Wesener, Suttinger / Finsterwalder 2002



Wesener, Suttinger / Finsterwalder 2002 :: Transkription Speer 2013

Editorial

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Gunter Wesener, Johann Baptist Suttinger und Benedikt Finsterwalder — zwei bedeutende Juristen Österreichs im 17. Jahrhundert.

Quelle: Festschrift für Gernot Kocher zum 60. Geburtstag [= Grazer Rechts- und staatswissenschaftliche Studien Band 59] Graz 2002 S. 367 – 381.

A.

I.

Neben Bernhard Walther1, dem „Vater der österreichischen Jurisprudenz“2, ist Johann Baptist Suttinger wohl als der einflußreichste österreichische Jurist der frühen Neuzeit anzusehen. Der innerösterreichische Regimentsrat Nikolaus Beckmann3 bezeichnet in seiner „Idea juris statutarii et consuetudinarii Stiriaci et Austriaci cum jure Romano collati“ (Graecii 1688) in der Liste der Autoren (am Anfang des Werkes) Suttinger und Johann Baptist Schwartzenthaler (geb. 1615, aus Wiener Neustadt)4 als „duo magna Juris Consultorum Austriacorum lumina“.

Franz von Zeiller5 führte zu Suttingers Observationes practicae (s. u.) aus6: „An deren Stelle7 trat ein Privat-Werk eines berühmten Practikers, nähmlich Suttingers gesammelte Gerichtsgebräuche8, welches bis zur Erscheinung der Josephinischen Gerichtsordnung von Schülern der Rechts-Praxis, von Advocaten und Gerichtspersonen als die fruchtbarste Anleitung und als ein vielhältiges Handbuch zum Rechtsverfahren gebraucht wurde.“

Joseph Kreuzer9 schreibt zu Suttingers Consuetudines Austriacae: „Auf dieses Werk hat man sich zu seiner Zeit wie auf ein Gesetzbuch berufen; in jeder sogenannten Hauptschrift eines Advokaten war wohl hundertmal der Name Suttinger zu lesen, nun liegt aber sein Verdienst darin, alte Gewohnheiten zu erweisen, und ist nur von historischem Gebrauche.“

Johann Baptist Suttinger10 wurde um 1580 zu Wien geboren, immatrikulierte an der Wiener Universität im Wintersemester 1601/0211, wurde 1638 Landschreiber beim niederösterreichischen Landrecht, kaiserlicher Rat; am 21. 2. 1648 wurde er zum niederösterreichischen Regimentsrat ernannt (unter Vorbehalt seiner Stelle als Landschreiber). Im Oktober 1649 wurde er landesfürstlicher [Seite: 367] Superintendent der Universität Wien12. Mit 26. November 1649 wurde er niederösterreichischer Regimentskanzler13. Dieses Amt behielt er bis zu seinem Tode am 1. Mai 1662. Im Jahre 1661 war er noch Verwalter des Land-Untermarschallamtes geworden14. Am 26. März 1649 war ihm das Prädikat „Suttinger zum Thurnhoff“ verliehen worden (Einstandsprivileg zum Besitze des Thurnhofes zu Brunn)15. Am 9. Dezember 1658 wurde er in den niederösterreichischen Ritterstand aufgenommen. Für die Zusammenstellung der Consuetudines Austriacae erhielt er auf Bitte der Regierung von Kaiser Leopold I. zehnjährige Quartierfreiheit seines Hauses auf dem Kohlmarkte zu Wien (siehe Anm. 14).

II.

Suttinger spielte als Regierungskanzler (1649 bis 1662) eine führende Rolle bei den Arbeiten zur Schaffung einer umfassenden Landesordnung für Österreich unter der Enns im 17. Jahrhundert; es kam zur sogenannten „Kompilation der vier Doktoren“16.

Nachdem auch dem Landrechtsentwurf für Österreich unter der Enns von 1595 (Entwurf Strein/Linsmayr)17 die kaiserliche Sanktion versagt geblieben war, war es aus politischen Gründen zu einem längeren Ruhen und Stillstand der Kodifikationsarbeiten gekommen18. Ein Impuls zur Wiederaufnahme der Kodifikationsbestrebungen ging 1650 vom Landmarschall für Österreich unter der Enns Georg Achaz Grafen zu Losenstein (1597 – 1653)19 aus, der mit einem vom österreichischen Hofkanzler Dr. Johann Matthias Prückelmayr (Pricklmair)20 offensichtlich beeinflußten Plan auftrat21. Vielfach gebe es Klagen von Landesmitgliedern, da „in den n.-ö. Landen ein jus certum nicht statuiert sei, sondern bald nach den gemeinen geschriebenen Rechte, bald aber nach dem schwankenden Landesbrauche erkannt werde“22. Der Landmarschall empfahl die Aufrichtung einer beständigen Landesordnung, „damit sich in Hinkunft das Land nicht einzig und allein dem Gutdünken der Doktoren und Rechtsgelehrten unterwerfen müsse“23.

Dem neu zu wählenden Ausschuß sollten vier Doktoren beigegeben werden, welche die vorliegende Landtafel (Landesordnung) zu bearbeiten hätten24 Neben dem Regierungskanzler Dr. Johann Baptist Stuttinger von Thurnhof sollten der Landschreiber Johann Michael von Seiz (Seitz), ein Schwabe, seit [Seite: 369] 1654 niederösterreichischer Regimentsrat25 und die beiden Syndici der Landschaft Johann Georg Hartmann26 und Johann Leopold27 beigezogen werden.

Unter dem Nachfolger des Grafen von Losenstein, dem Landmarschall Ernst Herrn von Traun28, fanden in einer Versammlung der Landesmitglieder am 3. August 1651 die Anträge Losensteins einhellige Annahme29. Die bereits früher designierten Ausschüsse unter der Leitung des Landmarschalls wurden mit der Kodifikation betraut. In der Folge kam es zu einem Zusammenwirken der Kompilatoren (vier Doktoren) und des Beratungskollegiums. Zunächst berieten die Kompilatoren; über zweifelhafte Punkte holten sie die Entscheidung des Kollegiums ein30.

Zuerst arbeiteten die Kompilatoren die Landgerichtsordnung aus (1656). Im September 1658, als bereits sämtliche Traktate der Landesordnung und außerdem ein Aufsatz über das forum mercantile fertiggestellt waren, schied Suttinger aus dem Kreise aus. An die Spitze der Kommission trat nun der Regimentsrat Seiz, der auch dem Beratungskollegium als Kommissarius angehörte. Die Berufung Leopolds zum Sekretär der österreichischen Hofkanzlei hatte den Eintritt des Syndicus Dr. Franz Beck als Kompilator zur Folge31.

