Wesener, Nikolaus von Beckmann (1975)




Gunter Wesener, Der innerösterreichische Regimentsrat Nikolaus von Beckmann und sein Kodifikationsplan, in: Johannes Kepler 1571 – 1971. Gedenkschrift der Universität Graz (Graz 1975) 641 – 656 :: Digitale Edition Heino Speer 2012

Vorbemerkung zur digitalen Edition.

Der Text der Abhandlung wurde mit freundlicher Erlaubnis des Autors aus dem Band „Johannes Kepler 1571 – 1971. Gedenkschrift der Universität Graz (Graz 1975) 641 – 656“ gescannt und mit Hilfe eines OCR-Programms (Omnipage 18) in einen Volltext umgewandelt, der durch den Herausgeber korrigiert wurde. Eventuelle Lese- und andere Fehler sind daher mir zuzurechnen; ein Hinweis auf derartige Fehler würde die Qualität weiter verbessern.

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Heino Speer :: 27. August 2012

I.

In der österreichischen Rechtsgeschichte ist NIKOLAUS BECKMANN vor allem
bekannt als innerösterreichischer Regimentsrat und Verfasser der „Idea juris
statutarii et consuetudinarii Stiriaci et Austriaci cum jure Romano collati
“ (Graz
1688), eines Werkes, das der Differentienliteratur zuzuzählen ist
1. Berühmt und berüchtigt ist Beckmann als Professor des römischen Rechts an der Universität Lund durch seinen Konflikt mit dem Naturrechtslehrer SAMUEL PUFENDORF geworden, der 1673 zur Flucht Beckmanns aus Schweden und zur Relegation und Landesverweisung geführt hat2.

Im folgenden sollen Leben und Werk Beckmanns eine kurze Darstellung finden und insbesondere auf seinen wenig bekannten Plan zur Schaffung eines Corpus juris Leopoldinum eingegangen werden3. [Seite: 642]

Nikolaus Beckmann, ein Zeitgenosse von LEIBNIZ, vier Jahre nach dem Tode Johannes KEPLERS geboren, hat wie dieser als Fremder in der Steiermark gewirkt und hier bedeutende wissenschaftliche Leistungen erbracht. Beckmann hat nach einem bewegten Leben als innerösterreichischer Regierungsrat in Graz eine Wirkungsstätte gefunden und hier seinen Lebensweg beschlossen.

II.

Nikolaus Beckmann wurde 16344 zu Heide (Heida) im Dithmarschen geboren5.

Er inskribierte zunächst (1655) an der Universität Königsberg, kam 1658 als Instruktor des Grafen Adolf von Oxenstierna nach Stockholm, ging mit diesem 1662 nach Helmstädt, wo er im Hause H. CONRINGS verkehrte und bei diesem Vorlesungen hörte, zog 1663 nach Marburg und 1665 nach Frankreich.

Im Jahre 1666 erwarb er an der Juristenfakultät zu Orléans das Doktorat beider Rechte6. In demselben Jahr erschien in Paris sein erstes umfangreicheres Werk, die „Medulla Iustinianea, sive dilucida totius iuris civilis, iuxta digestorum methodum explicatio„. Dieses Werk dedizierte er König Karl IX. von Schweden. Schon in diesem Werk findet sich Beckmanns Symbolum: „Pie et prudenter, sincere et constanter7. Nach Stockholm zurückgekehrt, wurde er 1667 über [Seite: 643]Vermittlung des Grafen von Oxenstierna8 zum Professor Juris an der neu gestifteten Universität zu Lund (Academia Carolina) ernannt9. 1668 wohnte er der Inauguration (Einweihung) derselben bei und führte im zweiten Semester des Bestehens der Universität das Rektorat (15. Juni bis Dezember 1668)10. Während seiner Tätigkeit in Lund schrieb er einen „Commentarius ad juris fundamenta“ (Lund 1672)11. Seine Heirat mit einem Mädchen aus niederem Stande, eine Abgabendefraudation und die Verdächtigung eines Zolleinnehmers, die er zurückziehen mußte, minderten sein Ansehen12. Als im Jahr 1670 trotz Beckmanns Widerstand Samuel Pufendorf als Professor Juris Naturae et Gentium berufen wurde und bei den Studenten großen Anklang fand, verfaßte Beckmann, angeblich aus Verärgerung und gekränkter Eitelkeit13, zusammen mit dem Theologen JOSUA SCHWARZ eine Schrift14, in der sie Pufendorf eine Reihe von Verstößen gegen die orthodoxe lutherische Lehre vorwarfen. Pufendorf antwortete darauf mit gerichtlicher Klage wegen des ihm gemachten Vorwurfs des Atheismus. Beckmann flüchtete im November 1673 nach Kopenhagen, von wo er Pufendorf schriftlich zum Duell aufforderte. Der Akademische Senat zu Lund sprach gegen Beckmann im April 1675 Relegatio in perpetuum cum infamia aus und ließ den Index Novitatum durch den Henker verbrennen15.

Beckmann war unterdessen nach Deutschland gegangen und in Wien vom evangelischen zum katholischen Glauben übergetreten (1673). Auf Empfehlung des kaiserlichen Hofes erhielt er 1675 eine Anstellung als Kanzleidirektor des Benediktinerklosters Michelsberg bei Bamberg. Hier entstand seine „Doctrina juris16, die erstmals 1676 in Nürnberg erschien, 1678 unter dem Titel „Jus Novissimum Romano-Germanicum“ mit dem Nebentitel „Doctrina juris“, 1681 in dritter Auflage als „Reformata doctrina juris„.

Im selben Jahr (1681) erschien unter dem Pseudonym IUSTUS VERACIUS eine kleine Abhandlung über das Bamberger Gewohnheitsrecht: „Libellus Consuetudinum Principatus Bambergensis“ (Neudruck 1733). Als Verfasser dieser [Seite: 644] Schrift wurde erstmals von J. H. JÄCK17 Nicolaus Beckmann angegeben (dazu unten III).

1677 oder 1678 wurde Beckmann zum kaiserlichen Rat ernannt18, 1680 zum innerösterreichischen Regierungsrat19 und 1685 (3. März) in den Ritterstand erhoben20. Beckmann wurde als innerösterreichischer Regimentsrat in wichtigen Geschäften verwendet21. So war er Verteidiger der Heiratsgutsansprüche der verwitweten Gräfin Tattenbach bei der Einziehung der Güter ihres enthaupteten Gemahls22. 1680 vertrat Beckmann mit vier anderen Räten die Regierung während der Pestzeit in Graz23; in den Jahren 1681 und 1682 war er Mitglied der obersten Pestkommission in Graz. Im Jahre 1681 führte er als Commissarius in causa magiae zu Leibnitz mehrere Hexen- und Zaubererprozesse24; auf diesem Gebiet war er ganz in den Vorstellungen seiner Zeit begriffen25.

Im Jahre 1682 erschien in Graz sein „Tractatus brevis, sed ponderosus ob materiae gravitatem, de praecipuis religionis controversiis contra Catholicam Ecclesiam et Catholicos a Lutheranis et Calvinianis ultra sesqui saeculum ab anno 1518“ und im Jahre 1688 sein letztes Werk, die „Idea juris statutarii et consuetudinarii Stiriaci et Austriaci cum jure Romano collati„, ein Werk der [Seite: 645] Differentienliteratur, wohl die wichtigste gedruckte Quelle für das innerösterreichische Recht des 17. Jahrhunderts26.

Nach dem Tode seiner ersten Frau27 heiratete Beckmann die Witwe des Landschaftssekretärs Anton Hercules, Catharina Victoria geb. Wottgo28. Bald darauf starb er kinderlos als wohlhabender, in Graz und St. Peter begüterter Mann am 7. April 168929. Von dem von ihm der Kirche in St. Peter gestifteten Altar fand sich keine Spur mehr, ebensowenig von seiner Grabstätte und der seiner beiden Frauen30.

