einer den geschehen gewalt abtreybt, so wirt [Seite: 614] eher verwent, das aus wrsach einer sich zu beschutzen gethan habe, den aus wrsach zu rechen, als offenbar ist in den tabernern (oder trinkern). Vnd das ist war, ob der schlaher hot wellen widervmb schlahen. Sunst ob nit, [nit]. Ob aber ein vnrecht gethan wirt in guetern, den ist zymlich das gethan vnrecht vertreyben vnd die geschehen zu werden abtreyben, als geschicht in belegungen der stet, der schlos vnd der heuser. Das aber gesagt wirt gewalt mit gewalt vertreyben gezymbt, ist also zu versteen, das es geschech in mut zu beschutzen vnd nit zu rechen von stund an. Das beschutzung beschech mit messigung vnverschulter sicherhait vnd nit mit vbergeung auch nit aus bedenken oder fuersatz. [Seite: 615]

[Cap.3.40]

Cap. XL. Von der peen der manschlachtung.

Zv jungst ist zu merken, das etliche manschlachtung sein vnd beschehen on alle gaystliche vnd gesatzliche peen, also sein die manschlacht, welche geschehen aus gerachtikait von dem, welcher hot gewalt zu wrtailn. Item vnvermeydenliche notturft. Item aus val oder gegebner wrsach eins zymlichen dings. Item aus willen nit in mut zu rechen sunder sich zu beschutzen, als zu töten einen gewaltigen rauber, ein rauber oder dieb. Wan es verzymbt zu töten die dieb vnd dergleichen, ob sie nit mügen gefangen werden. Auch verzymbt zu töten die veynd im gerechtem krieg. Aber [Seite: 616] du solt merken das funf ding werden erfordert zu dem gerechten kriege: Zum ersten die weltliche person, welcher verzyme zu krigen. Zum andern die gueter, von welcher beschutzung man krigen mus … sunder auch vmb das vnrecht vnd aus lieb der gerachtikait sullen wir krigen vnd streyten. Zum dritten aus wrsach der notturftikayt … das durch den krieg frid werd gewunnen. Zum vierden aus … rechter maynung gentzlich … vnd nit durch haß, nit durch gaytzikait oder durch rach, sunder allein durch gerachtikait. Zum funften wirt erfodert der gewalt der kirchen, ob gestritten wirt vmb den glauben oder den fursten des lands, ob gestritten wirt umb beschutzung des vaterlands. [Seite: 617] Item es verzymbt zu töten den veynd haymlich vorwartend einer person on wrsach. Vnd gewalt mit gewalt vertreybenden in der maß, wie oben gesagt ist, anders verzymbt nit zu töten. Aber etlich todschleg werden gestraft nach gaystlichen rechten allein, als in den torniren vnd kempfen vnd haymliche zurichtung der frucht in muterleyb totung, in vil haymlicher zurichtung [Seite: 618] des todes eines andern, ob das geschicht mit … rat, hulf vnd willen. Vnd ob einer schlecht ein schwangere frawen also, das das kind beschedigt werde in muterleyb, der wirt gestraft nach den gesatzen vnd gaystlichen rechten. Item in veruolgung der bösen fluchtigen. Item welcher nit entzwyschenkombt totung zu geschehen, so er mag verhindern. Aber etliche manschlachtung wirt gestraft nach gesatzen vnd gaystlichen rechten, also ob einer tödt einen priester oder ob einer sich selbs oder on recht oder aus vnvermeydenlicher notturft oder in einem val, so nit bewysen wirt vleis, welcher sol bewysen werden, mit willen, ob das geschicht aus fuersatz oder aus vbereylen. [Seite: 619]

[Cap.3.41]

Cap. XLI. Wer klagen muge vmb ein todschlag.

Zum ersten mag klagen das eeweib vmb den tod ires mannes oder herwidervmb. Zum andern klagen die sun vmb den tod vater vnd muter. Zum dritten ob kainer der sun da ist, den so sol klagen der nechst geborner freund derselben sun. Zum vierden ob kein nachgeborner freund da ist, den so sol der richter im rechten klagen an stat des elenden menschen. Wie aber ob einer vil erschlecht oder ob vil einen ertödten? [Seite: 620] Ob zwen bayd einander ertödten? Ob ein vnredens kind oder ein junger ways einen ertodt? Ob der sun sein vater oder muter aus zorn oder aus zenk ertödt oder herwidervmb? Welcher nit … ein vnredens kind, sonder er legts fuer oder lest verterben vor hunger? Ob ein tobsuchtiger, ein moninger, ein nar oder vnsynniger oder ein thor naturlich ertödt einen? Ob ein priester ein layen oder herwidervmb? Ob einer sich selbs tödt? [Seite: 621] Vnd von den penen aller manschlachtigen vnd von der verletzung der glider wirt gesehen hernach an seiner statt. [Seite: 622]

[Cap.3.42]

Cap. XLII. Von den vnrechten
mit schaden gegeben.