Den vier Doktoren standen zwei junge Gelehrte zur Seite, welche „das Material aus dem gemeinen Rechte, den Gerichtsbüchern und Generalien in locos communes zusammenzutragen, die böhmische, bayrische und andere Landesordnungen nebst der juristischen Literatur zu benutzen und auf die casus und quaestiones der Kompilatoren ihre deductiones zu übergeben hatten“32.

Nach einem Beschluß des Beratungskollegiums vom Jahre 1654 sollte die Landesordnung aus sechs Büchern bestehen: I. Die gerichtlichen Handlungen insgemein, II. De contractibus, III. De testamentis, IV. De successionibus ab intestato, V. De feudis, VI. Von der Landgerichtsordnung. Die Landgerichtsordnung sowie die Gerhabschaftsordnung blieben schließlich bei der Bücherzählung unberücksichtigt. Das V. Buch wurde in zwei Teile zerlegt, von denen der erste das Lehnrecht, der zweite die jura incorporalia behandelt33.

Diese „Kompilation der vier Doktoren“ weist bereits einen wesentlich stärkeren Einfluß des römisch-gemeinen Rechtes auf als die Landrechtsentwürfe Püdler und Strein/Linsmayer. Die Verfasser waren Rechtsgelehrte, die mit dem [Seite: 370] gemeinen Recht, aber auch mit dem Landesbrauch sehr vertraut waren. Dieser Kompilationsentwurf gibt Zeugnis für den gestiegenen Einfluß der gemeinrechtlichen Doktrin in Östereich34. Rechtshistorisch höchst interessant sind die Anmerkungen (Allegate) zu den einzelnen Paragraphen des Entwurfes, welche die Quellen anführen, die von den Verfassern herangezogen wurden35. Neben gemeinrechtlichen Quellen36 finden sich häufig Hinweise auf Bernhard Walthers Traktate, J. B. Suttingers Observationes practicae (1650), die Polizeiordnung Ferdinands I. für die fünf niederösterreichischen Länder von 1552 (repetiert und reformiert 1568), eine „Grundbuchsordnung oder instruction„, die Nürnberger Reformation von 1564, das Bayerische Landrecht von 1616, weiters auf kaiserliche Generalia und Resolutionen, Entscheidungen des landmarschallischen Gerichts für Österreich unter der Enns und der niederösterreichischen Regierung, Consuetudinarien- und Motivenbücher der niederösterreichischen Regierung, die Landtafel für Österreich ob der Enns von Dr. Abraham Schwarz von 1608/161637 sowie auf den Landsbrauch (practica quotidiana in hac provincia)38.

Während die „Kompilation der vier Doktoren“ in ihrer Gesamtheit ein Entwurf blieb, wurden doch einzelne Teile davon als selbständige Gesetze publiziert, so die Gerhabschaftsordnung am 18. 2. 1669 für Österreich unter der Enns39, der Tractatus de juribus incorporalibus am 13. 3. 1679 für Österreich unter der Enns40 und die „Neue Satz- und Ordnung vom Erbrecht außer Testament“ im Jahre 1720 für Österreich unter der Enns, 1729 für Österreich ob der Enns und die Steiermark, 1737 für Krain und 1747 für Kärnten41. Mit diesen drei Gesetzen war den Kodifikationsbestrebungen in der niederösterreichischen Ländergruppe doch ein Teilerfolg beschieden.

III.

J. B. Suttinger ist nicht nur durch seine kompilatorische Tätigkeit von Bedeutung, sondern auch als juristischer Autor und Organisator und Herausgeber von Sammelwerken. Von ihm stammen die „Consuetudines Austriacae ad stylum excelsi regiminis infra Anasum accommodatae“ (1. Aufl. Norimbergae 1716; 2. verb. Aufl. Norimbergae 1718), die in zahlreichen Handschriften schon lange vorher verbreitet waren42; sie wurden erst nach seinem Tode von einem Ungenannten ediert. Ein weiteres Werk Suttingers sind die „Observationes practicae ad stylum Judicij Provincialis Austriae infra Anasum accomodatae“ [Seite: 371] (Wien 1650; Nürnberg 1656), zweite Auflage unter dem Titel „Verneuerte Observationes practicae, oder: Gewisse Gerichtsbräuch, wie dieselben, sonderlich bei dem Löbl. Land-Marschallischen Gericht in Oesterreich unter der Ennß, in acht genommen, und gehalten werden (Nürnberg 1678)43. Von Suttinger stammt ferner der Codex Ferdinandeus44, der die Grundlage für die ersten beiden Bände des Codex Austriacus (hrsg. von Quarient, 1704) bildet sowie das ungedruckte Gedenkbuch der Landschaft, eine materienweise Zusammenfassung von Beschlüssen und Gravamina aus den Landtagshandlungen für Österreich unter der Enns aus den Jahren 1521 bis 158145.

Bei den für die österreichische Rechtsgeschichte besonders wertvollen „Consuetudines Austriacae“46 handelt es sich um eine Art Rechtslexikon, das in der Hauptsache Entscheidungen der niederösterreichischen Regierung enthält. Es beruft sich häufig auf das „Motivenbuch“, eine Sammlung von Entscheidungen der niederösterreichischen Regierung seit 1550, sowie auf das „Consuetudinarium“, eine von der Regierung veranlaßte Aufzeichnung des Gewohnheitsrechtes (ebenfalls seit 1550)47. Wahrscheinlich geht die Anlegung dieser Bücher, die leider nicht erhalten sind, auf eine Initiative des niederösterreichischen Regierungsrates und späteren Regierungskanzlers Bernhard Walther48. Ein zweites Consuetudinarienbuch wurde 1595 angelegt, ein drittes 161449. Beiden Ausgaben der „Consuetudines Austriacae“ (von 1616 und 1618) sind als Anhang die Walther’schen Traktate zum Privatrecht beigegeben, allerdings ohne Anmerkungen50.

