Regimentsordnung Meran 1487




Regimentsordnung Inner- und Vorderösterreich 1487 :: Transkription Speer 2013

[Editorial]

Der Text ist transkribiert worden aus: Schwind-Dopsch Nr. 225 (S. 414f.). Übergeschriebenes „e“ ist als Umlaut transkribiert worden, übergeschriebenes „o“ ist angefügt worden, andere Diakritika sind, vor allem aus Gründen der Auffindbarkeit der Wörter in Suchmaschinen, weggelassen worden. Dies schien auch insofern vertretbar, als das Faksimile zur Kontrolle eingebunden ist.

[Vorspann]

[Faksimile S. 414-415]

Erzherzog Sigismund vereinbart mit den Ständen von Inner- und Vorder-Oesterreich eine Regimentsordnung. Meran 1487 November 23.

Or. StA. Wien.
Hormayr, Archiv 1812, 386; Schreiber, Freiburger UB. 2, 573. — Lichnowsky-Birk 8, Reg. n°. 1048.
Vgl. Sinnacher 6, 640; Jäger, Landstände 2, 2, 325-346.

[Urkundentext]

Wir Sigmund von gots gnaden Ertzherzog ze Österrich ze Steir ze Kernnden und ze Crain grave ze Tirol etc. bekennen: als wir in vergangen zeiten durch warlich underichtung unserr getrewen landschaft der ynnern und vordern lande offenbarlich gefunden haben, wie und in welcher gestalt wir in unordnung geverlich gefuert sein, damit uns unwissend menigfeltig fürnemen, durch die so wir unser regiment zuo fueren vertrawt haben, uns und unserm haus Österrich zuo abprüch und schaden auch denselben unsern landschaften zu beswärung und dem gemeinen mann zu verderben [dien]end [Loch im Original] geübt ist, deshalben sölich unser landschaft in widerwillen gegen uns bewegt worden sein möchten, sein wir auf sölichs in ansehung, daz wir mit merklichem alter beladen und laider durch teglich zufallend krankheit unsers leibs plöd und [Seite 415] unvermüglich sein, aus gnedigem geneigtem willen so wir als ir natürlicher landsfürst und regierender herr billich zuo inen tragen, auf unser und unsers haus Österrich und ir merklich notdurft gnediclich geursacht, uns mit rat und hilf der gedachten unser landschaften ein ordnung und regiment fürzenemen, so ungezweifelt got dem allmächtigen löblich, unserm haus Osterrich aufnemlich, uns selbs nuczlich eerlich, landen und leuten zu güetem erschiesslich sein wirdet, als wir auch mit zeitigem rate und vorbedacht unser, unserer räte und den bemelten unsern getrewen landscheften in beywesen und verwilligung der allerdurchleuchtigisten fürsten und herrn, herrn Friderichen und herrn Maximilianen Romischen keyser und künig unser gnedig lieb herrn und vettern räte, so ir mayestet auf unser und unser landschaften vorgemelt vleyssig bitte zuo uns deshalben auf fürgenomen landtag verordent und zugeschickt haben, und haben also ain ordnung und regiment ainhelliclich uns fürgenomen und desselben vereint auf meynung wie hernach volget.

Dem ist also am ersten, nachdem wir in grossen schulden sein, und damit uns dester pasz geholfen müg werden, so wellen wir mitleiden haben und die ämbter nit beswären, sunder uns all wochen mit zwayhundert guldein zuo unsern handen benuegen und sunst alle ambter in die kammer ungeyrrt volgen lassen, damit unser notdurft nach gehandelt, und die ambtleut glauben halten mügen, bringt des iars zehentausent und vierhundert guldein Reinisch.

Es sol auch unser hof geringert und einzogen werden und ist also angesehen, daz zwelf edel, yeder mit zwayn phärden ausserhalben der geordenten räte an unserm hove, darunder zwen ritter sein, der yeder mit vier phärden gehalten werden sulle. Es sol auch allen übrigen und unnodurften personen die speis abgeschaffen werden.

Item, es sol ain canzler uns und gemeiner landschaft swern, keinen brief ausgeen zu lassen dann die, so in offem rate angeschaffen werden. Item die secretari und canzlschreiber sullen dem canzler swern, kain brief an sein oder gemeins rats gescheft zu vertigen: canzler sol auch des ain verantwurter sein das secret sol ain canzler versecretirt haben. Das sigel sol bey unserm hauscamrer versecretirt sein, und wo er nit anhaim belibe, sol er das ainem unserm camrer verlassen. Er sol das auch alzeit in offen rat antwurten; daselbs sullen auch all brief gelesen und gesigelt werden. Item kain brief sol kraft haben, er sey dann in offem rat under unserm sigel oder secret ausgangen.

Es sullen auch allweg sechzehen von unsern innern und acht von unsern aussern landen zu räten genomen und nyemand anderer darzu gepraucht werden, dann landleut, die auch mitsambt allen phlegern landrichtern richtern und ambtleuten uns und der landschaft gesworn sein sullen. Was aber der andern unsern râte wärn, die nit in die ordnung der vierundzwainzig geordenten räte genomen und in unsern gnaden sein, sullen in irem wesen und verpflicht beleiben in mass wie [Faksimile S. 416-417] vor. Und zu den vorbestimbten vierundzwainzig geordenten räten sullen von der keyserlichen mayestat auch zwen geben werden. Hinwider sullen wir bey der keyserlichen mayestat auch zwen räte im rat haben.