Oben ist gesagt von der missetaten vnd vbergeungen, wen aber aus den vnrecht komen vnd emsigliche scheden gescheen, darvmb nachuolgt … die rubrik von den vnrechten mit schaden bescheen. Darvmb ist zu sehen am ersten, was sei ein vnrecht, in wievil massen werde gnant ein vnrecht, welchem werde gegeben die klag der vnrecht, wider welche die gegeben werde, in wie vil sie gegeben werde, wie sei die klag der vnrecht vnd welche peen der vnrecht, darnach wirt gesagt von dem vnrechten mit schaden gegeben. Von dem ersten ein vnrecht ist eynichen mit maynung, wort [Seite: 623] oder werk belaidigen on wrsach. Gemainklich ist ein vnrecht alles das, welchs nit mit recht geschicht. Aber besunderlich wirt gnant vnrecht ein böshayt wider das recht, was do ist bös. Vnd ist iniuria gnant ein vnrechtikayt, als manglend des rechtens. Auch wirt gnant iniuria (oder vnrecht) alles fluechen von dem zank gnant (vnd verschmahung). Auch ein vnrecht ist ein gotscheldung oder verfluchung oder ein scheltwort. Es mugen vnrechten thun alle die, welche vnrecht nit leyden mugen, ausgenommen die töbigen vnd naturliche naren vnd kinder noch vnder vierzehen jarn, welchen vnrecht mag geschehen, aber die mugen nit den andern vnrecht thun, wen sie manglen der vernunft. [Seite: 624] Vnrecht beschicht in dreyerlay maß mit worten, brifen vnd mit werken. Mit worten beschicht es [mit] schelde, fluchen, mit schweren gotschelde, vervnleumbtung. Mit brifen geschicht es, wen zu vervnleumbtung eines andern einer ein karten oder brif oder ein libell vervnleumbt macht, schreibt, ein geticht macht, sagt, singt, von welchem nach den gesatzen mag geklagt werden peynlich zu peen des haubts wider den, welcher sie macht vnd wider den, welcher vyndt den brief vnd kainem geoffnet hot das gefunden vnd nit erbrochen oder verbrent hot. Auch mag darvmb klagt werden burgerlich zu einer geltlichen peen. [Seite: 625] Mit dem werk geschicht vnrecht, als aus schlahen mit feusten, mit stecken, mit prügeln, mit messern, waffen vnd andern belaydlichen dingen. Die klag der vnrecht wirt gegeben dem geliden das vnrecht. Aber es leydt einer das vnrecht in im selbs, in seinem sun, in seiner eefrawenn, in seinem leybeygen khnecht vnd in einem freyen vnd in allem seinem hausgesinde. Auch in vater vnd muter lebentigen vnd gesturben. Vnd nach mancherlay vnrechten werden mancherlay klagen vnd peen. Ich hab gesprochen in im selbs, als wen einer geschulten oder geschlagen wirt. In dem haussun noch nit ledig gesagten von väterlichem gewalt, wan der lediggesagte ist seines rechtes vnd mag durch sich klagen von dem vnrechten im geschehen. In seiner eewirtin, wan der [Seite: 626] man ist ein haubt seines weybes, ein aduokat oder vorsprech vnd ein beschutzer des vnd nit herwidervmb, nur nach dem tode des mannes. [Dan] das weib mag klagen vmb das vnrecht ir an im geschehen, in irem manne, in iren sunen vnd khnechten vnd diernen. Ich hab gesagt in der tochter auch verheuret, noch nit zugelegt dem manne, dan ir breutigam wol mochte fuer sie klagen. Vmb einen eygnen khnecht, wan der ist in dem gewalt seines herren, nit in seinem aygnen gewalt. Vnd in dem khnecht dem freyen vnd dem fremden, wan die an dem tag mit guetem glauben haben gedient. [Seite: 627] Vnd in meinem gantzen hausgesind, welchs ist in meinem brot, wen einer aber were außerhalb des hauses vnd lebete in seinen eygen brote, den so mag er klagen durch sichselbs. Item in lebentigen vnd gestorben vater vnd muter, wan ob einer dem gestorben leychnam vater vnd muter eynichs ein vnrecht thut oder irem gueten leumbt entzuge, so mag der erb klagen wider den. [Seite: 628] Die klag der vnrecht [wirt geben nit] allein wider den, welcher geschlagen hot, sunder auch wider den, der das mit argem list hot gethan oder geschafft, das einer [wirt] geschlagen. [Seite: 629] Aber du salt merken das alle vorgenante vnrechten sein dieselben, sie haben auch nit die selbigen peen, wen eine ist herter vnd gröser den die ander nach mancherley der personen vnd ersamkayt der wirdikait. Wan es were vnersam, das dieselbige schatzung der vnrecht were einem wirdigern vnd bessern an der person als von der mitten oder niderer person. Darvmb aus billikait der person wechst vnd wirt verwandelt die schatzung des vnrechten vnd desselbigen peen. [Seite: 630] Wan vmb ein grösser vnrecht ein grossere peen wirt geben, vmb ein ringere ein mynder. Das groß vnrecht wirt geschatzt in den sachen. In geschicht (oder werk), als ob einer mit prugeln vnd stecken oder fausten geschlagen vnd schwerlich verletzt wirt. In der person, als ob ein [Seite: 631] richter, ein ratgebe, ein burgermaister von einer leychuertigen person beschwert wirt oder vater, muter von iren sunen, die priester von den leyen, die burger von den auswendigen pawern. An der statt, als ob vnrecht geschicht einem in dem gericht oder rathaus, in dem gericht oder einer geweychten statt. Auch vnderweylen an steten einer wunden macht ein hertes vnrecht. Item in einer kurtz ist zu halden: das von einem yedem [Seite: 632] vnrecht mag einer klagen burgerlich oder peynlich vnd ob burgerlich klagt wirt, so beschehen ist die schatzung, als gesagt ist, wirt aufgelegt ein geltliche peen. Ob aber peynlich klagt wirt, den aus ambt des richters wirt gesetzt ein ausserordenlich gesetzlich klag. Aber wirt geben die klag der vnrecht so vil … der, welcher das vnrecht geliden hot, die bey seinem ayd schatzen wirt. Doch ob der geliden das vnrecht vberginge die maß .., den so mag vnd sol der richter die schetzen. Wan nach der wirdikayt vnd des lebens ersamkait wachst vnd wirt gemyndert die schetzung des vnrechten. Aber die klag ist … vol vnleumbs, als oben gesagt ist von der diebstal… [Seite: 633]

[Cap.3.43]

Cap. XLIII. Von dem schaden aus vnrecht gegeben.

