Laibach Malefizordnung 1514



Maximilian I., Malefizordnung für Laibach 1514 (= Diplomatarium Carniolicum 61ff.) :: Digitale Edition Heino Speer 2012


[Regest]

94. Maximilian, von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches etc., erlässt zu Gmunden am 20. August 1514 für die Stadt Laibach eine Criminal-Gerichtsordnung, durch welche das Verfahren bei Untersuchungen von Verbrechen und die Bestrafung eines jeden speziell benannten Verbrechens genau vorgeschrieben wurde.

[Text]

Wir Maximilian von Gottes gnaden Erwelter Römischer Kayser, ze allen Zeitten merer des Reichs, in Germanien, ze Hungern, Dalmatien, Croatien etc. Kunig, Erzherczog ze Oesterreich, Herczog ze Burgundi, ze Brabendt, vnnd Pfalzgrave etc. Bekhennen vnnd tun kundt offentlich mit disem bríefe, als von Altersher in vnnser Stat Laybach die Mallevitz Recht in grosser anzall vnnser Vnderthan der Burger mit schweren Costen gehalten, vnnd alweg auf eines yeden Uebelthätters oder Uebelthätterin muessetat vnnd verhandlung allein durch eines yeden Rechtsprechers Gewissen an einicherlay anfgesatzter oder klarer aufgedruckter gesetzt darüber erkhandt, vnnd geurtaillt ist worden, wann aber die Missetatten zu Zeitten frembd auch in verantwortung der Malevitzigen Personen dermassen in Recht angezogen, das In vil Zweifel macht, vnnd demnach etwas missbrauch, dardurch das Uebel nicht, als sich wolgepürt, gestrafft ist worden, beschehen seyn, haben wir darein mit zeittigen Rate, vnnd besonderlich auf vnderthenig vnnd diemüettig bette vnnserm getrewen lieben Burgermaister, Richter vnnd Rate gemelter Stat Laybach als regierender Herr vnnd Landsfürst gesehen, vnnd die hernach geschriben ordnung vnnd gesetzt hiefür zu halten fürgenommen, ordnen vnnd setzen, die auch von fürstlícher Macht wissentlich in Crafft dises briefs, Nämblichen, das ain yeder Richter ze Laybach, so pan vnnd acht von vnns, vnnsern Erben vnnd nachkomen, über das Plut vnnd All schedlích sachen dem Rechten nachzurichten, empfangen haben, vnnd hinfür empfahen werden, mit sambt Burgermaister vnnd Rate, gewalt vnnd macht haben zu handeln, wie hernach geschriben stet: [Seite: 62]

[Art. 1] Erstlich gemelter Rat mit sambt dem Richter haben zu handlen vnnd zu vrtailn mit verschlossener thür, ausgenomen ainer, oder aine wirde Ires glimpffen, Eeren oder fügen, Beschuldiget, das soll alweg offentlich durch Burgermaister, Richter vnnd Rat gehört, Nachmahls die vrtaill mit verschlossener thür verfast, vnnd den Parteyn offentlich verkündt werden, dem vnnd was hernach volgt, geschriben stet, treulichen nachzukomen, dar Innen handlen, vnnd in vrtailln sollen, das hiemit ainem yeden Richter bey der Pflicht, So er In Empfahung der pan vnnd acht tut, ausgesetzt seyn, auch Burgermaister vnnd Räte, die schweren gleich vrtaill zu geben, vber das Pluet, vnnd alle annder schedlich sachen, nach laut dis vnnsers briefs vnnd buchs sage:

[Art. 2] Wann ain Richter vmb händl das Pluet vnnd Mallefiz beruerendt, yemandt, Es sey Man oder Frauen, vahet vnnd annemen lasset, Soll er ainen ganzen Rat oder die maisten zu Ime erfordern, denselben lautter anzaigen, warumb die Person angenomen worden sey, vnnd nachmahls nach Rat derselben oder was das merer ist, mit der gefangen person, das sie mit frage, oder in annder wege darauf handlen, vnnd ausserhalben solchs durch sein selbs fürnemen, khainerlay person gichtig fragen, noch auslassen.