Suttingers „Observationes practicae“ (Wien 1650; 2. Aufl. mit dem Titel „Verneuerte Observationes practicae, Nürnberg 1678, s. o.) geben eine Darstellung des Verfahrens vor dem Landmarschallischen Gericht in Österreich unter der Enns. Suttinger stützt sich auf die Gerichtsordnung des Landrechtes für Österreich unter der Enns von 1557, auf Entscheidungen der niederösterreichischen Regierung und des Landmarschallischen Gerichts, auf Verordnungen und Reskripte; häufig werden gemeinrechtliche Autoren zitiert, u. a. auch J. B. Schwartzenthaler51. Dieses Prozeßhandbuch hat in Österreich lange Zeit, bis zur Allgemeinen Gerichtsordnung von 1781, eine überaus wichtige, ja führende Rolle gespielt. Joseph L. Banniza52 hat es besonders hervorgehoben. J. H. Froidevo hat es bei der Ausarbeitung der Allgemeinen Gerichtsordnung (von 1781) als Quelle des österreichischen Rechts berücksichtigt53 [Seite: 372]

IV.

Die Entscheidungen der niederösterreichischen Regierung, die sich in den „Consuetudines Austriacae“ und in den „Observationes practicae“ finden, sind auch von Bedeutung für das Verhältnis von gemeinem Recht und Landesbrauch54. Primäre Geltung hat das partikulare Recht, der Landesbrauch. Dem gemeinen Recht, dem ius commune, den „geschriebenen Rechten“, den „kaiserlichen Rechten“, kommt grundsätzlich nur subsidiäre Geltung zu55. Es muß sich aber aus Gründen der Rechtssicherheit um einen feststehenden, einen „beständigen“, einen „wissentlichen“ Landsbrauch handeln56. Wenn „ein Landsbrauch zweiflig und ungewiß ist, soll yederzeit dem geschribnen Rechten nach erkennt werden“ (Walther, Traktat V „Von Abfertigung der Witfrauen“, c. 2, 2)57. Diesen Standpunkt vertraten auch die Beisitzer des landständischen Gerichts sowie die Regierung. Der Landsbrauch muß feststehen58.

Aufschlußreich ist die Behandlung der Kontroverse, ob Geldforderungen (-schulden) zu den beweglichen Sachen, zur Fahrhabe, zählen59. Nach gemeinem Recht wird dies verneint60. Die Frage war insofern von Bedeutung, als in Heiratsbriefen vielfach ein Teil der Fahrhabe der Witwe zugesprochen wurde (Walther, Trakt. V c. 2). Walther61 führt dazu weiters aus: „Und wiewol die Regierung zu mermallen das Widerspill für landsgebreuchig erkennt, nemblich das die Geltschulden für varende Haab geacht werden sollen, so ist doch sollicher Landsbrauch bei villen Landtleuten zweiflig, derhalben in disem Fall das sicherst wer, das den geschribnen Rechten nach erkennt würde, wie dan auch durch die Herren Beysitzer des Landtrechtens verschiner Zeit Innhalt der geschribnen Rechten disfals erkennt worden.“

Suttinger62 spricht sich hingegen unter Berufung auf Entscheidungen der niederösterreichischen Regierung vom 27. Sept. 1539 und 15. Mai 1551 für den Landsbrauch aus: „geldschulden, so verbrieft und unverbrieft, werden dem landsbrauch nach unter die fahrende haab gerechnet.“ Diese Behauptung wird allerdings in dieser allgemeinen Form durch die angeführten Urteile, die sich bei Benedikt Finsterwalder63 finden, nicht bestätigt. Hiernach hat die Regierung erkannt, daß dem Landsbrauch nach die „auf angezeigten und benennten stücken gült und gütern“ verschriebenen Geldforderungen zu den unbeweglichen, alle übrigen verbrieften und unverbrieften Geldforderungen allerdings zu den beweglichen Gütern gezahlt werden64.[Seite: 373]

In Suttingers „Observationes practicae“ (obs. 67) findet sich eine allgemeine Regel: „Wer etwas vor einen Landsbrauch ausgibt, und ihms der Gegentheil widerspricht, muß derselbe den Landsbrauch erweisen.“ N. 1. Ratio, quia consuetudo est facti, c. 1. de const. in 6. (Liber Sextus 1,2 c. 1)65. N. 2. Facta autem non praesumuntur, nisi probentur (Dig. 49, 15, 12 pr.; Cod. 4, 19, 1). Wer seine intentio auf eine consuetudo stützt, muß diese beweisen, ansonsten unter liegt er (n. 3 unter Berufung auf Gail, Mynsinger, Schwartzenthaler). Die consuetudo wird wie ein factum behandelt66.

An den Beweis des Landsbrauches werden im Laufe der Entwicklung erhöhte Anforderungen gestellt67. Nach einer Entscheidung der niederösterreichischen Regierung vom 26. Jänner 155768 soll der Kläger schuldig sein, „den in actis angezogenen Landsbrauch glaubwürdigen Schein darzuthun“. Mitte des 16. Jahrhunderts genügte also noch die Glaubhaftmachung. Nach einer Entscheidung vom 24. Juli 164869 wird schon voller Beweis der consuetudo verlangt: „et quod generaliter consuetudo probanda sit judicatum est“70.

Johann Baptist Suttinger (gest. 1662) hat die Richtung und die Bestrebungen von Bernhard Walther (gest. 1584) fortgesetzt. Beide waren gelehrte Juristen, als Regimentsräte und Regimentskanzler aber mit dem österreichischen Landesbrauch bestens vertraut. Walther hat durch seine Traktate, Suttinger durch die Zusammenstellung der „Consuetudines“ wesentlich zur Bewahrung heimischen Rechtsgutes beigetragen.

B.

I.

Wie viele andere bedeutende Juristen, die in Österreich wirkten, aber aus anderen Gebieten des Heiligen Römischen Reiches stammten, wie Bernhard Walther aus Sachsen, Abraham Schwarz aus Württemberg71, Nikolaus Beckmann aus Dithmarschen72, Johann Georg Kees (* 1673) aus Schwaben73, Johann Peter Banniza (* 1707)74 und Joseph Leonhard Banniza (* 1733)75 aus Würzburg, Johann Bernhard Horten (* 1735) aus Westfalen76, war auch Benedikt Finsterwalder (1664 – 1726)77 kein gebürtiger Österreicher.