Jetz nachuolgt von dem schaden aus vnrecht gegeben, bey dem soltu merken: was do sei ein schade, in welchen dingen der geschech, wie gesetzt wede die klage von dem schaden, welchem gebuert die klage, welche vnd wievil klagen aus dem schaden ersteen, zum letzten von der peen des schadens. Von dem ersten ein schade ist ein mynderung oder ein gewynnung eins väterlichen erbs. Ein schad beschicht den freyen menschen vnd den khnechten vnd beschicht schad den gezemten vnd wilden zwyfuesigen vnd vierfuesigen tiern. Auch beschicht schad in den pflanzen vnd [Seite: 634] kreutern vnd in guetern manglent der seel, als im wein vnd öl vnd korn vnd in allen guetern geseelten vnd vngeseelten. Die klag von dem schaden aus vnrecht gegeben wirt gesetzt, wen einer einen menschen oder ein frembds vnvernunftigs tier tödt mit vnrecht oder belaydigt oder letzt oder ein guet manglent der seel erstört. Die klag von dem schaden gebueret dem herren der gueter vnd dem wuchrer vnd dem besytzer mit guetem glauben. Dreu klagen entspringen aus dem schaden mit vnrecht gegeben, als die gerehen, die nutzbarlich, wider das geschicht. Die gerehen klage gebuert dem [Seite: 635] geliden, gleicherweys ob einer meinem leychnam einen schaden hot gethan. Die nutzbarlich klag wirt gegeben, als ob einer einem fremden menschen oder viech hot eyngeschlossen also, das es vom hunger stürbe, oder das er ein arbetsams tier hot mued gemacht oder getriben, das es erbrech, oder hot gearbet souil, das es sich erfiel, oder ob einer einen frembden khnecht von einer bruck oder von einem gestat in ein groß wasser hot gedrungen.., also das er ertrenke, oder ob einer wrsach eines schaden hiet gegeben, als ob einer het seinem khnecht geraten, das er auf einen baum oder mawr stige oder in einen brun abstyge vnd der aus dem velt vnd stirbt oder in einem tayl seines leybs wirt beschedigt, die klag wirt gegeben in eynfalt. [Seite: 638] Aber die klag wider das geschicht wirt gegeben, als ob einer nit in seinem leyb, nit im fremden verletzt wirt, sunder in einer andern maß, als ob einer aus barmhertzikait bewegt ein gefangen fremden khnecht erledigt, das er flühe, der wirt schuldig in das (geschicht oder) werk. Vnd du solt merken wiewol die nutzbarlich klage in eynfalt geben wirt, doch geschicht nit die schetzung so gros des eynfalts, sunder auch werden gerayt alle auswendich vnd inwendige nutzbarkait, gegenwertigen vnd die kunftigen dem leychnam anhangend, gleycherweis als einer eines andern khue ertödt oder ein saw, do geschicht schetzung nit allein der khue oder der saw, [Seite: 639] sunder auch werden gerayt die kelbel vnd die schweyndel aus denen kommend. Auch werden gerayt alle ding, welche ein gut kostlicher machen, als in einem roß, ob es ist ein zelder oder ein laufer [oder] aber ein wolzihends viech, dergleichen von den wolzyhenden … Die ding alle werden gerayt, wan sie machen das gut kostlicher. [Seite: 640] Ob aber ein fremde khue oder ein ander tier wyssentlich hot in seinem hause behalten vber tag vnd nacht, der begeet in dem ein diebstal, er hab der tier frucht gebraucht oder nit, oder allein er hab austriben [Seite: 641] oder hab es dem richter geantwurt.

[Cap.3.44]

Cap. XLIV. Von den penen des schadens.

Die peen des schadens ist manigfeltig. Wan ob einer tödt einen freyen menschen, der sol getödt werden, als in dem alten gesatz geboten ist: hals vmb hals, augen vmb augen, zan vmb ein zan etc. Wan ein freyer leychnam hot kain schatzung des gelts, vnde versus: Nun ist der leyb nit vael, darvmb mag er mit kainem gelt bezalt werden. Doch in newem gesatz ist mildlicher vnd gnediglicher die peen fuer einen freyen menschen wirt die totung geurtailt: wan ob in dem geschicht ein manschlachtiger nit ergriffen wirt vnd wil [Seite: 642] die sund buessen vnd rewen vor gott vnd der welt nach allem seinen vermugen, den so sol man ein tag suchen mit dem seinem widertail vmb fride vnd gnad im zu erlangen. Vnd ob der widertail kainen tag der vereynung wil annemen, noch die peen vber sulche belaidigung gesetzt wil annemen, sunder vngehorsamlich verschmecht, den so nymbt der richter das gesatzt an sich vnd vnder zwayer frummer oder dreyer man zeugnus erbeut sich dem verletzten zu geben. Ob der das nit aufnymbt, den so sol der richter das gelt oder den abtrag in seinen brauch wenden vnd sprechen den belaydiger oder verserer von der sund ledig vnd erledigt mit seiner bueß vor angenommen. Vnd geschicht darvmb, wen es ist ein sunder nit [Seite: 643] so groß, ob er gerewet wirt von seinen sunden vnd wil buesen vnd bessern, got nymbt in in seine gnaden vnd all sein sund werden im nachgelassen vnd vergeben. Ob aber einer williklich ein leybeygen khnecht eynichs ertöten wirt, der sol verurtailt werden dem herren des khnechts in so vil, wie vil er wert ist gewesen in der zeit, in welcher er ist ertödt gewesen. Ob aber einer ein vnvernunftig tier eines andern williglichen tödt, der wirt das bezalen dem herren, in wie vil es wert ist gewesen in dem monat, aber es werden nit gerayt die nutzbarkayten, aus den leyben hetten mügen kommen. Ob aber einer hot gethan einen schaden in fruchtbarn baumen mit ausgraben, abhauen oder in den pflanzen vnd kreutern mit ausgraben, auszyhen oder ausreyten, der wirt die bezalen aus [Seite: 644] schetzung der nachper. Ob aber einer thut ein schaden in vngeseelten guetern, als wein, öl etc., ob er in denen hette gemyschet etwas, das die naturlich guete derselben wurd erstort, der wirt die zalen in schatzung frummer man, nach dem sie mer wert sein gewesen in demselbigen monat. Ob ein fuerman laufend mit ersten redern oder mit einen karren einen menschen oder tier wirt töten, der wirt schuldig.., wievil mer … in dem jare. Aber was ist es, ob aus einem paar ochsen, roß oder meuler einen ertödt hot? Ich sprich, nit allein schetzung des ertöten geschicht, sunder sovil weyter (oder mer) das wirt gerayt, wievil mynder lons oder gelts yetz sein gewesen (vnd sein werden), welche vbrig sein vnd darvmb, wan die gewonliche arbet [Seite: 645] verbrengen nit mugen, dan sie vor verbracht haben. Doch ob einer einen beysenden … ver[w]unt in seinen fodern tail oder auch ertödt, der wirt in nichte schuldig, wan er hot das gethan in beschutzung. Ob aber er in flihenden nachlaufend verletzt, so wirt er schuldig von dem schaden. Vnd merk das ein schade nit allein geschicht in den leyben, aber auch in den taylen vnd glidern der leybe, als in wunden, erlemen, ausstechung der augen, abschneydung der orn oder nasen oder der munds, ausbrechung der zen, der hend oder der fues abhauung, [Seite: 646] auch der bayn vnd der schenkel brechung vnd auch, ob die glider sein erschniten oder erknust oder in eynicher massen erbrochen vnd geergert. Auch soltu merken das ein schade nit allein beschicht mit dem werk, sunder auch aus argem list, gleicherweis ob einer zugericht geet den schaden zu [Seite: 647] werden, wiewol er den durch sich nit hot gethan. Auch geschicht ein schad aus schuld, gleicherweis ob einer ein grube oder cistern grebt an einer offnen stat, wo gewont ist die menschen vnd das viech zu geen vnd wandln ob eynichs tier velt in die grube oder cister vnd stirbt oder wirt verletzt, so ist er schuldig zu bezalen. Auch ob einer seinen leyb verletzt oder seine glider belaydigt, so wirt er gestraft von gegeben schaden, gleicherweis als ob einer im selber einen finger abhackt so sol desselben anderer finger abhackt werden oder er sol in erlösen von dem richter aufs beste so er mag.

