Motloch, Püdlerscher Entwurf 1573 [Volltext]




Motloch, Theodor: Bericht des Dr. Wolfgang Püdler üb. d. Entwurf einer Landtafel des Erzh. Oesterreich u. d. E. 1573 :: Digitale Edition Speer 2012

[Editorial]

Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte /
Germanistische Abteilung. Bd. 21 = 34, 1900, S. 235-243.
Motloch, Theodor: Bericht des Dr. Wolfgang Püdler üb.
d. Entwurf einer Landtafel des Erzh. Oesterreich u. d.
E. 1573
Digitale Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte
[Seite 235]

[Bericht des Dr. Wolfgang Püdler über den Entwurf einer Landtafel des Erzh. Oesterreich unter der Enns 1573.]

Die wechselreiche Codificationsgeschichte der österreichischen Landesordnung war bei einem entscheidenden Wendepuncte angelangt, als die Landschaft des Erzherzogthums unter der Enns im December 1564, fünf Monate nach dem Ableben Kaiser Ferdinand I., vom neuen Herrscher die Erlaubniss erwirkt hatte, mit guter Berathschlagung verständiger, erfahrener Landleute und gelehrter Doctores eine Landtafel, darinnen ein gewisser, beständiger Landsbrauch begriffen ist, abzufassen und dem Kaiser zur endlichen Resolution vorzulegen.

Im Interesse der geplanten Gesetzgebung muss wohl lebhaft bedauert werden, dass gerade zu jener Zeit der „Vater der österreichischen Jurisprudenz“ einem Rufe des Erzherzog Karl als Kanzler des neu errichteten Regimentes für die innerösterreichischen Lande gefolgt war. Hatte doch Dr. Bernhard Walther mit feinem Verständnisse und einer für die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts geradezu bewunderungswürdigen Hingabe an die noch triebkräftigen Zweige der volksthümlichen Rechtsbildung sich der dornenvollen Aufgabe unterzogen, den in verblassender Erinnerung der Zeitgenossen fortlebenden Landsbrauch zu erkunden und den gesammten Rechtsstoff heimischer wie fremder Herkunft mit den zu Bologna und Pavia erworbenen Mitteln juristischer Technik in wissenschaftlicher Verarbeitung zu bemeistern.

Nach dem Abgange des Berufenen, dessen goldene Tractate als Canon des Landsbrauches bei den Gerichten Eingang gefunden hatten, [Seite 236] gebrach es zwar keineswegs an tüchtigen Juristen im Lande, wohl aber an einer Persönlichkeit, welche Willens gewesen wäre, die Landtafel im Geiste Walthers zu entwerfen. Die Situation lag eben beim Regierungsantritte Kaiser Maximilian II. nicht viel anders als zweiundzwanzig Jahre später, da im Kreise der Ritterschaft die Aeusserung verlautete, dass die Rechtsgelehrten zu diesem Werke wenig Lust hätten und durch sie schwerlich eine Förderung zu erhoffen sei.

Solche Umstände machen es begreiflich, dass sich zunächst die Verhandlungen über die Zusammensetzung des Berathungscollegiums jahrelang hinzogen und dass zur erstmaligen Sitzung, welche im Februar 1569 stattfinden sollte, nur ein einziger ständischer Deputirter in Wien eingetroffen war; sie liefern zugleich den Erklärungsgrund für die Erscheinung, dass der Inhalt des im Jahre 1573 fertig gestellten Entwurfes, soweit dieser nicht geradezu auf den Walther’schen Tractaten beruht, fast ausschliesslich aus den fremden Rechten geschöpft ist.