Finsterwalder stammte aus Bayern; er wurde am 20. Februar 1644 im Dorfe Wald, das zur Pfarre und zum Hofmarksgericht des Benediktinerklosters Wessobrunn gehörte, geboren. Seine Eltern waren Bauersleute und Untertanen [Seite: 374] des Klosters. Mit den Anfangsgründen der Wissenschaft wurde Benedikt Finsterwalder in dem Seminar des Klosters Wessobrunn vertraut gemacht. Abt Plazidus Buechauer vom Stift Kremsmünster wurde auf ihn aufmerksam und ermöglichte ihm das Studium. Er besuchte höhere Schulen, studierte dann Rechtswissenschaft an der Universität Salzburg; das Studium dürfte er 1669 vollendet haben; die Jahre 1670 und 1671 verbrachte er in Linz und Steyregg, um sich für seine künftige Tätigkeit auch praktisch vorzubereiten. An der Salzburger Universität wurde er am 8. Nov. 1672 durch Professor Johann Balthasar Braun78 zum Doktor beider Rechte promoviert. Er wurde zum Hofgerichtssekretär, im Jahre 1673 zum Hofrichter des Stiftes Kremsmünster bestellt. Bald hierauf wurde er auch zum Sekretär bzw. Referendar des Prälatenstandes in Österreich ob der Enns ernannt. Im Stift Kremsmünster war er auch als Archivar tätig; unter seiner Leitung kam es zu einer Neuordnung der Archivalien79.

Finsterwalder genoß das volle Vertrauen der vier Äbte, unter denen er ein halbes Jahrhundert hindurch wirkte. Am 18. Mai 1725 zog er sich im Alter von 81 Jahren von den Geschäften zurück. Er verstarb ein Jahr später, am 18. Juni 172680. Seinem Wunsche entsprechend wurde er an der Seite seiner Ehefrau81 beim Frauenaltar der Siegmundskirche zu Kremsmünster beigesetzt82. Marian Pachmayr83 widmete ihm einen verdienten Nachruf84.

II.

Finsterwalder hat sich beachtliche Verdienste um das Archivwesen des Stiftes Kremsmünster erworben. Er erlangte durch seine Tätigkeit „eine umfassende Kenntnis der Stiftsgeschichte und Stiftsverwaltung“85. Bernhard Pösinger86 führt elf ungedruckte Werke Finsterwalders an, die aus der Zeil von 1671 bis 1707 stammen und auf seine archivarische Tätigkeit zurückgehen. Es handelt sich um Registraturen oder Haupt-Inventarien, so um eine „Lehen-Registratur oder Haubt-Inventarium aller der ienigen Acten unnd brieff-Sachen, welche bey des Löbl Stüfft und Closters Crembsmünster Lehenstuben in Regierung des Herrn Erenberti Abbten … gefunden worden, Registriert unnd in dise Ordnung gebracht durch Benedict Finsterwalder … Anno 1679“ (Nr. 5).

Besonders wichtig sind wohl die beiden Bände über die dem Stift Kremsmünster zustehenden Rechte, Privilegien und Freiheiten: „Jurium et privilegiorum Monasterio Cremifanensi competentium Volumen I Anno 1692, [Seite: 375] Volumen II … Anno 1692″ (Nr. 7 u. 8). Von großer Bedeutung ist auch das „Urbar und Grund Buch über das Löbl. Stüfft und Closter Crembsmünster in dem Erzhertzogthum Oesterreich ob der Ennß. Warinnen Begriffen all und iede Regalien Recht und Gerechtigkeiten ober und Nider Gericht, Grund Obrigkeit und Land Gerichtliche Jurisdiction, Exemption, Pan und Vogthaydung sambt allen Malefiz-sachen, Groß und Kleinen Straffen … Anno 1699“ (Nr. 10), schließlich die „Rath-schlüß Eines Hochlöb: Praelathenstandts in dem Ertzherzogthumb Öessterreich ob der Ennß Von Anno 1676 bis 1706, … Anno 1707“ (Nr. 11).

Finsterwalder hat in seiner Hauptregistratur von 1679 das äußere und innere Archiv inventarisiert, deren Akten er als eine einzige zusammengehörige Masse behandelte. Den ganzen Stoff bzw. das ganze Inventar teilte er nach sachlichen Gesichtspunkten in acht Teile ein87.

Finsterwalder „besaß eine solche Einsicht, Kenntniß und Geschicklichkeit in Rechtssachen, daß er die verworrensten Angelegenheiten, Zweifel, und an ihm gestellte Anfragen mit einer ungemeinen Leichtigkeit entschied und auflösete. Auch war er in den alten, und neuen Landesgesetzen und Gewohnheiten Österreichs, dann den dahin einschlagenden Schriften und Urkunden dermaßen bewandert, und erfahren, daß ihn der Kaiser Leopold der Erste deshalben ‚totius Austriae archivum‘ zu nennen pflegte“88.

III.

Rechtshistorisch von großer Bedeutung sind Finsterwalders „Practicarum observationum ad consuetudines Archi-Ducatus Austriae Superioris accommodatarum“ libri quattuor (Salzburg 1687 bis 1703)89. Diesem Werk kommt für Österreich ob der Enns eine ähnliche Bedeutung zu, wie Walthers und Suttingers Werken für Österreich unter der Enns; die „Consuetudines Austriae“ werden dem Leser vorgestellt (Vorwort „Ad Lectorem“).

Lib. I behandelt Prozeßrecht: „Processum Judiciarium, et Stylum Curiae Inclyti huius Dicasterii Provincialis exhibet“. Dargestellt wird das gemeinrechtliche Verfahren, aber mit Rücksicht auf den Landsbrauch90. Lib. II behandelt Kontrakte, Jura Dominorum ac Subditorum onera, Testamente (n. 110-118) Lib. III hat die Jura incorporalia zum Gegenstand; Lib. IV handelt „De Bonis Paternis, et Maternis, eorumque [Seite: 376] distinctione, de Acquestubus, Xeniis seu Donis Nuptialibus, Bonis Dotalibus, Dotalitio, Donationibus, Legatis, Fideicommissis, Feudis, …“91.

Für das Verhältnis „gemeines Recht – Landsbrauch“ sind Finsterwalders Ausführungen Lib. II De Consuetudine (n. 106 – 108) von Bedeutung: n. 106 „Antiqua observantia, das alte Herkommen / quid importet? n. 107 „Consuetudinem qui allegat eam probare tenetur.“ n. 108 „Utrum consuetudo per attestationem unius Excellentis Doctoris probare possit?“

Vorbild für die „Observationes practicae“ Suttingers wie Finsterwalders waren wohl die „Practicae observationes“ von Andreas Gail (1. Aufl. Köln 1578), eine Darstellung des Verfahrens und der Jurisdiktion des Reichskammergerichts in zwei Bänden92.

Der Jubilar hat in seiner grundlegenden Untersuchung über die Oberste Justizstelle93 auch die Arbeiten Suttingers und Finsterwalders herangezogen und entsprechend verwertet. Möge dieser kleine Beitrag zur Wissenschafts- und Rechtsquellengeschichte sein Interesse finden.