[Cap.3.45]

Cap. XLV. Von dem schaden von den deinen andern gegeben.

Ist oben gesehen, was rechtens sei, ob einer thut ein schaden [Seite: 648] einem freyen menschen oder einem fremden khnecht oder einem tier oder vngeseelten dingen. Nun ist zu sehen, ob ein haussun oder dein khnecht oder dein viech thut einem andern schaden. Zum ersten mit welchem sol geschehen die klag von sulchem schaden, welche werden sulch gesetz klagen, wie (gericht oder) geurtaylt werde von denen. Ob dein haussun oder dein khnecht dir ein schedlichs ding wirt thuen, so wirt zwyschen ewer kain klag. Ob aber dein khnecht eynichem schaden hot gethan, als ein diebstal oder ein raub oder schaden gegeben oder ein vnrecht bewisen, so wirt mit dir ein klag, wielang dein khnecht ist in deinem gewalt. Wan du host freyen gewalt, den vorbesteten krieg gedulden oder fuer den schaden zu geben vnd ob du in wirst geben, [Seite: 649] den so wirstu von sulcher klag erledigt. Wen es were vngerecht, die boshayt der khnecht vber ire leychnam iren herren schedlich zu sein. Es sein aber die schedlichen klagen von dem pretoren gesetzt. Ob du host geben deinen khnecht fuer den schaden, den so beschicht die klage mit im. Vnd ob er den schaden nit hot zu widerlegen, den so wirt geurtailt von dem als sitt ist. Ob der haussun oder haustochter eynichem ein schaden thut, geben zu werden fuer den schadn nit mag von dem vater gegeben zu werden, wan aus sulcher gebung vnd irer leybkestigung vater vnd muter die wurden mer gepeynigt, dan die sun vnd allermayst in den töchtern durch die scham. Doch so mugen die vierzehenjerigen haussun vmb ire sund durch sich selbs verklagt werden vnd die scheden von irem gewunnen gut widerlegen. [Seite: 650] Die unvernunftigen tier, ob die aus irer vnfuer oder tierlicher wildikait ein schaden thun, ist darkommen die schedlich klag. Ob sulche tier dem schaden geben werden, so sein sie nutz irem herrn zu seiner erledigung, als ob ein schlagendes roß mit der versen einen schlecht oder mit den zenen hot byssen oder ein stossender ochs gewont hat einen menschen zu verletzen. Aber die ding haben stat in den haymlichen vnd heuslichen tiern. Aber in den wilden tiern nit gezemten weychen sie, wen die sein greuliche tier von natur, auch mugen sulche tier nit vnrecht thun, wan sie manglen der vernunft, vnd ob sie schaden thun. So wirt doch anders gehandelt oder klagt mit den wilden tiern vnd anders mit den haymlichen. Wan ob haymliche tier einen [Seite: 651] schaden thun, so wirt ir herr schuldig in eynfaltung, ob ein wild, den in zwyfaltung. Vnd das darvmb, wan die wilden tier, als wolf, beer, schwein, lewen vnd sau, beysende hund, affen etc. die vngezemten sein verboten da zu halten, wo das volk … ist. Vnd darvmb, ob wider das geschehen wirt vnd das beschedigt, wirt im bezalt in zwyfalt oder nach dem richter billich wirt gesehen, in sovil sol ir herr verurtailt werden.

[Cap.3.46]

Cap. XLVI. Von den verbindungen (als aus einem malefytz).