Die Relation der Verordneten vom Januar 1572 an den Landtag meldet, dass der Kaiser nicht nur bewilligt, sondern schon Mass und Ordnung gegeben habe, durch wen und wie die Verfassung der Landtafel geschehen solle. Den Namen des Autors erfahren wir aus einem Berichte, mit welchem der niederösterreichische Regimentsrath Dr.
Wolfgang Püdler
sein Elaborat dem Landmarschall Hans Wilhelm Freiherr von Roggendorf vorlegte. Der Verfasser, Wiener von Geburt, studierte 1549 zu Padua, wirkte bereits 1553 an der Universität seiner Heimatsstadt als Professor des canonischen Rechtes, zeitweilig auch als pandectarum ordinarius, bekleidete während des Zeitraumes von 1556-1566 dreimal das Decanat, zweimal das Rectorat und übte neben der Lehrthätigkeit zugleich die Advocatur beim landmarschallischen Gerichte aus. Ende 1567 erfolgte seine Ernennung zum Rathe und Regenten der niederösterreichischen Regierung, 1588 zum Hofkammerrathe; in dieser Amtsstellung verstarb er am 7. März 1595.

Ueber die Anlage der Arbeit, die benutzten Quellen und den methodischen Vorgang bei Abfassung des Entwurfes verbreitet sich das zum Abdruck gebrachte Schriftstück1, dessen Erledigung vom 19. December 1573 datirt.

Wollgeborner herr landmarschalch, gnediger und gebietunder herr. Eur gnaden haben sich gnediklich zu erindern wasmassen eur gnaden mich durch herrn Joachim von Sinczendorff zu Goggitsch rom. kais. maj. rath und regenten des regiments der n. o. landen meinen gunstigen herrn gnedikhlich ansprechen lassen, dieweil höchstgedachte röm. kais. maj. unser allergenedigister herr daz löblich und notwendig werkh der österreichischen landtafl under der Enns gnedigist gern befiedert sachen, daz ich mich sollicher müehe und arbait underwinden [Seite 237] und ainer ersamen landschaft zu ehren und wolfart ain neue landsordnung compillieren verfassen und aufrichten solle.

Nun hab ich mich zu berichten gehabt, das angeregtes werkh von irer kais. maj. meermals und fast in allen landtagen eiferig und hastig getriben, darzue auch viel unterschiedliche comissarien erkhiest und deputiert worden; es ist aber solliches allzeit stöckhet verblieben und hat den wenigisten anfang nit erraichen wöllen. darumben mir unwierdigen und gering verstendigen nit wenig bedenkhlich gefallen, daz ich mich umb solliches nambhafts hoches weitschweifigs und arbaitsambs werkh ôn alle hülf und beistand allain annemben, und durch mein hand gehen lassen soll. so hab ich mich dessen auch nit wenig zu besorgen gehabt, das mein vorsteunde compillation und verfassung in villerlai hend khumben, mancherlai censur und bedenkhen außstehen, auch lezlich durch alle hoche gericht laufen werde. zu dem hab ich auch zu gmiet gefiert, daz mier solliche vilfeltige hochwichtige und tagliche extraordinari arbait neben meinen habenten schwaren ordinari ratsdienst an meinem gesund schmellerung geberen werde, deßgleichen daz ich meiner wirtschaft und haußhaltung umb so vill weniger vorsein und an derselben mangl leiden mueßen, sonderlich weil solliche arbait continuiert und befiedert sein solle. iedoch ungeacht sollicher und aller anderen ungelegenhaiten hab ich nach gehabtem langem notwendigen bedenkhen in dem namen gott des allmechtigen, wellicher zu ehrlichen cristlichen und gemainen nucz wolfarigen sachen seinen sondern gaist gnadt und segen verleicht, in eur gnaden begern gsünnen und willen mich ergeben und das erfordert statlich werkh auß folgunden beweglichen ursachen an die hand genomben.

Erstlich, hat mich eur gnaden genedigs ansinnen, hoches und sonders vertrauen, welliches eur gnaden zu mir unverdienter sachen in namben und an statt einer hochlöblichen edlen und ersamben landschaft geseczt, zum höchsten bewegt, angesehen das ich mich bei eur gnaden und wolgedachter landschaft aller möglichen gnadt gonst und wilfarung gehorsamist zu getrösten. dann wie gnadenreich dankhbar und milt sich wolgedachte löbliche landschaft gegen allen denen so sich zu derselben diensten nucz und wolfart gehorsamblich gebrauchen lassen iederzeit wirkhlich erzaigt, das gibt die wahr und wislich erfarung zu erkhennen.