1. Zu Walther M. Rintelen (Hrsg.), Bernhard Walthers privatrechtliche Traktate aus dem 16. Jh., vornehmlich agrarrechtlichen, lehen- und erbrechtlichen Inhalts (Leipzig 1937); G. Wesener, in: W. Brauneder (Hrsg.), Juristen in Österreich 1200 – 1980 (Wien 1987) 39 ff., 369 ff.; Wesener, Einflüsse und Geltung des römisch-gemeinen Rechts in den altösterreichischcn Ländern in der Neuzeit (16. bis 18. Jh.) (1989) 40 f.; ders., Humanistische Jurisprudenz in Östereich, in: FS zum 80. Geburtstag von H. Baltl (Wien 1998) 379 ff. mit w. L.

2. So A. Luschin-Ebengreuth, Österr. Reichsgeschichte (1896) 365.

3. Dazu Wesener, Der innerösterreichische Regimentsrat Nikolaus von Beckmann und sein Kodifikationsplan, in: Johannes Kepler Gedenkschrift der Universität Graz (Graz 1975) 611 ff.; ders., in: Juristen in Österreich (o. Anm. 1) 49 ff., 311 f.; ders., Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 52 f. – Zu anderen steirischen Juristen vgl. Wesener, ebd., 52 ff.; H. Valentinitsch, Bibliotheksverzeichnisse steirischer Juristen als Quelle zur Geistes- und Rechtsgeschichte des 17. Jh.s, in: Vestigia Iuris Romani. FS für G. Wesener (Graz 1992) 493 ff.

4. Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 45 ff.; ferner I. Matschinegg, Österreicher als Universitätsbesucher in Italien (1500- 1630). Regionale und soziale Herkunft — Karrieren — Prosopographie (Diss. Univ. Graz, Graz 1999) S. 557 n. 2037.

5. Grundzüge einer Geschichte der oesterr. bürgerlichen Gerichtsordnung, in: Vorbereitung zur neuesten Oesterr. Gesetzkunde IV (1810) 3 f.

6. Vgl. Wesener, Anfänge einer österreichischen „gerichtlichen Rechtsgelehrsamkeit“, in: Recht und Geschichte. FS. H. Baltl zum 70. Geburtstag (Graz 1988) 634.

7. Gemeint sind Gerichtsordnungen für Österreich unter der Enns, von 1557.

8. Verneuerte observationes practicae … Nürnberg 1678 (s. unten im Text bei Anm. 43).

9. Handbuch der Litteratur des österr. Privatrechts (Wien 1808) 35.

10. Dazu C. Chorinsky, Das Vormundschaftsrecht Niederösterreichs vom sechzehnten Jahrhundert bis zum Erscheinen des Josefinischen Gesetzbuches (Wien 1878) 15 Anm. 8; ders., Beiträge zur Erforschung österr. Rechtsquellen, in: Allg. österr. Gerichts-Ztg. 47 (1896) Nr. S. 23 f.; Luschin-Ebengreuth, Österr. Reichsgeschichte (1896) 368, 376; A. Starzer (Hrsg.). Beiträge zur Geschichte der niederösterreichischen Stalthalterei (Wien 1897) 440; M. Rintelen, B. Walthers privatrechtliche Traktate (o. Anm. 1) 31*, 36*. 43*, 55*ff.; ders., Landsbrauch und gemeines Recht im Privatrecht der altösterreichischen Länder, in: FS A. Steinwenter (Graz – Köln 1958) 85; Wesener, Zur Bedeutung der österreichischen Landesordnungsentwürfe des 16. und 17. Jh.s für die neuere Privatrechtsgeschichte, in: FS N. Grass zum 60. Geburtstag, I (Innsbruck – München 1974) 626; ders., Rechtsgelehrsamkeit (o. Anm. 6) 632 ff.; ders., Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 50 f.; Baltl/Kocher, Österr. Rechtsgeschichte9 (1997) 154 u. 157.

11. Eintragung in der Univ.-Matrikel: In natione Austriaca 7. März 1602 ‚Johannes Suttinger Vienn. 2 sol.‘.

12. A. Goldmann, Die Universität. 1529 – 1740, in: Geschichte der Stadt Wien, hrsg. vom Altertumsvereine zu Wien, VI (Wien 1918) 83.

13. So Suttinger, Consuetudines Austriacae ad stylum excelsi regiminis infra Anasum accommodatae, 2. Aufl. (Norimbergae 1718) S. 75 s. v. ‚Cantzler‘ Nr. 14. Starzer, in: Beiträge zur Geschichte der n.ö. Statthalterei (o. Anm. 10) gibt 10. Nov. 1650 als Datum an.

14. Starzer, in: Beiträge (o. Anm. 10) 440.

15. Schon am 18. 6. 1641 waren Dr. Johann Baptist Suttinger und sein Vetter Abraham Suttinger, Grundbuchshändler, mit Wappenbesserung in den Adelsstand erhoben worden.

16. Dazu grundlegend Th. Motloch, Art. Länder: A. Landesordnungen (geschichtlich) und Landhandfesten. I. Österreichische Ländergruppe, in: Österr. Staatswörterbuch, hrsg. von Mischler/Ulbrich, 2. Aufl., III (1907) 344 ff.; F. Wisnicki, Die Geschichte der Abfassung des Tractatus de juribus incorporalibus, in: Jahrb. f. Landeskunde u. Heimatschutz von Niederösterreich u. Wien, N. F. 20 (1926 u. 1927), II (Wien 1927) 69 ff.; vgl. Wesener, Landesord nungsentwürfe (o. Anm. 10) 626 ff.; ders., Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 21 ff.; zum Charakter von Landrechtsentwürfen W. Brauneder, Die staatsrechtliche Bedeutung österreichischer Juristenschriften des 16. Jahrhunderts, in: Die Rolle der Juristen bei der Entstehung des modernen Staates, hrsg. von R. Schnur (Berlin 1986) 635 ff.

17. Vgl. Wesener, Landesordnungsentwürfe (o. Anm. 10) 624 f.; zu Dr. Johann Baptist Linsmayr (von Greiffenberg zu Weinzierl und Seisseneck) Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm 1) 43; nun auch Matschinegg (o. Anm. 4) S. 468 n. 1566.