Bey dem titel saltu merken, das in funf massen einer aus nahet malefitz wirt verbunden. Zum ersten ob einer hiet ein krieg wider einen, aus welchem [Seite: 652] derselb zu viel verletzt wirt, ist gewyß, das er vbel gethan hat, doch hot er das nit gethan aus einem malefitz noch aus einem handl, darvmb wirt er verbunden aus nahet einem malefitz vnd wirt leyden ein peen von der verletzung, sovil gerecht vnd billich dem richter gesehen wirt. Zum andern ob aus eines haus ausgeworfen oder ausgegossen wirt, das einem andern schadet, der wirt verbunden aus nahet einem malefitz, wan der wirt oft aus eines andern schaden [wirt] schuldig, als der khnecht vnd seiner kind. In dem val die peen der zwyfalt, so grosser schad geschehen ist, ist die klag gesetzt. Zum dritten wirt einer verbunden aus nahet einem malefitz, welcher an dem tayl, dar durch gangen wirt von dem volk vnd gemayner weg gewont ist [Seite: 653] zu sein, etwas gesetzt oder ausgehenkt hot, das do mag eynichem schaden. In dem val ist die peen der eynfalt gesetzt. Aber vmb einen freyen menschen aus sulchem val erto*edt, ist ein peen drißig lb. gesetzt, wan eines freyen leybs ist kain schatzung. Ob aber ein freyer mensch aus der verletzung wirt [nit] sterben, den sovil dem richter vmb das ding gesehen wirt billich, sulche peen dem verseerten wirt bezalen vnd mit den lonen dem arzt gegeben vnd andre ausgebungen, welche in der haylung geschehen sein vnd auch der gewyn vnd arbet, welcher der belaydigt hot gemangelt oder mangeln wirt. Ob er vnnütz wurden ist, wirt schatzen der richter, das doch hart ist zu schatzen. Aber von dem ertödten khnecht sol geschehen schatzung, wievil der in der zeit [Seite: 654] wert ist gewesen, darin er ist erto*edt wurden. Zum vierden ob ein haussun besunderlich von seinem vater hot gewonet, den was aus dem haus ausgeworfen, ausgegossen, gelegt vnd aufgehenkt ist worden, aus welchem schaden kommen, do geschicht kain klag wider den vater, sunder mit den sun, durch welchen sulch scheden herkommen, der wirt bezalen die peen von seinem gewonnen guet. Zum funften ob der schiffuerer oder fuergesetzter eines gasthaus oder ein stalhueter eyntweders von bosem list oder diebstal in dem schiff oder gasthaus oder in dem stall beschehen wirt beschuldigt, d as selb aus nahet eins malefitz werden gesehen schuldig zu sein, wiewol aus ir kainem das malefitz sein geschehen, sunder allein aus denen, welchen arbet [Seite: 655] oder vleis bey dem schiff, wirtshaus oder stall sein beuolhen, doch wan wider aus einem handel auch nit malefitz wider die ein klag sei gesetzt. Doch wan etlicher maß sie schuldig sein an der schuld, vmb das sie die arbet boser menschen haben gebraucht in regirung, schenken, in behuten, aus nahet malefitz sullen sein werden gesehen, doch welches ist zu sagen, ob ein herre beuilcht seinen gewalt oder seine gewerb einem andern, was schadens durch den beschehen ist, wirt der herre schuldig zu bezalen, wiewol durch in kain malefitz beschehen ist. Des ein exempel, des schiffs fu*erer beuilcht einem das schiff, der gastgeb sein gasthaus, ein wirt sein stallung, ob in denen ein schade oder diebstal wirt geschehen, derselbig ist schuldig, wiewol durch die nichsts wbels [Seite: 656] ist beschehen, doch aus dem sein sie schuldig der schuld, das sie ire werk bo*esen dienern haben beuolhen. Aber in den vellen gebu*erd dem erben die klag wider das geschicht, das ist dem leydenden das vnrecht wirt geben die klag. Wider den erben, das ist den thuenden das vnrecht, wirt kain klag gegeben.

[Cap.3.47]

Cap. XLVII. Von der verbietung einer stat oder lands.

Wan stetiglich ein vberwundner in einer missetat wirt verboten, darvmb wirt hie gesetzt die rubrik von der verbietung. Bey dem saltu merken: was sei verbietung, wievil ire gestalten, wer mu*ege verbi[e]ten vnd den verboten anzaygen oder verkunden, durch welche wort einer verboten wirt, wie einer komme von den [Seite: 657] verbi[e]tungen, was zu thuen sei von den guetern der verboten, von den behaltern vnd gunstigern der verboten. Von dem ersten die verbitung in weltlichen rechten ist das selbig, welchs ist verbannung in gaystlichen rechten oder der ban. Der verbitung sein drey gestalt, eine ist ewig, die ander ist zeytlich, die dritt ist der kaine. Verbieten vnd einen verboten verkunden mag der richter habend gewalt vnd bann von dem obern im gegeben. Aber es wirt verbiten der richter durch die wort. Der richter steet auf in dem richthaus vnd spricht ausdrucklich: Ich verkunde .A. oder .B. in die verbitung durch des to*edt vnd verbeut in allen seinen freunden vnd erlaube in allen seinen veynden, vnd ob einer den vber das wirt [Seite: 658] aufhalten, das sol er thun auf sein recht. Aber es wirt verboten einer durch vngehorsam, wen er verklagt wirt vmb ein manschlacht, wunden oder einer andern missetat vnd drey malen geladen nit wil vor dem gericht erscheinen, den so wirt er verboten. Von der verbietung mag einer kommen also in zwayerlay massen. Zum ersten ob er nach der verbietung zum gericht kombt nit bezwungen vnd on alle geding mit dem richter geschehen vnd schwert sich die ladung oder beruefung zu dem gericht nit haben gewist gehebt vnd gehort die verbietung nit geno*et sich dem gericht geantwurt haben gehebt vnd wellen gesteen dem gericht vmb ein yedliche sache den klagern werden antwurten. Den der [Seite: 659] richter in von der verbietung erledigt vnd drey tage derselbige vor dem gericht erscheynet, vnd den von im als von einem nit verboten wirt gericht vnd geurtailt. Zum andern mag einer kommen aus der verbietung in der massen: Ob einer belaydigt hot mit eynicher jeden belaydung oder verletzung vnd wil williglichen buessen vnd wil das gesatz der peen fuerhalten vnd die peen im aufgelegt leyden vor got vnd der welt nach allem seinem vermu*ogen, es sei in seinen guetern oder in der person, gegen gott vnd dem verserten gnug thuen, vnd ob das der klager freuelich widerspricht, das so sol nemen der richter das gesetzt recht vnd dem verserten klager darbieten mit gnugsamen zeugen zwen oder drey, ob der das verschmecht aufzu*enemen, den so bekert der [Seite: 660] richter das recht in sein breuche vnd verbeut den belaydigten durch die vngehorsam vnd freuelikait. Vnd ob er darnach ergriffen wirt, so wirt im abgehawen die hand oder er wirt dem richter bezalen XXX lb.. Ob aber der verboten ist fluchtig, den so sol der richter von allen seinen gueter nemen XXX lb. fuer sein bueß vnd nit mer. Aber die andern gueter sullen bleyben in dem gewalt seiner kinder vnd weybs, doch also, das sie daruon den geltern bezalen. Ob er aber wider weyb noch kinder verlassen hot, den so werden die vorgemelten gueter zu andern seinen erben oder nachkommen verwendt. Ob aber der verboten ist elend vnd hot kain nachkomen, den so sullen die gueter zu den handn der ratgeben mit gueten gewissen genommen werden, welche gueter [Seite: 661] vnversert vnd nit gemyndert ein ganz jar behalten werden, vnd ob darnach wider erben noch gelter werden erscheinen, den der halbtail sol fuer das hayl seiner seel gegeben werden vnd der ander halbtail der nutzbarkayt einer gemain angelegt werden. Ob einer verklagt wirt, das er einen verboten beherbirgt hot oder in seinem haus den behalten, der sol sich mit seinem eynigen ayd raynigen (oder dorvon nemen) vnd sei frey. Ob aber ein verbotner in einem haus oder wonung eynichs ergriffen wirt, den so sol von dem wie gesehen wirt gericht werden. Der den behaltend ist, wirt dem richter geben zehen lb. oder hand sol im abgeschlagen werden. Merk ein verbotner in einer statt vmb eyniche myssetat mag nit verboten werden in einer andern vmb die selbige sunde nach [Seite: 662] gemaynem rechte. Aber nach recht der fursten in iren landen ein verbotner in einem land mag verboten werden in einem andern byß an den Kayser. Welchen aber der Kayser verbeut, der ist verboten in allen landen seinem kaysertum vnderwurfen; doch die verbietung von gemainen rechten geet nit zu den aussern des gerichts vnderwerfung oder des richters, welcher zum ersten einen verbeut. Wan es ist ein … schwere peen, wan es muß der verboten in sulchem gericht lassen weyb vnd kind vnd alle freund vnd alle seine gueter.