Zum andern, hat wolgedachter herr Joachim von Sinczendorff auf eur gnaden anmannen bei mir so embsig und treuherzig angehalten, das ich mich ferrer dises vilfeltigen ansuechens mit fueg nit entweren khünnen noch sollen.

Fürs dritt, als das erst und zum thail andere verfast puech eur gnaden ich begerter massen zu einer prob umb genedige ersechung ubergeben, haben eur gnaden daran ein sonders genedigs wolgefallen getragen und mich schriftlich, auch durch wolgedachten herrn von Sinczendorff mündlich, zu prosequierung des angefangnen werkhs mermals genedikhlich vermonen lassen, dem ich hernach billich gehorsambt. [Seite 238]

Zum dritten, hab ich hierinnen weilent des wolgebornen herrn herrn Joachim von Schënkhirchen gewesnen stathalters meines genedigen herrn säliger und löblicher gedachtnuß rath insonderhait gephlegt, auch seiner gnaden zu einer prob den titl von massigung der exspensen fürgebracht, wellichen seine gnaden alspald ubersechen und mit seiner aignen hand etliche bedenkhen ad marginem gestelt, wie eur gnaden hieneben genedikhlich abzunemben. seine gnaden haben mich auch damals mit dem allerhöchsten stimuliert und ermont von meinem fürnemben nit zu setzen sonder ainer ersamen landschaft begerter massen ôn alle wagerung zu wilfaren, mit angehengter vertröstung, wann solliche landsordnung gar beschlossen und wolgedachter landschaft fürtrogen werde, so wol er selbst verhülflich sein, das ich meiner gehabten mihe und arbeit zu meinem gueten benüegen contentiert und befridet werden solle; welliches er warlichen, do ime der allmechtig gott daz leben lenger gefrist, mit pestem treuen volbracht het. dann seine gnaden in zeit seines lebens wie es umb solliche arbeit stehe mermals gefragt, mich auch zu vortseczung derselben mit grosser vertröstung animiert und gesterkht.

Zum vierten, als eur gnaden obbemeltes erstes und zum tail anderes puech dem herrn landschreiber Larentzen Saurer meinem gonstigen herrn zu ersechen ubergeben, hat gedachter herr Saurer dieselben mit sonderm fleis durchlesen und mir nachmals beiligende zwai schreiben zuegeschikht, mich auch damit dermassen an meinem fürnemben gesterkht, das ich lüst und lieb gewongen das angefangen werkh vermitlung gotlicher gnaden gar zu beschliessen, wie es dann gotlob nunmer beschechen.

Dasselb aber hab ich in vier unterschiedliche piecher abgetailt: im ersten puech wierdt von dem gerichtlichen proceß und allem dem so dem gerichtlichen wesen anhengig, im andern von allerlai contracten pacten und verpindlichen handlungen, im dritten von testamenten auch allen andern schriftlichen und mindlichen letzsten willen sambt der succession und erbrecht ab intestato, im vierten von allerlai sachen welliche auf dem land am maisten gewöndlich und breüchig, auch etlichen davon herriereten strafmessigen handlungen ausfierlich tradiert und ordenlich gehandlet.

Solliche landsordnung aber hab ich nit nach gedunkhen oder auf ainen gefassten wohn gestelt sonder aus denen geschribnen weltlichen und gaistlichen rechten, auch derselben glossen scribenten consulenten decidenten tractaten und repertorien, auch ungeverlich auß 60 underschiedlichen püechern mit sonderm vleiß gezogen. danebens hab ich etliche teütsche püecher landsordnung gerichtsordnungen und statutten, deßgleichen daz generall-puech so bei der n. o. canzlei verhanden, item daz consuetudinari-puech welliches bei der n. o. regierung, item die Khirchpergerischen oder Waltherischen tractätl gebraucht. und ob woll mein compillation etwon das ansehen bei etlichen haben möcht alß ware der meiste thail auß obbemelten tractatln gezogen, so hab ich doch darauß uber 40 oder aufs allermaist 50 pletter nit [Seite 239]
gebraucht, wie ich dann auf begern dasselb specifice erleütern und außfüeren khan. ich hab auch den inhalt obbemelter bletter von neuem durchsehen und meines verhoffens nit allain denselben ordenlicher und formblicher gemacht, sonder an villen orten augiert gemert und gepessert.