Der Überlieferung nach war Beckmann ein recht eitler, von sich eingenommener Mensch31. Wohl zu Recht hat F. BISCHOFF in seinem Vortrag im Historischen Verein für Steiermark im Jänner 188332 den zweifelhaften Charakter Beckmanns hervorgehoben33.

III.

Das erste größere Werk Beckmanns34, die „Medulla Iustinianea, sive dilucida totius iuris civilis, iuxta digestorum methodum explicatio“ (Paris 1666)35, gilt als ein Plagiat36, als eine in Marburg nachgeschriebene Pandektenvorlesung37. In der Medulla werden alle fünfzig Bücher der justinianischen Digesten kurz kommentiert, wobei die Darstellung innerhalb eines jeden Titels in Thesen gegliedert ist; zu den einzelnen Begriffen und juristischen Ausdrücken finden sich Anmerkungen (mit Kleinbuchstaben bezeichnet). Literaturzitate sind selten (etwa GAIL, observationes und CARPZOV, processus juris38).

In Lund erschien 1672 Beckmanns „Commentarius ad prima juris fundamenta39, ein Institutionenkommentar40. Beckmanns „Doctrina juris“ erschien erstmals 1676 in Nürnberg (1677 in Würzburg), in zweiter Auflage 1678 mit dem Titel „Jus Novissimum Romano-Germanicum“ und 1681 als „Reformata doctrina juris41, eine Darstellung des gemeinen Rechtes in Form eines Rechtslexikons, ein typisches Produkt des Usus modernus pandectarum, wie der Titel „Jus Novissimum Romano-Germanicum“ zum Ausdruck bringt42. Bereits in der Vorrede der Reformata doctrina juris an Kaiser Leopold I. findet sich der Plan der Schaffung eines Corpus juris Leopoldinum, der dann in der Idea juris weiter ausgeführt wird43. Beckmann will in der Reformata doctrina juris nur das bei den Gerichten anwendbare Recht darstellen, die obsoleten Titel bzw. Bücher des Corpus juris civilis, welche für die Gerichtspraxis keine Bedeutung mehr haben, weglassen44; er führt diese Titel bzw. Bücher im einzelnen an (in 27 [Seite: 647] Punkten). Beckmann berücksichtigt in der Reformata doctrina juris schon gelegentlich den österreichischen Landesbrauch und die österreichische Gerichtspraxis und zitiert österreichische Autoren wie BERNHARD WALTHER45 und JOHANN B. SUTTINGER (Observationes practicae)46. Beckmann war 1681 ja bereits innerösterreichischer Regimentsrat.

Sein letztes Werk, die „Idea juris statutarii et consuetudinarii Stiriaci et Austriaci cum jure Romano collati“ (Graecii 1688), verfaßte Beckmann als innerösterreichischer Regimentsrat, senior inter literatos consiliarios excelsi Regiminis47. Dieses Werk ist ebenso wie die Doctrina juris als ein Rechtslexikon in alphabetischer Ordnung abgefaßt48. Es ist der Differentienliteratur zuzurechnen49; die Abweichungen des steirischen und österreichischen Statutar- und Gewohnheitsrechtes vom römisch-gemeinen Recht werden aufgezeigt; auf Übereinstimmungen wird hingewiesen. Als Motiv für die Abfassung dieses Werkes führt Beckmann in der Vorrede an die „Celsissimi, … Status Provinciales Ducatus Carinthiae“ die bestehende Rechtsunsicherheit an: „ … ut saepe sit ignoratum, utrum casus controversus juxta Jus Civile R. vel Jus Statutarium, vel juxta Jus Consuetudinarium, vel secundum res ante judicatas, in diversis foris non concordantes, vel juxta Judicis arbitrium sit judicandus …

Die subsidiäre Geltung des römisch-gemeinen Rechtes bringt Beckmann im Art. Possessio zum Ausdruck50 (Idea juris S. 345): „… darum ich dann billich, generaliter meinen Schluß also mache: daß so offt nichtes (1.) in der hochlöblichen Steyrischen Land-hand-fest, (2.) nichts in der Steyrischen Gerichts-Ordnung, (3.) nichts in der Land-Gerichts-Ordnung, und (4.) nichts in der Policey-Ordnung, und in den andern kleinen Steyrischen Rechten, als Berg-Rechts-Büchlein, Bergwercks-Ordnung, Zehend-Ordnung, pupillar-Ordnung, etc. oder jure consuetudinario, specialiter contra jus R. verordnet, und contra jus R. [Seite: 648] geändert ist, so werden alle die übrigen Rechts-Sachen, juxta jus commune, und die allgemeine Kayserl. Rechten, regulariter decidiret, worbey es dann billich verbleibet, cum jura R. ex tribus rivis, vel fontibus, (puta: honeste vivere, neminem laedere, et suum cuique tribuere) fundatis, in jure naturae, et gentium naturali, quasi fluxu rationabiliter fluant, seque ad omnes humanas actiones, tam civiles, quam criminales, prudentissime extendant, et per consequens, in ipsa ratione naturali, et aequitate, regulariter se fundent, et ob id jura R. in tota Europa merito vigeant etc51.“ Beckmann sieht die Geltung des römischen Rechtes dadurch gerechtfertigt, daß sich dieses regelmäßig auf die ratio naturalis und aequitas gründe.

In der Vorrede an Kaiser Leopold I. entwickelte Beckmann neuerlich den Plan der Schaffung eines Corpus juris Leopoldinum auf der Grundlage des römischen Rechts, wodurch das justinianische Gesetzeswerk abgelöst werden solle; er führt dieses Projekt näher aus (siehe unten IV).

Beckmann entwickelt in der Idea juris eine Reihe von Reformideen rechtspolitischer Art52. Er tritt ein für die Umgestaltung der patrimonialen Landgerichte in kaiserliche Gerichte durch Einlösung von den Landgerichtsinhabern. Idea juris S. 264 (Art. Land-Gericht a. E.): „Zuwünschen wäre es, daß Ihre Kayserl. Majest. alle Landgerichter, hier im Lande, von denen Landgerichtes-Herren wieder einlöseten, und selbige alle sämbtlich, von einem gewissen Landgerichts-Richter, oder Bannrichter, administrieren liessen, damit die delicta, und delinquentes, pro Reipublicae tranquillitate, omniumque subditorum salute,
jederzeit gebührend abgestraffet würden. Sic saepe mecum censuit excelsum Regimen53.“

Beckmann tritt ferner ein für die Errichtung von Zwangsarbeitshäusern („Zucht-Häusern“)54, insbesondere in Wien und Graz, nach dem Vorbild der Zuchthäuser in Amsterdam (1595), Nürnberg, Straßburg, Hamburg und Bremen, wo arbeitsscheue Elemente wie Bettler, Landstreicher und Prostituierte [Seite: 649] unter strenger Disziplin zur Arbeit angehalten werden sollen55. In Wien war es schon 1671 zur Errichtung eines Zuchthauses gekommen (Codex Austriacus II S. 545 ff.), was Beckmann entgangen zu sein scheint. Für die Schaffung von Werk- und Zuchthäusern ist auch LEIBNIZ eingetreten56.

Beckmann spricht sich für die Abschaffung des Zunftzwanges57 nach dem Vorbild von Frankreich und Holland58 aus, für Enteignung im allgemeinen Interesse, um Mittel für die Türkenkriege zu erlangen59, gegen Güteranhäufung in einer Hand und gegen die Todesstrafe bei Übertretung von Jagdgesetzen60.