Ein yeder unser marschalk sol müntlich antwurt geben, und die canzley durch schrift, und sy sullen all zu dem gemeinen rat swern, kein miet oder gab ze nemen sich selbs noch yemand anderm zu unserm schaden zu fordern.

Sy sullen uns auch den landscheften zu guet zu regiern ganz vollen gwalt haben und was also durch gemeinen rate oder den merern tail uns auch den bemelten landscheften zu gut erfunden wirdet, sol alles volzogen und demselben nachgegangen werden. Ob in auch icht zu swär wäre, oder darynn irrung beschehe, oder sy sunst not und guet bedunken wurde, alsdann mügen sy die landräte, so darzuo angesehen sein, oder ganze landschaft, wenn und wie sy guet bedunkt, ervordern.

Kain unser räte pfleger ambtman oder richter sol an willen der geseczten räte verkert oder geurlaubt werden. Wo aber ainer aus eehaft nit beleiben, oder aus ursach verkert, oder mit tod abgeen wurde, alsdann sol von den geseczten räten ain ander mit unserm wissen an des verkerten statt genomen werden.

Item aus den geordenten räten süllen auch zween fürgenomen werden, die und sünst nyemand suplication emphahen und in die räte antworten sullen. Und was in die gericht gehört, sol durch sy wider in die gericht geschoben und an unserm hofe nit ausgericht werden.

Unser camrer druksäzzen camerknecht turhueter und ander, so zu unser person geordent sein, sol kainer ainich suplicacion annemen. Wurde in aber aine von uns gegeben, sullen sy denen so darzu geordent sein, antwurten. Alle die so zu unser person geordent werden, als camrer kamerknecht turhueter und ander sullen weder miet oder gabn nemen oder sunst nyemand bey uns fürdern, uns oder der landschaft zu schaden, auch kain suplicacion einnemen, wie vorgeschriben ist, bey dem aide.

Es sol auch ain landordnung fürgenomen und von der landschaft derhalben glubd und aide wie vor aufgenomen werden, und so vil mer, daz in den aide all fürsten von Osterrich so lebend mit namen werden ausgedruckt, desgleichen daz sy dicz ordnung und regiment durch uns und unser landscheften gemacht, wo sy des ermant wurden, wellen helfen hanthaben. Es süllen auch die haubtleut, so zu sölher landordnung angesehen werden, so sy der landsordnung halben pflicht aufnemen, ir yeder auch in seiner verwesung erbhuldigung emphahen, und in derselben auch all herrn von Osterrich, so lebend mit namen, ausdrucken.

Solich ordnung und regiment obgemelt, so wir mit rat keyserlicher und kuniclicher potschaft unserer räte und landscheften geordent und fürgenomen, bekennen wir also gewilligt angenomen und die zugelassen haben für uns selbs und meniclich, so unser regierung underwürffig ist, zu halten und in irem fürgang zu hanthaben darwider nit ze sein noch zu thun, [Seite 417] auch die nit zerprechen oder yemand anderm ze tun gestatten in kainen weg bey unsern fürstlichen wirden und eren.

Wo aber solichs geschehe, nemlich in gstalt ains fürnemens, so zu verendrung land leut slosz herschaft oder ämbter vom haus Osterrich dienen möchte, daz doch nit sein sol, das dann von stund an die landschaften vollen gwalt haben, ainen andern herrn von Osterrich, den nächsten erben in ansehung der erbhuldigung an unser und meniclichs irrung und hindernuss zu nemen, doch sunst in ander weg uns und unserm haus Osterrich an unser herligkeit und oberkeit unvergriffen.

Und wir gemeine landscheften der vier stäte der ynnern und vordern lande obgenant bekennen solich ordnung mit dem obgenanten unserm gnedigisten herrn uns vereynt und mit seinen gnaden angenomen haben, die zu halten zu volfüern und helfen hanthaben, als wir hiemit bey gueten trewen versprechen wissentlich in kraft dicz briefs alles getreulich und ungeverlich.

Des alles zu warem urkund haben wir erczherczog Sigmund obgenant unser insigel an disen brief, der zwen in gleichem laut aufgericht sein, gehengt und wir die gemain landschaft der ynnern lande mit vleys erbeten die wirdigen wolgebornen strengen vesten ersamen weisen abbt Casparn zu Sand Georgienperg als von der preläten, herrn Sigmunden herren zu Wolkenstein und Ackoy marschalk vom adel, Meran von der stet und Lienhart Jöchl von der gericht wegen; und von den vordern landscheften herr Benedict Wegmacher auf bete abt Petern zu Sand Peter und Friderichen brobst zu Olemburg geprechen halb irer sigln, die si dazumal nit bei inen hetten, als von der prelaten, herrn Casparn von Mörsperg ritter obristen haubtman und landvogt in Elsass als vom adel, und Uolrichen Kotherer schultheisz zu Ennsiszheim von der stett und gemeinde wegen, daz sy ire insigel von ir selbs und von unser aller wegen zu des obgenanten unsers gnedigisten herren sigel hieran gehengt haben.

Und zu noch merer sicherheit so haben die wirdigen und wolgebornen Johannsen kellner keyserlichen cammerprocurator fiscal von wegen seiner mitgesandten der keyserlichen, und Veyt herr zu Wolkennstein und Ackoy der koniglichen mayestat botschaft und räte auf begern und bette unser egenannten erczherczog Sigmunds und baider unser landscheften ir insigel auch hieran gehengt.

Geben an Meran, an freytag nach sand Elizabeten tag, nach Cristi gepurde im vierzehenhundert und sibenundachtzigisten iaren.

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