Sonderlich die materi von erbrecht ab intestato, welliche ich mit lautern schonen und nuczen sibpaumben erclärt und uber einen ieden ain besondere application gemacht. waß aber soliche sibpaum für nachgedenkhen mihe und arbait genomben das wierdt ainer vill leichter erwegen alß nochthain khinnen. ich hab damit nit wenig wochen zurgebracht und wolt zwar nit zweihundert thaller pares gelte nemben, daz ich mir mit solichem schwärem nachsinnen ferrer so wehe geschechen wolt lassen. dann die maisten sibpaum vermogen unter einer figur dreierlai ehe und drei unterschiedliche geschwistret, namblichen die auf der rechten hand von vattern allain, die in der mit von baiden panden, die zue der linkhen seiten von der muetern allain.

Waß aber causam formalem, den stilum und puechstamlichen inhalt anlangt, hoff ih, man werde an notwendiger gueter richtiger ordnung khainen mangl finden.

Dann sovil erstlich die vier piecher belangt, ist das gerichtlich wesen derhalben in das erst puech verleibt und an den spicz gestelt, das solliche ordnung in corpore juris und andern jurisdischen piechern auch befunden wierdt. wie dann alle andere 3 püecher allain der ursach halben verfast, daz man wissen solle was bei gericht in ainem oder dem andern faal gebillicht oder erkhennt solle werden. darauf folgt daz puech von contracten, dann die contracts-handlungen gehen aller vernunft und erfarung nach denen lezsten willen vor, wie daz leben dem todt. nachmals folgt daz drit puech von testamentlichen und andern lezsten willen damit daz menschen leben beschlossen wierdt. das 4. buech handlet von allerlai extraordinari landsachen, wie in corpore juris solliche und dergleichen materi auch erst nach denen lezsten willen gehandlet werden.

Will man alßdann die maleficz- und landgerichts-ordnung so derzeit zu hoff stehet zum beschluß für daz fünft puech setzen, so khan solliches mit guetem fueg woll beschehen, dann mit denen maleficzen wirdt unser corpus juris auch beschlossen.

West also nichts daz sollicher landsordnung sovil die khüerz erdulden mag manglen soll, allain daz [von] den personis und von denen obrigkhaiten und ambtern welliche bei ainer ersamen landschaft im gebrauch nichts tractiert wierdt. solliches ist aber in der landgerichts-ordnung so des 57. jars publiciert zuvor beschechen, darbei mag es berueen. will man aber alle materien in ain aincges puech zusamen panschen, so khan solliches woll sein, und der erst thail obbemelter landgerichts-ordnung in dise newe landsordnung gezogen und für das erst puech gestelt, der ander thail aber mag nach allerhand gelegenhait in die titl meines ersten puechs welliches von gerichten handlet ôn sondere mhie eingespikht und untergebracht werden.
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Von gemeiner landschaft sonderbaren freihaiten und privilegiere hab ich nichts tractiert, dann mir dieselben nit communiciert worden. wil mans aber zu disem werkh stellen, so mügen si zum beschluß meines vierten puechs gar ordenlichen placz finden. dieweil aber darinnen gehaimbe sachen begriffen welliche etwo nit iederman zu divulgieren, stöll ichs in einer ersamen landschaft bedenkhen was hierinnen zu thuen oder zu lassen.

Die lehensrecht hab ich hierinnen auch nit berüert, dann solliche materi wierdt in corpore juris nit ordinarie sonder extraordinariter beschriben, ist auch so außfierlich und weitleüfig, daz si ein aignes puech allein geberen, ich auch darzue etlich vill monath bedurftig sein wierde. dieweil man aber umb befiederung bei mir starkh angehalten, hab ich die vier volenden piecher derzeit gehorsamblich ubergeben wöllen. und sofer sich wolgedachte ersame landschaft gegen mir der gebier nach und wolverdienter massen daran mir gar nit zweiflet erzeügt, ir auch mit angedeutem puech von lehenssachen nochmallen gedient, will ich solliche mhiesame arbait willig und gern über mich nemben und dieselb sovil müglich befierdern, auch hoffenlich ehers zu end bringen alß die andern 4 puecher revidiert und beratschlagt werden. dieweil auch solliche ordnung etwas lang, wierdt ein register nach ubersechnem und beschloßnem werkh von notten sein.