Bei Beckmann61 findet sich die Fünfzahl der dinglichen Rechte (jura in re, sive jura realia: dominium, possessio, jus hereditarium, servitus, pignus sive hypotheca). Diese Lehre des Usus modernus geht zurück auf HEINRICH HAHNS „Dissertatio de jure rerum et juris in re speciebus“ (Helmstädt 1639)62; sie findet sich im ABGB § 308. Beckmann kannte wohl Hahns Schrift; er zitiert im Autorenverzeichnis zur Idea juris „Hahnius ad Wesenbecium in ff.63. Beckmann hat wahrscheinlich 1662 in Helmstädt Vorlesungen bei Hahn gehört64; Hahn bekleidete von 1641 bis 1668 eine ordentliche Professur in Helmstädt65; er war Professor Codicis.

Beckmanns Reformata doctrina juris sowie die Idea juris zeigen eine gute Kenntnis der gemeinrechtlichen Literatur der Zeit66. Von den österreichischen [Seite: 650]
Juristen
67 zitiert Beckmann JOHANN BAPTIST SCHWARZENTHALER, BERNHARD WALTHER68, JOHANN BAPTIST SUTTINGER, JOHANN HEINRICH REUTTER und
JOHANN WEINGÄRTLER69. Beckmann zitiert häufig, mitunter wörtlich, Walthers privat- und prozeßrechtliche Traktate (Ordinari- und Extraordinariprozeß), oft ohne Walther im Text zu nennen70.

Ob Beckmann auch als Verfasser des 1681 unter dem Pseudonym Iustus Veracius erschienenen „Libellus Consuetudinum Principatus Bambergensis“ anzusehen ist, wie J. H. JÄCK71 und G. BUCHDA72 annehmen (siehe oben II), erscheint mir recht fraglich, ja unwahrscheinlich. Diese Schrift ist dogmengeschichtlich von großer Bedeutung, weil darin mit der Theorie eines dominium plurium in solidum in der ehelichen Gütergemeinschaft des Bamberger Rechts die Entwicklung des Gesamthandeigentums eingeleitet wurde73.

Jäck74 hielt Beckmann „fast bestimmt“ für den Verfasser. Er führt folgende Gründe an: Der Libellus sei mit denselben Lettern wie Beckmanns Doctrina juris, nämlich mit denen J. Ph. Miltenbergers (Nürnberg), gedruckt. Man kenne keinen einheimischen Gelehrten jener Zeit, „welcher mit mehr Sachkenntnis aus guten Quellen könnte geschöpft haben“. Wäre der Verfasser des Libellus in einem Eingeborenen zu suchen, so würde man ihn leichter entdeckt haben. Beckmann habe sich schon früher des Pseudonyms eines Veridicus Constans75 bedient. [Seite: 651]

Buchda76 räumt ein, daß man zu keiner Gewißheit gelangt. Für die Urheberschaft Beckmanns sprechen seiner Ansicht nach folgende Umstände77: Als Kanzleidirektor oder Konsulent des Michelklosters bei Bamberg stand Beckmann unmittelbar an der Quelle des Bamberger Rechts. Beckmann hatte wegen seines Konflikts mit Pufendorf einen Grund, sich eines Pseudonyms zu bedienen. Hinzu kommt die Ähnlichkeit der Pseudonyme Iustus Veracius und Veridicus Constans, dessen sich Beckmann nachweislich bedient hat. In der Vorrede (Ad Lectorem) des Libellus sieht Buchda78 eine Anspielung auf die beiden Pseudonyme; der zweite Absatz beginnt: „Nos, qui Iustitiae et veritatis studium constanter coluimus, …„; in „Iustitiae et veritatis“ verstecke sich der Iustus Veracius, in „veritatis studium constanter“ der Veridicus Constans.

Dagegen läßt sich einwenden, daß das Pseudonym Veridicus sehr beliebt und häufig war79. Es ist ferner verständlich, daß Beckmann seine Streitschriften gegen Pufendorf unter einem Pseudonym veröffentlichte, aber es bestand kein Grund dafür, die kleine Abhandlung über das Bamberger Gewohnheitsrecht pseudonym zu publizieren. Beckmanns Reformata doctrina juris erschien im selben Jahre wie der Libellus (1681) unter seinem Namen. Beckmann war 1681 bereits wohlbestallter innerösterreichischer Regimentsrat in Graz.

Gegen die Urheberschaft Beckmanns spricht vor allem ein inhaltlicher Vergleich der Reformata doctrina juris mit dem Libellus einerseits und mit der Idea juris andererseits. Bei den Artikeln der Reformata doctrina juris und der Idea juris lassen sich vielfache, oft wörtliche Übereinstimmungen feststellen, so bei Consuetudo80, Emphyteusis81, Testamentum82; die entsprechenden Materien im Libellus (De Consuetudine S. 1 ff., Emphyteusis S. 35 f.; Testamentum S. 121 f.) zeigen hingegen keinerlei Anklänge; auch die Allegationen im Libellus zeigen keine Entsprechungen.

In der Vorrede zur Idea juris (1688) führt Beckmann voll Stolz seine juristischen Werke an; der Libellus Consuetudinum Principatus Bambergensis ist nicht darunter. Beckmann hätte keinen Grund gehabt, dieses Werk zu verleugnen. [Seite: 652]

IV.

„Das Thema von der Notwendigkeit der Gesetzgebung ist im 17. Jahrhundert nicht von der Tagesordnung geschwunden83.“

Nach den bekannten Kodifikationsplänen von LORIOZ84 und HOTOMANUS85 sowie der Anregung OLDENDORPS86 sind für das 17. Jahrhundert vor allem die Programme von HERMANN CONRING, LEIBNIZ und PHILIPP BURGHARD hervorzuheben.

Während H. Conring87 für eine Gesetzgebung eintrat, die teils von Kaiser und Reich, teils von den einzelnen Territorien ausgehen sollte88, entwickelte Leibniz89 in jungen Jahren den Plan eines Corpus Iuris Reconcinnatum90. Das Corpus Juris Civilis und das Corpus Juris Canonici sollten in einem knappen, übersichtlich und klar gefaßten Gesetzbuch zusammengefaßt werden91. Das geltende Recht sollte nicht in seiner Substanz verändert werden; den Sätzen des römischen Rechts sollte eine solche Gestalt gegeben werden, daß seine Übereinstimmung mit dem Naturrecht klar in Erscheinung trete92. [Seite: 653]

In späteren Jahren ging Leibniz weiter. In den Jahren 1678 und 1688 regte er die Ausarbeitung eines Codex Leopoldinus an93. Dieser Codex sollte das Corpus Iuris Civilis weitgehend ablösen. Leibniz wollte nun neben dem römischen Recht das deutsche Recht, andere europäische Landesrechte und die Grundsätze der höchstgerichtlichen Rechtsprechung berücksichtigen94. Wie F. STURM95 sehr eindrucksvoll aufgezeigt hat, stehen Leibniz‘ Kodifikationspläne durchaus in Einklang mit seiner Bewunderung und Verehrung für das römische Recht und die römische Rechtswissenschaft.

Im Jahre 1682 erschien von Philipp BURCHARD eine Schrift „De hodiernae iurisprudentiae naevis et remediis discursus96. Burchard, der mehrfach HOTMANS Antitribonian zitiert, kritisiert zunächst die Rechtszustände seiner Zeit, insbesondere übt er Kritik an der communis opinio. Burchard verlangt nicht ein neues Gesetzbuch, sondern eine Entscheidung der Kontroversen durch die Staatsgewalt, einen novus decisionum codex; dieser sollte nicht durch das Reich, sondern auf Landesebene geschaffen werden.

Nikolaus Beckmann entwickelte bereits in der Vorrede der Reformata doctrina juris (1681), gerichtet an Kaiser Leopold I., den Plan der Schaffung eines Corpus juris Leopoldinum, den er dann in der Idea juris (1688) weiter ausführte97. 1681 war Beckmann bereits innerösterreichischer Regimentsrat.