[Cap.3.48]

Cap. XLVIII. Raynigung von einer missetat.

Wye einer sich sol raynigen von einer missetat im verargt [Seite: 663] oder widerwurfen. Ist oben gesagt wurden von den verklagungen vnd beschuldigungen, den missetaten, gehörenden, von der verhaysen vnd gedingten dingen. Wan aber in den dingen wirt zu der raynigung oft kommen, darvmb wirt hie vnderwurfen von den raynigungen aller vorgenanten. Bey dem soltu merken: was sei die raynigung, wievil ire gestalt vnd durch was geschech ein reynigung, von zwyfeltiger form der raynigung, welche zal der die gerayniget sullen werden, welche peen des gebrechenden in der raynigung. Von dem ersten die raynigung ist von der widerwurfen missetat oder beschuldigung sein vnschuld erzaygung. Der raynigung gestalten sein zwo, als ein gaystliche vnd ein gemaine (oder weltliche). Die gaystliche ja die gesatzlich [Seite: 664] ist, welche die gaystliche recht oder gesatz haben aufgesetzt. Vnd sie beschicht durch ein ayd, durch die zeugen, durch die treu vnd ist von dem rechten verhengt. Aber die gemain raynigung ist, welche das gemain volk im selbs durch sich selbs williglich hot gesetzt vnd erfunden. Vnd die beschicht durch den kampf, durch das gluende eysen, durch sydens wasser, welche ist von den geystlichen rechten verboten vnd von recht durch dreu ding: wen es geschicht gar oft durch neyd, zum andernmal wen da wirt got versucht, das nit geschehen sol, so das bezeugen ist das heylige ewangeli, zum dritten wan oft werden die vnschuldigen verwrtailt. Vnd du solt merken das die raynigung zwyfeltig ist von der missetat, etliche geet nit zu der [Seite: 665] verbitung, als dan ist die raynigung vmb verhayssen, schulden vnd vmb geding. Die raynigung von einer missetat nach lentlichem recht ist ein sulche: Ob ein verklagter von einer diebstal oder raub oder schacherey oder manschlacht oder aus eynichem andern malefitz, das da hot ein person zu beruren oder die eere, ob der geladen vnd berueft wirt kommen zu dem gericht nit bezwungen, wil sein vnschuld erzaygen vnd mit im vil rayniger nit mag gehaben, wen man wayß nit, wen oder wo die geschehen ding zu sein gesagt werden, den so raynigt [sich] der mit seinem aynigen ayd vnd wirt ledig von dem richter vnd von dem klager. Ob aber der klager wil den verklagten [mit] selbssyben frummer man zeugnus vberwinden, den so rayniget sich der verklagte [Seite: 666] eins guten namens, nach dem gesatz der statt ist gesetzt. Ob er aber das nit thuen mag vnd boes leumbden ist gewesen, so wirt er selbssyben vberwunden. Ob er aber ergriffen ist wurden sichberlich mit handvester tat oder gevangen in der flucht des verbrachten vbels vnd gnöt zum gerichte gefuert, den so wirt von im als gerecht ist gericht. Item ob einer einen beschuldigt vmb ein todschlag vnd er den mit abtreyben gewalt mit gewalt sagte sich gethan zu haben in notwere vnd das weyst nachdem das gesatz vnd frid der statt [Seite: 667] ist gesetzt vnd mit andern vier frummer manne handen mit dem [in] gericht aufgehebt schweren, so wirt er ledig vom richter vnd vom klager. Der verklagte durch den verwunten vmb die wunden vnschuldig raynigt sich mit seinem ayd vnd zwayer frummer man henden mit im ihn gericht schwerend vnd aufgehebt, wirt er ledig vom richter vnd vom klager. Du solt merken das vnder dem namen wlnus wirt hie begriffen vnd eingeschlossen alle belaydung vnd verletzung des leybes, welche geet zu der verbietung, es sein hende oder der fues oder der finger abhauung oder erstorung der ander gelider, vnd das die ding aus val beschehen nit aus dem streyt. Ob aber aus dem streyt vnd bösem vnd freuelem fuersatz wirt gesagt einer verwundt haben gehebt, [Seite: 668] hend vnd fues abgehawen, die nasen vnd orn abgeschniten, derselb mit funf im gleichen frummer man sich raynigt mit seinem ayd vnd wirt ledig. Doch soltu merken das alle (belaydigung des) bluets ausgiessung mit waffen geet zu der bietung. Ein verklagter vmb scheltwort durch böse vnd verbotne wort, welche er einem hot zugeredt, raynigt sich mit sein selbs aynigen ayd vnd wirt ledig. Der verklagte oder beschuldigte vmb ein enterung einer jungfrawen, ob er zu geburlicher zeit [Seite: 669] vnd ordenlich berueft nit ist gewesen, der sol sich raynigen mit seinem aynigen ayd vnd wirt ledig. Ein beschuldigter von freuel eingangen in eins andern haus, welchs genant ein haymsuch, wirt sich raynigen mit sein selbs aynigem ayd vnd wirt ledig. Ein beschuldigter, der einen verboten hot beherberigt, hot gespeist oder genert, sol sich mit seinem aynigen ayd raynigen vnd wirt ledig. Item ob verstolen guet bey aynichem ergriffen wirt vnd der sagt, sich das guet in offnem markt bey liechtem tag gekauft zu haben, aber er wais nit von welchem, ob das der richter [nit] will glauben, den so wirt er sich mit sein selbs ayd raynigen [Seite: 670] vnd wirt ledig. Dasselb recht ist von verstolen guet bey einem andern erlegt. Ob einer geladen vmb ein jedliche sache zum gericht vnd aus redlicher wrsach in verhindrend kommen nit mag, der sol sich raynigen mit seinem besundern boten vnd wirt ledig. … ob einer angelangt wirt vmb schulden vnd die schulden sein vnder drißig lb., den $so sol er sich raynigen mit seinem ayd vnd wirt ledig. Ein angelangter von gehaysen oder gedingen, der wirt sich raynigen on falschen list mit seinem eynigen ayd vnd wirt ledig. Die zal der reynigungen vmb einen gestorbnen sein funf, vmb die wunden oder ein anders verletzts [Seite: 671] gelid sullen sein dreu oder vmb ein schlahung oder ein andre verletzung oder scheltwort einer allein. Die peen des bruch habenden in seiner raynigung ist ein sulche, wie ist die peen des gebruch habenden klagers in seiner verklagung. In einer sum ist zu merken, das von allem haymlichen malefitz, von welchem einer guets glaubens vnd genugsamer verklagt wirt, von dem mag er sich raynigen, nur er werd in den malefitz ergriffen oder ob er bruch hat in der raynigung vnd ob er berueft zum gericht nit erscheint oder geflohen ist vnd darnach gefangner zu dem gericht gefurt, wan den so wirt geho*ert die zeugnus des klagers vnd ob er ist mit handhaftiger that ,.. zwayer zeugen vberwunden wirt. [Seite: 672]