Was der titl und rubrickhen continuation antrifft hab ich darzue sondern vleiß gebraucht, daz si aller gebier nach ein guete und gleiche folg auf einander haben sollen , und ist khaine ân sondere bedenkhen der andern fürgestelt oder nachgesezt worden, wie dann in specie außgefiert möcht werden. ich will es aber umb geliebter khuerz willen derzeit underlassen und damit wo von nötten alzeit gefasst sein.

Was die articl saczungen und decisionen so unter die titl und rubrikhen gestelt anlangt, die hab ich auch nit ôn underschaid oder nach wohn sonder mit sonderm fleiß auf ainander geordnet, und also in dem nigro wie es die juristen nennen sowoll alß in dem rubro oder titl ein wolzimete guete ordnung und disposition gehalten, welliches der inhalt auch bezeugen wierdt; und khan mich dessen mit grund woll beruemben, daz in rubro et nigro ein solliche feine auf einander laufente und lautere condepentenz ist, welliche in corpore juris oder andern jurisdischen piechern immediale nit zu befinden, darinnen ich der jurisden censur woll erdulden khan.

Das aber solliche text saczungen und ordnungen nit alzeit an einander hangen und stehen sonder ire absacz haben und articlweiß gestelt worden, daz ist mit fürsezlichem willen und sondern fleiß beschehen , dann die geschicht seint unterschiedlich und bedürfen absonderlicher ordnung und decision; es wär auch ain grosser unformb wann man dieselb fürfal an einander alzeit heften und gleich alß widerwartige materi in einen tögl seczen wolt. sovill aber die gleichformigkhait der handl erleiden mögen, hab ich mich beflissen was zusamen gehörig an ainander zu heften. so ist auch einer gueten saczung art und rechte aigenschaft, daz si khuerz sei, wie in andern [Seite 241]
lands- und statordnungen zu ersehen, darzue dann derlai absacz von nötten.

Den stilum anlangent versiech ich mich, man soll davon auch nit vill desiderieren. dann ob er gleich nit aufgemuzt noch hochprächtig, so ist er doch mittermassig khlar und verstandlich, welliches meines erachtens das pest ist, wie dann solliches Cicero und Quintilianus so in derlai fallen maister gewesen bezeugen und sagen: virtus orationis est perspicuitas, und wie Ennius schreibt: ornari res ipsa negat contenta doceri. und dieweil die warhait, wie auch ain lateinisch sprichwort, khaines schmukhs bedarf, so hab ich mich meerers des markhs alß der glatten pain, auch der frücht dann der schönen pletter beflissen, zumall cum leges non verbis sed rebus impositae sint, wie die juristen sagen.

Und ob woll daz ganz unverschaidenlich werkh der 4 verfassten piecher etwas lang und manichem ain abscheuchen zum lesen geberen möcht, so haben doch so vil ansehenlich vilfeltig und underschiedlich materi warlich in khain andere eng noch khierz gepracht mögen werden. dann angeregte püecher halten die fürnembsten tractat aller juristerei in sich und sein nichts anderß alß ain gewinschter summari-begriff des ganzen khaiserlichen rechtens und der hielendischen landbreuch. derhalben nit woll müglich gewesen solliches werkh zu khierzen, ich het es dann halbieren und unvolkhumen machen wöllen. so ferr es aber ie für zu lang gehalten, so mag man etlich titl , deßgleichen in nigro allerlai saczungen deren man am maisten geratten khan außlassen, darzue ich mein guetachten auf ersuechen gern geben will. wie mir dann nit zweiflet, es werde sich solliches bei der revision und beratschlagung selbst fein in die hand geben und dise verfassung etwas khürzer werden, sonderlich do es khain algemaine durchgeunde ordnung für alle 4 ständ sein sonder sich allein auf die drei höchern stand reimen und erstrekhen solle. do es auch nach beschechner verpesserung in druckh gedeien soll, wuerdt der dritt oder fast halb thail diser schriftlichen leng eingehn und verschwinden. des alles bei ainer ersamen landschaft cognition und discretion stehet.