Beckmann schlägt in der Vorrede zur Reformata doctrina juris vor, daß Kaiser Leopold I. als redivivus et alter Justinianus das gesamte Rechtsstudium in allen Teilen (Institutionen, Digesten, Codex, Novellen und Feudalrecht) in der Weise reformieren solle, daß er unter Weglassung aller obsoleten und antiquierten Bestimmungen, welche bei den Gerichten keine Anwendung mehr finden, ein novum excultum corpus juris Leopoldinum ex jure Justinianeo, feudali, Recessibus imperii et jure canonico schaffen solle, in quo nihil esset positum, nisi in
foris et Tribunalibus Germaniae pro hodierno reipublicae statu magnam haberet utilitatem, sicque illud amplissimum et difficillimum juris studium in concinnam Juris Doctrinam immortali ac Gloriosissimo Vestro Caesareo conanime prudenter redigeretur
.

Beckmann führt dann in 27 Punkten an, welche Titel bzw. ganzen Bücher der Digesten als obsolet und bei den Gerichten nicht mehr anwendbar weggelassen werden sollten98. Diese weggefallenen Titel der Digesten sollten ersetzt werden [Seite: 654]
ex jure feudali, Recessibus imperii, jure publico, et canonico. Beckmann spricht von nova Digesta Leopoldina.

Die justinianischen Institutionen müßten als totius juris compendium, vel prima juris-incunabula, ex novis compilatis Digestis Leopoldinis bearbeitet werden.

Codex und Novellen würden überflüssig, wenn daraus die bei den Gerichten in Anwendung stehenden Bestimmungen in die neuen Digesten übernommen
würden. Auch das jus feudale wäre in diese Digesten in zwei oder drei Büchern aufzunehmen.

Das neue Gesetzeswerk bestünde somit nur aus zwei Teilen, aus Institutionen und Digesten99.

Über die Methode der Darstellung führt Beckmann (Vorrede der Reformata doctrina juris) aus: Ut autem hisce praecedentibus recte observatis hoc novum opus Leopoldinum nomen Juris Doctrinae, et solidae jurisprudentiae contra juris osores tanto magis justissime obtineat; omnes tituli sic generaliter in novis Digestis Leopoldinis sunt tractandi, ut (1) perfectae et adaequatae formentur definitiones, (2) plenae et necessariae subjiciantur divisiones, (3) ut postea omnis, quae ad necessariam et essentialem cujuslibet materiae informationem quovis modo faciunt, plenarie apponantur. (4) ut bis breviter annectatur actio inde nascens, cui competat actio, contra quem, et ad quid, et (5) ut causa efficiens, materialis, formalis, et finalis, causarumque effectus succincte et clare exprimantur; quoniam rem accurate scire est per causas cognoscere, docente sic Aristotele. Diese Causa-Lehre geht auf Aristoteles zurück und wurde von der mittelalterlichen Rechtswissenschaft übernommen100.

Beckmann meint, daß dieses Werk binnen drei Jahren vollendet werden könne, wenn sieben Rechtsgelehrte unter der Leitung eines neuen Tribonian damit betraut würden101. Dieses neue Gesetzeswerk würde wie das justinianische Corpus von allen Königen und Völkern der christlichen Welt angenommen werden.

In der Idea juris (1688) wiederholt Beckmann in der Vorrede an Kaiser
Leopold I.
seine Aufforderung, ein Corpus juris Leopoldinum zu schaffen: Quid quaeso foret melius, quid utilius, quidve Reipublicae Rom. Germanicae salutarius, quam si Sacra Vestra Caesarea Majestas ex toto jure Rom. ea saltem, quae juris [Seite: 655] naturae, et gentium sunt, per optimos JCtos theoria, et praxi simul illustres excerpere juberet, ex quibus omnibus (adjectis insuper ex jure Divino, jure
Canonico, in materiis casus conscientiae concernentibus, jure feudali, criminali, et jure publico, utilibus omnibus) unum bene formatum juris corpus undiquaque perfectum formare vellet
. Beckmann schlägt nun eine Gliederung des Werkes in zehn bzw. zwölf Bücher vor, die sich in Titel, Leges und Paragraphen gliedern sollen.

Er sieht folgende Einteilung vor:

Lib. I generalia juris et actionum humanarum principia
Lib. II de judiciis et foro competenti
Lib. III de personis in genere
Lib. IV de rebus in genere
Lib. V de contractibus
Lib. VI de sponsalibus et matrimoniis, de juramentis, usuris, usucapionibus et praescriptionibus, piis causis et reliquis casibus conscientiam concernentibus
Lib. VII de testamentis et legatis
Lib. VIII de actionibus in genere
Lib. IX de privatis delictis
Lib. X de publicis delictis
Lib. XI de jure publico Novissimo et Regalibus
Lib. XII de jure feudali

Beckmann will das römische Recht grundsätzlich beibehalten, soweit es bei den Gerichten noch in Anwendung steht; die obsoleten Bestimmungen sollen im neuen Gesetzbuch durch jene aus dem Feudalrecht, den Reichsabschieden und dem kanonischen Recht ersetzt werden.

Die gesamte Rechtsmaterie soll in eine wohlgeordnete Form gebracht werden: omniaque in universalem concinnam Juris Doctrinae formam commode redigi possent (in Vorrede an Kaiser in der Reformata doctrina juris).

Während Beckmann nach seinem Vorschlag in der Reformata doctrina juris die Gliederung der Digesten in 50 Bücher beibehalten will102, schlägt er in der Idea juris eine Gliederung in zehn bzw. zwölf Bücher vor103. Seine Einteilung zeigt eine gewisse Anlehnung an die Institutionenordnung (III de personis in [Seite: 656] genere, IV de rebus in genere, VIII de actionibus in genere), freilich in starker
Weiterentwicklung.

Inwieweit Beckmanns Kodifikationsplan104 durch Conring105 oder Leibniz beeinflußt ist, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Die Leibnizsche Programmschrift „Ratio corporis iuris reconcinnandi“ (1668) dürfte Beckmann wohl bekannt gewesen sein. Ob Beckmann auch von Leibniz‘ Plan eines Codex Leopoldinus (s. o.) Kenntnis hatte, scheint fraglich. Zwischen den Programmen von Leibniz und Beckmann läßt sich eine Reihe von Parallelen feststellen. Wie Leibniz will Beckmann grundsätzlich am römischen Recht festhalten und es nur in eine neue Form bringen, wobei Feudalrecht, kanonisches Recht und Reichsabschiede eingebaut werden sollen. Beckmann verwendet den charakteristischen Ausdruck „concinna Juris Doctrinae forma“ bzw. „concinna Juris Doctrina„. Den Geltungsgrund des römischen Rechts sieht Beckmann darin, daß es sich auf die naturalis ratio und aequitas gründe (s. o. bei Anm. 51).

Beckmanns Kodifikationsplan macht einen recht überlegten und abgewogenen Eindruck; auch die Durchführung ist durchdacht. Ein unmittelbares Vorbild muß nicht gegeben sein. Beckmann wußte sicherlich von den Reformprogrammen des Conring und Leibniz, entwickelte aber ein selbständiges Konzept. Beckmanns Kodifikationspläne stehen denen eines Conring, Leibniz oder gar Philipp Burchard nicht nach. Freilich bleiben auch seine Vorschläge noch ungehört; die Zeit war für eine Kodifikation noch nicht reif106.

Von bleibendem Wert war hingegen seine Darstellung des steirischen und österreichischen Statutar- und Gewohnheitsrechtes im Vergleich mit dem römisch-gemeinen Recht, die Idea juris, die bis zum Inkrafttreten des ABGB von praktischer Bedeutung war. Noch in einer oberstgerichtlichen Entscheidung aus dem Jahre 1857107 wird dieses Werk zitiert. Es stellt heute unsere wichtigste Erkenntnisquelle des innerösterreichischen Gewohnheitsrechtes des 16. und 17. Jahrhunderts dar108.