[Art. 3] Vnnd so ain person durch das merer zu der frage vnnd marter erkannt wird, vnnd ychts auf sich selber, oder annder bekennt, solle sich der Richter aigentlich darin erkunden, ob die person das aus forcht, Marter oder Veindtschafft auf sich selbes, oder annder bekennt hat, So sich dann aus derselben gichtigung erfinden tut, das die Inen selbs oder anndern vnrecht getan, vnnd nicht die warheit erkennt, noch gesagt habe, Alsdann soll Richter solchs an den Rat bringen, vnnd weitter nach Rat vnnd erkanntnus des merern tails hierin souill sich gepürt, volfarn, So er aber ain person an warer tat mit handlen, diebstallen, Rauberey, oder in anderwege Malefiz beruerendt, betretten wirde vnnd nicht auf annder vngeleumbt person bekennet, Alsdann ist nicht not, ainícherlay weitters zu erkunden, vnnd soliches sol Allwegen nach gelegenhait ainer yeden sach vnnd missetat, nach erkanntnus des merern tail des Rats ermessen, vnnderwegen vnnd dabey beleiben.

[Art. 4] Wo ainer oder aine an die frag oder marter erkannt wirdet, Soll Richter Syben oder Neun des Innern vnnd äussern Rats zu Im nemen, dieselben person also in Irer vnnd des Statschreibers gegenwertigkait fragen, wie dan dermassen vorerkannt vnnd beschlossen ist, vnnd was der vbelthâtig mensch also bekennt vnnd bestet, Soll Statschreiber die Vrgicht lautter aufschreiben, vnnd Richter die mit sambt denen, so er also zu Im nimbt, nachmahls vberlesen, vnnd so man dan darüber vrtaillen will, die dem ganzen Rat auf vorlesen, vnnd wan die Syben oder Neun, so dabey gewesen, sein Zeugknus geben, vnnd die vrgicht, also zu sein ainhelligelich bey Iren Ayden vor Burgermaister, Richter vnnd Rat bekhennen, Alsdann ist desselben bekhennen genug, vnnd vnder den Syben oder Neun soll ainer des Ersten vrtail angefragt, vnnd geforst werden.

[Art. 5] Ob auf aine oder mer person best anzaigen, oder Inzicht giengen, vnnd nicht in der Stat Laybach, sonder in andern Steten oder gerichten Inner oder ausser landts wisseten, sol durch Rat vnnd Richter in das andre gericht geschriben, damit dieselben personen angenomen, vnnd mit Ir, wie vorgemelt ist, gehandelt werde.

[Art. 6] Ain yeder Mörder sol mit dem Rade gericht werden, Ain verrätter geschleifft vnnd geuirtailt, Rauber mit dem Schwerdt; Kirchenprüchell, Prenner, Ketzer, Felscher der Münze in Gold oder Silber mit dem Prannt.

[Art. 7] Ob ain mann zwey weiber nem, oder ain weib zween man, denselben man oder frawen zu erdrenkhen.

[Art. 8] Ob ain person vertrauts gut wegfürt, oder ain gut Zwayen, dreyen oder mer wissentlich oder geuarlichen verkhauffet, oder versetzet, vnnd nichts von der vordern versatzung meldung tut, die sollen auch ertrenkht werden.

[Art. 9] Ob ainer ain frawen oder Junkfrawen Nothzwung, dardurch sie beraubt wurde Irer Ere, vnnd dieselben anzeigen genugsam weren, da dadurch solchs von der frawen oder Junkfrawen nicht auss neyd oder hass, freundtschafft oder Veindtschafft miet oder gab beschehe, derselb soll erdrenkht werden.

[Art. 10] Welcher ain Vrvehde, so er vber sich geben hat, pricht, denselben mit dem Schwerdt zu richten, vnnd ain Weibspild zu erdrenkhen.

[Art. 11] Welche Fraw ain Kind vertut, die soll lebendig in das Erdreich begraben, vnnd ain Pfal durch sie geschlagen werden.

[Art. 12] Welcher, oder welche person ain falschen Aid schwerdt, derselben die Zungen abzuschneiden, mit sambt den zwayen Fingern, damit sie geschworn hat.

[Art. 13] Wer ain gelobten Frid bricht, on merklich vrsach, In dazu bewegende, denselben mit dem Schwerdt zu richten.

[Art. 14] Der aber sonst ain gelobten Frid nit helt, dem oder dieselbigen nach gelegenhait der sach an Leib vnnd gut zu straffen.

[Art. 15] Welcher oder welche person Im selb Tod tut, Seinen Herrn verrät, Christenlichen glauben verläugnet, oder sein Vatter vnnd Muetter vmbringet, vmb das er die erb, dessen seind Leib vnnd gut verfallen.