[Cap.3.49]

Cap. XLIX. Von den penen.

Ist gewys, der verklagte ob er sich entschuldigen nit mag,velt in die peen; darvmb hie nachuolgt von den penen. Vnd ist zu merken: was sey ein peen, wievil sein gestalt der penen, welcher die peen auflegen mu*ege vnd welchen die penen angelegt werden vnd … wie groß sie bewysen werd, welche peen sullen angelegt werden, welche weychen der peen, welche entschuldigen von der peen, welche beschwern die peen, welche ringern, welche ding sein zu vermerken in anlegung der penen, zum letzten werden gesetzt die fragen nutzberlich zw der materien. [Seite: 673] Von dem ersten die peen der sunden ist ein schuldige straf vnd kestigung. Die penen nach den gesatzen sein vil: Etliche in die person, etlich in das guet; etliche aus vngehorsam, etliche aus der su*end. Die peen yn das guet sein zwo, … das guet, als das beweglich vnd vnbeweglich. Die peen in die person sein vil, wan vil sein der peynigung geschlecht, vahung, kesteyung, der gayslung, schlahung der steck, abschneydung der orn, der nasen, ausstechung der augen, brennung durch die zen, der hend vnd der fues abhauung, [Seite: 674] enthauptung, henkung, im sack ertrenkung, verbrennung, verschickung, lebentige vergrabung etc. Die peen aus einer sund sein auch vier: das ellend, eynschreybung, verbietung vnd verschickung. Die peen aus vngehorsam sein vier: die erst lassung in besytzung ein vnbeweglichen guets begeren, die ander ist eins beweglichen guets eingebung, die dritt ist ein billiche inhaltung, [die viert] welche schuldig ist dem richter vmb die verschmeung vnd vngehorsam [Seite: 675] dem gericht geschehen, wan er nit erscheint. Es sein noch vil andre peen aus der sund on die, wan wievil sein der sund, so vil der peen, wan es hat … die sund ein besundre peen. Es sein auch andre vil peen, welche gesetzt werden in der rubrik von der verbindung aus dem handel oder nahet aus dem handel vnd in den verbindungen aus dem malefitz oder nahet aus dem malefitz, von welchem darvmb ist besunderlich zu sagen. Aber die peen anzulegen haben alle richter, die glaubhaftig sein in irem gericht, wider ire vnderthan nach welichkait vnd gro*esse der schuld. Wan nichst taugt ein gerichtzwang, welche die [Seite: 676] strafung der bo*esen nit hot. Vnd merk wiewol manigfaltig sein richter, als ordenlich, erlangt von der oberkait, nachgesetzt, wilkuert richter vnd regirer der stett, doch hot kainer zu richten oder vrtelen die peen des bluts, nur welchem beuolhen ist der gewalt von dem obern, welcher hot gewalt das zu thuen. Werden angelegt die peen den personen vnd guetern. Den personen werden aufgelegt schlechtiglich vnd gerehenlich. Aber den guetern aus neyd der personen, wan die gueter mugen nit sunden, sunder die, welche die besytzen. Darvmb vmb missetaten sol einer allein gestraft werden in der person. Aber layder vil verkeren die ordnung, die schuldigen die personlichen peen nachlassen vnd hynnemen ire gueter [Seite: 677] vnd also beschedigen sie die vnschuldigen, welche zu der nacherbung irer gueter nach den gesatzen vnd von recht gehören. Die peen werden angelegt vmb vngehorsam. Sunder vmb die sund werden sie angelegt oder genommen die peen gesetzt von recht gentzlich, wan von inen mag nit geappellirt werden. Die peen von dem richter aufgesetzt werden genommen in einem tayl,wan auf gnaden, ja auch warlich mag von denen geappell[ir]t werden, ob der richter zu vil aberno*et hett gehabt. Die peen, welche mer geforcht wirt, sol dem angelegt werden, sy sey personlich oder geltlich. Vnd ob die sundenden gelt nit haben zu bezalen vnd gnad der nachlassung bey dem verletzten oder belaydigten nit mugen erlangen, den nach dem gebot des obresten richters ein hals [Seite: 678] vmb den hals, ein glid vmb das ander gelid werden bezaln. Aber vmb die bues des richters sol einer in kein maß, wider in dem leyb noch in den guetern, belaydigt werden. Die erfordert peen von wegen der vngehorsamen oder von wegen der sund, die zugehoren dem richter. Aber die peen eins schadens vnd der vnrechten zugeho*eren den, welchen die scheden vnd vnrechte sein bewysen oder gethan. Ob aber einer würd thuen wider das recht einer statt, die peen zugeho*eren … einer gemain. Aber die peen bedingliche zugehoren den wylkürten richtern oder den, welch die selben wylkürten richter zugesprochen haben. Es ist aber ein bedingliche peen, welche von willen der krigenden [Seite: 679] die wylkürten richter auflegen den parteyen. Vnd die mügen auch gentzlich erfordert vnd genommen oder nachgelassen werden. Von der peynlichen peen entschuldigt das alter, die lediglich frevel … nötung, gerechte vnwyssenhayt, gerechte wrsach, die letzt notturft, tobhayt, trunkenhayt. Aber der penen beschwerung vnd ringerung mag ein jedlicher richter durch sich schatzen aus dem tayl ,maß, statt, person, alter vnd wirdikayt. In den personen angelegt zu werden oder gebuest sein vil ding zu vermerken, als sein das alter, die zeit, statt, die person, wrsach, gewonhayt, welichkayt, grösse, wirdikayt, manichfaltikayt. Die person, das ist die condicion der person, ob wirdig oder [Seite: 680] vnwirdig, schlecht oder edel, reich oder arm. Das alter, als das kindlich oder das altlich. Wrsach, das ist schuld, wan es möcht der richter von dem sundenden abernöten zehen lb., sintmal er im kaum in sehzig dn. schuldig ist. Aus der schuld, durch welche die schwere der penen sol von den ratgeben gemesigt werden nach welichkayt der schuld. wan es sein die buessen gesetzt durch rue vnd frid machung ein stand der gueten vnd strafung der bosen vnd nit durch anders. Die zeit, ob sie haylig oder nit. Die statt, ob sie geweycht ist oder ein gericht oder rathaus. Die gewonhayt, als andere gericht des vaterlands vnd der ratgeben der statt. Auch die welichkait der sund, wen anders wirt gestraft ein [Seite: 681] offner freuel den ein haymlicher, anders mit waffen dan on waffen, anders welche geschehen wider der fuersten oder wider die mechtigen einer statt, dan welcher tut wider die mittelmessigen oder nydersten oder schlechtisten pueben. Die vielkait der sundenden wirt mer gestraft oder anders, dan ob einer verschuldt, als kundbar ist in auflaufen.