1. Vgl. J. C. HOFRICHTER, Quellen des steirischen Staats- und Privatrechts (Graz 1846), S. 28 ff.; LUSCHIN, Österr. Reichsgeschichte (1896), S. 367 f., 380; A. EHRENZWEIG, System des österr. allg. Privatrechts2 I/2 (1951), S. 22 f.; A. MELL, Grundriß der Verfassungs- u. Verwaltungsgeschichte des Landes Steiermark (1929), S. 285 f.; HELLBLING, Österr. Verfassungs- u. Verwaltungsgeschichte (1956), S. 282 f.; M. RINTELEN, Festschrift Steinwenter (1958), S. 86; WESENER, Das innerösterr. Landschrannenverfahren im 16. u. 17. Jahrhundert (1963), S. 23, 31 A. 40; BALTL, Österr. Rechtsgeschichte (Graz 1972), S. 162. — Zu anderen steirischen Juristen des 16. bis 18. Jahrhunderts G. PSCHOLKA, Die Rechtslehrer der steirischen Landschaft in Graz, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 9 (1911), S. 29 ff.; vgl. MELL, a.a.O., S. 479 f.; WESENER, a.a.O., S. 33 A. 19.

2. Vgl. Chr. G. JÖCHER, Allg. Gelehrten-Lexikon I (1750), Sp. 902 f.; MUTHER, Allg. deutsche Biographie II (1875), S. 239; G. CARLQUIST, Svenskt Biografiskt Lexikon III (1922), S. 15 ff.; G. BUCHDA, Geschichte und Kritik der deutschen Gesamthandlehre (1936), S. 125 (A. 2); E. WOLF, Große Rechtsdenker der deutschen Geistesgeschichte4 (1963), S. 338 f.; U. SCHEUNER, in: Die großen Deutschen. Deutsche Biographie V (1957), S. 132 f.

3. Vgl. dazu LUSCHIN, Österr. Reichsgeschichte, S. 367 f.; EHRENZWEIG, Systeme2 I/1, S 22 (A. 27).

4. CARLQUIST, a.a.O., S. 15, gibt 1635 als Geburtsjahr an; vgl. aber die Altersangabe in der „Panegyrica epistola“ in der Idea juris (1688) (nach Autorenverzeichnis): „ad annum aetis tuae 54. senilem„.

5. Ausführlicher Lebenslauf in JOHANNIS MOLLERI Flensburgensis „Cimbria Literata sive Scriptorum Ducatus Utriusque Slevicensis et Holsatici … Historia Literaria Tripartita“ (Hauniae 1744 fol.) Tom. I, S. 35-37. Darauf beruhen die Angaben bei CHR. G. JÖCHER, Allg. Gelehrten-Lexikon I (1750), Sp. 902 f., und im wesentlichen bei JOACHIM HEINRICH JÄCK, Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs (Bamberg u. Erlangen 1812-1815), Sp. 69 ff. u. 1179; ferner MUTHER, Allg. deutsche Biographie II (1875), S. 239; eingehend G. CARLQUIST, Art. Beckman, Nils, in: Svenskt Biografiskt Lexikon III (1922), S. 15 ff. Alle diese Artikel enden mit der Tätigkeit Beckmanns im St.-Michels-Kloster zu Bamberg. — Zur Tätigkeit in der Steiermark vgl. die Berichte über die Vorträge von C. G. R. v. LEITNER, Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark 9 (1859), S. 45 f. und von F. BISCHOFF, ebendort 31 (1883), S. IX f.; vgl. ferner F. BYLOFF, Das Verbrechen der Zauberei (crimen magiae) (1902), S. 60 A. 104; E. PLANER, Recht und Richter in den innerösterreichischen Landen (1911), S. 232; zuletzt G. BUCHDA, Geschichte und Kritik der deutschen Gesamthandlehre (1936), S. 124 ff.

6. Aufgrund einer Disp. inauguralis de judiciis (Orleans 1666); Vgl. CARLQUIST, a.a.O., S. 15 u. 19.

7. Auch noch in der Idea juris; vgl. BUCHDA, a.a.O., S. 130. Das Symbolum „Sincere et constanter“ findet sich bei HEINRICH HAHN in dessen Observata theoretico practica ad M. Wesenbecii in libros 50 Digestorum commentarios, Helmstädt vol. I (1650) [Google-Digitalisat: 1668], vol. II (1653), vgl. u. Anm. 63. Beckmann hat bei Hahn in Helmstädt wohl Vorlesungen gehört (1662).

8. JÖCHER, a.a.O. I, Sp. 903.

9. BECKMANN bezeichnet sich in der Vorrede seiner Idea juris als „primarius Juris Professor in Regia Suecorum Academia„.

10. CARLQUIST, a.a.O., S. 15.

11. Vgl. Vorrede in Idea juris; CARLQUIST, a.a.O., S. 15 f.

12. Vgl. MUTHER, Allg. deutsche Biographie II, S. 239.

13. JÖCHER, a.a.O. I, Sp. 903; MUTHER, a.a.O. II, S. 239.

14. Index novitatum quarundam, quas Dnus Samuel Puffendorff libro suo de jure naturae et gentium contra orthodoxa fundamenta Londini edidit [Giessen] 1673.

15. MUTHER, a.a.O. II, S. 239; eingehend zum Streit CARLQUIST, a.a.O., S. 16 ff. Vgl. E. WOLF, Grotius, Pufendorf, Thomasius (Tübingen 1927), S. 71 f.; ders., Große Rechtsdenker der deutschen Geistesgechichte4 (1963), S. 338 f.; BUCHDA, a.a.O., S. 125 A. 2. Die Streitschriften PUFENDORFS gegen Beckmann sind gesammelt in der Eris Scandica (1686 u. ö. als Anhang zum Jus naturae et gentium). Gegenschriften BECKMANNS erschienen unter dem Pseudonym Veridicus Constans; vgl. CARLQUIST, a.a.O., S. 19. Vgl. zum Streit C. F. HOMMELII „Litteratura juris“ (1761), § 93.

16. Vgl. „Panegyrica epistola“ in der Idea juris.

17. Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs (1812-1815) Sp. 71. Zu dieser Frage eingehend BUCHDA, a.a.O., S. 124 ff. Vgl. u. III.

18. Vgl. Vorrede (Widmung) in der Idea juris; vgl. dazu und zum folgenden F. BISCHOFF, Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark 31 (1883), S. IX

19. Mit kaiserl. Resolution vom 3. Mai 1680; Beckmann erhielt auf der Gelehrtenbank die Regimentsratsstelle des verstorbenen Herrn von Pfeifersberg (Steierm. Landesarchiv, innerösterreichische Hofkammerakten 1680-VIII-28); Beckmann wurde wegen seiner „sehr guten Qualiteten, Studii und in Justicisachen erworbenen erfahrenheit“ ernannt (Hofkammerakten 1680-VII-51). — Zum Einfluß der steirischen Stände bei der Besetzung von Regierungsratsstellen V. THIEL, AÖG 111 (1930), S. 532 ff.

20. BECKMANN (Idea juris 403) bezeichnet sich selbst als „senior inter literatos consiliarios excelsi Regiminis, der absente Domino Cancellario, allezeit seine Stelle, qua Vice-Cancellarius gebührender massen vertritt„. Beckmann beklagt sich 1688 in einem Schreiben an Kaiser Leopold I., daß er bei der Besetzung des Kanzleramtes mehrmals übergangen wurde (Steierm. Landesarchiv, Hofkammerakten 1688-VI-43).