Dann ferrer, damit ich ad causam finalem und zu erkhlärung aller meiner gehabten intention schließlichen khomb, so ist mein willen gmiet und fürnemben nie dachin gestanden, das ich einer löblichen ersamen landschaft ein unverkherlichs volkhumnes und perfects werkh fürpringen wolt, dann sollichs nit mir allein sonder vilen ansechentlichen leuten zu schaffen gäb. sonder mein mainung und propositum ist dachin gestanden wolbemelter ersamen landschaft gleich wie locos comunes, das ist manicherlai und viltausendveltig unterschiedliche geschicht welliche sich bisher in facto begeben und noch täglich zuetragen möchten, als einen gemainen schacz aller gerechtigkhait billigkhait und aequitet fürzutragen, daraus dann wolgemelte landschaft nach irem gueten gefallen und hochem verstand auskhlauben und erwellen solle was ir zu wolfart des lands, befiederung des rechtens und notturft des gerichts gefellig und gemaint sein wil. darumben [Seite 242]
stöl ich daz ganz werkh in mehr wolgemelter landschaft censur bedenkhen und verpesserung, auch eines ieden merverstandigen urtl.

Was mich aber solliche gestelte landsordnung für sorg mihe und arbeith khost, das wierdt das starkh miesam und langwierig werkh hoffentlich selbst gnuegsam bezeugen. doch khann ich hienebens mit grund unvermeldt nit lassen, das ich bei dritthalben jar nach einander damit zuegebracht, fürs erst. am andern, hab ich meinem ordinari dienst einen weg als den andern beiwohnen und abwarten, auch zu disem werkh die tag und zeit zuebringen müessen deren ich von dienst sonsten frei gewesen, als die ferien fest- und sontag, erichtag phinstag und sambstag nach essen. desgleichen hab ich in zuegestandnen schwachaiten, wann ich mich anderst ein wenig wol befunden, solliche arbeit prosequiert und wegen begerter befiederung mir damit oft saur lassen werden, auch bei vier fünf stunden nach einander laboriert. fürs dritt, ist solliches ganz puech sibenmal242.1 unterschiedlich durch meine hend und augen geloffen.

Dann erstlich, ehe ich ain oder die ander materi gemacht, hab ich mir einen ieden titl, als von zeugen kheufen schermen testamenten cridahandlungen und was die andern al seint, kheinen davon ausgeschlossen, besonders fürgenomben, und darüber wie oben beriert die text glossen scribenten consulenten decidenten tractaten und repertoria welliche uber gleichmassige titl geschriben sambt denen teutschen püchern so auch davon gehandlet nach ordnung uberlesen und also die invention bekhomben. zum andern, hab ich die gelesen materi ehe und zuvor ich etwaß gestelt in etliche fragstukh und circumstanz stellen, und daneben die allegationen auß wellichem puech oder ort ein ieder articl genomben daselbst verzaichnen miessen. fürs dritt, hab ich das ganz werkh mit meiner aignen hand selbst gestelt und in die federn gebracht. zum vierten, nach vollbrachter stellung hab ich einen ieden titl ehe und zuvor er abgeschriben worden widerumb uberlesen corrigieren und pessern miessen. zum fünften, wann alsdan mein handschrift abcopiert worden, hab ich einen ieden titl wider von neuen ubersechen und mit dem schreiber collationiern miessen, dann solliches andern so nit rechts erfaren und selbst stöller nit zu vertrauen gewesen. zum sechsten, ehe solliche landsordnung zu standen geschriben und von ainer darzue erpettnen canzleiperson ad mundum in daz uberaicht puech abgeschriben worden, hab ich von pessers forms wegen daz werkh noch ainmal ansechen und sonderlich auf das achtung haben müessen, damit ein saczung nit zwier einkhomb oder widerwartige decisionen darinen befunden wuerden242.2. ich habs242.3 auch damals mit etlichen neuen titln gemeret, daneben dem abschreiber maß und ordnung geben wie er sich mit denen titln sippaumben und in ander weg verhalten soll. und als er das abschreiben compliert und vollendet, hab ich für das sibentmal daz ganz puech von anfang biß zu end mit ime collationiert und nach notturft ersechen. [Seite 243]