[Art. 16] Der Laycheray halben. Nachdem der mannícherlay sind, soll in erkantnuss Burgermaisters, Richters vnnd Rats steen, nach Gelegenheit ainer yeden Laycheray, ob dieselb person den Todt oder annder Straff an dem Leib verschuldt habe.[Seite: 63]

[Art. 17] Der dieb halben ist fürgenomen, Alle die Stehlen vnnd vber Achzehen Jar alt seyn, vnnd vnnder ainer fart fünf vnnd zwainzig welsch Pfundt, oder darunter, der soll an den Pranger gestellt, vnnd mit Rutten ausgestrichen werden, darzu aus dem Landt vnnser Fürstenthumb Krain schwören. Souer aber ainer vber fünf vnnd zwainzig welisch Pfundt oder mermall vber zehen Pfundt stehln, denselben mit dem Strange zu richten.

[Art. 18] Wer der aber vnder Achzehen Jarn alt, denselben alsdann nach Rat des Rats nach gelegenhait seiner missetat zu straffen. Dergleich der Frawen, So dermassen diebstall tetten, So man den man mit dem Strangen richt, die Frawen zu ertrenkhen, vnnd in den andern Straffen wie die Man zu halten.

[Art. 19] Der Todtschleger halben. Nachdem der vil vnnd zu Zeitten, vmb liderlich sachen, auch mördlichen beschehen, ist vnnser will vnnd mainung, das die nicht, so liderlich, begnadt, sonnder mit strengkhait des Rechtens mit dem Schwerdt gericht sollen werden, denselben auch in dem gericht, darinnen die tat beschicht, oder do man in im anndern gericht betrütt, vnnder anzaigt wirdet, anzunemen, vnnd ob des leiblosen Freundtschafft in nicht berechten wollen, So soll nichts destminder die Rechtfierung von obrigkhait auf Iren Costen berechnen lassen, Burgermaister, Richter vnnd Rat sollen nach gelegenhait In Hanndl stehen, ob sich zu Zeitten ainer leib gut weren mist, oder sonst ain vngeuarlicher Todschlag beschehe, damit die vrtail alsdann gemiltert werden, nach Irem posten versteen, bey dem Ayde, so sie schwören.

[Art. 20] Ob ain Todschleger durch vnns, vnnser Erben, nachkomen, oder yemandt von vnnsern wegen, die des gwalt vnnd macht haben, begnadt werde, oder ain anderer Uebeltetter, der soll alsdann mit dem Richter ze Laybach vmb die äzung abkhomen.

[Art. 21] Es soll auch der Rat gwalt haben, ob Todtschleger oder annder Uebeltetter im flüchten wern, vnnd nicht betretten möchten werden, das der Richter denselben souer das not sein wirde, in der Stat vor dem Rathaus offentlich drey vierzehen tag nach einander berueffen lasse, der Todtschleger kemme, oder kem nit, so sol doch nit dest minder vber In nachmals, als auf ainen tag beschehen, was Recht ist, vnnd so also ainer in die Acht geurtailt, So soll desselben mishanndl mit sambt der vrtail, durch den Statschreiber öffentlich verlesen werden, vnnd durch die Stat Knecht, oder Fronpotten, damit der Richter das vorschaffen soll, für in vnnd annder die anzaigung tun der Todtschlege, oder der mishandlungen, der vbeltetter, wie sich die begeben, Suer yemandt aus der entleibten freundtschafft oder annder des vbeltetters freundt do weren, damit dieselben auch menigelichen solicher handlung vnnd tatten, des wissen haben mögen.

[Art. 22] Wo sich ain Todtschleger nicht leibs notturfft wern müst, oder derselben ainer oder mer sich mit des leiblosen freundtschafft vertragen, denselben ist man von obrigkhait wegen nicht schuldig, Lanndtschuldung noch glait zu geben, Sonder wo die betretten, das sie mit Recht wie sich gepürt, vnverhindert solcher vertrag gestrafft, dieselben auch nicht vnderhalten noch fürgeschoben werden, bey der straff gleich dem tätter. So yemandts Ichts verstoln oder empfrendt ist, vnnd bey dem Empfrembden oder anndern enden gefunden wirt, das alsdan dasselb, on entgelt, aus dem es verstollen oder empfrendt were, wider geantwort werdt, dergleichen Costen, so auf die tätter zurichten get, soll alle wege durch Burgermaister, Richter vnnd Räte, Zimblich vnnd nicht nach dem höchsten gerait werden. Ain yegliche person, die Man oder weib, die sich vndersteet, haimblich oder öffentlich ainem sein weib, Tochter, Schwester, Mummen oder Freundt, on sein, oder der Gerhaben willen vnnd wissen, abwege zu fürn, die verhairaten, oder in annder wege vnerlichen zu handlen, mit verkuppeln, oder sonst, Sollen Burgermaister, Richter vnnd Rat, wie oben stett, gewalt haben, solichen hanndl zu straffen an leib oder an gutt, nachgestalt des Hanndels vnnd der tat.