18. Dazu Wisnicki, Tractatus de juribus incorporalibus (o. Anm. 16) 81 ff.

19. Dazu Matschinegg, Österreicher (o. Anm. 4) S. 471 n. 1584.

20. Geb. 1589 zu St. Bernhard. Niederösterreich, gest. 1657; Mag. art. (Graz 1620), Dr. iur. utr. (Bologna 1622), Gerichtsadvokat, n. ö. Kammerprokurator (1631), kais. Rat, wirkl. Hofrat (1637), Hofkanzler, Adelsprädikat Freiherr von Goldegg; s. Matschinegg, Österreicher (o. Anm. 4) S. 219 n. 305; vgl. Th. Fellner/H. Kretschmayr, Die österr. Zentralverwaltung, I. Abt., 2. Bd. (Wien 1907) S. 223.

21. Landmarschall an Stände 14. 6. 1650; so Motloch, Landesordnungen (o. Anm 16) 344.

22. Motloch, Landesordnungen (o. Anm. 16) 344.

23. Motloch, Landesordnungen (o. Anm. 16) 344.

24. Motloch, Landesordnungen 344; Wisnicki, Tractatus de juribus incorporalibus (o. Anm. 16) 69 ff., bes. 83 ff.

25. Landschreiber seit 1649, gest. 28. 1. 1682; vgl. Starzer, in: Beiträge (o. Anm. 10) 442; Motloch, Landesordnungen (o. Anm. 16) 345.

26. Professor Canonum an der Universität Wien; vgl. Goldmann, Universität (o. Anm. 12) 134.

27. 1665 kais. Rat und n. ö. geheimer Hofsekretär, geadelt mit dem Prädikat „von Löwenthurn; vgl. Motloch, Landesordnungen (o. Anm. 16) 345 f.; Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 22, 50 f.

28. Matschinegg, Österreicher (o. Anm. 4) S. 309 n. 761.

29. Motloch, Landesordnungen 344.

30. Motloch, Landesordnungen 345.

31. Motloch, Landesordnungen 345.

32. Motloch, Landesordnungen 345.

33. Motloch, Landesordnungen 346; Wesener, Landesordnungsentwürfe (o. Anm. 10) 626 f.

34. Vgl. Wesener, Landesordnungsentwürfe (o. Anm. 10) 627.

35. Zu den Quellen vgl. Wisnicki, Tractatus de juribus incorporalibus (o. Anm. 16) 84 f.

36. Dazu im einzelnen Wesener, Landesordnungsentwürfe (o. Anm. 10) 627 f.; ders., Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 22 f.

37. Landtafel des Erzherzogtums Österreich ob der Enns, I. Bd.: Verfasste Landtafel von 1616 und corrigierte Landtafel von 1629, bearbeitet von H.-W. Strätz (Linz 1990); dazu Wesener, ZRG Germ. Abt. 109 (1992) 470 ff.

38. Dazu Wesener, Landesordnungsentwürfe (o. Anm. 10) 627 f.

39. Codex Austriacus I, S. 410 ff.; zu dieser Materie Chorinsky, Vormundschaftsrecht (o. Anm. 10) passim; vgl. Ruth Bardosch, Die Entstehung und Entwicklung der Rechtsinstitute der Vormundschaft und Pflegschaft unter besonderer Berücksichtigung Bayerns, Preußens und Österreichs im 18. und 19. Jh. (jur. Diss. Graz 1999) 78 ff.

40. Codex Austriacus I S. 581 ff.; dazu Wisnicki, Tractatus de juribus incorporalibus (o. Anm. 16) 69 ff.; W. Laske, Die Bedeutung des „Gewereanschreibens“ gemäß dem Tractatus de Iuribus Incorporalibus von 1679, ZRG Germ. Abt. 93 (1976) 344 ff.; vgl. aber W. Brauneder, Grund buch und Miteigentum im „Tractatus de Iuribus Incorporalibus“ von 1679, ZRG Germ. Abt. 94 (1977) 218 ff. (nun in: Brauneder, Studien II: Entwicklung des Privatrechts, 1994, 305 ff.).

41. Dazu Wesener, Geschichte des Erbrechtes in Österreich seit der Rezeption (Graz – Köln 1957) 108 ff.; vgl. Gerda Hochwarter, Das Erbfolgepatent von 1786 im Lichte seiner Zeit (jur. Diss. Graz 1995) 121 ff.

42. Vgl. Chorinsky, Beiträge (o. Anm. 10) 24; H. Gehrke, in: Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte , hrsg. von H. Coing, II/2 (1976) 1398. Eine Hs. mit dem Titel „Consuetudinarium Austriacum“ besitzt die Univ.-Bibl. Wien (Signatur Manuscriptum 913 germ. et lat., aus dem Jahre 1663).

43. Vgl. Luschin-Ebengreuth, Österr. Reichsgeschichte (1896) 368 u. 376.

44. Wien, Hofbibliothek 7547.

45. Litographische Abschrift in der „Sammlung Chorinsky“ (vgl. dazu Wesener, Landesordnungsentwürfe 613). Vgl. Chorinsky, Beiträge (o. Anm. 10) 23; Motloch, Landesordnungen (o. Anm. 16) 345.

46. Dazu Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 51.

47. Dazu Rintelen, B. Walthers privatrechtliche Traktate (o. Anm. 1) 36*, 38* ff. Ders., Landsbrauch (o. Anm. 10) 85; Wesener, Landesordnungsentwürfe (o. Anm. 10) 619; Gehrke, in: Handbuch PRG (o. Anm. 42) II/2, 1394 ff.; E. Ellrichshausen, Die Consuetudinarienbücher im oberösterreichischen Landesarchiv. Ein Beitrag zur Rechtsquellenforschung der frühen Neuzeit, in: Jahrb. des Oberösterr. Musealvereines 127/I (Linz 1982) 107 ff.

48. Rintelen, B. Walthers privatrechtliche Traktate (o. Anm. 1) 39*. Zur präjudiziellen Bedeutung der Eintragung in das Consuetudinarium Suttinger, Consuetudines Austriacae2 (1718) S. 191: „Damit man sich demnach ins künfftige zu richten habe, wie weit viel gemeldte Regul dahingezogen, zu verstehen, und dißfalls in steten, immerwehrenden gleichen Verstand gehalten werde, hat also mehr Hochernennte N. O. Regierung mehr gemeldten casum, samt seiner decision und declaration, wie auch dennselben anhängenden Motivis in das neue Consuetudinarium … einzuschreiben befohlen“ (die Entscheidung selbst ist vom 7. 12. 1593).