[Cap.3.50]

Cap. L. Die verwandlung der penen.

Es wirt gefragt, ob ein personliche peen müg verwandelt werden in ein geltliche peen. Ich sag, nayn nach allen rechten, wan ein jedlicher sol nach seinem verdienen vnd verschulden gestraft werden. Aber die verwandlung geschicht aus geytikayt der fuersten vnd richter, als [Seite: 682] emsiglichen beschicht. Aber herwidervmb beschicht verwandlung der geltlichen peen in eine personliche peen, wen der verschuldend ist also arm vnd vnvermügend, das er nit hot zu bezalen die geltliche peen. Vnd das darvmb geschicht, das nit der verschuldend gentzlich … entgee. Doch ist kainer also arm, er hab zu thuen ein straf in guetern oder in der person. Es wirt gefragt, ob ein peynliche peen müge verwandelt werden in andre peynliche peen? Ich sprich ja, doch aus wrsachen, als aus wrsach der notturftikayt, gleicherweys als ob einer sol erhengt werden vnd das ist forcht in der ausfuerung, das er von seinen freunden erledigt werde dan von der peen, mag er enthaubtet werden. Auch aus wrsach der ersamkait, als ob er ist von ersamen vater vnd muter [Seite: 683] oder freundschaft vnd hot verschuldt die peen offner verhenkung, den so mag in haymlich in einem sack ertrenken. Es wirt gefragt, ob die bezalte peen bestee noch das wrtail von den wylkürten richtern (verwandelt oder) gesprochen? Ich verstee, nit, dan allein aus forcht der peen wirt gestanden dem spruch. Es wirt gefragt, ob einer mug gestraft werden vmb die sund eines andern? Ich sprich, das in personlicher sache nit, wan der sun tregt nit die boshayt seines vaters, gibt zeugnus die geschrift, die götliche. Aber in die zeitliche peen, in guetern, wirt verhengt vnd gestraft einer vor den andern, als der sun fuer den vater, ein leybeygen khnecht fuer seinen herrn. Es wirt gefragt, ob einer on schuld sol gestraft werden? Ich sage, das vnderweylen geschicht, [Seite: 684] das einer gestraft wirt … aber … on wrsach, als einer vnder den guet ist erlegt wurden wirt gestraft, wen er das erlegt guet aus seiner saumnus .., wen der kain schuld hot in verlirung des erlegten guets, doch darvmb wan er nit beweysen hot vleisliche huetung, so wirt er schuldig zu der bezalung. Es wirt gefragt, ob die richter mügen von recht nemen die bues von iren vndertanen? Ich sage, ob sie haben gehebt ein rechte maynung vnd die strafungen zymlich nach gesetzlichen gewonhayten des lands sullen sie nemen, doch das die recht maß gehalten werde, mugen sie die behalten, wiewol sie den schadn vbertreffen, wan sie die emend nit fuer das interesse nemen, sunder das sie gepeynigt werden von der sund. Ja ein sulche [Seite: 685] emend [sein] nit nachzulassen, sunder ee angestrengt vnd verboten zu werden vnd beweysen . Es wirt gefragt, ob einer vmb ein sund zwo oder mer peen zu leyden? Ich sage ja, als kuntbar ist in verwundenden in einem kirchhof oder in einer kirchen vnd in dergleichen, wo der richter nymbt sein peen vmb das [su]nd, der verletzt die andern fuer die belaydigung vnd die kirch die dritten fuer die vbertretung in der geweichten stat. Vnd herwidervmb das vmb vil sund nit genug ist ein peen, Vnd du solt merken das des richters rechte maynung in penen vnd strafungen genommen zu werden sol sein der missetat verbietung vnd des [Seite: 686] frids aynhellikayt gebietung. Wan es spricht sant Augustein, das der richter, es sey in strafen oder nit wyssend die strafungen nemend, … thut, als allein der bösen menschen gestraft werde ire durftikait vnd der fried vnd nutzbarkait gemert werde. [Seite: 687]

[Tabula]

Tabula.

Das buech der obgeschriben gesatzen halt in sich dreu tail welcher erster tail sagt von dem rechten der personen, der ander von dem rechten der gueter, aber der dritt von dem rechten der klagen. Welcher aller vorgemelter erkennung wirt einer mugen haben durch das register oder tafelen on mittel nachuolgend:

Index

Index