[Art. 23] Item welche vnuerheurathete Tochter, die nit wittib, vnnd vnder Achtzehen Jaren weer, sich an Ir Vatter vnnd Muetter, oder Ir ains, ob sie die hat, oder weliche nit Vatter oder Muetter hette, vnder Sechzehn Jaren, vnuerhairat, vnnd nit wittib were, an Irer Gerhaben oder Ir nechsten Freundt, oder wem sie beuolhen were, willen vnnd wissen, verheyratten würde, das dann ain yegliche derselben Töchter vätterlich vnnd Mütterlich Erbtaill verwirkht habe, vnnd fürpass darzu nicht Forderung, noch Zuspruch haben solle, dann was Ir Vatter vnnd Muetter oder Freundt mit guttem willen geben wollen, Was In aber an der Erbschafft, ausserhalben Ir vätterlichen vnnd mütterlichen Erbs zusteen soll, das in das volgen, als wenn sie dazu Recht haben, vngeuärlich, welicher aber, wer der wäre, der soliche Hayrat haimblich beredt vnnd volbracht, wider solich obgeschriben vnnser satzung vnnd ordnung der oder denselben mit sambt den, den die dazu geholffen hetten, Es wäre man oder weib, vnnd sich das warlichen erfünde, sollen zu vnnsern Hannden, wo man die ankhomen möge, als die wider vnnser gebot getan, vnnd der Stat Freyhait geprochen haben, genomen vnnd gestrafft werden.

[Art. 24] Der Gots schwerer halben. Nachdem von Leichtfertigen personen in menig wege oder weise, der Allmechtig Gott, vnnser liebe Frawen, vnnd die lieben Heilligen mit schweren, bey den Spillen, oder annderswo gelestert werden, wo ainer oder aine derselben gefunden wirde, das Burgermaister, Richter vnnd Rat auch gewalt haben, die nach gelegenhait der tat vnnd lesterung zu straffen an leibe oder gutte, vnnd wie es dieselben erkhennen, dem solle also nachgestrafft werden.[Seite: 64]

[Art. 25] Ain yeder Absager der Prennt soll mit dem Prannt, oder sonnst mit dem Schwerdt gericht werden, vnnd wer derselben absager ainen, oder mer behauset, fürscheubt, vnnd den nit offenwart wissentlicher sachen, der oder dieselben sollen gleich den absagern gestrafft werden. Welcher ainem Absager zukehret, das sey in gefengknus zugleichen Rechten zu bringen, oder in annder wege vnnd des warlich vnnd genugsamb vrkundt erscheint, aus vnnserm vitzdumbamt in Crain, oder von dem Aufschlage ze Laybach, vierhundert gulden Reinisch, der aber die nit also ankeren möcht, Sonnder die aus khundtschafften oder dermassen angezaigt, das die durch Haubtman, Pfleger, oder Richter zu hannden pracht, dem soll zwayhundert Gulden Reinisch, doch das er des auch gnugsamb vrsachen darzu gegeben werden, dadurch der Absager muttwillig fürnemen vngestrafft nicht bleibe.

[Art. 26] Ayn yeder, der ain Absager behaust, fürscheubt, vnnd den nicht offenwart, der oder dieselben sollen gleich den Absagern gestrafft werden.

[Art. 27] Dann der Fürkauff halben. Haben wir fürgenomen, das niemandt khain fürkauff im Lannde Crain treiben soll, weder mit Vieh, Traid, Käs, Schmalz, oder andern auf dem Lannde, oder in den Tällern, das man sonnst in der Stat tribe, aufkaufte, vnnd widerumben verkauffte, dasselb soll für ain fürkauff geacht werden, vnnd darumben die habe verfallen seyn, auch Ain Peen fünf vnnd zwainzig wellisch Pfundt als offt das geschieht. Hierin nemen wir aus die Recht, ordnungen, erfündungen, vnnd gesetz vnnserer Pergwerkh, das dieselben genzlich gesundert vnnd ausgeschlosen.

[Art. 28] Vnnd nachdem aber hierin nicht all Uebeltaten, So beschehen möchten, geschribeu geschriben vnnd ausgedrukt seyn, So sollen doch nicht dest minder Burgermaister, Richter vnnd Rat samentlich, oder durch den merern tail Wo Sy nicht all dabey seyn möchten, auch in denselben, so also nicht hierin ausgedrukht seyn, zu vrtaillen vnnd zu straffen haben, nach Irem pesten versteen vnnd gestalt ainer yeden vbeltat bey Irem Ayde, So sie gesworn haben, wie vorgemelt ist.