49. Rintelen, B. Walthers privatrechtliche Traktate 38*.

50. Dazu Rintelen, B. Walthers privatrechtliche Traktate 55* ff.

51. Dazu im einzelnen Wesener, Rechtsgelehrsamkeit (o. Anm. 6) 632 ff.

52. Vollständige Abhandlung von den sämmtlichen Oesterreichischen Gerichtsstellen (Wien 1767) 112.

53. Vgl. E. Klein-Bruckschwaiger, Zur Entstehung der Allgemeinen Gerichtsordnung. Das Werk des Schweizers J. H. Froidevo, JBl. 89 (1967) 194; M. Loschelder, Die österr. Allgemeine Gerichtsordnung von 1781. Grundlagen- u. Kodifikationsgeschichte (1978) 58 f.. — Zur Äußerung Zeillers s. oben im Text bei Anm. 6.

54. Dazu Rintelen, Landsbrauch (o. Anm. 10) 78 ff., bes. 88 ff.; Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 16 ff.; vgl. G. Kocher, Landesbrauch und gemeines Recht in den bäuerlichen Weistümern Österreichs, in: Les Communautes Rurales, Récueils de la Sociéte J. Bodin pour l’histoire comparative des institutions 44 (Bruxelles 1987) 127 ff.; U. Flossmann, Consuetudo est optima legum interpres. Ein Beitrag zur Rechtsquellenlehre des 16. Jahrhunderts, in: FS N. Grass zum 70. Geburtstag (Innsbruck 1986) 213 ff.

55. Rintelen, Landsbrauch (o. Anm. 10) 88 ff.; für Innerösterreich Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 26 ff. (zu N. Beckmann 27 f.). In diesem Sinne auch die „Landsgebreich in Steyer und Karndten“ (in 107 Artikeln, Sammelhandschrift des Geschichtsvereins für Kärnten 3/12. Kärntner Landesarchiv); dazu K. Torggler, Darstellungen des Kärntner Rechtes und Rechtsganges, in: Archiv f. vaterländ. Geschichte u. Topographie 24 u. 25 (Klagenfurt 1936) 127 ff., bes. 130 f.; vgl. Wesener, Einflüsse und Geltung 26.

56. B. Walthers Traktat XII (Von Zehenden) c. 12, 2; Traktat XV („Von den Lehengütern) c. 5, 3; vgl. Rintelen, Landsbrauch (o. Anm. 10) 88. – Anfrage der Regierung vom 4. 9 1554 (Suttinger, Consuetudines Austriacae2 181: „bestendiger landsgebrauch“; „wissentlicher landsprauch“); vgl. A. v. Grosser, Quaestiones et decisiones. Ein Beitrag zur Geschichte des allgem. bürgerl. Gesetzbuches, in: FS zur Jahrhundertfeier des ABGB 1. Juni 1911, I (Wien 1911) 147 ff., bes. 164.

57. Dazu Rintelen, B. Walthers privatrechtliche Traktate (o. Anm. 1) 31*.

58. Gutachten des Landmarschalls und der Beisitzer des Landrechtes für Österreich unter der Enns von 1554 (Suttinger, Consuetudines Austriacae2 181; Grosser, Quaestiones et decisiones 165 f.; Rintelen, B. Walthers privatrechtliche Traktate 31* Anm. 11 d): „… dises ist auch in dem land als unzweifenlich gehalten und gebraucht, das im fall der notdurft weißlich wäre. darumb mueß es bei dem landsbrauch beleiben, …“ und „… dieweil dann hierinn khein wissentlicher landsbrauch ist, so bleibt es bei den gemainen rechten ‚der nechst beim pluet, der negst bem guet‘, …“ — Äußerung der N.Ö. Regierung vom Jahre 1593 (Suttinger, Consuetudines2 191; Rintelen, B. Walthers privatrechtl. Traktate 31* Anm. 13: …da ein Land, Stadt oder anderer Ort, wegen Gebrauchs streittig und dubios seynd, daß alsdann die Zuflucht zu den gemeinen Rechten zu haben ist“. — Zur Instruktion Ferdinands II. für die n.ö. Regierung vom 4. 3. 1625 Rintelen, cit. — Zur innerösterr. Regierungsinstruktion vom 1. 6. 1597 (Art. 16 Abs. 1) Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 27 (subsidiäre Geltung des römisch-gemeinen Rechts).

59. Dazu Grosser, Quaestiones et decisiones (o. Anm. 56) 152 ff.; W. Brauneder, Die Entwicklung des Ehegüterrechts in Österreich (1973) 380 ff.

60. Walther, Traktat V c. 2, 2, Anm. A: De iure communi nomina debitorum neque inter mobilia neque inter immobilia computantur, sed novam speciem constituunt. (Dig. 42, 1, 15 § 2).

61. Traktat V c. 2, 2.

62. Consuetudines Austriacae2 228.

63. Practicarum observationum ad consuetudines Archi-Ducatus Austriae Superioris accommodatarum lib. IV (Salisburgi 1732) obs. I n. 7 f.; vgl. Grosser, Quaestiones et decisiones (o. Anm. 56) 154 f.

64. Grosser, Quaestiones et decisiones (o. Anm. 56) 155.

65. Dazu W. Wiegand, Studien zur Rechtsquellenlehre der Rezeptionszeit (1977) 131.

66. Dazu Wiegand, Rechtsquellenlehre (o. Anm. 65) 93 ff.; vgl. dazu Wesener, TRG 47 (1979) 368 ff.

67. Vgl. Rintelen, Landsbrauch (o. Anm. 10) 89 f.

68. Suttinger, Observationes practicae, obs. 67 n. 6; Consuetudines Austriacae2 429.

69. Suttinger, cit. (wie Anm. 68).

70. Vgl. Entscheidung der n. ö. Regierung vom 1. Aug. 1616 (Suttinger, Obs. pract. 67 n. 6): In terminis, quod nec judici attestanti de consuetudine credatur, ists judicirt worden …

71. Dazu U. Flossmann, in: Juristen in Österreich (o. Anm. 1) 42 ff.

72. Dazu Wesener, wie oben Anm. 3.

73. Vgl. Wesener, Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 52.

74. H. Lentze, HRG I Sp. 312 f.; Wesener, Rechtsgelehrsamkeit (o. Anm. 6) 624 (Anm. 30).

75. H. Lentze, HRG I Sp. 313 f.; G. Oberkofler, Studien zur Geschichte der österreichischen Rechtswissenschaft (Frankfurt/Main – Bern 1984) 175 ff., 235 ff.; ders., in: Juristen in Österreich (o. Anm. 1) 108 f., 310 f.; Wesener, Rechtsgelehrsamkeit (o. Anm. 6) 619.