21. Vgl. dazu LEITNER, Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark 9 (1859), S. 45 f.

22. Vgl. BECKMANN, Idea juris 229. — Der innerösterreichische Regimentsrat Graf Erasmus von Tattenbach, der mächtigste Adelige des steirischen Unterlandes, war wegen seiner Teilnahme an der Verschwörung Zrinyis gegen den Kaiser am 1. Dezember 1671 im Saale des Grazer Rathauses enthauptet worden; Adel und Besitz waren ihm vorher aberkannt worden. Dazu H. PIRCHEGGER, Geschichte der Steiermark 1282-1740, 2. Aufl. (1942), S. 517; vgl. F. POPELKA, Geschichte der Stadt Graz I (1928), S. 147 ff.; BECKMANN, Idea juris, S. 87.

23. Steierm. Landesarchiv, Hofkammerakten 1680-VII-7; Vgl. POPELKA, a.a.O. I, S. 154.

24. Vgl. BECKMANN, Idea juris, S. 426 s. v. Sagae; PLANER, Recht und Richter in den innerösterreichischen Landen (1911), S. 272 f.; BYLOFF, Das Verbrechen der Zauberei (1902), S. 57 ff.

25. Vgl. auch Idea juris, S. 563 ff. s. v. Zauberey u. Zauberer.

26. Vgl. o. Anm. 1; unten III. — Für dieses Werk erhielt Beckmann von Kaiser Leopold I. eine Gratifikation von 3000 Gulden (Steierm. Landesarchiv, Hofkammerakten 1688-VI-43).

27. Begraben in St. Peter bei Graz.

28. Beckmann war somit verschwägert mit Dr. Erasmus Friedrich Ritter von Wottgo, innerösterreichischer Regierungsrat, 1693 innerösterreichischer Regimentskanzler. Vgl. BECKMANN, Idea juris, S. 403, 579; THIEL, AÖG 111 (1930), S. 629; Steierm. Landesarchiv, Altes Landrecht, Schuber 1466 (Wottgo); Schuber 417 (Hercules).

29. Steierm. Landesarchiv, Hofkammerakten 1689-IX-6. — Beckmann gehörte das Haus in der Neugasse (später Hans-Sachs-Gasse) Nr. 5; vgl. POPELKA, a.a.O. I, S. 250 u. 541 b.

30. Vgl. BISCHOFF, a.a.O., S. IX f. — Das Testamentum reciprocum des Nicolaus von Beckmann und seiner Gemahlin Catharina Victoria vom 1. Jänner 1689 befindet sich im Steierm. Landesarchiv, Altes Landrecht, Schuber 58 (Beckmann); Beckmann setzte seine Frau als Universalerbin ein; er verschaffte den „rechten armen leuten vierhundert gülden“ und „einen Altar nach St. Peter“.

31. Vgl. BUCHDA, a.a.O., S. 131. Bezeichnend ist wohl, daß Beckmann seiner Reformata doctrina juris ein „Carmen Gratulatorium“ und seiner „Idea juris“ eine „Panegyrica epistola“ eines Freundes voranstellt. Vgl. auch Beckmanns Schreiben an Kaiser Leopold I. vom Jahre 1688 (o. Anm. 20).

32. Vgl. Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark 31 (1883), S. IX f.

33. Vgl. BYLOFF, Das Verbrechen der Zauberei, S. 60 A. 104.

34. Siehe das Verzeichnis von Beckmanns Werken bei CARLQUIST, a.a.O., S. 19; Deutscher Gesamtkatalog, hrsg. v. d. Preußischen Staatsbibliothek, 14 (1939), Sp. 671 f.

35. Vorbild für die seltene Bezeichnung „Medulla“ war vielleicht das Werk von JOHANN TILEMANN, Medulla monitorum ad disputationes Treutleri (Francof. 1660); dazu STINTZING, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft I (1880), S. 467.

36. Vgl. JÖCHER, a.a.O. I, Sp. 902.

37. MUTHER, a.a.O. II, S. 239. — Vgl. die Kritik in PUFENDORFS Eris Scandica, S. 141 (s. o. Anm. 15): „Ex Medulla Justinianea nihil tuum est praeter laciniosum titulum, et praefationem ad lectorem. Dedicationem amicus quidam composuit; ipsum opus plagio subductum: quod cuivis ex stylo patere potest. Et mirum tantum est, quare tantis elogiis commendatus liber tam raros invenerit emtores, ut gratis tibi pleraque exemplaria fuerint distributa.“ Vgl. BUCHDA, a.a.O., S. 130 A. 19.

38. Vgl. etwa Liber I Tit. III Th. 35. Consuetudo (a) moribus (b) diuturnis tacito utentium consensu constituitur (c) [p. 49]. Th. 36. Causa efficiens consuetudinis est tacitus populi consensus [p. 50]. Th. 44. Princeps legibus est solutus (a) attamen se legibus alligatum profitetur (b) [p. 51].

39. Vgl. CARLQUIST, a. a. O., S. 15 f., 19.

40. Beckmann zitiert dieses Werk in seiner Idea juris (Vorrede) als Commentarius ad Institutiones Juris.

41. Der vollständige Titel lautet: Reformata Doctrina Juris, qua Totum Jus Romanum cum suis juris principiis tam quoad theoriam, quam hodiernam Tribunalium Germanicorum praxin ex jure naturae et gentium perspicue deductum, rationibus Philosophicis et Juridicis illustratum et Recessibus Imperii, ut et jure Canonico et Divino sic roboratum est, ut omissis inutilibus et obsoletis utilissima saltem juris pro praesenti usu forensi in illa clare et perspicue tractentur, et sufficienter declarentur, annexo sparsim jure statutario Austriaco.

42. Vgl. zu den Werken des Usus modernus pandectarum WIEACKER, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit2 (1967), S. 217 ff.; WESENBERG-WESENER, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte2 (1969), S. 104 f.; A. SÖLLNER, Zu den Literaturtypen des deutschen usus modernus, IUS COMMUNE II (1969), S. 167 ff., bes. 184 (Lexica); K. LUIG, IUS COMMUNE III (1970), S. 64 ff., bes. 66 f.

43. Vgl. LUSCHIN, Österr. Reichsgeschichte, S. 367 f. — S. u. IV.

44. … et quasi toto juris civili commentario incipiam, quinam tituli et libri qua obsoleti, inque foris et Tribunalibus hodiernis nullum amplius usum habentes in Digestis utiliter omitti debeant.“ (Vorrede zur Reformata doctrina juris.)

45. S. 1000 f. s. v. Successio.

46. S. 626 f., 629. Vgl. auch S. 1020 s. v. Testamentum u. S. 1032 f. („In Tribunalibus Austriacis …„)

47. S. o. Anm. 20.

48. Vgl. dazu J. C. HOFRICHTER, Quellen des steirischen Staats- und Privatrechts (1846), S. 28 ff.; M. RINTELEN, Festschrift Steinwenter (1958), S. 86 f. — Von HERM. VULTEJUS stammt ein Werk mit dem Titel Idea juris logica (1586); Vgl. STINTZING, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft I, S. 455, 459.

49. S. o. Anm. 1. — Zur Differentienliteratur in Österreich LUSCHIN, Österr. Reichsgeschichte, S. 367 f.; M. RINTELEN, B. Walthers privatrechtliche Traktate aus dem 16. Jahrhundert (1937), S. 46* ff.; BALTL, Österr. Rechtsgeschichte (1972), S. 161 f. — Zur Differentienliteratur im allg. STOBBE, Geschichte der deutschen Rechtsquellen II (1864), S. 155 ff.; STINTZING-LANDSBERG, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft III/1 Noten (1898), S. 32; H. CONRAD, Deutsche Rechtsgeschichte II (1966), S. 350; A. SÖLLNER, IUS COMMUNE 11 (1969), S. 185.