[Art. 29] Ob Burgermaister, Richter vnnd Rat aus ainem gerichtshandel fürkome, den Inen In Irer erkantnus beschwerung bringen möcht, So sollen sie in ain annder Stat oder gericht vmb Rat schikhen, des Inen auch nach lautter anzaigung mitgetailt werde, damit sie destpas nach vrtailen vnnd erkhennen mögen, vnnd das sie auch gewalt haben, zu vrtaillen, was tat oder straff ain yeder vbeltetter oder melefiziger verschuldt, wo aber durch Burgermaister vnnd Rat der Vrtaill getailt wirden, so soll der Richter das merer machen, aber sonst nicht vrtailn, vnnd was also durch das merer erkanndt wird, Soll ayn yeder Richter vor dem Rathaus in Gegenwart des Vbeltetters nach Verlesung der Vrgicht vnnd Vrtaill, den gerichtstab Prechen, den Vbeltetter dem Züchtiger vberantworten, vnnd nicht schuldig seyn, ob sie wollen, dem Landtrichter auf der Prukhen zu antwortten, sonnder selb Macht haben, den fürn lassen auf die gewöndliche Richtstatt, vnnd gefallen vrtaill verschaffen ain genuegen zu tun.

[Art. 30] Vnnd zu merer bestendigkhait dits löblichen fürnemen vnnd zu straffung des vbels ist im pesten weitter fürgenomen.

[Art. 31] Wo die Mitburger vnnd vnderthanen, Burgermaister, Richter vnnd Rat oder Iren Verwesern in derselben abwesen in Rumorn oder aufrurn zulaufen, darinnen sie den Gerichten beyständig seyn sollen, ob zu Zeitten Ir ainer mitdiener nit woll versehen were, das Haus gesessen, auch ledig gesellen Inen ain oder mer vbeltetter auf Ir ersuchen verhelfen anzunemen, Wer aber hierinnen vngehorsam erschin, diselben sollen nach gelegenhait Irer Verachtung nach erkhandtnus des innern Rats dergleichen alle die so freuentlich wider die ordnung vnnd fürnemen Reden, gestrafft werden.

[Art. 32] Darauf ordnen vnnd setzen wir, als Regierender Herr Landtfürst In Crain, hiemit wissentlich in krafft des briefs, also das die genannten von Laybach vnnd Ir nachkhomen, nun hinfür in ewig Zeit das Malefiz-Recht, wie obsteet, besitzen, vnnd nach laut diser ordnung darüber vrtailn, Richten vnnd Procedirn vnnd alle Ir Burger vnnd verwandten der also leben vnnd nachkhomen sollen, Vnnd gebietten, das auf allen vnnsern Fürsten, Prelaten, Grauen, Freyen, Herrn, Rittern, Knechten, Haubtleutten, Landtmarschelkhen, Vitzdomben, Vögten, Pflegern, Verwesern, Ambtleuten, Burgermaistern, Richtern, Räten, Burgern, gemainden, vnnd sonnst allen anndern vnnsern vnderthanen vnnd getrewen, in was wirden, standts oder wesens, vnnd sonnderlich vnnsern gegenwertigen vnnd künfftigen Haubtmann, verweser vnnd Vitzdumb in Crain die seyn, ernstlich vnnd wollen, das sie die genannten von Laybach bey diser Ordnung beruelich beleiben, der geprauchen vnnd geniessen lassen, vnnd daran nit Irren noch hindern, noch des yemandts anndern zu tun gestatten, in kain weis, Sonnder dabey vestigkhlich handthaben, als lieb ainem yeglichen sey, vnnser vngnade vnnd straff, vnnd darzu ain Peen Nemblich zwainzig Markh löttigs Golds, zu uermeiden, die ayn yeder, so offt er freuentlich hiewider tette, vnns halb in vnnser Camer, vnnd den anndern halben taill den genannten von Laybach vnabläslich zu bezallen verfallen seyn soll. Mit Vrkundt dits briefs. Geben in vnnser Stat Gmunden an Zwainzigisten tag des Monaths Augusti, Nach Christi geburt Fünfzehenhundert vnnd vierzehenden, vnnser Reiche des Römischen in Neun vnnd zwainzigisten, vnnd des Hungerichen im fünf vnnd zwainzigisten Jare.

Im Privilegienbuch der Stadt Laibach sub Nr. 82.

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