Was nun solliche sibenfeltige erdenkhung stöllung ubersechung und collationierung für zeit mihe und arbeit genomben gib einen jeden verstandigen ich gönstikhlich zu erwegen, eracht auch, do etliche von ainer ersamen landschaft erkhieste herren comissarien so starkhes werkh zusamen getragen hetten, si wuerden damit proportionabiliter mer zeit verzert und ainer ersamen landschaft etlich tausent gulden darauf geloffen sein. es werde nun solliche mein miehsame arbeit judiciert und geurtlet wie da well, so mogen eur gnaden mir sicherlich glauben , wann ich anfangs gewest als ich hernach mit der that befunden, das mir solliches werkh so vil zeit nemben und so statte schware mihe khosten soll, wolt ich mich in der warheit darumben nit angenumben haben. do man mir auch geraiter tausent ducaten perzeit aufleget ein solliches oder gleichmassigs werkh in so khuerzer zeit und bei andern meinem vilfeltigen obligen zu verfertigen, khunt ichs warlichen nit verdienen, trag auch sorg, ich hab mir etliche järl an meinem gesund und leben abgearbeith. solliches wierdt aber nit derwegen gemeldt, das ich dises werkh uber gebier commendieren aufmuczen und beriemen, oder aber ainer ersamen landschaft mas und ordnung anteuten wolt wie und was gestalt sich wolbemelte landschaft gegen mir der refusion halben verhalten sol, sonder allein, das eur gnaden ausfierliche erinderung entphiengen was sich mit disem begerten werkh von anfang biß zu end verloffen. ich bin des geringfiegigen verstands und der ungezweifleten hofnung wol, ein ersame landschaft werde mich dermassen gnaden- und mildreich ausser aller masgebung zu bedenkhen, zu begaben und zu remunerieren wissen, das ich daran zu meinem angenemben gueten gefallen wol content und zufriden sein, mich auch dessen zu erfreüen und die zeit meines lebens unterthanikhlich zu bedankhen wirdt haben, sonderlich weil ich der canzleiperson welliche solliches werkh beharlich fleissig und treulich abgeschriben bei fünf monath lang meinen tisch ohn all entgelt vergonstigt, wie ich dann sollicher refusion von eur gnaden ich schriftlich und muntlich vertröst worden. und zweiflet mir zum wenigisten gar nit, eur gnaden werden nochmallen hierin mein genediger herr fiederer und patron sein. deßgleichen wöllen eur gnaden mit gnaden verhülflich sein, damit obbemelte canzleiperson seiner vleissigen härrigen und treulichen arbeith halben einer wolverdienten genadengab habhaft werde. wo entgegen eur gnaden oder ainer ersamen landschaft ich die tag meines lebens rathsam wilferig und dienstlich sein khan, wil ich mich ieder zeit dermassen willig gehorsam und dankhbar erfinden lassen, daran eur gnaden und wolgemelte landschaft ein vilgnedigs gefallen und gniegen haben und tragen sollen.

Tue wolgemelter landschaft und eur gnaden mich hierait gehorsamblich und dienstlich bevelchen
eur gnaden dienstwilliger
Wolffgang Püdler dr. m. p.

Wien. Dr. Theodor Motloch.

1. Original im niederösterreichischen Landesarchiv Fasc. B IV. 2, 4 1/2 Bogen, Petschaft fehlt. Abschr. Sammlung Chorinsky.

242.1. Corrigiert; urspr. „sechsmal“.

242.2. hs. f. h: „zum sibenten, hab ich den stilum aller vier piecher baser durch die schmitten lassen“, jedoch gestrichen.

242.3. ich habs] nach der Correctur hinzugefügt.