50. Vgl. EHRENZWEIG, Systeme I/1, S. 23 (A. 29).

51. Vgl. zu den steirischen Rechtsquellen LUSCHIN, a.a.O., S. 376 ff.; MELL, a.a.O., S. 280 ff. — Vgl. auch die Vorrede in der Idea juris „Benevole Lector„: …..cum quilibet incertus haereat, num jus statutarium in illo casu observetur, sitque norma illius; vel utrum consuetudo contrarium velit; aut an utroque deficiente jus Rom. in illo casu praedominetur.” Vgl. LUSCHIN, a.a.O., S. 368 A. 6.

52. Vgl. LEITNER, Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark 9 (1859), S. 46.

53. Vgl. LEITNER, a.a.O., S. 46; PLANER, Recht und Richter in den innerösterr. Landen, S. 105. — Zu den Landgerichten vgl. LUSCHIN, a.a.O., S. 453 f., 459; für Steiermark MELL, a.a.O., S. 491 ff.; ders., Versuche zur Verstaatlichung der Strafgerichte in Österreich vor dem Jahre 1849, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 14 (1916), S. 1 ff. — Schon im Jahre 1633 sprach die steirische Landschaft den schlechten Zustand der Strafgerichtspflege offen aus: „daß die herren und landleute die justici in criminalsachen sehr schlecht und übel administrieren.“ (MELL, Grundriß, S. 493 A. 1152).

54. Reformata doctrina juris 302 f. s. v. Domus sive aedes disciplinares; Idea juris, S. 572 s. v. Zucht-Häuser; vgl. S. 198 f. s. v. Homines otiosi a. E.

55. Zur geschichtlichen Entwicklung der Freiheitsstrafe und der Zuchthäuser R. v. HIPPEL, Deutsches Strafrecht I (1925), S. 242 ff.; ders., Die Entstehung der modernen Freiheitsstrafe und des Erziehungsstrafvollzugs (1931); H. v. WEBER, Die Entwicklung des Zuchthauswesens in Deutschland im 17. u. 18. Jahrhundert, Festschrift A. Zycha (1941), S. 427 ff.; E. SEELIG, Lehrbuch der Kriminologie2 (1951), S. 290 f.; M. HORROW, Grundriß des österr. Strafrechts, Allg. Teil, 2. H. (1952), S. 35 f.; H. CONRAD, Deutsche Rechtsgeschichte II (1966), S. 423 f. — In den katholischen Ländern fand das Zuchthaus erst im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts Eingang, wobei merkantilistische Gedankengänge eine Rolle spielten (v. WEBER, a.a.O., S. 454 ff.). — Zum Wiener Zuchthaus (1671), v. WEBER, a.a.O., S. 456 f.

56. Vgl. F. STURM, Das römische Recht in der Sicht von G. W. Leibniz (1968), S. 30 (A. 71).

57. Idea juris, S. 322 f. s. v. Opifices.

58. Idea juris. S. 322 a. E.: „In Gallia, et Hollandia, opificia plurimum florent, quod inde fit, quia cuilibet bono opifici, ibi datur liberrima facultas, opificium suum, pro viribus exercendi.“

59. Idea juris, S. 45 s. v. Bona ecclesiastica; vgl. S. 513 ff. s. v. Türcken-Steur.

60. Idea juris, S. 521 s. v. Venatio.

61. Idea juris, S. 238 s. v. Jus.

62. Vgl. STINTZING, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft II (1884), S. 231; EHRENZWEIG, System2 I/1, § 33; WESENBERG-WESENER, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte , S. 111.

63. Observata theoretico practica ad M. Wesenbecii in libros 50 Digestorum commentarios, Helmstädt vol. I (1650), vol. II (1653), mehrere Ausgaben [hier 1658 H.S.]. Vgl. STINTZING a. a. O. II, S. 230 f. — S. o. Anm. 7.

64. Vgl. o. Anm. 7.

65. STINTZING, a. a. O. II, S. 230.

66. Vgl. das Literaturverzeichnis in der Idea juris (nach Vorreden): „Autores, quos pro necessitate saltem ad asserta mea defendenda allegavi, sunt sequentes; …

67. Vgl. LUSCHIN, Österr. Reichsgeschichte, S. 364 ff., 376; WESENER, Geschichte des Erbrechtes in Österreich seit der Rezeption (1957), S. 17 ff.; RINTELEN, Festschrift Steinwenter (1958), S. 83 ff.

68. Beckmann zitiert ihn im Autorenverzeichnis als „Waltherus in suis manuscriptis de jure consuetudinario Austriaco, Austriacorum Jctorum Primarius„. Walthers Traktate waren zu Beckmanns Zeit nur handschriftlich verbreitet (vgl. LUSCHIN, a.a.O., S. 370, 376. Vgl. das Handschriftenverzeichnis bei RINTELEN, B. Walthers privatrechtliche Traktate p. XV ss.); zwölf privatrechtliche Traktate wurden 1716 und 1718 im Anhang zu SUTTINGERS Consuetudines Austriacae abgedruckt (LUSCHIN, a.a.O., S. 376; RINTELEN, a.a.O., S. 55* ff.).

69. Beckmann zitiert „Weingartneri Institutiones ad jus Statutarium Austriacum„; gemeint ist die „Con- et discordantia juris consuetudinarii Austriaci supra Anasum, cum jure communi, in quatuor institutionum libris remonstrata“ (Norimbergae 1674) des JOHANN WEINGÄRTLER (= WEINGÄRTNER); Vgl. STUBENRAUCH, Bibliotheca juridica austriaca (1847), S. 347.

70. Vgl. WESENER, Das innerösterreichische Landschrannenverfahren (1963), S. 23; 62 A. 12; 66 (A. 36); 69 (A. 48); ders., Das Verfahren vor der niederösterreichischen und der innerösterreichischen Regierung als erster Instanz, § 2 bei Anm. 42 u. 43 (erscheint im Sammelband „Die Steiermark im 16. Jahrhundert„).

71. Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs (1812-1815), Sp. 71.

72. Geschichte und Kritik der deutschen Gesamthandlehre (1936), S. 124 ff.

73. Dazu BUCHDA, a.a.O., S. 115 ff.; WESENBERG-WESENER, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte2, S. 111.

74. a.a.O., Sp. 71; vgl. BUCHDA, a.a.O., S. 126.

75. Als Verfasser einer Schmähschrift gegen Pufendorf; vgl. BUCHDA, a.a.O., S. 129 A. 17. Vgl. o. Anm. 15.

76. a.a.O., S. 127.

77. a.a.O., S. 129 ff.

78. a.a.O., S. 130.

79. Bei E. WELLER, Lexicon Pseudonymorum (1886) finden sich zwei Spalten „Veridicus“.

80. Reformata doctrina juris 226 ff.: „Consuetudo (eine wohlhergebrachte Gewohnheit) est jus non scriptum sine publica sanctione, tacito populi, vel Principis consensu moribus diuturnis introductum,…„; Idea juris 76ff.: „Consuetudo (vulgo ein wol hergebrachte Gewonheit oder Landes-Gebrauch) est jus non scriptum, sine publica expressa sanctione, tacito populi vel Principis consensu, moribus diuturnis introductum, § 3. Inst. de J. N. G. et Civ.“ [= Inst. Iust. I, 2, 3.] Vgl. auch Medulla Iustinianea (o. Anm. 38).