76. Dazu Ph. Harras R. von Harrasowsky, Geschichte der Codification des österreichischen Civilrechtes (Wien 1868) 125 ff., bes. 130; Wesener, Die Rolle des Usus modernus pandectarum im Entwurf des Codex Theresianus, in: Wirkungen europäischer Rechtskultur. FS für K. Kroeschell zum 70. Geb. (München 1997) 1377 Anm. 95. – Zum Entwurf Horten G. Kocher, Höchstgerichtsbarkeit und Privatrechtskodifikation. Die Oberste Justizstelle und das allgemeine Privatrecht in Österreich von 1749 – 1811 (Wien – Köln – Graz 1979) 165 ff.

77. Dazu Chr. G. Jöcher, Allg. Gelehrten-Lexikon, Fortsetzungen und Ergänzungen von J. C. Adelung, Bd. II (1787) Sp. 1106; A. M. Kobolt, Baierisches Gelehrten-Lexikon (1795); J. Th. Zauner, Nekrolog oberdeutscher Rechtsgelehrten, in: Salzburger LZ. 1802, S. 68-71; K A. Baader, Das gelehrte Baiern, Bd. I (1804); H. J. Stepf, Gallerie aller juristischen Autoren. Bd. 3 (1822); Chorinsky, Vormundschaftsrecht (o. Anm. 10) 17 Anm. 13; Luschin-Ebengreuth, Österr. Reichsgeschichte (1896) 376; B. Pösinger, Das Stiftsarchiv Kremsmünster 1302 – 1912. in: 62. Programm des kais. kön. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1912 (Linz 1912) 1 ff., bes. 23 ff.; Wesener, Geschichte des Erbrechtes in Österreich seit der Rezeption (1957) 19; Ders., Rechtsgelehrsamkeit (o. Anm 6) 634; Ders., Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 51 f.. Th. Barchetti, Ahnenliste Barchetti, in: Adler. Zeitschr. für Genealogie u. Heraldik, 17. (XXXI.) Bd., H. 6 (1994) S. 251 (Nr. 278); Baltl / Kocher, Österr. Rechtsgeschichte9 (1997) 157.

78. Vgl. P. Putzer, Aspekte der Wissenschaftspflege an der alten Salzburger Juristenfakultät, in: Universität Salzburg 1622 – 1962 – 1972. Festschrift (Salzburg 1972) 128.

79. Dazu Pösinger, Stiftsarchiv Kremsmünster (o. Anm. 77) 23 ff.; ferner: Kremsmünster. 1200 Jahre Benediktinerstift 2 (Linz 1976) 45, 89, 229.

80. Pösinger, Stiftsarchiv Kremsmünster (o. Anm. 77) 24.

81. Finsterwalder hatte am 25. Sept. 1678 zu Kremsmünster Eva Katharina Doblmayr, Tochter des Landgerichtsverwalters von Waldenfels, geheiratet; diese verstarb im Jahre 1716 (Pösinger, Stiftsarchiv Kremsmünster 24 Anm. 2). Das Ehepaar hatte zwei Töchter und einen Sohn, Matthias Benedikt, der die Beamtenlaufbahn einschlug und bei Hof eine angesehene Stellung (Hofrats-Sekretär) erlangte. Er wurde am 3. Dez. 1729 in den erbländisch-österreichischen Ritterstand erhoben mit dem Prädikat „Edler von Finsterwald“ (Barchetti, Ahnenliste Barchetti, wie o. Anm. 77, S. 251 Anm. 136).

82. Die Siegmundskirche wurde im Zuge der Josephinischen Reformen abgetragen. Der Grabstein gelangte in das Stift Kremsmünster, wo er unter den Arkaden des Klerikatstraktes angebracht ist.

83. Historico-chronologica series Abbatum et Religiosorum Monasterii Cremifanensis (Styrae 1777) 667.

84. Zitiert bei Pösinger, Stiftsarchiv Kremsmünster (o. Anm. 77) 24.

85. Pösinger, Stiftsarchiv Kremsmünster 27.

86. Stiftsarchiv Kremsmünster (o. Anm. 77) 24 ff.

87. Dazu Pösinger, Stiftsarchiv Kremsmünster 29.

88. A. M. Kobolt, Baierisches Gelehrten-Lexikon (1795) s.v.

89. 2. Aufl. Salzburg I et II (1719), III (1730), IV (1732). Vgl. Luschin-Ebengreuth, Öster. Reichsgeschichte (1896) 376; Wesener, Geschichte des Erbrechtes (o. Anm. 77) 19; Ders., Rechtsgelehrsamkeit (o. Anm. 6) 634; Ders., Einflüsse und Geltung (o. Anm. 1) 51 f.; Rintelen, Landsbrauch (o. Anm. 10) 84; A. Söllner, in: Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte II/1 (1977) 565; H. Gehrke, Handbuch cit. II/2 (1976) 1398.

90. Z. B. „De Interdictis, oder Von Gewalts-Sachen“: n. 12 „Wie die Gewalts-Klagen und hierüber außgewürckte Gewalts-Ladungen dem Lands-Brauch nach formirt werden.“ Zum Verfahren vgl. Wesener, Das innerösterreichische Landschrannenverfahren im 16. und 17. Ih (Graz 1963); Ders., Das Verfahren vor der niederösterreichischen und der innerösterreichischen Regierung als erster Instanz „in Hofrechten“ und „verhörsweiß“ (Ordinari- und Extraordinari-Prozeß), in: Die Steiermark im 16. Jh. (= Forschungen zur geschichtl. Landeskunde du Steiermark 27, Graz 1979) 181 ff.

91. Zur Materie Wesener, Geschichte des Erbrechtes (o. Anm. 77) passim; Brauneder, Die Entwicklung des Ehegüterrechts in Österreich (1973) passim.

92. Dazu R. Stintzing, Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft I (1880) 497 f. W. Sellert, HRG I 1371 ff.; Wesenberg/Wesener, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte4 (Wien Köln 1985) 115; H. Gehrke, Die privatrechtliche Entscheidungsliteratur Deutschlands (1974) 126 f.; Ders., in: Handbuch (o. Anm. 42) 1343 ff.; K. von Kempis, Andreas Gail (1526-1587). Zum Leben und Werk eines Juristen der frühen Neuzeit (Frankfurt/Main – Bern 1988) 149 ff. — Vgl. auch das Werk von Nicolaus Vigelius (1529 – 1600): Methodus practicarum observationum camerae Imperialis (Basel 1581; Köln 1601); dazu Stintzing, Geschichte cit. I 434 ff., 435 Anm. 2; Söllner, in: Handbuch (o. Anm. 89) II/1, 579.

93. Höchstgerichtsbarkeit und Privatrechtskodifikation (o. Anm. 76).

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