81. Reformata doctrina juris, S. 322 ff.; Idea juris, S. 131 ff.

82. Reformata doctrina juris, S. 1020 ff.; Idea juris, S. 477 ff.

83. J. BARON, Franz Hotmanns Antitribonian (Bern 1888) p. XXVI. — P. KOSCHAKER, Europa und das römische Recht4 (1966), S. 182 A. 3 geht vielleicht zu weit, wenn er schreibt: „Seit dem 16. Jahrhundert wird aus diesen Motiven das Verlangen nach Kodifikation in den europäischen Ländern geradezu epidemisch.“ Zu den Kodifikationsprogrammen im 16. Jahrhundert mit Zurückhaltung WESENBERG, Studi Koschaker I (1954), S. 194 ff.; ders., Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte2 S. 80 f.; vgl. H. CONRAD, Deutsche Rechtsgeschichte II (1966), S. 362. — Zum Gesetzgebungsplan des Wiener Hofbibliothekars und Juristen HUGO BLOTIUS (Ende des 16. Jahrhunderts) R. KINK, Die Rechtslehre an der Wiener Universität (1853), S. 41 ff.; H. BALTL, in IUS ROMANUM MEDII AEVI V, 7 (1962), S. 70. — Vgl. S. GAGNER, Studien zur Ideengeschichte der Gesetzgebung (1960), S. 110 ff.; J. VANDERLINDEN, Le concept de code en Europe occidentale du XIIIe au XIXe siecle (1967), S. 33 ff.

84. Dazu STINTZING, a. a. O. I, S. 373 ff.

85. Hotmans Antitribonianus erschien 1567; dazu J. BARON, a. a. O.; WESENBERG-WESENER, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte2, S. 59 ff., 64 (Literatur).

86. In der Epistola dedicatoria an König Ferdinand I. zu den Actionum Forensium Progymnasmata (1543): „Quare existimo, te cum fratre tuo Carolo V. Augusto ad hoc nobis destinatum, ut expeditis bellicis occupationibus iuris tandem concordiam sis (quoad licet) orbi restituturus.“ Vgl. STINTZING, a. a. O. I, S. 329.

87. In der 3. Auflage seines Werkes De origine juris Germanici (Helmstädt 1665), 35. Cap.; dazu STINTZING, a. a. O. II, S. 176 ff.; BARON, a.a.O., S. XXVI ff.; KOSCHAKER, a. a. O., S. 182 A. 3; GAGNER, a.a.O., S. 112.

88. BARON, a.a.O., S. XXVII.

89. Vgl. STINTZING-LANDSBERG, a. a. O. III/1, S. 23 ff.; STOBBE, Geschichte der deutschen Rechtsquellen II, S. 427 A. 36; BARON, a.a.O., S. XXVIII ff.; E. MOLITOR, Der Versuch einer Neukodifikation des römischen Rechts durch den Philosophen Leibniz, Studi Koschaker I (1954), S. 357 ff.; GAGNER, a. a. O., S. 110 ff.; VIEHWEG, Topik und Jurisprudenz4 (1969), S. 51 ff.; F. STURM, Das römische Recht in der Sicht von G. W. Leibniz (Tübingen 1968); WIEACKER, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit2, S. 321 A. 40, 323.

90. Die Programmschrift „Ratio corporis iuris reconcinnandi“ erschien anonym ohne Angabe von Ort und Jahr (Frankfurt oder Mainz 1668). Vgl. F. STURM, a. a. O., S. 8 A. 9.

91. STURM, a. a. O., S. 8.

92. STURM, a. a. O., S. 16.

93. Vgl. STINTZING-LANDSBERG, a. a. O. III/1, S. 28 f. — Die Praefatio novi codicis wurde ediert von G. GRUA, Textes inédits de Leibniz II (Paris 1948), S. 624 ff. Vgl. STURM, a.a.O., S. 20 (A. 38). [Anm. HS: Vgl. die Leibniz-Ausgabe S. 2833 (= 364).]

94. Vgl. STINTZING-LANDSBERG, a. a. O. III/1, S. 28 f.; STURM, a.a.O., S. 21.

95. Das röm. Recht in der Sicht von G. W. Leibniz (1968), S. 16 ff., 21 ff.

96. Dazu BARON, a.a.O., S. XXXI ff.

97. Vgl. dazu LUSCHIN, Österr. Reichsgeschichte (1896), S. 367 f.

98. So z.B. 1) Omnes tituli de officiis Magistratuum Romanorum ut obsoleti et abrogat in Digestis a titulo 9. libri primi usque ad finem dicti libri excepto titulo 21. omittendi sunt, …; 17) Liber 30. 31 et 32. ff. de legatis coarctandi sunt in unum librum accurata methodo; ne materia legatorum sic confuse passim tractetur.

99. … quoniam totum jus in duas saltem partes, nimirum in Institutiones, ceu totius juris compendium, et in Digesta, ceu substantiale sive universale juris corpus dividendum puto;…

100. Dazu SÖLLNER, Ztschr. Sav. Stift., rom. Abt., 77 (1960), S. 182 ff.; WESENBERG-WESENER, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte2, S. 44.

101. Beckmann schlägt folgende Vorgangsweise vor: 1) Ein Jurist solle die Institutionen bearbeiten; 2) zwei Juristen sollen die neuen Digesten redigieren unter Weglassung der obsoleten Teile; 3) ein Jurist solle aus dem Codex diejenigen Bestimmungen heraussuchen, welche bei den Gerichten in Anwendung stehen und nicht ohnehin schon in den Digesten enthalten sind; 4) einer solle dieselbe Arbeit für die Novellen leisten; 5) einer solle aus dem Feudalrecht und dem kanonischen Recht die anwendbaren Bestimmungen sammeln; 6) einer solle die einschlägigen Reichsabschiede sichten.

102. Vgl. die 27 Punkte (o. Anm. 98), worin angeführt wird, welche Titel der Digesten wegfallen sollen, mitunter auch ganze Bücher: z. B. lib. 37 (Punkt 19), lib. 40 (Punkt 22). Das Feudalrecht soll als Buch 40 und 43 in die Digesten aufgenommen werden.

103. Zur Bildung eines Privatrechtssystems im 16. u. 17. Jahrhundert A. B. SCHWARZ, Ztschr. Sav.-Stift., rom. Abt. 42 (1921), S. 583 f. [= Rechtsgeschichte und Gegenwart (1960), S. 4 f.]; WIEACKER, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit2, S. 164 f.; vgl. H. COING, Zur Geschichte des Privatrechtssystems (1962), S. 42 ff.; SÖLLNER, IUS COMMUNE II (1969), S. 179. — Die systematischen Darstellungen des Usus modernus folgen im wesentlichen der Institutionenordnung (SCHWARZ, a.a.O., S. 584). Zur Ordnung bei G. A. STRUVE, Jurisprudentia Romano-Germanica forensis (1670), STINTZING, a. a. O. II, S. 157 f.

104. 104 Richtiger wäre es wohl, von einem Kompilationsplan zu sprechen. Zum Wesen der Reformprogramme vgl. WESENBERG-WESENER, a.a.O., S. 80 f.

105. Beckmann hat 1662 bei Conring Vorlesungen gehört und in dessen Hause verkehrt (s. o. II).

106. Vgl. KOSCHAKER, a.a.O., S. 182 A. 4. — Den Anstoß zur Schaffung des Codex Theresianus bot eine der Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1752 überreichte anonyme Denkschrift. Vgl. EHRENZWEIG, Systeme I/1, S. 29; Ph. HARRAS R. v. HARRASOWSKY, Geschichte der Codification des österreichischen Civilrechtes (1868), S. 38 f.; PFAFF-HOFMANN, Commentar zum österreichischen allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuche I (1877), S. 8.

107. GLASER-UNGER, Entscheidungs-Sammlung Nr. 488 (betr. Reservatwälder. Unzulässigkeit der Ersitzung von Servituten an denselben). Vgl. EHRENZWEIG, a.a.O. I/1, S. 23 A. 29.

108. Vgl. EHRENZWEIG, a.a.O. I/1, S. 22.

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